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Mitteilung vom 29.05.02

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Entdecker der Paderborner Kaiserpfalz: Wilhelm Winkelmann verstarb mit 90

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Münster (lwl). Prof. Wilhelm Winkelmann, der "Altmeister" der Archäologie in Westfalen, ist tot. Er verstarb im Alter von 90 Jahren am vergangenen Wochenende. "Die Ergebnisse seiner Ausgrabungen im Gräberfeld von Beckum und in den Pfalzanlagen von Paderborn haben europäischen Rang", würdigte der Kulturdezernent des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Prof. Dr. Karl Teppe, die Lebensleistung Winkelmanns.

Der gebürtige Wittener studierte in Tübingen und Münster Vor- und Frühgeschichte, Germanistik und Religonswissenschaften. Von 1938 bis 1940 arbeitete er zunächst an einer Inventarisation im Kreis Borken. Nachdem er im Zweiten Weltkrieg schwere Verwundungen erlitten hatte,
kam er am 1. August 1944 als wissenschaftlicher Assistent zum damaligen Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte (heute Westfälisches Museum für Archäologie).

Auch nach seinem offiziellen Ausscheiden 1979 blieb er als Vorsitzender der Altertumskommission für Westfalen (1969 bis 1996) ehrenamtlich im Dienst des LWL.

Seit Kriegsende war die archäologische Erforschung der Franken und Sachsen der Schwerpunkt der Arbeit von Wilhelm Winkelmann. Zu seinen herausragenden Entdeckungen dieser Zeit gehört die große Siedlung des 6. bis 8. Jahrhunderts in Warendorf-Neuwarendorf. In Beckum grub der Forscher auf einem sächsischen Friedhof das berühmte "Fürstengrab" mit seiner reichen Ausstattung aus.

Internationales Aufsehen erregten auch die Ausgrabungen in den Paderborner Pfalzanlagen seit 1964. Bis 1978 legte Winkelmann mit seinem Team die Reste der Pfalz Karls des Großen und den Nachfolgebau aus dem 11. Jahrhundert frei. Diese jüngere Pfalz war so gut erhalten, dass sie unter
Einbeziehung der historischen Bausubstanz wieder aufgebaut werden konnte. Das LWL-Museum in der Kaiserpfalz präsentiert in Paderborn unter anderem die reichen Ausgrabungsergebnisse und dient als Ort für besondere Veranstaltungen.

Mit Ausgrabungen im ehemaligen Kanonissenstift in Vreden (Kreis Borken) begann der "mit außergewöhnlichem Gespür begabte Forscher" (Teppe) im Jahr 1949 seine Arbeiten zur Kirchengeschichte Westfalen-Lippes. Mehr als 20 Jahre lang, zwischen 1953 und 1975, grub er auch immer wieder in der Domburg in Münster und zeigte damit die Entwicklung von der sächsischen Siedlung über die Gründung des Bistums bis zur mittelalterlichen Stadt auf.
Neben seiner rastlosen Grabungstätigkeit hat Wilhelm Winkelmann vielfach über seine Ergebnisse berichtet. Die Liste seiner Veröffentlichungen umfasst mehr als hundert Titel. "Mit seinen Arbeiten hat Wilhelm Winkelmann nicht nur der westfälischen Landesgeschichte, sondern der gesamten europäischen Forschung entscheidende Impulse gegeben. Seine Ausgrabungen haben wichtige Fragen zum Leben im frühmittelalterlichen Westfalen beantwortet", so LWL-Kulturdezernent Teppe.

Mit 67 Jahren beendete Winkelmann seine aktive Grabungstätigkeit, doch ein Leben ohne Archäo-logie war für ihn nicht vorstellbar. So begleitete er noch die wissenschaftliche Aufarbeitung seiner beiden wichtigsten Grabungen in Münster und Paderborn. Der Landschaftsverband wird in Kürze den ersten Band der Paderborner Ausgrabung vorstellen.

Die umfassenden Leistungen von Wilhelm Winkelmann fanden vielfach Anerkennung: 1973 zeichnete ihn die Stadt Paderborn mit ihrem Kulturpreis aus, die Landesregierung NRW würdigte die langjährigen Verdienste 1975 mit der Verleihung des Professorentitels und 1999 mit dem Verdienstkreuz des Landes Nordrhein-Westfalen. 1996 ernannte ihn die LWL-Altertumskommission zu ihrem Ehrenmitglied.






Pressekontakt:
Frank Tafertshofer, Telefon 0251 591-235
presse@lwl.org




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