LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 19.01.05

Presse-Infos | Der LWL

Ältestes Dachwerk Westfalens entdeckt
LWL zeichnet Kamener Margarethenkirche als Denkmal des Monats aus

Bewertung:

Kamen (lwl). Die evangelische Margarethenkirche in Kamen-Methler gilt seit langem als eine der schönsten spätromanischen Hallenkirchen in Westfalen. Was bisher keiner wusste, brachten jetzt bauvorbereitende Untersuchungen an den Tag: Die Bauforscher des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) fanden heraus, dass auch die Dachwerke der Kirche zum großen Teil noch aus der Erbauungszeit der Kirche, also aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammen. Damit ist das Dach das besterhaltene romanische Dach Westfalens. Deshalb hat der LWL die Margarethenkirche jetzt als Denkmal des Monats ausgezeichnet.

Anfang 2004 traten Bauschäden in den Dachstühlen über den Gewölben zu Tage, die größere Reparaturen erfordern. Für den LWL-Denkmalpfleger Dr. Ulrich Reinke vom Westfälischen Amt für Denkmalpflege und für die Vertreter der Kirche war sofort klar, dass vor der geplanten Sanierung die Dachwerke genau untersucht werden mussten. "Stammt das Dachwerk möglicherweise noch aus der Bauzeit der Kirche oder ist es später erneuert worden?", fragte sich Reinke und bat seine Kollegen aus der Bauforschung um Hilfe.

Um das genaue Alter der Dachwerke zu ermitteln, hat LWL-Bauforscher Peter Barthold Holzproben entnommen, die von zwei verschiedenen Büros dendrochronologisch ausgewertet wurden. "Die Dendrochronologie ist eine Methode, bei der die verschieden breiten Jahrringe des Holzes gemessen und so das Fälldatum der Bäume ermittelt wird," erklärte Barthold. "Da die früher im Winter eingeschlagenen Eichenstämme meist im darauffolgenden Frühjahr verzimmert wurden, bekommt man so sehr zuverlässige Baudatierungen." Dies setzt allerdings voraus, dass der zuletzt ausgebildete Holzring vorhanden ist. Da diese Splintholzringe der Proben des Kirchenschiffs nicht vollständig waren, kann man bisher nur sagen, dass sämtliche Dachwerke über Haupt-, Seitenschiffe und Chor innerhalb weniger Jahre um 1250 verzimmert wurden.

Die Dachwerke der großen westfälischen Kirchen aus dem 13. Jahrhundert sind im wesentlichen durch Kriegseinwirkung zerstört worden. "Somit kommt dem fast vollständig erhaltenen Dach der Kirche in Methler als wohl besterhaltenem romanischem Dachwerk in Westfalen eine ganz besondere Bedeutung zu", so Barthold.

Von dendrochronologischen Nachuntersuchungen erhofft sich Dr. Marion Niemeyer-Tewes, LWL-Bauforscherin für Kirchen, neue Erkenntnisse über den Ablauf von Kirchenneubauten in der Mitte des 13. Jahrhunderts. "Die Dachwerke wurden normalerweise aufgesetzt, nachdem die Außenwände errichtet worden waren, aber bevor der Kirchenraum eingewölbt wurde", erklärt Niemeyer-Tewes. "Wenn wir diesen Bauabschnitt aufs Jahr genau datieren und mit der verwendeten Bauplastik sowie der angewandten Gewölbetechnik vergleichen können, ist das für uns fast wie der Schlüssel zu einer Tür, die uns in die Spätromanik vor 750 Jahren führt."

Eine weitere Überraschung erwartete die LWL-Bauforscher bei der Untersuchung der Turmgeschosse und des Turmhelms. Über einer mehrgeschossigen mittelalterlich erscheinenden inneren Holzkonstruktion erhebt sich heute ein steiler vierseitiger Turmhelm. Diesen hätte man bisher frühestens in die Zeit um 1500 datiert. "Die dendrochronologische Untersuchung erbrachte für uns ein überraschendes Ergebnis", erklärte der Bauforscher Dr. Fred Kaspar. "Die eichenen Hölzer der Innenkonstruktion und des Turmhelms stammen aus dem Jahr 1340. Nach heutigem Wissenstand ist demnach der Turmhelm der Margarethenkirche in Methler, nach dem aus dem 13. Jahrhundert stammenden Helm der Patroklikirche in Soest, der zweitälteste Turmhelm dieser Art in Westfalen."

Für die Bauforscher des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege hat mit den bisherigen Untersuchungen die Arbeit erst begonnen. Sie müssen jetzt zusätzliche Zeichnungen anfertigen, in denen die Bauspuren eingetragen sind und weitere Holz- und Materialproben entnehmen. Außerdem müssen sie ältere Grabungsergebnisse der Archäologie ebenso wie die im Kirchenarchiv überlieferten Bauakten neu auswerten. "Der Aufwand lohnt sich auf jeden Fall, denn schon jetzt ist bei der Menge der neuen Entdeckungen absehbar, dass die Ergebnisse weit über Westfalen hinaus von Interesse sein werden", so Barthold.



Pressekontakt:
Markus Fischer, Tel. 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 17.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


Der LWL auf Facebook:
https://www.facebook.com/LWL2.0






Ihr Kommentar




zur Druckansicht dieser Seite

zu den aktuellen Presse-Infos