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Mitteilung vom 25.11.11

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Eine Geschichtsquelle für den Hotelbau und das Fürstbistum Corvey

LWL zeichnet "Dreizehnlindenhaus" als Denkmal des Monats aus

Bewertung:

Corvey/Höxter (lwl). Viel verdienen ließ sich nicht mit dem Hotel und Gasthaus, das bis 1942 im "Dreizehnlindenhaus" betrieben wurde. Daher wurde im 1794 errichteten Gebäude, das lange Zeit nicht genutzt wurde, nie viel modernisiert. Weil so ein Großteil der ursprünglichen Innenstrukturen erhalten blieb, zeichnete der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Gebäude jetzt als Denkmal des Monats November aus.

"Vor dem Hintergrund des großen Anspruchs und der vielen speziellen Aufgaben, den der Bau bei seiner Errichtung erfüllen sollte, ist das Gebäude zu einer einzigartigen Quelle für die Geschichte des Hotelbaus geworden", erklärt LWL-Denkmalpfleger Dr. Fred Kaspar. "Es dürfte zu den wenigen Hotelbauten des 18. Jahrhunderts in Deutschland gehören, die auch in den inneren Strukturen noch weitgehend ablesbar überliefert geblieben sind."

Das "Dreizehnlindenhaus" ist eng verbunden mit der kurzen letzten Phase des 1000-jährigen geistlichen Lebens in Corvey: 1792 erlaubte es der Papst, die Benediktinerabtei in ein Fürstbistum umzuwandeln. So wurden der Abt zum Fürstbischof und die Mönche zu Domherren ernannt. Als wichtigste bauliche Veränderung dieser Umwandlung errichteten die Benediktiner unmittelbar vor dem Klosterbezirk an das Ende der Zufahrt von Höxter nach Corvey einen größeren Neubau. An dieser exponierten Lage sollte das Gebäude gleich mehrere Aufgaben übernehmen: Es diente nicht nur als Hotel und Casino, sondern nahm auch ein Gast- und ein Weinhandelshaus auf. Das zunächst "Neues Gasthaus" genannte Gebäude erhielt erst 1907 den heutigen Namen "Dreizehnlindenhaus" in Erinnerung an das gleichnamige, im Raum Corvey spielende Versepos des Driburger Arztes Friedrich Wilhelm Weber (1813 - 1894).

Das Fürstbistum Corvey bestand nur wenige Jahre, bereits 1803 wurde es im Zuge der Säkularisation (Verweltlichung von Klöstern und Fürstbistümern) wieder aufgelöst. Damit verlor das Haus auch seine wirtschaftliche Grundlage. Es wurde aber noch bis 1942 als Gasthaus und Hotel weiter betrieben. Da wenig modernisiert wurde, hat sich bis heute ein großer Teil der bauzeitlichen Innenstrukturen erhalten. Hierzu gehören die aufwendigen Türen ebenso wie die Feuerungsanlagen der Öfen, aber auch die ungewöhnlich luxuriöse Anlage von fünf Toiletten im Inneren. "Zurzeit wird die dringend notwendige Sanierung des Gebäudes vorbereitet, das dann wieder seine historische Aufgabe als Gästehaus übernehmen soll", so LWL-Denkmalpfleger Kaspar.

Hintergrund
Verbunden mit der Umwandlung vom Kloster zum Fürstbistum waren weitreichende Veränderungen bei der inneren Struktur des Klosters und der zugehörenden Wirtschaft. Die Domherren lebten nicht mehr in einer abgeschlossenen Klausur, sondern erhielten eigene Wohnungen. Der bislang umfangreiche landwirtschaftliche Eigenbetrieb des Klosters wurde verpachtet.

Das Erdgeschoss des Hauses wurde alltäglich genutzt: Rechts des breiten Eingangsflures richtete man eine Gastwirtschaft mit großer Küche und den Wohnräumen des Pächters ein. Hier gab es einen eigenen Zugang zu dem riesigen unter dem Bau gelegenen Gewölbekeller. Von dort wurde der für das Bistum zentralisierte Weinhandel abgewickelt. Da das Haus auch der Versorgung des zum Domstift gehörenden Priesterseminars diente, schuf man im linken Teil des Erdgeschosses einen von der Außenwelt abgetrennten Klausur-Bereich mit einem zur Straße gelegenen Speisesaal für die Studenten. Zudem konnten sie hier mit den Domherren zusammen ihre Freizeit verbringen, weswegen es zur Hofseite auch einen eigenen Billardsaal gab. Als dritte Aufgabe sollte der Neubau sowohl der Übernachtung, der Verköstigung und dem gesellschaftlichen Leben hochstehender Gäste des Bischofs dienen. Hierzu richtete man die beiden über ein breites Treppenhaus erschlossenen Obergeschosse ein: Mittelpunkt wurde ein großer Tanz-Saal mit anschließenden Spiel- und weiteren Nebenzimmern. An breiten Fluren wurden darüber hinaus sechs mehrräumige Gästeappartements geschaffen.

Der Betrieb des Hauses wurde an einen Gastwirt als Unternehmer verpachtet. Ihm wurde die Versorgung der Priester pauschal erstattet, während er die Unterbringung von "Staatsgästen" einzeln abrechnen konnte.



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
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