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Mitteilung vom 07.03.06

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Grabungsergebnisse: Gräber und Eisenverarbeitung

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Reken/Borken (lwl). Bestattungen zur Bronzezeit, Eisenverarbeitung im Ruhrgebiet vor 2000 Jahren: In den neuen "Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen" vom Landschaftsverand Westfalen-Lippe (LWL) stellt der Archäologe Dr. Erich Schumacher erstmals vollständig die Ergebnisse zweier bedeutender Grabungen vor. "Mit modernen Methoden kann man alten Funden oft neue Erkenntnisse entlocken", begründet Schumacher, warum er sich erneut mit 80 Jahre alten Funden beschäftigt. So konnte er den zeitlichen Ablauf auf dem Gräberfeld nun detailliert einordnen.

1926 entdeckten Archäologen auf dem Radberg bei Reken-Hülsten (Kreis Borken) Grabhügel und Brandgräber aus der Bronzezeit. Schumacher fand heraus, dass der Radberg von der älteren Bronzezeit bis zur früheren Eisenzeit als Grabstätte genutzt wurde. Die Grabstellen werden umgeben von kreisförmigen und ovalen Gräben, ebenso wie von so genannten Schlüssellochgräben, die für die jüngere Bronzezeit Westfalens charakteristisch sind. Die Schlüssellochgräben wurden bei dieser Grabung erstmals freigelegt. "Dieses Ereignis ist der Beginn der Erforschung der Kreisgrabenfriedhöfe in Nordwestdeutschland", erläutert Schumacher. Die bronzezeitlichen Bestatter nutzten Gräben, Pfosten oder Wälle, um die Gräber einzufassen. Diese Vielfalt der Grabkonstruktionen lasse nicht nur Pragmatismus, sondern auch Ideenreichtum erkennen, betont Schumacher. Die Arbeit Schumachers wird ergänzt durch einen Beitrag von Dr. Georg Eggenstein über die Dokumentation der Gräberfelder durch Prof. Albert Baum im Jahr 1915.

Schon vor 2000 Jahren, zur römischen Kaiserzeit, wurde im Essener Stadtteil Überruhr Eisen verarbeitet. Bei einer Grabung 1965 entdeckte man Scherben germanischer und römischer Keramik. "Dieser Befund ließ mit Sicherheit darauf schließen, dass im Boden die Überreste einer germanischen Siedlung aus der Zeit nach Christi Geburt verborgen waren", kommentiert Schumacher die Funde. Reste germanischer Eisenverarbeitung und die Funde römischer Keramik zeigten, dass die germanische Bevölkerung mit Handwerk und Handel die verkehrsgünstige Lage zu nutzen wusste, so der Experte. Vergleichbare Fundplätze finden sich vor allem in Westfalen. Analysen ergaben zudem, dass das Rohmaterial für die Eisenverarbeitung sehr wahrscheinlich ebenfalls aus dem westfälischen Raum stammt.

Erich Schumacher: Zwei Altgrabungen zur Bronze- und Kaiserzeit.
Das bronzezeitliche Gräberfeld auf dem Radberg bei Hülsten, Kreis Borken, mit einem Beitrag von Georg Eggenstein.
Die kaiserzeitliche Siedlung Hinsel in Essen-Überruhr.
Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen, Band XV.
Münster 2005. ISBN 3-402-05040-4, 38 Euro.



Pressekontakt:
Nicole Fenneker und Markus Fischer, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




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