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Mitteilung vom 01.08.05

Presse-Infos | Der LWL

Die älteste Zahnbürste Europas kommt aus Westfalen
Aktuelle archäologische Funde ab September in der Landesausstellung in Herne

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Minden/Herne (lwl). Alle fünf Jahre präsentieren die Fossilienforscher und Archäologen in Nordrhein-Westfalen ihre aktuellen Forschungsergebnisse und die wichtigsten Funde der Öffentlichkeit. In der Landesausstellung "Von Anfang an - Archäologie in Nordrhein-Westfalen" zeigt das Westfälische Museum für Archäologie in Herne ab dem 23. September über 35.000 Objekte aus 320 Millionen Jahren. Einige der wichtigsten Exponate stellt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Träger des Museums, in einer Serie vor.

Für ein strahlendes Lächeln und um Krankheiten vorzubeugen ist es wichtig, sich regelmäßig die Zähne zu putzen. Das weiß heute jedes Kind. Umso erstaunlicher ist, dass das tägliche Reinigen der Zähne mit einer Bürste erst seit etwa drei Generationen eine Selbstverständlichkeit ist.
Die Erfindung der Zahnbürste reicht dagegen viel weiter zurück: Archäologen haben bei der Untersuchung des ehemaligen Städtischen Hospitales in Minden eine dreihundert Jahre alte Zahnbürste aus Tierknochen entdeckt. Damit ist sie die älteste Zahnbürste Europas. Die Ausgräber wurden zwar sofort aufmerksam, als sie dieses auffällige, besonders hübsch geschnitzte Objekt fanden. Als Zahnbürste haben es die Forscher jedoch erst bei der Auswertung identifiziert.

Der Griff der fast zehn Zentimeter großen Bürste aus der Mindener Innenstadt ist wellenförmig geschnitzt. In den Bürstenkopf wurden 19 Löcher gebohrt, durch sie sind ursprünglich die Borstenbündel gefädelt worden. Die Borsten selbst sind zwar nicht erhalten - vermutlich waren es Schweineborsten, wie sie bis ins 20. Jahrhundert verwendet wurden. Ob die Borsten im Lauf der Zeit im Boden vergangen sind oder ob sie vielleicht schon ausgefallen waren als man die Bürste wegwarf, lässt sich nicht mehr klären.
Am Griffende hat die Bürste ein kleines Löffelchen, einen so genannten Ohrlöffel. Damit hatte der Hygieneartikel aus Minden eine doppelte Funktion: Mit der einen Seite putzte man die Zähne, mit der anderen säuberte man sich früher die Ohren.

Die Westfalen scheinen überhaupt bei der Hygiene recht vorbildlich gewesen zu sein. Auch in Bielefeld entdeckten Archäologen bei Ausgrabungen zwei Zahnbürsten. Sie stammen allerdings aus dem späten 19. oder frühen 20. Jahrhundert und sind damit deutlich jünger als das Exemplar aus Minden. Sie ähneln in Form und Länge bereits den heutigen Zahnbürsten. Alle drei und ein Vergleichsstück aus dem Supermarkt zeigt die Landesausstellung im Archäologiemuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Herne ab dem 23. September.

Dazu gibt es Informationen rund um die Geschichte der Mundhygiene. Zwar keine Zahnbürsten aber einfache Zahnpflege kannten offenbar schon die ersten Menschen. Schleifspuren an ihren Zähnen deuten daraufhin, dass sie Gräser wie heutige Zahnseide zur Reinigung benutzten. Spitze Hölzchen wurden als Zahnstocher verwendet. In der Antike gingen die wohlhabenden Menschen sogar noch einen Schritt weiter: Römer und Griechen kannten Zahnersatz aus zugeschnitzten Knochenteilen, Elfenbein oder eingesetzten Zähnen anderer Menschen.

Dieses Wissen ging nach der Antike verloren, und Zahnpflege wurde erst im Hochmittelalter wieder zum Thema. Trotzdem war Karies damals nicht so verbreitet wie man vermuten würde, da Karies fördernde Lebensmittel wie Zucker und Weizenmehl selten waren. Mit der Änderung der Ernährungsge-wohnheiten ab der Neuzeit wurden Zahnerkrankungen jedoch ein zunehmendes Problem und es mehren sich die Hinweise auf Zahnpflege aus dieser Zeit.

Die damalige Zahnpflege mutet heute etwas befremdlich an: Im Hochmittelalter wurden Glas- oder Backsteinsplitter, Gesteinsmehl und Kräuter in einen Wollpuschel oder in ein Leinensäckchen gepackt. Damit rieb man dann die Zähne sauber.

Zahnbürsten benutzten Europäer seit dem 17. Jahrhundert benutzt, angeregt vermutlich durch Vorbilder aus China. Einzug hielten sie zunächst vor allem in die "besseren" Häuser. Der Siegeszug der Bürsten begann erst mit der industriellen Herstellung von Plastikstielen und Nylonborsten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

"Von Anfang an - Archäologie in Nordrhein-Westfalen"
23. September 2005 bis 05. Februar 2006
Westfälisches Museum für Archäologie in Herne, Europaplatz 1
Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 bis 17 Uhr
Donnerstag 9 bis 19 Uhr
Samstag, Sonntag 11 bis 18 Uhr
https://www.museum-herne.de



Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Tel. 0251 591-235 und Jana Sager, Tel. 0251 5907-287
presse@lwl.org




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