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Mitteilung vom 21.08.18

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Droste-Nachlass zieht ins Westfälische Literaturarchiv

LWL plant Digitalisierungs-, Forschungs- und Ausstellungsprojekte

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Münster (lwl). Der umfangreiche Handschriftenbestand der Annette von Droste-Hülshoff, den die berühmte Dichterin (1797-1848) bei ihrem Tod in Meersburg (Bodensee) hinterließ, wird in Zukunft im Westfälischen Literaturarchiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster gelagert, erschlossen und weiter erforscht. Darauf verständigten sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Universität Münster und der LWL am Dienstag (21.8.) bei der Unterzeichnung einer entsprechenden Vereinbarung im Haus Rüschhaus in Münster. Damit bleibt einer der wichtigsten literarischen Kulturschätze der Region mit seiner identitätsstiftenden Bedeutung dauerhaft in Westfalen.

Zu dem Bestand, der bisher in der Universitäts- und Landesbibliothek in Münster aufbewahrt wurde, zählen die Arbeitsmanuskripte und Reinschriften vieler der bekanntesten Gedichte der bedeutendsten Autorin der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts. In Zukunft wird die Sammlung im Literaturarchiv des LWL untergebracht, einer seit 2001 bestehenden Einrichtung, die von den Fachleuten des LWL-Archivamts und der LWL-Literaturkommission betreut wird und bisher mehr als 60 literarische Vor- und Nachlässe aufgenommen hat.

Damit schärft der LWL sein Profil als Kristallisationspunkt der internationalen Droste-Hülshoff-Forschung, für den die LWL-Literaturkommission für Westfalen mit seiner Droste-Forschungsstelle, das Westfälische Literaturarchiv und schließlich die Droste-Stiftung auf Burg Hülshoff stehen. Mit dem Einzug des bedeutenden handschriftlichen Nachlasses der international geschätzten Dichterin ins Literaturarchiv kommt ein weiterer Eckpfeiler hinzu, der von der immensen LWL-Fachexpertise in Sachen Literatur, Archiv und Droste-Hülshoff profitiert. Von den besonderen Synergien, die diese Expertise bietet, sind die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Universität Münster vollends überzeugt, so dass sie den Umzug der Handschriften auf ganzer Linie befördert haben.

"Ich bin sehr glücklich über die Kooperation. Wir werden den Droste-Nachlass fachgerecht er-schließen und digitalisieren, zwei weitere Schritte zur dauerhaften Bewahrung des Droste-Erbes", sagt LWL-Direktor Matthias Löb. "Der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der die Sammlung nominell gehört, und der Universität Münster, die ihn bisher verwahrt hat, danken wir für die Bereitschaft zu dieser Vereinbarung, mit der die neuen Synergien möglich werden."

"Ein großes Plus und der ausschlaggebende Faktor für die jetzt vereinbarte Kooperation ist die Bündelung der Fachexpertisen beim LWL, die archiv- und literaturfachliche Qualität verbürgen. Hinzu kommt, dass mit der Droste-Forschungsstelle bei der LWL-Literaturkommission ein Garant für die hohe wissenschaftliche Qualität vorhanden ist", sagt die LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger.

Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und Prof. Dr. Johannes Wessels, Rektor der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, weisen auf die Vorteile der Übereinkunft für alle Seiten hin. Das Vorhaben der Digitalisierung des Droste-Bestandes sei verbunden mit dem Projekt einer weiterführenden Verknüpfung des Handschriftenbestandes mit wissenschaftlichen Forschungsergebnissen über ein Internet-Portal, was der internationalen Droste-Forschung zugute komme werde. Aber nicht nur das: Die Durchführung von Seminaren für Germanistik-Studierende der Uni Münster sind ebenso damit möglich wie die didaktische Projektarbeit in Schulen oder die Präsentation von Handschriften-Exponaten im Center for Literature auf der Burg Hülshoff.
"Mit Blick auf die Bedeutung von Annette von Droste-Hülshoff für die gesamte Region sind wir als regional verankerte Universität sehr froh darüber, dass wir in Kooperation mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe den für die Forschung wichtigen Zugang zum Meersburger Nachlass gewährleisten können. Wir freuen uns auf eine enge Zusammenarbeit", betont Prof. Dr. Johannes Wessels.
Barbara Schneider-Kempf, Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, zeigt sich sehr zufrieden: "Wie haben eine für alle Beteiligten vorteilhafte und zukunftsstarke Möglichkeit gefunden, die vielfältigen konventionellen und digitalen Möglichkeiten für Forschung und Kultur auszuschöpfen, um Leben und Werk der Droste zu popularisieren. LWL und Droste-Stiftung besitzen hierfür die infrastrukturellen, personellen und finanziellen Ressourcen."

Hintergrund
Der "Meersburger Nachlass" enthält Dokumente, die sich beim Tode der Annette von Droste-Hülshoff am 24. Mai 1848 in Meersburg befanden. Bis 1905 wurde der Nachlass von der Familie von Laßberg in Meersburg und anschließend bis 1967 von der Familie von Droste-Hülshoff in Haus Stapel bei Havixbeck verwahrt. 1967 wurde der Bestand unter der Federführung der Fritz-Thyssen-Stiftung für die öffentliche Hand erworben und für den symbolischen Kaufpreis von einer Mark an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben.

Die Schenkung war ein politischer Akt, um die Kulturbedeutung West-Berlins zu stärken. Das Konvolut sollte jedoch dauerhaft in Westfalen verwahrt bleiben. Der 1967 unterzeichnete Dauerleihvertrag mit der Westfälischen Wilhelms-Universität sicherte den Verbleib des Nachlasses in Münster. Er befand sich seitdem als Dauerleihgabe der Berliner Staatsbibliothek - Stiftung Preußischer Kulturbesitz in der Universitäts- und Landesbibliothek Münster.


Bildzeile:
Freuen sich über den Umzug des Droste-Nachlasses ins Westfälische Literaturarchiv unter dem Porträt der Dichterin: (v.l.) Dr. Henning Dreyling (ULB Münster), Barbara Schneider-Kempf (Staatsbibliothek Berlin), Dr. Marcus Stumpf (LWL-Archivamt), Dr. Jochen Grywatsch (Droste-Forschungsstelle der LWL-Literaturkommission), Prof. Dr. Hermann Parzinger (Stiftung Preußischer Kulturbesitz), Prof. Dr. Johannes Wessels (Uni Münster), LWL-Direktor Matthias Löb, LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Dr. Jörg Albrecht (Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung).
Foto: LWL/Tronquet



Pressekontakt:
Thorsten Fechtner, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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