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Mitteilung vom 02.12.16

Presse-Infos | Kultur

Im Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn

Foyerausstellung holt die Vergangenheit des Domfriedhofs "Von der Ewigkeit ans Tageslicht"

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Paderborn (lwl). Er ist der erste christliche Friedhof Paderborns. Als Karl der Große im Jahr 777 die Kaiserpfalz gründete, wurde nicht weit davon auch eine Begräbnisstätte errichtet. Seitdem bestatteten die Paderborner im Bereich der ersten Kirche lange Zeit ihre Toten - über 1000 Jahre hinweg. Davon ist heute nicht mehr viel zu sehen. Die meisten Paderborner überqueren das Pflaster des Domplatzes, ohne von seiner früheren Funktion etwas zu ahnen. Die Stadtarchäologie Paderborn hat das, was hier im Boden verborgen liegt, wieder sichtbar gemacht. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeigt die Funde in einer eigenen Ausstellung im Foyer des Museums in der Kaiserpfalz.

Als die Stadt den Domplatz verschönerte, waren auch Eingriffe in den Boden nötig, die von den Archäologen begleitet wurden. Dabei kamen neben Mauern auch Keramikreste, ein ungewöhnlicher Grabstein, Siegel des Papstes, Glasscherben, Gürtelschnallen und Gräber von Verstorbenen zum Vorschein. Die Funde sind jetzt ein einer Ausstellung zu sehen, die unter dem Titel "Von der Ewigkeit ans Tageslicht" bis zum 19. Februar die Geschichte des Domfriedhofs zeigt.

Bis zu den jüngsten Ausgrabungen war nur wenig über die Größe und Randbebauung des Domfriedhofs bekannt. Überliefert ist in schriftlichen Quellen, dass der Patz in der Neuzeit zu eng wurde. Der Friedhof war überbelegt. Verwesungsgeruch lag in der Luft, weil die Toten nicht mehr tief genug beigesetzt werden konnten. Die Archäologen stießen deshalb schon in 80 Zentimeter Tiefe auf die ersten Gräber. Gefordert war eine Verlegung des Friedhofes schon lang, umgesetzt wurde sie erst 1809 durch die preußische Regierung. Auch die Ursprünge des Friedhofes waren durch ältere Ausgrabungen bereits bekannt, ebenso mehrfache Überbauungen und Verschiebungen nach Süden. Die genaue Entwicklung brachten aber erst die jüngsten Untersuchungen zutage.

So kamen bei Kanalarbeiten auf einer Länge von 30 Metern Mauerfundamente zum Vorschein. Sie bildeten die südliche Begrenzung des Domfriedhofs. Entlang des Grabens fanden sich immer wieder die sterblichen Überreste von Bestatteten. Münzfunde deuten darauf hin, dass der Friedhof schon im 14. Jahrhundert diese Ausdehnung erreicht hatte. Südöstlich des Domplatzes legten die Archäologen Kellerräume frei. Sie gehören zu Kurienhäusern, die von Kanonikern bewohnt wurden. Das bestätigt eine Urkunde. Die Häuser wurden im 11. Jahr-hundert gebaut und im 14. Jahrhundert wieder abgerissen, sodass die Grundstücke für die Friedhofserweiterung verwendet werden konnten. Die Reste eines Gebäudes, das außerhalb der Friedhofsmauer lag, ein gepflasterter Weg in die Begräbnisstätte hinein und Reste der westlichen Friedhofsmauer sind weitere neue Funde.

Östlich der Domkrypta dokumentierten die Archäologen elf Gräber. Darin sind nach im 11. und 12. Jahrhundert überwiegend Männer im Alter von 40 bis 60 Jahren beigesetzt worden, anthropologische Untersuchungen identifizierten lediglich eine Frau. Vermutlich handelt es sich dabei um Laien oder Privatpersonen, die für ihre Zeit überdurchschnittlich groß waren. Das wiederum spricht für eine ausgewogene Ernährung und gute Lebensbedingungen, die sich höhergestellte Persönlichkeiten oder Adlige leisten konnten - ebenso wie den begehrten Begräbnisplatz an der Ostapsis nahe den Heiligen. Die ältesten Bestattungen befanden sich in einer Tiefe von drei Metern, die jüngeren liegen nur 80 Zentimeter unter der Oberfläche. Die geborgenen menschlichen Überreste werden nach den anthropologischen Untersuchungen mit einer Einsegnung wieder bestattet.

Ein besonderer Fund ist ein Grabstein mit Kreuzrelief, der fast wie der Deckel eines Sarkophags aussieht. Die Inschrift verrät, dass er für einen Johan Surlandt bestimmt war, der im Dezember des Jahres 1628 verstorben ist. In Paderborner Quellen finden sich Hinweise auf einen gewaltsamen Tod und einen handfesten Skandal. Johann Surlandt, ein einfacher Schneider, soll von dem Adligen Jorgen Baer getötet worden sein, der wiederum als fürstbischöflicher Rentmeister im Dienste der Paderborner Landesherren stand. Offenbar war Alkohol im Spiel. Der Mörder musste eine Sühnesumme entrichten und konnte mit der Stiftung des Grabsteins seine Untat abbüßen. Die Größe des Grabsteins ist für einen Schneider vermutlich auch deshalb außergewöhnlich. Auch das thematisiert die neue Foyerausstellung der Stadtarchäologie Paderborn.

Wer hinter die Kulissen der Ausstellung schauen möchte: Die Archäologische Werkstätten laden als denkmalpädagogisches Angebot der LWL-Archäologie für Westfalen alle Erwachsenen und Kinder ab zehn Jahren zum Mitmachen ein.
In den professionell ausgestatteten Werkstätten können sie die Fundbearbeitung ausprobieren, Münzen bestimmen oder Keramik- und Glasgefäße mit dem Zeichenstift rekonstruieren. Wer sich hier als Archäologe ausprobiert, kann das Alter der Funde bestimmen, Scherben in Puzzlearbeit wieder zusammensetzen und es geht Tier- und Pflanzenresten auf den Grund. Zudem gibt es Führungen.

Die Foyerausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Museums dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr und an jedem ersten Mittwoch von 10 bis 21 Uhr besucht werden. Anmeldungen für Gruppenführungen von 1,5 oder 2 Stunden sind unter Tel. 05251 105110 möglich. Die Öffnungszeiten der Archäologischen Werkstätten sind sonntags von 15 bis 17 Uhr. Sondertermine sind für Schulklassen buchbar.

Weitere Informationen gibt es unter http://www.kaiserpfalz-paderborn.de



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Katja Burgemeister, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591-8921.
presse@lwl.org



LWL-Einrichtung:
Museum in der Kaiserpfalz
Ikenberg 2
33098 Paderborn
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