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Mitteilung vom 19.09.02

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LWL zeigt Schiffers Plakat "Feind hört mit!" als Kunstwerk des Monats
Grafische Politpropaganda für die "Heimatfront"

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Münster (lwl). Auf den ersten Blick scheint das Plakat, das der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kuturgeschichte als Kunstwerk des Monats September zeigt, ein kongeniales Kinoplakat zu einem Hollywood-Klassiker der "Schwarzen Serie" zu sein. Doch der signalgelbe Slogan "Feind hört mit!" entlarvt das Plakat, das Franz Oswald Schiffers Anfang 1944 schuf, als Teil der Politpropaganda für die "Heimatfront". "Die Konfrontation mit einem seltenen 'Sachzeugen' aus der schattenhaften Endphase der NS-Diktatur, als nach 1943 der Kriegsterror auf sein Ausgangsland Deutschland zurückschlug, weckt gleichzeitig Neugier und Beklemmung", so LWL-Museumskonservator Jürgen Krause.

Nach zahlreichen Fehlschlägen anderer Werbegrafiker war Schiffers (1902 - 1976) mit der magischen Aufladung von Alltagsszenen wie der Plauderei im nächtlichen D-Zug ein subtiles Endprodukt der sogenannten
Schattenmann-Kampagne gelungen. Goebbels hat die Schattenmann-Silhouette offenbar derart fasziniert, dass er die Arbeit daran zur zeitintensiven Chefsache beförderte. Ein aberwitziger Spleen angesichts der überall im Bombenhagel wegbrechenden Ressourcen an Papier, Farben und Druckmaschinen. "Schiffers um Perfektion bemühtes Mitspiel in dieser 1944 von Anfang an verlorenen Partie der Selbsttäuschung lässt etwas von den Spannungen und Verbiegungen einer ganzen Generation deutscher Grafik-Designer seit deren Indienstnahme durch die NS-Propagandamaschinerie ahnen", so Krause. Vor dem Krieg pendelte Schiffers übrigens zwischen KDP und völkischen Ideen hin und her.

Die Familie des Künstlers hat das Plakat - zusammen mit vielen Werbegrafiken von Schiffers - im Nachgang zur LWL-Ausstellung "Die Nützliche Moderne" der Plakatsammlung des LWL-Landesmuseums geschenkt.

Das LWL-Museum hat zum Kunstwerk des Monats ein Faltblatt herausgegeben, das für einen Euro im Museum zu erhalten ist.







Pressekontakt:
Markus Fischer Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




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