Städte und Gemeinden mit Einpendlerüberschuss 2014

Zur Gruppe der Berufspendler zählen alle Erwerbstätigen, die zwischen Wohn- und Arbeitsort pendeln, wobei sowohl die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (s. Beitrag Wittkampf) als auch die Beamten, die Selbstständigen und die geringfügig Beschäftigten erfasst werden. Wenn Städte und Gemeinden mehr Ein- als Auspendler aufweisen, also durch einen Einpendlerüberschuss geprägt sind, kann dies als Zeichen entweder einer entsprechenden Wirtschaftskraft oder einer gewissen zentralörtlichen Bedeutung gewertet werden. Dies kann – auf niedriger Ebene – auch kleinere Städte oder sogar Gemeinden kennzeichnen, wenn die dort ansässigen Unternehmen, Verwaltungs- und Dienstleistungseinrichtungen usw. relativ vielen Menschen eine Beschäftigung bieten.

Selbstverständlich gibt es Städte und Gemeinden, die zwar eine relativ hohe Zahl an Einpendlern, andererseits aber noch mehr Auspendler aufweisen. Dies ist innerhalb Westfalens z.B. bei einigen Städten im Ruhrgebiet bzw. am Rand des Ruhrgebietes der Fall, und zwar dort, wo gegenwärtig die Erwerbsbedürfnisse der jeweiligen Bevölkerung quantitativ und qualitativ nicht hinreichend gedeckt werden können bzw. eine "Mismatch-Situation" vorliegt. Hierzu gehören z.B. Bottrop, Castrop-Rauxel, Dorsten, Gladbeck, Herten, Herne, Hamm, Witten und Lünen. Solche Kommunen, also die mit Auspendlerüberschuss, sollen hier, unabhängig von ihrer tatsächlichen Bedeutung, unberücksichtigt bleiben.

Abb. 1: Städte und Gemeinden mit Einpendlerüberschuss – Anzahl der Einpendler und Einpendlerquoten in % (Quelle: www.it.nrw.de)

Anzahl der Einpendler

Ein erster Betrachtungsaspekt im Zusammenhang mit den insgesamt 58 Kommunen Westfalens, die im Jahr 2014 einen Einpendlerüberschuss aufweisen, ist die absolute Anzahl der jeweiligen Einpendler (Abb. 1). Hierbei dominiert mit 130.504 Einpendlern Dortmund, gefolgt von Münster mit 94.729, Bochum mit 81.269 und Bielefeld mit 75.499 Einpendlern. Dortmund, die größte Stadt Westfalens, ist ein Wirtschaftszentrum von großer überregionaler Bedeutung. Münster, Bochum und Bielefeld sind ebenfalls Oberzentren, z.T. mit Metropolfunktionen. 30.000 bis 60.000 Einpendler weisen die Großstädte Gelsenkirchen, Paderborn und Hagen auf, außerdem Siegen und Gütersloh, deren Einwohnerzahl etwas unter 100.000 liegt (s. Beitrag Wittkampf). In der Kategorie der Städte mit 20.000 bis 30.000 Einpendlern finden sich ausnahmslos solche, die vom Land Nordrhein-Westfalen als "große Mittelstädte“ eingestuft wurden, darunter viele, die insbesondere im produzierenden Gewerbe Arbeitsplätze bieten. Hierzu zählen beispielsweise Lüdenscheid, Lippstadt und Iserlohn, wo jeweils mehr als 35% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in diesem Wirtschaftssektor tätig sind.

Von den westfälischen Städten mit 10.000 bis 20.000 Einpendlern liegen fast 38% im Münsterland. Die meisten dieser Städte, z.B. Coesfeld, haben eine sehr niedrige Arbeitslosenquote (s. Beitrag Wittkampf), und viele der dort wohnenden Arbeitskräfte finden im eigenen Wohnort eine Beschäftigung, sie brauchen nicht in andere Städte zu pendeln. Die überwiegend kleineren und mittleren, wirtschaftlich gut aufgestellten Betriebe rekrutieren jedoch viele zusätzliche Arbeitskräfte aus dem Umland.

Südwestfalen bildet dagegen einen räumlichen Schwerpunkt jener Städte und Gemeinden mit Einpendlerüberschuss, die weniger als 10.000 Einpendler aufweisen. Ihre eigene Einwohnerzahl liegt dabei meist bei bis zu ca. 25.000.

In den letzten Jahren erhöhte sich in fast allen Kommunen mit Einpendlerüberschuss die Anzahl der Einpendler. Sie stieg beispielsweise seit 2010 in der Regel um einen zweistelligen Prozentwert an.

Einpendlerquote

Ein weiterer Betrachtungsaspekt ist die Einpendlerquote (Abb. 1). Darunter wird hier, gemäß der Definition von IT.NRW, der Anteil der Einpendler an den Erwerbstätigen am Arbeitsort verstanden. Wenn relativ viele Arbeitsplätze in einer Stadt nicht mit dort wohnenden Stadtbewohnern besetzt sind oder besetzt werden können, sondern vorwiegend Einpendler dort tätig werden, dann lässt dies Rückschlüsse beispielsweise auf die quantitativen oder qualitativen Standortgegebenheiten in dieser Stadt zu. Oft sind es kleinere Städte, in denen einerseits die Anreize oder die Möglichkeiten, dort zu wohnen, geringer sind als in benachbarten Städten, andererseits aber die Arbeitsplätze mit einem besonderen Anforderungsprofil der Beschäftigten verbunden sind. In Westfalen haben bei den Kommunen mit Einpendlerüberschuss die Städte Holzwickede (Kreis Unna, 83,7%), Augustdorf (Kreis Lippe, 76,5%), Tecklenburg (Kreis Steinfurt, 75,7%) und Bönen (Kreis Unna, 74,2%) die höchsten Einpendlerquoten. Holzwickede und Bönen haben jeweils weniger als 20.000 Einwohner, sind aber bedeutende Logistikzentren und liegen in unmittelbarer Nähe der Großstädte Dortmund bzw. Hamm, von wo sehr viele Beschäftigte kommen. Augustdorf und Tecklenburg haben jeweils weniger als 10.000 Einwohner. Für Augustdorf spielt der dortige Militärstützpunkt und für die "Festspielstadt" Tecklenburg der Tourismus eine entscheidende Rolle. Im Übrigen ist die potenzielle Siedlungsfläche Tecklenburgs aufgrund der topographischen Situation deutlich eingeschränkt.

Abb. 2: Städte und Gemeinden mit Einpendlerüberschuss – Pendlersaldo und Einpendlerüberschuss in % (Quelle: www.it.nrw.de)

Pendlersaldo

Bei den Kommunen mit Einpendlerüberschuss ist außer der absoluten Anzahl der Einpendler auch der Pendlersaldo interessant, also die Differenz zwischen der Zahl der Ein- und der der Auspendler (Abb. 2). Hier nimmt die Stadt Münster mit erheblichem Abstand den ersten Rang ein: Um 55.285 Personen liegt hier die Anzahl der Einpendler über der der Auspendler. Deutlich dahinter folgen Dortmund (Saldo: + 39.702), Bielefeld (+32.654) und Paderborn (+20.544). Münster, Bielefeld und Paderborn profitieren dabei nicht nur von ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, sondern auch von ihrer Rolle als singuläre Oberzentren.

Bei kleineren Städten liegt es auf der Hand, dass dort die Salden geringer ausfallen, weil die Gesamtzahlen der Ein- und Auspendler niedriger sind. Dort lohnt sich jedoch ein Blick auf die Prozentwerte, um die die Einpendlerzahlen jeweils höher liegen als die Auspendlerzahlen. So übersteigt beispielsweise in Olpe die Zahl der Einpendler die der Auspendler um 93,9%. In Lüdenscheid liegt der Wert bei 89,4%, in Paderborn bei 85,2%. An solchen Wirtschaftsstandorten sind offenbar die vorhandenen Erwerbs- und Arbeitsmöglichkeiten sowohl breit gestreut als auch attraktiv, sodass nur verhältnismäßig wenig Einwohner aus diesen Städten zur Arbeit auspendeln müssen, aus dem Umland aber viele Menschen einpendeln. Hinter den drei genannten Städten Olpe, Lüdenscheid und Paderborn folgen auf den nächsten Plätzen Bielefeld, Halle (Westf.), Lippstadt und Attendorn.

Alle hier genannten Städte werden jedoch übertroffen von dem Wert für Münster: Dort liegt die Zahl der Einpendler um 140,2% über der der Auspendler. Zu den wichtigsten Gründen für diese Sonderstellung Münsters gehören sicherlich die zentralörtliche Bedeutung und Struktur sowie die Probleme dieser Stadt in Bezug auf Verfügbarkeit und Preisniveau von Immobilien, Baugrundstücken und Mietwohnungen (s. Beiträge Wittkampf und Fennhoff).

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Weiterführende Literatur/Quellen

Erstveröffentlichung 2016

Publikationsdatum: 13.07.2016

Autoren: Wittkampf (Autor)

Schlagworte: Didaktische Hinweise, Moebelindustrie, Pendler, Westfalen

Region: Westfalen gesamt