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Mitteilung vom 08.08.16

Presse-Infos | Kultur

Exponate auf einen Blick: Elektroschockgerät "Konvulsator III" (1951)

Sonderausstellung "Homosexualität_en" im LWL-Museum für Kunst und Kultur

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Münster (lwl). Das Leben und die Liebe abseits der heterosexuellen Norm stehen im Mittelpunkt der Sonderausstellung "Homosexualität_en" im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster. Noch bis zum 4. September erfahren Besucher anhand von rund 800 Exponaten Wissenswertes über Geschichte und Kultur, Ausgrenzung, Verfolgung und Errungenschaften der queeren Gemeinschaft. In einer Serie stellt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) einzelne Ausstellungsstücke vor.

Elektroschock-Gerät "Konvulsator III" von Siemens (1951)

Es ist noch gar nicht lange her, da galt Homosexualität auch in Deutschland als behandelbares psychisches Leiden. Noch bis 1992 erfasste der Krankheiten-Katalog der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität unter dem Klassenkürzel 302.0 als eigene Krankheit. "Bei der Behandlung der vermeintlich psychisch kranken Männer und Frauen kam bis in die 1960er Jahre auch Elektroschocktherapie zum Einsatz", erzählt Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold.

Die Ausstellung im Landesmuseum widmet sich auch diesem Teil der Geschichte der Homosexualität mit ausgewählten Exponaten. Der 'Konvulsator III‘ der Firma Siemens stammt aus dem Jahr 1951. Mithilfe dieses Elektroschockapparates sollten homosexuelle "Patienten" bestimmte Reize mit negativen Assoziationen in Form von Schmerzen verbinden. Dafür wurden ihnen beispielsweise homoerotische Abbildungen gezeigt, während sie gleichzeitig Elektroschocks erhielten. Im nächsten Schritt der "Behandlung" bekamen die Personen Bilder heterosexueller Natur gezeigt - diesmal ohne begleitende Schmerzen. Arnhold: "Durch diese Form der negativen Konditionierung sollte homosexuelles Begehren quasi ab- und heterosexuelles Begehren antrainiert werden."

Erst ab den 1970er Jahren veränderte sich die Sicht der Wissenschaft. Homosexualität wurde zunehmend als normale Variante menschlicher Entwicklung gesehen. Auf medizinische oder wissenschaftliche Begründungen für die Diskriminierung Homosexueller kann sich heute niemand mehr berufen.
Elektroschocks werden in der psychiatrischen Behandlung übrigens noch immer angewandt - allerdings unter deutlich humaneren Bedingungen und lediglich in speziellen Fällen wie etwa besonders schweren Depressionen.



Pressekontakt:
Hannah Reichelt, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-5400
presse@lwl.org



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48143 Münster
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