Generationenparks in Westfalen – das Beispiel Darfeld

Dorfentwicklung: ein Projekt für alle Generationen

Zu den konzeptionellen und gestalterischen Maßnahmen, die im Rahmen des EU-Programms LEADER gefördert wurden und werden, gehört es u.a., die Dörfer und Ortschaften im ländlichen Raum zu unterstützen, um den aktuellen wirtschaftlichen, demographischen und soziokulturellen Veränderungen aktiv, angemessen und zukunftsorientiert zu begegnen. Hierzu zählt insbesondere, "die eigenständige und historisch gewachsene Identität der Dörfer lebendig zu erhalten und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen zu stärken" (MKULNV NRW 2010, S. 13). In diesem Zusammenhang sollen die Auswirkungen des demographischen Wandels, wie z.B. Bevölkerungsrückgang, Abwanderung und Überalterung, auf der lokalen und regionalen Ebene (bewusster) wahrgenommen werden. Auf einer solchen Basis lassen sich von den beteiligten lokalen Akteuren Konzepte attraktiver Dorfentwicklung entwickeln und umsetzen. Dabei ist es unerlässlich, alle Generationen zu berücksichtigen und – was noch wichtiger ist – Jung und Alt aktiv zu beteiligen und zu einer verantwortungsvollen Mitwirkung zu motivieren.

Generationenübergreifende Treffpunkte

Viele westfälische LEADER-Regionen haben Konzepte zu generationenübergreifenden Einrichtungen erarbeitet und in einen Entwicklungsprozess integriert. In der Region "4 mitten im Sauerland" (s. Beitrag Rohleder) etwa wurden gleich mehrere Projekte umgesetzt:
–  eine Mehrgenerationen-Aktivitätsfläche Lenne (Schmallenberg),
–  das Dorf der Generationen in Andreasberg (Bestwig) und
–  ein Generationenpark am Freibad in Grevenstein (Meschede).

In der Gemeinde Legden in der LEADER-Region "Kulturlandschaft AHL" (Ahaus, Heek, Legden) wird unter dem Motto "Dahliengarten" der ehemalige Obstgarten des Pastors der katholischen Kirchengemeinde St. Brigida zu einem integrativen, öffentlichen Begegnungsraum umgewandelt (s. Beitrag Rohleder). Der zukünftige Treffpunkt für alle Altersgruppen umfasst eine Picknickwiese und einen Apothekergarten. Mit Kultur- und Informationsveranstaltungen soll der Dahliengarten den Ortskern von Legden lebendiger machen. Das Vorhaben ist mittlerweile auch Teil des REGIONALE 2016-Projektes "ZukunftsDORF Legden – Leben und Lernen über Generationen".

Ein weiterer "Mehrgenerationenpark" entstand in Mettingen (LEADER-Region "Tecklenburger Land"). Im Ortskern wurde in unmittelbarer Nähe des Töddenmuseums eine mit barrierefreien Wegen und Plätzen gestaltete Grünanlage angelegt. Sie umfasst sowohl Ruhebereiche als auch Bewegungs- und Spielmöglichkeiten. Es wurden Behindertengerechte Mehrgenerationen-Spielgeräte unter Einbeziehung des Elementes "Wasser" installiert.

Ähnliche Projekte wurden auch in anderen LEADER-Regionen angestoßen, wie in Medebach (Region "Hochsauerland"; s. Beitrag Arens/Schmitz), in Nachbarschaft zu dem zentral gelegenen Altenheim  und in Extertal-Bösingfeld (Region "Nordlippe") in dem hiesigen Pfarrgarten.

Tab. 1: Bevölkerungsentwicklung ausgewählter Altersgruppen in der Gemeinde Rosendahl (Anteile an der Gesamtbevölkerung in %, ab 2015 Prognosen) (Quelle: IT.NRW 2011, 2013)

Generationenpark Darfeld mit Bahnhof als Anziehungspunkt

Im Folgenden soll mit dem Bahnhof Darfeld einer den beiden Generationenparks in der Gemeinde Rosendahl (LEADER-Region "Baumberge") vorgestellt werden; der zweite Generationenpark wurde im Ortsteil Holtwick angelegt.

Zur LEADER-Region "Baumberge" zählen die fünf Kommunen Billerbeck, Coesfeld, Havixbeck, Nottuln und Rosendahl. Rosendahl ist im Hinblick auf die Bevölkerung mit rund 11.000 Einwohnern (2014) vor Nordkirchen die zweitkleinste Gemeinde des Kreises Coesfeld und Darfeld ihr kleinster Ortsteil (rd. 2.800 Ew., 2014).

Das Projektvorhaben in Rosendahl-Darfeld spiegelt beispielhaft wider, wie auf Basis einer für viele kleinere Gemeinden typischen Bevölkerungsentwicklung Rosendahls (Tab. 1) der demographische Wandel im ländlichen Raum konzeptionell aufgegriffen wird und vorhandene Potenziale wahrgenommen sowie in aktiver Weise genutzt werden können: Anfang Mai 2013 konnte der "Generationenpark Darfeld" auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände unter begeisterter Teilnahme der Bevölkerung eröffnet werden. Geichzeitig konnte damit auch das LEADER-Projekt "RadBahn Münsterland", an dem die beiden Regionen "Baumberge" und "Steinfurter Land" zusammenarbeiteten, abgeschlossen werden.

Abb. 1: Bahnhof Darfeld mit Café und Terrasse, im Vordergrund die "RadBahn" (Foto: M. Rohleder, 08/2013)

In mehreren Bauabschnitten wurde seit dem Jahr 2005 die 37,4 km lange "RadBahn" zwischen Rheine und Rosendahl auf der seit 1984 aufgegebenen Eisenbahnstrecke zu einem attraktiven Radweg ausgebaut. Die Strecke wird auch als "AlleenRadweg" bezeichnet, weil Mittel des Alleenförderprogramms des Landes NRW neben der LEADER-Unterstützung beim Ausbau einflossen (s. Beitrag Hendrys).

Schon seit Jahren lädt der Kultur-Bahnhof Darfeld viele Radfahrer zum Anhalten und Verweilen ein (Abb. 1). Daher lag es nahe, über weitere Nutzungsmöglichkeiten des 135 Jahre alten Bahnhofs und seiner Nebengebäude nachzudenken.

Bereits Ende der 1980er Jahre hatte die Gemeinde Rosendahl das Grundstück samt Gebäude erworben und danach den Bahnhof zum Heimat- und Bürgerhaus ausgebaut – mit Unterstützung des Heimatvereins Darfeld und Mitteln der NRW Stiftung. Seit 1991 finden hier regelmäßig vielfältige kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen statt. Insofern war es nur konsequent, dieses "kulturelle Dorfzentrum" als Basis für neue Aktivitäten zu öffnen, Trends der gesellschaftlichen Entwicklung zu Beginn des 21. Jh.s aufgreifend, um damit Impulse für alle Altersgruppen zu geben. Im Frühjahr 2011 schrieb die Initiative "Ideen für Darfeld", in der sich eine Gruppe Darfelder Bürgerinnen und Bürger in offener und kreativer Weise für die Erhaltung und Förderung der Lebensqualität vor Ort einsetzt, einen Ideenwettbewerb zur konkreten Gestaltung des Bahnhofumfeldes für Aktivitäten aller Generationen aus. Ein erstes "Grundgerüst" für die Gestaltung des Generationenparks lag bereits vor, nun galt es, dieses mit Vorstellungen zur Umsetzung zu füllen.

Abb. 2: Generationenpark Darfeld – Masterplan (Stand 04/2013) (Quelle: Gemeinde Rosendahl)

Ziel war es, ein multifunktionales Areal zu schaffen, mit dem sich die Darfelder identifizieren, welches mit innovativen Elementen die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen berücksichtigt und zugleich einen attraktiven Anziehungspunkt für die vorbeifahrenden auswärtigen Besucher darstellt (Abb. 2).

Die angesprochenen innovativen Elemente werden durch zwei ausrangierte Eisenbahnwaggons repräsentiert, die vom DRK und der offenen Jugendarbeit genutzt werden sollen, sowie durch ein "Lehmhaus", das als Prototyp eines Siedlungshauses fungiert (Abb. 3). Die Idee des Lehmhauses wurde von einer Kooperation umgesetzt, bestehend aus Verantworlichen der Gemeinde, der Initiative "Ideen für Darfeld", den Vereinen "Interkulturelle Begegnungsprojekte" und "Jugendgemeinschaftsdienste" sowie diverser Institute der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Die Verwendung von Holz und Lehm für den Bau des Hauses vermittelt den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen aus dem unmittelbaren Nahbereich von Kindern und Jugendlichen, die auch bei der Herstellung der Lehmziegel "Hand anlegten". Das Lehmhaus soll als "Haus der Wissenschaft" und als interkulturelle Begegnungsstätte für entsprechende Veranstaltungen (z.B. Ausstellungen) genutzt werden.

Abb. 3: Das Lehmhaus im Generationenpark Darfeld (Foto: M. Rohleder, 08/2013)

Fazit

Der Generationenpark Darfeld ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie der regionale Entwicklungsansatz des LEADER-Programms für den ländlichen Raum in die Praxis umgesetzt werden kann. Der zugrunde liegende "bottom-up"-Ansatz kann dann am besten verwirklicht werden, wenn auf der lokalen bzw. regionalen Ebene die zur Beteiligung am Entwicklungsvorhaben aufgerufenen Bürgerinnen und Bürger mit ihren Projektideen ernst genommen werden – und zwar generationenübergreifend. Oder wie der Sprecher der Initiative "Ideen für Darfeld" treffend formulierte: "Es ist eine tolle Erfahrung, wie man so viele Leute für ein solches Projekt begeistern kann" (AZ, 13.04.2012).

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Weiterführende Literatur/Quellen

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Erstveröffentlichung 2015