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Mitteilung vom 17.10.06

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Archäologie unterm Windkraftrad: Reste von der Bleigewinnung in Brilon entdeckt

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Brilon (lwl). Vor dem Bau einer Windkraftanlage bei Brilon-Madfeld (Hochsauerlandkreis) haben Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Reste von Bleigewinnung vom 10. bis zum 14. Jahrhundert entdeckt. Sie liegen auf dem Areal des ehemaligen Dorfes Wulfferinchusen, das im Spätmittelalter verlassen wurde. Mit Wulfferinchusen haben die LWL-Archäologen einen Ort des mittelalterlichen Bleibergbaureviers "Buchholz" am Rand der Briloner Hochfläche untersucht, der den Wissenschaftlern bereits aus schriftlichen Quellen bekannt war.

Nachdem der Bagger die ersten Erdschichten abgeschoben hatte, waren sie bereits deutlich zu sehen: dunkle Flecken und Stellen mit rotem Brandschutt im gelben Lehm, dicht gespickt mit Scherben von Koch- und Trinkgeschirr. Die Stelle war den LWL-Archäologen nicht ganz unbekannt, da von dem angrenzenden Acker bereits vor 15 Jahren Scherbenfunde gemeldet worden waren.

Bei der Grabung durch das Westfälische Museum für Archäologie des LWL entpuppten sich zwei Bereiche als besonders aussagekräftig. Hier wurden zwei trichterförmige Dolinen, so genannte Schwalglöcher untersucht, die durch Lösungserscheinungen im geologischen Untergrund entstanden sind. Die Wissenschaftler konnten zwei Phasen unterscheiden, in denen die Dolinen schichtweise verfüllt worden waren: eine spätmittelalterliche Phase des 13./14. Jahrhunderts und eine aus der Zeit von etwa 920 bis 1180. Beide Schichten enthielten Bleischlacken, die ältere untere Schicht zudem Bleierz. Somit ist der Bleibergbau und die Bleigewinnung auch für dieses Areal belegt.

Zum Ende der Grabung gab die Doline ihr letztes Geheimnis preis, kaum beschädigte Kochtöpfe aus dem 10. bis 12. Jahrhundert. "Im Ton sind zahlreiche Schieferplättchen deutlich erkennbar, die zeigen, dass die Keramik im Sauerland hergestellt worden ist. Diese besonders hitze- und stoßunempfindlichen Kochtöpfe wurden im Mittelalter bis in das Hellweggebiet exportiert und waren neben dem Blei der damalige 'Exportschlager' des Sauerlandes", erklärt LWL-Archäologe Dr. Rudolf Bergmann.

Wulfferinchusen war einer der mittelalterlichen Orte, die das ehemals wichtige Bleibergbaurevier "Buchholz" am Rand der Briloner Hochfläche umgaben. Im "Buchholz" wurden bereits Schlägel, Hauen, Kratzen, Setzeisen, Bergmanns- oder Zimmermannsbeile und sogar ein Kienspanhalter gefunden. Seit dem 16. Jahrhundert berichten Urkunden und andere schriftliche Quellen von dem dortigen Abbau von Bleierz. Die Notgrabung vor dem Bau einer Windkraftanlage bestätigt jetzt diese Quellen. Wann genau der Bleibergbau begann, welche Rolle Wulfferinchhusen dabei spielte und warum es im Spätmittelalter verlassen wurde, muss vorerst offen bleiben.



Pressekontakt:
Markus Fischer, Tel. 0251 591-235 und Jana Sager, Tel.: 0251 5907-287
presse@lwl.org




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