Drei münsterländer LEADER-Regionen präsentieren ihre Arbeit

Über 500 lokal und regional verankerte Projekte wurden in den 10 LEADER-Regionen Westfalens im Rahmen des EU-Förderprogramms von 2007 bis 2013 entwickelt und umgesetzt (s. Beitrag Rohleder). Da fällt es schwer, bestimmte Vorhaben hervorzuheben – besonders wenn man bedenkt, wie viel Engagement die Bürgerinnen und Bürger der insgesamt 58 beteiligten westfälischen Städte und Gemeinden eingebracht haben. Ihre Mitarbeit in Arbeitskreisen, Kompetenzgruppen und die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Projektträgern und -partnern war und ist vielleicht der größte Erfolg, den es hervorzuheben gilt. Jenseits der etablierten "politischen" Strukturen haben die Menschen gezeigt, welche Erfolge auch in kleinen Gemeinden und Ortsteilen möglich sind, wenn Aktivitäten aller gesellschaftlichen Gruppen eingebracht werden.

Münsterländer Kommunen in sechs LEADER-Regionen engagiert

Im Münsterland (Regierungsbezirk Münster) wurden von den dortigen Akteuren insgesamt über 200 Projektvorhaben initiiert. Folgende fünf Regionen sind hier durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalens für das LEADER-Programm zugelassen worden:
•  Baumberge,
•  Bocholter Aa,
•  Kulturlandschaft Ahaus, Heek, Legden (AHL; ab 2010),
•  Steinfurter Land,
•  Tecklenburger Land.

Daneben ist die Gemeinde Raesfeld Mitglied der LEADER-Region "Lippe-Issel-Niederrhein".

Im Folgenden werden einige ausgewählte Projekte dreier münsterländischer LEADER-Regionen näher vorgestellt.

Abb. 1: Abschlusskonzert der "AHLBig Band" am 16.09.2012 in der Landesmusikakademie Heek (Foto: Musikschule Ahaus)

Projekte der Region "Kulturlandschaft AHL"

Bei so manchem Vorhaben der münsterländischen LEADER-Regionen haben die Akteure nicht davor gescheut, aktuelle Probleme in den beteiligten Kommunen anzupacken. Drei Beispiele sollen dies kurz skizzieren:

  • Nachhaltiges Flächenmanagement: Bei diesem Projekt geht es darum, freie Flächen in den drei Ortskernen, z.B. Baulücken, Brachen oder auch Leerstände, in die künftigen Überlegungen bei der Ausweisung von Baugrundstücken einzubeziehen. Damit kann Bauland im Innenbereich genutzt werden, ohne der Landwirtschaft oder der Ökologie im Außenbereich weitere Flächen zu nehmen. Da solche Potenziale in der Region vorhanden sind, wurde – ebenfalls mit EU-Mitteln – befristet ein "Flächenmanager" eingestellt, der diese konzeptionellen Überlegungen bei der Umsetzung begleiten soll.
  • Intergenerativer Begegnungsgarten Legden: Eine Brachfläche im Ortskern soll als "Dahliengarten" vielfältige neue Nutzungen erhalten. Einerseits soll hier durch die Anlage eines Apothekergartens und einer Picknickwiese ein Treffpunkt der Generationen entstehen, andererseits werden durch den Dahliengarten neue Verbindungswege zum Ortszentrum geschaffen. Eine demenzgerechte Gestaltung berücksichtigt zudem den Aspekt der Barrierefreiheit. Dieser Begegnungsbereich soll auch für kulturelle Veranstaltungen und Vereinsaktivitäten genutzt werden. Aus touristischer Sicht wird so das Profil Legdens als "Dahliendorf" im Westmünsterland weiter gestärkt.
  • Big Band-Workshop-Projekt: Das LEADER-Programm fördert auch kulturelle Projektvorhaben, um die Teilhabe des ländlichen Raumes an der kulturellen Entwicklung zu unterstützen und die Identifikation der Menschen mit ihrer Region zu stärken. In der "Kulturlandschaft AHL" mit dem Standort der Landesmusikakademie in Heek (s. Beitrag Grothues) lag es daher nahe, in Form von Workshops insbesondere junge, begabte Musiker/-innen zusammenzubringen. Mit Unterstützung von professionellen Musikern (z.B. der WDR Big Band) fand diese musikalische Förderung im September 2012 in einem Abschlusskonzert einen beeindruckenden Höhepunkt (Abb. 1). Das Projekt wurde ferner auf der "Grünen Woche" 2014 in Berlin im Rahmen des dortigen Wettbewerbs "Gemeinsam stark sein 2013" ausgezeichnet.
Abb. 2: Geschenkbox "Münsterland Botschaft", Sonderedition "Oktoberkiste" (Foto: Jörg Birgoleit/Ledder Werkstätten)

Gemeinschaftsprojekt "Münsterland Botschaft"

Um das LEADER-Ziel einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der ländlichen Regionen zu erreichen, sind einerseits zukunftsorientierte Strategien erforderlich, die auf die Besonderheiten der jeweiligen Regionen zugeschnitten sind, andererseits können die angedachten Projekte nur gelingen, wenn auch eine langfristig angelegte Vernetzung der beteiligten Akteure vorhanden ist. Besonders gefördert werden LEADER-Projekte, die eine Vermarktung agrarischer Produkte einer Region unterstützen. Diese Produkte sollten soweit wie möglich in der Region angebaut und verarbeitet werden, zugleich sollten sie die "Besonderheiten" einer Region (re-)präsentieren. Insofern ist das Motto "Münsterland Botschaft – unsere bodenständige Vertetung des guten Geschmacks" treffend gewählt für ein Projekt, das die beiden LEADER-Regionen Steinfurter Land und Tecklenburger Land für die Vermarktung ihrer Produkte umsetzten.

Die beiden Regionen im Norden Westfalens umfassen die 24 Städte und Gemeinden des Kreises Steinfurt unter Einbeziehung der Gemeinde Schöppingen aus dem Kreis Coesfeld (Steinfurter Land). Ihre "Münsterland Botschaft" ist gleichbedeuted mit einer Geschenkbox, in der ausgewählte Produkte von landwirtschaftlichen und industriellen Produzenten sowie von sozialen Einrichtungen zusammengestellt werden. Mehrere Dutzend Produkte stehen dabei zur Auswahl, hergestellt in insgesamt 25 Betrieben aus 16 Orten, davon 13 aus den beiden beteiligten münsterländischen LEADER-Regionen.

Kasten 1: Geschenkbox "Münsterland Botschaft"

In mehreren Größen und "Geschmacksvarianten" wurde die Geschenkbox im Mai 2011 in den Verkauf gebracht (Kasten 1 u. Abb. 2), nachdem Johannes Remmel, Landwirtschaftsminister von NRW und zuständig für die LEADER-Regionen, bereits im Januar 2011 auf der "Grünen Woche" in Berlin einen ersten Prototypen überreicht bekam. Zudem wird auf Anfrage oder zu besonderen Anlässen die Bestückung für Sondereditionen der Boxen variiert.

Alle verwendeten Erzeugnisse besitzen ihre eigene Hintergrundgeschichte, die zum Nachlesen mitgeliefert wird – auch im Hinblick auf Klima- und Tierschutz.

Die Logistik, also die Zusammenstellung und das Verpacken der Produkte sowie die Belieferung der Verkaufsstellen und die Bearbeitung von Online-Bestellungen einschließlich des Versandes, erfolgt durch die Ledder Werkstätten in Tecklenburg (Abb. 3), eine gemeinnützige GmbH des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Tecklenburg. Die Werkstätten sind ein umfassender Dienstleister für Menschen mit Behinderungen. Insgesamt nehmen in diesem bewusst dezentral (Tecklenburg, Westerkappeln, Lengerich) organisierten Unternehmen 1.200 Menschen mit vielfältigen Tätigkeiten aktiv am Arbeitsleben teil.

Aufgrund der beeindruckenden Aktivitäten bei der Umsetzung der "Münsterland Botschaft" erhielten die Ledder Werkstätten im Rahmen der 8. Werkstätten-Messe in Nürnberg (März 2013) den "Exzellent Kooperationspreis".

Durch die Kooperation mit der Einrichtung, deren Mitarbeiter/innen darüber hinaus auch selbsthergestellte Produkte (Kerzen, Grill- und Kaminanzünder) zu der Geschenkbox beisteuerten, kam somit eine wesentliche soziale Komponente bei der Umsetzung dieses Projektes zum Tragen.

Abb. 3: Arbeiten in den Ledder Werkstätten (Foto: Jörg Birgoleit/Ledder Werkstätten)

Fazit

Während bei anderen LEADER-Vorhaben in der Regel am Ende oftmals sichtbare bauliche Marken bestehen bleiben, Ergebnisse in Buch- und Kartenform vorliegen oder durch bauliche Maßnahmen die Umsetzung der Projekte leicht zu erkennen ist, verhält es sich bei den beiden zuletzt hier vorgestellten Ideen anders:

Im Fall des musisch ausgerichteten Projektes "Big Band" stand am Ende ein einmaliges Ereignis – das Abschlusskonzert als Höhepunkt gemeinsamer, monatelanger Anstrengungen der Musiker der Big Band. Damit repräsentiert dieses Projekt ein herausragendes Beispiel für die LEADER-Region "Kulturlandschaft Ahaus–Heek–Legden".

Bei dem kulinarisch ausgerichteten Projekt "Münsterland Botschaft" wurden durch sehr unterschiedliche Akteure mehrere Varianten einer Geschenkbox bestückt und mit Agrarprodukten aus den beiden LEADER-Regionen als "Kennenlern-Angebot" realisiert und vermarktet. Dies ist – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen – ohne Zweifel ein außergewöhnliches und nachahmenswertes Beispiel einer übergreifenden Kooperationsarbeit.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2015