Die neu gegründeten Amerikahäuser sollten nach der Zeit des Nationalsozialismus demokratische Kultur und Werte vermitteln und waren ein Element der amerikanischen Politik der »re-education«. Als sich der Ost-West-Konflikt verschärfte, verfolgten die Amerikaner eine Annäherung auf kulturellem Gebiet. Es galt, dem neuen Bündnispartner ein positives Amerikabild näher zu bringen. Eröffnung des Amerika-Hauses in Essen 1952.

Alliierte im Ruhrgbiet

Recht schnell sahen die Besatzungsmächte nach dem Zweiten Weltkrieg von einer Stilllegung des Ruhrbergbaus ab und sahen in der Kohleförderung eine notwendige Grundlage für den Wiederaufbau. Sie übernahmen aber die Kontrolle über den Ruhrbergbau. Die neu gegründeten Amerikahäuser sollten nach der Zeit des Nationalsozialismus demokratische Kultur und Werte vermitteln und waren ein Element der amerikanischen Politik der »re-education«.

© Stadtbildstelle Essen, Foto Hagen

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Neuordnung des Bergbaus und Demokratisierung durch westliche Kultur

Als „Waffenschmiede des Reiches“ und Verwaltungszentrum des Ruhrbergbaus war Essen aus Sicht der alliierten Besatzungsmächte nach dem Zweiten Weltkrieg die bedeutendste Ruhrgebietsstadt. Zahlreiche alliierte Institutionen hatten hier ihren Sitz, darunter die North German Coal Control (NGCC), die im Sommer 1945 die Kontrolle über den Ruhrbergbau übernommen hatte. Langfristiges Ziel war die Dezentralisierung des Bergbaus wie der Wirtschaft überhaupt und eine dauerhafte Kontrolle über die bedeutenden Kohlevorräte des Reviers. Schon 1947 milderten Amerikaner und Briten ihre Strategie, setzten stärker auf die Mitwirkung deutscher Institutionen und Führungskräfte und richteten selbstverwaltete Institutionen ein, so die Deutsche Kohlenbergbau-Leitung (DKBL) mit Sitz auf der Villa Hügel. Sie sollte – unter direkter Kontrolle der Alliierten - die nach Kriegsende fast zum Erliegen gekommene Kohleförderung wieder in Gang setzen. Sie zog Ende 1947 ins Glückaufhaus, in der kurz nach Kriegsende bereits die britische Stadtkommandantur untergebracht war. 1953 wurde die DKBL aufgelöst.

Neben politischer und wirtschaftlicher Kontrolle setzte die amerikanische Besatzungspolitik auf eine veränderte Einstellung der Menschen. In diesem Kontext ist die Errichtung von Amerikahäusern in vielen Städten zu sehen. Auf Basis eines 1948 erlassenen Gesetzes wurden solche „U.S. Information Center“ international in über 70 Ländern eingerichtet, sie sollten „ein besseres Verständnis für die Vereinigten Staaten […] fördern und die gegenseitige Verständigung zwischen dem amerikanischen Volke und den Völkern anderer Nationen vertiefen […] helfen.“

Vom anfänglichen Ziel der „Re-education“ der Deutschen verschob sich die Aufgabenstellung der Amerikahäuser mit Beginn des Kalten Krieges: Das „erzieherische“ Ziel lag nun weniger in der Beseitigung nationalsozialistischen Gedankenguts, sondern in der Abwehrpropaganda gegen den Kommunismus. Bis 1951 entstanden in der Bundesrepublik 135 kleinere Lesesäle und 27 Amerika-Häuser, die in der kulturellen Diaspora der Nachkriegszeit auch mangels anderer Angebote schnell an Attraktivität gewannen. Mit einer kostenlosen Leihbibliothek, Vortragsveranstaltungen, Konzerten, Ausstellungen, Lesungen und Filmvorführungen boten sie eine willkommene Abwechslung. Ob die Amerika-Häuser tatsächlich den intendierten Erfolg hatten, ist jedoch trotz hoher Besucherzahlen zweifelhaft, denn am 18. Juni 1951 gab das amerikanische Hochkommissariat für Deutschland die Schließung von 12 Häusern und 100 Lesesälen bekannt. Man konzentrierte sich nun auf Standorte in Ballungszentren wie das Ruhrgebiet, wo bisher noch keine Einrichtung dieser Art eröffnet worden war.

Das Amerika-Haus Ruhr, eröffnet 1952, markiert damit einerseits einen Wendepunkt der Entwicklung der Institution, hinsichtlich des materiellen Aufwands und des Symbolgehalts des Neubaus allerdings eher einen Höhepunkt. Denn das Amerika-Haus Ruhr war das erste für diesen Zweck entworfene und errichtete Gebäude in Deutschland und hob sich damit sinnträchtig von den Gebäuden ab, die die Alliierten üblicherweise nutzten.

Das Ruhr Information Center

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