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Mitteilung vom 15.11.11

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Dem Burgherrn ins Gemach geschaut

Einzigartige Schachfigur auf der Falkenburg entdeckt

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Detmold (lwl). Es ist eines der größten Burgenforschungsprojekte Westfalens: Die Grabungen an der Falkenburg bei Detmold. Seit 2004 untersucht der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) gemeinsam mit dem Lippischen Landesmuseum die Burg der Edelherren zur Lippe. Bei der diesjährigen Kampagne gab es kurz vor Grabungsende noch einen Überraschungsfund - die Archäologen entdeckten eine kunstvoll gearbeitete Schachfigur von internationalem Rang.

Das erste Heim des Burgherrn
Vor allem die Wohngebäude der Burgherren und der Burgbewohner standen dieses Jahr im Fokus - und damit auch das älteste Gebäude der Falkenburg. Ein einfacher Holzbau aus dem späten 12. Jahrhundert , das die Wissenschaftler zunächst für eine Bauhütte im Zuge der Errichtung der Burganlage gehalten hatten, entpuppte sich im Verlauf der Ausgrabung insbesondere durch die hochwertigen Funde und Ausstattungsgegenstände nicht nur als das erste Gebäude auf dem Burgberg, sondern sogar als das erste Heim des Burgherrn - wahrscheinlich ein Provisorium, in dem Bernhard II. zur Lippe während der Bauphase der Burganlage wohnte.

"Ausgerechnet in diesem Gebäude, das zunächst so unscheinbar wirkte, haben wir die bislang frühesten und schönsten Funde gemacht", so Grabungsleiter Dr. Hans-Werner Peine. "Neben Hausrat wie Scheren und einfacher Gebrauchskeramik fanden wir hier auch kunstvoll gearbeitete Möbelbeschläge aus vergoldetem Buntmetall - ein eindeutiges Zeichen dafür, dass dieses Gebäude der hochrangigsten Person auf der Burg vorbehalten war."

Die Schachfigur
Der Höhepunkt für die Wissenschaftler war eine zehn Zentimeter große, aus Knochen kunstvoll geschnitzte Figur, die ebenfalls in dem Holzbau gefunden wurde: "Diese Figur, die wir anhand der Kleidung als Darstellung eines Bischofs identifizieren können, ist in dieser Ausführung ein extrem seltener Fund", weiß Kreisarchäologin Dr. Elke Treude vom Lippischen Landesmuseum. "Solche Spielfiguren waren im Hochmittelalter meistens stark stilisiert - so naturgetreu gearbeitet gibt es nur eine handvoll vergleichbarer Funde auf der ganzen Welt."

Der Bischof saß ursprünglich auf einem Thron, der ebenso wie der Kopf der Figur verloren gegangen ist, und besetzte im Spiel die Position des Läufers. "Im 12. Jahrhundert wurden die stilisierten Figuren mit militärischer Bedeutung, wie sie im Orient üblich waren, im europäischen Raum durch Figuren des wirklichen Lebens ersetzt", meint LWL-Archäologe Peine. "Statt Streitwagen und Streitelefanten eroberten dann Könige und Bischöfe, Ritter und Bauern das Schachbrett."

Doch nicht nur spektakuläre Einzelfunde wie diese Schachfigur sind das Ergebnis der Grabungen, die die Archäologen seit April durchgeführt haben - auch die Baugeschichte vor allem der Wohngebäude der Burg konnten sie dieses Jahr ausführlich belegen. Nachdem das erste, hölzerne Wohngebäude einem Brand zum Opfer fiel, wurde es durch einen repräsentativen Steinbau ersetzt, der mit aufwändigem Quadermauerwerk, Glasfenstern, glasierten Bodenfliesen und einem Kachelofen prächtig ausgestaltet war. Später wurde dieser Prachtbau durch einen Pallas (repräsentativste Wohngebäude einer Burg) aus Bruchsteinmauerwerk abgelöst.

Im kommenden Jahr wird die Erforschung des jüngsten Palasgebäudes einen wichtigen Schwerpunkt bilden - auch die Wehrgebäude an den Burgtoren wollen die Archäologen dann genauer unter die Lupe nehmen.



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235 und Eva Masthoff, LWL-Archäologie für Westfalen, Telefon: 0251 591-8920,
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