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Mitteilung vom 17.01.06

Presse-Infos | Der LWL

Größter Ammonit der Welt in Westfalen
Nach zehn Jahren wieder im Museum zu sehen

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Münster (lwl). Im Westfälischen Museum für Naturkunde in Münster ist voraussichtlich ab Freitag wieder der weltweit größte Riesenammonit zu sehen. Am Dienstag (17.1.) haben Spezialisten und Museumsmitarbeiter den prähistorischen Meeresbewohner aus seinem Versteck im Museum herausgesägt. Im Laufe der Woche wird das tonnenschwere Fossil ins Museumsfoyer gezogen.

Seit 1980 ist der Riesenammonit aus Seppenrade (Kreis Coesfeld) im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Bis 1995 war der 1,80 Meter hohe versteinerte Kopffüßer mit zwei weiteren Ammoniten in einem eigenen Ausstellungsbereich zu sehen. Doch dann wurde dieser Museumsbereich für eine andere Ausstellung benötigt, und die ausgestorbenen Ammoniten in ihrem stahlbewehrten Betonfundament verschwanden hinter einer Wand, die jetzt nach über zehn Jahren geöffnet wurde.

Rund 3,5 Tonnen wiegt der 80 Millionen Jahre alte Riese. Er wurde zum Wahrzeichen des Museums. Abgüße des Riesenammoniten sind in fast allen großen Naturkundemuseen der Welt zu sehen. Das Fossil soll die Museumsbesucher einstimmen auf die voraussichtlich im Juni startende Sonderausstellung über die bedeutendsten Fossilienfunde des Westfälischen Museums für Naturkunde.

Umzug mit Spezialfirma

Spezialisten der Roxeler Betonabbautechnik GmbH schneiden das Exponat mit einer Seilsäge aus dem Fundament - unter höchstem Sicherheitsstandard, denn die Beschädigung oder gar Zerstörung der Ammoniten würden einen unwiderbringlichen Verlust bedeuten. Anschließend heben die Techniker den Ammonit hydraulisch in ein spezielles, stählernes Fahrgestell mit Ballonreifen. Zwei Zugfahrzeuge, eins vor und eins hinter dem Fahrgestell, ziehen den Ammoniten dann millimeterweise quer durch das Museum zum neuen Standort im Foyer. Dabei wird ständig der Boden des Gebäudes kontrolliert, da das Museum teilweise unterkellert ist und das hohe Gewicht der Fahrzeuge und des Ammoniten ihm zusetzten könnten. An seinem Bestimmungsort wird der Ammonit dann auf einen neuen Sockel gesetzt.

Weltgrößter Ammonitenfund im 19. Jahrhundert

Die Überraschung war groß, als 1887 in einem Steinbruch bei Seppenrade im südlichen Münsterland ein riesiger Ammonit entdeckt wurde. Er hatte einen Durchmesser von 1,50 Meter. Prof. Dr. Hermann Landois, damals "Direktor der zoologischen Sektion des Westfälischen Provinzialvereins für Wissenschaft und Kunst", stellte fest, dass sich nun der größte Ammonit der Welt in Westfalen befinde.

Das Stück erregte in der Fachwelt großes Aufsehen. Bis der 23. Februar 1895 kam und Landois ein Telegramm des Kaufmanns Nopto aus Seppenrade erhielt: "Seppenrade. Zweiter Riesenammonit gefunden. Durchmesser 1,80 m. Nopto." Tatsächlich hatte man im selben Steinbruch, in dem auch schon der erste Riese entdeckt worden war, ein weiteres Exemplar gefunden. Der neue Fund stellte mit seinen Maßen den ersten Riesenammoniten buchstäblich in den Schatten.

Vor 110 Jahren: Zerbrochen in sieben Teile

Bei der Bergung 1895 brach das Fossil in sieben Teile, die später wieder zusammengefügt werden konnten. Landois beschrieb den Neufund und gab ihm den wissenschaftlichen Namen "Pachydiscus seppenradensis". Spätere Bearbeiter änderten die Bezeichnung in "Parapuzosia seppenradensis". Die beiden Riesenammoniten wurden in das alte Gebäude des Naturkundemuseums Münster, heute Musikschule, überführt und dort aufgestellt. Wegen ihres großen Gewichtes verband man sie fest mit einem bis in den Keller reichenden Betonsockel. Seit dieser Zeit waren die Ammoniten nicht mehr bewegt worden. Bis der Umzug in das neue Museumsgebäude am Aasee kam: Im Dezember 1980 wurden die Riesenammoniten vom alten zum neuen Naturkundemuseum transportiert.

Ammoniten

Ammoniten waren Kopffüßer, aus der großen Tierfamilie der Weichtiere. Sie sind nahe Verwandte von heute noch in den Meeren lebenden Tintenfischen.



Pressekontakt:
Bianca Knoche, LWL-Naturkundemuseum, Telefon: 0251 591-6066 und Frank Tafertshofer, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




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