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Mitteilung vom 06.04.04

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Ostern ist das Fest der Eier-, Feuer- und Scheiben-Spiele

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Westfalen (lwl). Ob rund um das Osterfeuer, auf der Straße, an einem Flusslauf oder auf einer Wiese: Dass Spiele zu Ostern in Westfalen teilweise schon eine lange Tradition haben, bestätigt Christiane Cantauw, Volkskundlerin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL).

Der spielerische Wettstreit einzelner Gemeinden um das höchste Osterfeuer oder darum, wem es gelingen würde, das Osterfeuer der Nachbargemeinde vorzeitig abzubrennen, war und ist vor allem im Sauerland weit verbreitet. Am Osterfeuer konnte man aber noch manch anderes Spiel veranstalten: So stellten die jungen Burschen im Sauerland beim "Fackelschwingen" ihre Kraft und Geschicklichkeit unter Beweis: Zu diesem Zweck präparierten sie einen Birkenstamm, der auch schon mal drei Meter lang sein konnte, so mit Harz und Stroh, dass sie ihn im Osterfeuer entzünden konnten. Diese übergroße Fackel schwang ihr Träger unter allgemeiner Bewunderung
kreisförmig über dem Kopf.

Das Osterhasseln, wie es beispielsweise in Dülmen-Buldern (Kreis Coesfeld) betrieben wird, findet nicht am Osterfeuer, sondern auf der Straße statt. Für dieses Spiel benötigt man zwei Mannschaften, die sich in einigem Abstand voneinander aufstellen. "Jede der beiden Mannschaften versucht, die andere Partei durch den Wurf mit der Hasselscheibe möglichst weit nach hinten zu drängen und auf diese Weise in die Zone der anderen Partei vorzustoßen. Die Hasselscheibe muss so geworfen werden, dass sie auf der Straße rollt und von der gegnerischen Mannschaft mit den Beinen gestoppt werden kann. Ein Schiedsrichter entscheidet, welche Partei gewonnen hat", erklärt Cantauw die Spielregeln.

In Lippetal (Kreis Soest) gab es mit dem "Trunseln" ein ähnliches Spiel: Dabei stellten sich zwei Mannschaften im Abstand von etwa 50 Metern auf. Hinter jeder Partei war ein gleich großer Spielraum aufgezeichnet. Ein Spieler rollte eine Scheibe mit kräftigem Schwung auf die Gegner zu. Diese mussten versuchen, die Scheibe mit Reisigbesen oder anderen Gegenständen möglichst schnell zu stoppen und zurückzurollen. Die Mannschaft, der es gelang, die andere Partei über deren Spielraum zurückzudrängen, hatte gewonnen.

Das so genannte Schwengellangziehen, das in
Lüdinghausen (Kreis Coesfeld)
sehr beliebt war, wird heute wohl nicht mehr gepflegt. Bei diesem Spiel fassten sich zehn bis 15 junge Männer an den Händen und versuchten, den jeweils letzten der Schlange den Fluss zu schleudern. Wesentlich weiter verbreitet als dieser lokale Brauch war das Schlagballspielen, ein Wettkampfspiel zweier Mannschaften, das sich um 1900 sowohl in Halle (Kreis Gütersloh), als auch im Münsterland und im kurkölnischen Sauerland großer Beliebtheit erfreute.

Rund um das Ei gab es natürlich auch zahlreiche Spiele. Meist ging es bei den Bräuchen wie Eierrollen, Eierticken, Eierlaufen, Eierwerfen oder Eierkippen darum, den Mitstreitern ein oder mehrere Eier abzujagen.

"Bei allen Spielen rund um das Osterfest kommt die überschäumende Freude über die Auferstehung Jesu, das Ende der Fastenzeit und das Erwachen der Natur zum Ausdruck", erklärt Cantauw den Hintergrund der Spiele. "Die Orte für die Oster-Spiele waren stets die gleichen, so dass sich Bezeichnungen wie Eierberg oder Osterwiese eingebürgert haben. Übrigens waren die Akteure der österlichen Spiele traditionell nicht unbedingt die Kinder. Wie bei vielen anderen Bräuchen war es vor allem die männliche Dorfjugend, die ihre Geschicklichkeit und Kraft bei den Osterspielen unter Beweis stellen wollte", so die Expertin der Volkskundlichen Kommission weiter.




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Markus Fischer Telefon: 0251 591-235
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