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Mitteilung vom 08.10.18

Presse-Infos | Kultur

Westfälische Kulturkonferenz zur Kultur in ländlichen Regionen

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Münster/Gütersloh (lwl). Am Donnerstag (4.10.) fand in Gütersloh die Westfälische Kulturkonferenz statt. Über 350 Künstler und Kulturschaffende, Anbieterinnen, Förderer und Partnerinnen von Kunst und Kultur in Westfalen-Lippe setzten sich mit den Herausforderungen und Perspektiven der Kulturarbeit in den ländlichen Regionen auseinander. Im Zentrum der Konferenz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) standen Fragen nach der realen und digitalen Mobilität, zum Beispiel wie Kultureinrichtungen im automatisierten Individualverkehr der Zukunft erreichbar sein werden.

"Die mittlerweile achte Westfälische Kulturkonferenz hat sich längst als Austauschplattform für alle Kulturakteure in Westfalen-Lippe etabliert. Es ist wichtig und richtig, dass wir in diesem Jahr den Blick explizit in die ländlichen Räume gerichtet haben. Denn eine der Kernaufgaben des LWL ist es, strukturelle Unterschiede auszugleichen. Es geht also darum, Gleichwertigkeit in städtischen und ländlich strukturierten Räumen zu erreichen", so Dieter Gebhard, der Vorsitzende der LWL-Landschaftsversammlung und Vorsitzender des LWL-Kulturausschusses, in seiner Begrüßung. Dafür sorge der LWL im Kulturbereich vor allem mit seinem Service- und Beratungsangebot der Kulturdienste wie dem LWL-Archivamt.

Gast der Konferenz in diesem Jahr war NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. Sie betonte, dass die Landesregierung verstärkt den ländlichen Raum in den Blick nehmen und mit verschiedenen Programmen zur Vernetzung und Kooperation für ein flächendeckendes und attraktives Kulturangebot abseits städtischer Ballungsräume sorgen wolle. "Neben einer Stärkung des bereits etablierten Förderprogramms Regionale Kulturpolitik werden wir auch neue Unterstützungsformate, insbesondere für die Entwicklung von Dritten Orten im ländlichen Raum, etablieren", kündigte die Ministerin an.

Die Gleichwertigkeit der Kulturarbeit in Stadt und Land war ein Aspekt in der Plenumsdiskussion. LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger wünschte sich einen Diskurs über die Kulturförderung auf Augenhöhe mit dem Land: "Die LWL-Kultur hält eine hohe Expertise in fast allen Kulturbereichen vor. Diese Expertise müssen wir noch besser bekannt machen. Unser Fachwissen bringen wir auch gerne weiter in den kulturpolitischen Diskurs auf der kommunalen Ebene, aber auch auf der des Landes ein", sagte sie.

Kritisch äußerten sich die Teilnehmenden über die aus ihrer Sicht geringe Berichterstattung in den führenden Medien. Dadurch würde insgesamt der Eindruck entstehen, dass es "auf dem Land" keine gute Kunst und Kultur gäbe.

In zehn Foren am Nachmittag diskutierten die Teilnehmer unterschiedliche Aspekte von Kultur und Mobilität in den ländlichen Räumen. Wie kommen künftig in dünn besiedelten Gebieten Kunst und Kultur zu den Menschen oder umgekehrt die Menschen zu Kunst- und Kulturangeboten? Welche guten Beispiele von mobilen, dezentralen Konzepten gibt es? Welche Rolle spielt die künstlerische Qualität? Wie können die Akteure in Stadt und Land voneinander profitieren?

Die Regionalagentur Münsterland e. V. aus Greven (Kreis Steinfurt) machte ihr Modellprojekt "Mobiles Münsterland" weiter bekannt. Das Münsterland soll zur Modellregion für vernetzte Mobilität werden - vom Zug über den Schnellbus, das Fahrrad, der individuelle Bus, der Pkw, das Segway, Shuttle-Dienste -bekannte und neue Verkehrsmittel gelte es weiter zu entwickeln und so aufeinander abzustimmen, dass ihre Benutzung für viele Menschen tatsächlich attraktiv werde. Einig waren sich die Teilnehmer, dass diese Aufgabe Teil der Daseinsvorsorge sei und nicht privaten Anbietern übertragen werden dürfe.

Um Mobilität im virtuellen Raum geht es bei der OWL-Kultur-Plattform. Die Kreise und Kommunen in Ostwestfalen-Lippe stellen hier gemeinsam die Weichen für eine zentrale Zukunftsentwicklung der Kulturregion. Die technische Umsetzung liegt beim Software Innovation Campus in Paderborn. Das Portal soll Kultur in der Fläche neu erlebbar machen und den Anschluss an aktuelle digitale Entwicklungen sicherstellen. So brauchen zum Beispiel Kulturveranstalter demnächst ihre Veranstaltung nur noch ein einziges Mal ins Netz einzuspeisen. Die Zeitungen, die städtische Pressestellen, Kunden und andere Gruppen holen sich die für sie relevanten Daten dann automatisch.

Und am Beispiel der Stadt Schmallenberg (Hochsauerlandkreis) mit ihren 83 Ortsteilen wurde deutlich, dass Qualität, bürgerschaftliches Engagement und Partizipation wesentlich für gute Kulturarbeit in ländlichen Räumen sind. Dezentrale Aktivität ist notwendig, dann haben Menschen auch in entlegenen Orten und Dörfern Lust an und zu Kunst und Kultur.

Schließlich ging es in der Diskussion um Veränderungsprozesse nicht nur bei den Angeboten und Programmen der Kultureinrichtungen, sondern auch um Veränderungen in der Zusammenarbeit mit den Partnern, der Verwaltung und der Politik vor Ort. Ausgangspunkt waren Erfahrungen, die im Programm "TRAFO" der Bundeskulturstiftung gemacht worden sind. Ein Ergebnis dieses Forums war schließlich für alle gültig: Veränderungen in Kultureinrichtungen sind langwierig und kompliziert. Sie gelingen nur und sind nachhaltig, wenn sich alle Beteiligten gleichermaßen in Bewegung setzen.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Dr. Yasmine Freigang, Tel. 0172 2080770, yasmine.freigang@lwl.org
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Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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