Die Landesmusikakademie in Heek (Kreis Borken)

Langes Haus, erbaut 1554, seit 1989 Sitz der Landesmusikakademie Abb. 1: "Langes Haus", erbaut 1554, seit 1989 Sitz der Landesmusikakademie (Foto: R. Grothues)

Lage und Entstehung

Vor den Toren der Städte Ahaus und Gronau, nahe der Autobahn 31, aber abseits von Hektik und Rummel, liegt im Westen des Münsterlandes die Gemeinde Heek mit ihrem Ortsteil Nienborg, der die Landesmusikakademie NRW beherbergt.

Die Gemeinde zählt heute rund 8500 Einwohner und verfügt über eine Fläche von knapp 70 qkm. Heek wurde 1969 aus den bis dahin selbstständigen Gemeinden Heek und Nienborg gebildet.

Auf Initiative des LandesMusikRates und seiner angeschlossenen Laienmusikverbände wurde die Landesakademie 1989 in Heek errichtet und durch den damaligen Kultusminister Hans Schwier ihrer Bestimmung übergeben. Das Land finanzierte 90% der Kosten für Bau und Einrichtung.

Zuvor wurde nach ersten Überlegungen 1983 das "Lange Haus", eines von drei erhaltenen Burgmannshäusern der ehemaligen Ringburganlage "Nienborg" (Abb. 1), zur Keimzelle des Projektes "Landesmusikakademie".

Durch den Verein "Landesmusikakademie NRW "Burg Nienborg" in Heek/Kreis Borken e.V." ist der LandesMusikRat NRW gemeinsam mit dem Kreis Borken und der Gemeinde Heek der Träger der Musikakademie. Seit ihrer Eröffnung ist die Landesmusikakademie zentrale Aus-, Fort- und Weiterbildungsstätte für Musikausübende aus NRW. Angebote für Laien- und Nachwuchsmusiker stehen genauso auf dem Programm wie Weiterbildungskurse und Workshops für Musikschullehrer und Schulmusiker. Die hervorragende Ausstattung des Hauses macht die Musikakademie zu einer der beliebtesten Musikakademien Deutschlands.

Lageplan der Akademie innerhalb der Gemeinde Nienborg Abb. 2: Lageplan der Akademie innerhalb der Gemeinde Nienborg (Entwurf: R. Grothues, Quelle: Landesmusikakademie in Heek)

Ausstattung

Neben dem historischen "Langen Haus" aus dem Jahre 1554 und der dazu gehörenden von einem Wasserlauf begrenzten Parkanlage mit altem Baumbestand entstanden zwei Bettenhäuser und die Mensa, die in das ehemalige "Haus Wilpers" (16. Jh.) integriert wurde. 1995 wurde ein weiteres Haus am Ortsrand angemietet. Mit Hilfe des Landes konnte im Juni 2000 ein Bürgerhaus auf der Burg erworben und umgebaut werden. Es steht seit April 2003 als weiteres Gästehaus für Dozenten und Erwachsene zur Verfügung (Abb. 2). Die Akademie verfügt heute über eine Kapazität von 144 Übernachtungsplätzen in überwiegend Doppel- und Einzelzimmern. Außerhalb des Burgbereichs, auf der anderen Seite der Hauptstraße, steht das Herzstück der Akademie, das Musikzentrum, ein weitgezogener, flacher Gebäudekomplex (Abb. 3). Nach modernen Gesichtspunkten funktional gestaltet, genügt das Musikzentrum hohen technischen wie musikakustischen Ansprüchen. Mit seinen drei Sälen, von denen der Konzertsaal bis zu 300 Personen fasst, sieben Seminarräumen, fünf Übezellen, zwei Percussionräumen, dem Tonstudio und der Musikbibliothek sowie dem Verwaltungtrakt beherbergt es den künstlerisch-pädagogischen Bereich und die Verwaltung.

Musikzentrum und Verwaltung Abb. 3: Musikzentrum und Verwaltung (Foto: R. Grothues)

Aufgaben

Die Landesmusikakademie NRW "Burg Nienborg" in Heek diente bisher über 1,5 Mio. Musikausübenden in NRW als zentrale Aus-, Fort- und Weiterbildungsstätte und bietet darüber hinaus auf nationaler wie internationaler Ebene Workshops, Lehrgänge und Seminare an.

Hier qualifizieren sich Laienmusiker wie Musikstudenten in Vokal- und Instrumentalkursen, hier belegen Musikschullehrer und Schulmusiker Weiterbildungsseminare zu aktuellen Themen der Musikpädagogik. Sie ist Stätte internationaler Musiktagungen, Heimstätte der Jugendorchester und des Jugendchores NRW und dient musizierenden Ensembles aus allen Bereichen des Musiklebens als Tagungsort. Orchester und Chöre finden in der Landesmusikakademie NRW mit ihrem großzügigen Angebot an Sälen und Funktionsräumen ebenso ideale Arbeitsmöglichkeiten wie Kammermusikgruppen oder musizierende Familien.

Gesellschaft der Freunde und Förderer der Landesmusikakademie NRW

In der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Landesmusikakademie NRW e.V. haben sich neben Institutionen und Verbänden des Musiklebens auch Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung sowie musikinteressierte Bürger zusammengefunden. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, das in Nordrhein-Westfalen einzigartige Akademieprojekt ideell und finanziell zu unterstützen.

Qualifizierende Lehrgänge

Die Förderung der Laienmusik ist eine der tragenden Säulen der Arbeit der Landesmusikakademie. Zwischen 1991 und 1994 entwickelte sie daher in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Laienmusik des Landesmusikrates NRW e.V., dem Landesverband der Musikschulen in NRW e.V. und dem Verband Deutscher Schulmusiker in NRW e.V. eine Lehrgangsordnung, die 2002 revidiert wurde. Sie gewährleistet in bundesweit einmaliger Form eine vergleichbare Ausbildung aller Lehrgangsstufen auf C- und B-Ebene für Vokalisten, Instrumentalisten und Dirigenten. Die Ausbildungslehrgänge der Qualifikationen C3 und B wenden sich nicht nur an Laienmusiker, sondern dienen auch als Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Musikpädagogen an Schule und Musikschule. Im Auftrag der Trägerverbände werden die Maßnahmen landeszentral in der Landesmusikakademie durchgeführt und von ihr inhaltlich und organisatorisch verantwortet.

Je nach Qualifikationsstufe kommen Laienmusiker und Musikpädagogen an 3 bis 10 Wochenenden über 6 bis 20 Monate verteilt nach Heek, um sich für ihre Tätigkeit in Verein und/oder Schule weiterzubilden. Der erfolgreiche Abschluss wird mit einem Zeugnis und einem Zertifikat bescheinigt, die von den Trägern anerkannt werden.

Bibliothek

Die Musikbibliothek der Landesmusikakademie NRW ist die einzige musikalische Fachbibliothek in der näheren Umgebung. Sie beherbergt rd. 8500 Notenausgaben (u.a. Noten von Instrumentalwerken in solistischer und kammermusikalischer Besetzung sowie Klavierauszüge und Partituren von Opern, Chor- und Orchesterwerken), 4000 Bücher (musikpädagogische Literatur und Lehrbücher, musikgeschichtliche Monografien über Komponisten, Gattungen, Werke und Instrumente) sowie  60 Zeitschriften zum aktuellen Musikgeschehen im regelmäßigen Bezug.

Der Bestand ist auch im Internet bei der Universitäts- und Landesbibliothek Münster (www.ulb.uni-muenster.de/knim) aufzurufen. Noten können in Einzelexemplaren kostenlos entliehen werden, während Bücher und Zeitschriften zum Präsenzbestand gehören.

Tonstudio

Ein besonderes Angebot der Landesmusikakademie ist das hauseigene Tonstudio. Ein Diplom-Tonmeister betreibt mit seiner Musikproduktionsfirma Klangport (www.klangport.de) seit Mai 2002 das Studio in eigener Regie. Klangport bietet seine Dienstleistungen allen Musikern an, die ein Aufnahmeteam mit technischem und musikalischem Wissen benötigen - von der Laienmusikgruppe bis zum Profiorchester. Das Tonstudio kann für folgende Zwecke genutzt werden: Audio/Video-Supervisionsaufnahmen, Konzertmitschnitte, Demo-Produktionen sowie professionelle CD-/ DVD-Produktionen.

Die technische Ausstattung basiert auf modernster Digitaltechnik. Der Tonstudiobetrieb bietet die Möglichkeit, die an den Regieraum angrenzenden beiden Konzertsäle der Akademie sowie weitere Aufnahmeräume zu nutzen.

Seit Errichtung der Landesmusikakademie prägen Musikerinnen und Musiker zumeist aus NRW, aber auch aus allen Teilen der Welt, das Ortsbild in der kleinen Gemeinde Heek und insbesondere im Ortsteil Nienborg. Vor allem im Bereich zwischen "Langem Haus" und der Mensa an der Hauptstraße trifft man junge und alte Menschen, häufig mit einem Musikinstrumentenkoffer unter dem Arm.

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2007