LWL-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Mitteilung vom 13.01.12

Foto zur MitteilungAnna-Lena Smania macht in der "Alexianer Waschküche" eine Ausbildung zur Textilreinigerin.
Foto: LWL/Arendt


Foto zur MitteilungAnna-Lena Smania ist nicht nur fürs Bügeln zuständig, zur Not schäumt sie im Café, das ebenfalls zur "Waschküche" gehört, auch Milch für Cappuccino auf.
Foto: LWL/Arendt


Foto zur MitteilungDer LWL unterstützt Integrationsbetriebe wie den Waschsalon, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten.
Foto: LWL/Arendt


Foto zur MitteilungDie Arbeit im Integrationsbetrieb ist für Anna-Lena Smania ein Schritt in ein möglichst normales Leben.
Foto: LWL/Arendt


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Presse-Infos | Soziales

"Bei uns arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen"

Porträtserie zur Messe der Integrationsunternehmen in Münster

Bewertung:

Münster (lwl). In über 110 Firmen in Westfalen-Lippe ist Inklusion Alltag: Rund 1.200 Menschen mit Behinderung arbeiten mit ihren nicht-behinderten Kollegen in Integrationsunternehmen zusammen - am selben Arbeitsplatz, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Die Firmen sorgen für Inklusion im Arbeitsleben - und sie sind im Schnitt mit 6.000 bis 7.000 Euro pro Jahr um die Hälfte kostengünstiger als die Plätze in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (14.000 Euro pro Jahr).
Rund 80 dieser Betriebe, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) unterstützt, präsentieren sich am Donnerstag, 22. März, in der Halle Münsterland in Münster auf der LWL-Messe der Integrationsunternehmen. Zudem wird es ein umfangreiches Vortrags- und Workshop-Programm geben.

Um auf die Messe einzustimmen, werden wir in einer Serie in den kommenden Wochen ausgewählte Integrationsunternehmen vorstellen. Die Geschichten porträtieren die Menschen mit Behinderung, die ihren lang ersehnten Job auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden haben, sowie die Gründer oder Betriebsleiter der Unternehmen, die ihr Engagement erläutern.

Zugleich geht das Internetportal zu sämtlichen Integrationsunternehmen in Westfalen-Lippe online, das der LWL produziert hat. Auf den Seiten unter: http://www.integrationsunternehmen-westfalen.lwl.org finden Sie Unternehmensporträts, Interviews, Hintergrundtexte, Datenbanken und alle weitere Informationen zum Thema. Ebenso finden Sie hier Informationen speziell zur Messe. Außerdem halten wir die Öffentlichkeit über einen Facebook- und einen Twitter-Account auf dem Laufenden.

Fakten zur Messe
LWL-Messe der Integrationsunternehmen
"Unternehmen tun Gutes - inklusiv arbeiten"

Halle Münsterland in Münster
22. März von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
Der Eintritt zur Messe ist kostenlos.
Weitere Informationen unter
http://www.lwl-messe.de

Hintergrund Integrationsunternehmen:
In Westfalen-Lippe gibt es momentan 113 Integrationsunternehmen oder -abteilungen in größeren Firmen aus Industrie, Handel und Gewerbe, in denen rund 1.200 Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt arbeiten. Die Betriebe, die in der Regel zwischen 25 und 50 Prozent Mitarbeiter mit Handicaps beschäftigen, sind rechtlich und wirtschaftlich selbstständig. Sie müssen sich wie jedes andere Unternehmen am freien Markt behaupten.
Der LWL unterstützt diese Firmen aus der Ausgleichsausgabe, die Unternehmen leisten müssen, die nicht mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Mitarbeitern besetzen: Der LWL zahlt Zuschüsse zu Investitionen, zu betrieblichem Mehraufwand, zur Betreuung und zu Lohnkosten. An der Finanzierung beteiligen sich auch die Bundesagentur für Arbeit und das Land Nordrhein-Westfalen über der Programm "Integration unternehmen!".

Achtung Redaktionen:
Gerne nennen wir Ihnen Integrationsunternehmen aus Ihrem Verbreitungsgebiet, die auf der LWL-Messe für Integrationsunternehmen vertreten sind.


PORTRÄT 1:

Anna-Lenas Wunderland: In der "Alexianer Waschküche" reinigen Menschen mit Behinderung Wäsche und servieren Cappuccino

Münster (lwl).
Es klingt wie? Holländisch? Oder doch Norwegisch? Vor ein paar Tagen hat eine Kundin Anna-Lena Smania gefragt, woher aus den Niederlanden sie denn stamme. "Da war ich erst ganz irritiert." Wobei das "ich" bei ihr eher nach einem "ick" klingt. In der Uni-Stadt Münster ist so ein ausländisch klingender Akzent nicht ungewöhnlich. Für die Emsdettenerin mit den hochgesteckten, schwarzen Haaren war die Frage allerdings ein tolles Kompliment. Ihr breites Lachen verrät, wie unbändig sich darüber gefreut haben muss. "Dann hab' ich das erklärt." Musste sie auch, denn ihre Aussprache hat keinen ausländischen Hintergrund - Anna-Lena Smania ist fast taub.

Zu Anfang des Gesprächs im Café in der "Alexianer-Waschküche", in der die 24-Jährige arbeitet, hilft noch Heike Tischmann, Sozialarbeiterin im Integrationsfachdienst Münster, bei ein paar Sätzen mit schwierigen Wörtern mit Gebärden. Dann hat sich Anna-Lena Smania schon an die Sprechweisen um sie herum gewöhnt, obwohl in dem Waschsalon mit angeschlossenem Kneipen-Café an der Bahnhofstraße in Münster einiges los ist. Die junge Frau legt den Kopf zur Seite und zeigt auf fast durchsichtige Hörgeräte hinter ihren Ohren, die Töne verstärken und Geräusche um sie herum leiser werden lassen. Als Kind hat Anna-Lena Smania ihr Gehör fast komplett verloren. Der Fachausdruck dafür ist "an Taubheit grenzend schwerhörig", sagt Heike Tischmann.
Allerdings hat sich Anna-Lena Smania in ein Leben mit Sprache zurückgekämpft - durch langes Sprechtraining mit einer Logopädin. Sie kann nicht nur sprechen, sondern auch richtig schreiben. Das ist etwas Besonderes unter Gehörlosen, sagen Heike Tischmann und ihre Chefin Uta Deutschländer von der Alexianer Textilpflege. Sie nicken sich zu.

Ohne ihr Deutsch mit Akzent stünde Anna-Lena Smania jetzt nicht 40 Stunden in der Woche mit Tariflohn in der nagelneuen "Alexianer Waschküche". Rundherum moderne, schlichte Optik mit Kuhfell-Sitzen, ungewöhnlich, auffällig. Wenn in der Reinigung oder im Café viel los ist, dann helfen sich die Mitarbeiter gegenseitig. Anna-Lena Smania bügelt nicht nur Hemden, sondern schäumt zwischendurch auch die Milch für den Cappuccino auf. Sie sind hier alle ein Team, egal ob behindert oder nicht, hat Uta Deutschländer ihren Waschküchen-Mitarbeitern klar vorgegeben.
Anna-Lena Smania hat auch das Arbeiten an der Bügelstation lieben gelernt. "Das macht Spaß, die glatte Wäsche zu fühlen." Sie streicht über die Jeans-Oberschenkel, presst mit der Hand den Stoff, um das Gefühl von Glätte zu beschreiben. "Aber ich muss noch mehr Gefühl in den Händen bekommen." Eine Kollegin, die gerade die Lehre hinter sich hat, erzählt sie, bringt ihr viele Kniffe und Tricks bei, damit die Wäsche noch schneller fertig ist. Von montags bis freitags ist Anna-Lena Smania in der Waschküche beschäftigt. "Noch", sagt sie. Denn bald kommt noch ein Tag dazu. Dann darf sie auch samstags arbeiten. Es klingt, als ob es ihr größter Wunsch ist: "Denn dann werde ich allein im Laden stehen."

Hintergrund:
Die Waschküche ist ein Integrationsunternehmen, in dem Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam arbeiten. Anna-Lena Smania wird zwölf Kollegen haben, von denen sechs behindert sein werden, so ist es geplant. Fast Halbe-Halbe. Den Waschsalon haben der Landschaftsverband Westfalen Lippe (LWL) aus der Ausgleichsabgabe und das Land NRW aus dem Programm "Integration unternehmen!" mitfinanziert. Aktion Mensch und die Stiftung Wohlfahrtspflege unterstützten ebenfalls den Alexianer-Plan für die Arbeitsplätze der Mitarbeiter, die es schwer auf dem normalen Arbeitsmarkt haben - weil sie Behinderungen haben.

Die Waschküche ist eine große Chance für Anna-Lena Smania. Vor ein paar Tagen waren ihre Freunde zum ersten Mal da. "Es riecht nicht nach Wäscherei, haben sie gesagt. Sieht sauber aus. Sie haben sich wohl gefühlt." Die junge Frau in der hellblauen Jeans und der Bluse im Alexianer-Rot, ihrer Dienstkleidung, lässt sich in der Waschküche zur Textilreinigerin ausbilden. Eineinhalb Jahre geht sie zur Berufsschule für Hörgeschädigte in Essen, lernt wieder. "Es gibt so viele Stoffe, so viele Farben." Uta Deutschländer ist stolz darauf, dass sie nun mit Anna-Lena Smania insgesamt sechs Mitarbeiter in einer speziellen Qualifizierungsreihe mit integrierter Umschulung hat. Sie kennt sich damit aus, wenn Inhalte für Menschen mit Hörschäden vorbereitet werden müssen. An der Hansalinie in Münster betreibt die Alexianer Textilpflege noch einen Wäschereibetrieb mit 60 Mitarbeitern. 16 von ihnen haben eine Hörbehinderung.
Dort in der Großwäscherei hat Anna-Lena Smania früher auch gearbeitet. Nun freut sie sich über ihren Arbeitsplatz mit den großen Fenstern zur belebten Straße. Jeder kann ihr bei der Arbeit zuschauen. "Ich arbeite mit normalen Menschen." Sie lacht: "Ich kann leben wie ein normaler Mensch."

Ab sieben Uhr ist die Waschküche morgens für Pendler geöffnet. Eine Stunde vorher werden Theke und Waschsalon mit Waschmaschinen-Galerie und Trocknern hergerichtet. Kunden können aber auch alle Textilien zum Waschen, Reinigen oder zum Bügeln abgeben, erzählt Anna-Lena Smania: "Und sie sehr schnell wieder abholen." Über den Maschinen flimmert auf einem Fernsehschirm immer ein Nachrichtensender, damit die Kunden sich nicht langweilen. Da könnte Anna-Lena auch ihre Lieblingssendung "Tatort" schauen, immer zusammen mit der Teletextseite 150 - den Untertiteln für Gehörlose, eine große Hilfe für sie. Aber dazu bleibt im Alltag keine Zeit seit die Waschküche angelaufen ist. "Es gibt immer Arbeit, Arbeit."



Pressekontakt:
Markus Fischer, LWL-Pressestelle, Telefon: 0251 591-235
presse@lwl.org




Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 16.000 Beschäftigten für die 8,2 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 17 Museen und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung. Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen. Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 106 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.


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