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Mitteilung vom 16.02.10

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LWL zeichnet Glockenspiel im Rathaus von Höxter als Denkmal des Monats aus

Mit 50 Jahren gehört das Carillon zu den ältesten seiner Art

Bewertung:

Höxter (lwl). Das 1959 im Historischen Rathaus von Höxter eingeweihte Carillon ist das jüngste Denkmal der Stadt, gleichzeitig gehört das gerade in die Denkmalliste eingetragene Instrument zu den ältesten fest eingebauten Glockenspielen Deutschlands, weil die Glocken der älteren Instrumente im Zweiten Weltkrieg zum großen Teil eingeschmolzen wurden. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) hat den Denkmalneuling gleich zum Denkmal des Monats Februar gekürt. "Das Carillon in Höxter ist unter den mittlerweile wieder zahlreichen Großinstrumenten in Westfalen-Lippe das einzige historische, das unter Denkmalschutz steht. Mit seiner Spielautomatik und den überlieferten Liedern ist es ein bedeutendes musikwissenschaftliches Dokument", begründet LWL-Denkmalpflegerin Anne Herden-Hubertus die Wahl.

Die Initiative zur Einrichtung des Carillon ging in Höxter 1955 von Oberjustizinspektor Josef Michels aus. Er wollte damit den Dichter der deutschen Nationalhymne, August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, ehren. Von Fallersleben hatte im benachbarten Corvey, dessen Benediktinerkloster nach der Säkularisation zum Schloss umgestaltet worden war, von 1860 bis 1874 als Bibliothekar gewirkt. Hier hat er auch seine letzte Ruhestätte gefunden. Innerhalb von drei Jahren spendete die Höxteraner Bevölkerung 34.000 Mark. Der Spieltisch des zweimanualigen Instrumentes wurde von der Firma Eduard Korfhage aus Melle-Buer (Kreis Osnabrück) gebaut. Die Glo-cken wurden von der Glockengießerei der Gebrüder Rincker in Sinn (Lahn-Dill-Kreis) gegossen. Die größte Glocke trägt die Initiale R sowie die Jahreszahl 1958. Am 1. Mai 1959 wurde das Carillon eingeweiht.

Hintergrund
Mit Klaviertasten werden die elektromagnetisch betriebenen Hämmer der 35 unterschiedlich großen Bronzeglocken gesteuert. Die Glocken hängen in einem eisernen Stuhl in dem achteckigen Glockenturm mit großen Schallöffnungen. Täglich fünfmal erklingen je nach Jahreszeit verschiedene Lieder, darunter auch das Deutschlandlied. Während gestanzte Walzen diese üblichen Klänge automatisch erzeugen, wird das Carillon zu besonderen Anlässen direkt vom Spieltisch aus zum Klingen gebracht.

Hintergrund: das Carillon
Seinen Ursprung hat das Carillon in Belgien, den Niederlanden und Nordfrankreich. Das erste gestimmte Carillon wurde 1652 von den aus Lothringen stammenden Brüdern Pieter und Francois Hemony in Amsterdam gegossen und in Zutphen aufgebaut. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts geriet die Glockenspielkunst in Vergessenheit. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts kam das Carillon, das aus mindestens 23 Bronzeglocken besteht und eine Klangfülle von zwei Oktaven erreicht, von Belgien ausgehend wieder in Mode.

Die Mehrzahl der historischen Glocken der Carillons wurden wie die Kirchenglocken zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden neue Carillons, teilweise an den erhaltenen historischen Standorten, vornehmlich in Kirchtürmen und Rathäusern. Das Carillon der Christianskirche in Hamburg-Altona ist das älteste in Deutschland. Gegossen im Jahre 1936 von der Glockengießerfamilie Schilling in Apolda (Thüringen), wurden die Glocken 1943 ausgebaut und auf den "Glockenfriedhof" auf der Veddel im Hamburger Hafen gebracht. Sie wurden ver-schont und konnten wieder eingebaut werden.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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