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| SEITENTITEL | Arminius - Varus > 5. Der Film "Die Hermannschlacht" (1924) | |
| m | ![]() Inhalt Inhaltsverzeichnis Arminius-Varus 5. Der Film "Die Hermannschlacht" (1924) 5.1 Inhalt und Entstehung des Films 5.2 Rezeption 5.3 Filmografie 5.4 Filmszenen 5.5 Zwischentexte 5.6 Exkurs: "Die Hermannsschlacht" (1994) 5.7 LiteraturDie erste Verfilmung der Ereignisse des Jahres 9. n. Chr. galt lange Zeit als verschollen. Zwar gab es in Lippe immer wieder Hinweise auf den Film, aber erst 1990 wurde eine Kopie in Moskau entdeckt. Dass der Film in den vorangegangenen Jahrzehnten kaum vermisst wurde, ist nicht verwunderlich, denn er zählte bereits zum Zeitpunkt seiner Premiere nicht zu den Höhepunkten der Filmkunst. Dementsprechend war ihm nach der Uraufführung am 27.02.1924 im Landestheater Detmold auch nur ein überaus kurzer, regional begrenzter Erfolg beschieden. Nicht als filmhistorisch bedeutendes Werk, sondern als Zeitdokument ist "Die Hermannschlacht" jedoch interessant. Die Deutungsangebote des Films und seine Rezeption durch das lippische Publikum werfen ein Licht auf die politische Situation und den Zeitgeist der Weimarer Republik im Jahr 1924. 5.1 Inhalt und Entstehung des FilmsInhalt Die Verfilmung stützt sich auf keine der bedeutenden literarischen Vorlagen wie z. B. Christian Dietrich Grabbes Drama, sondern entstandt laut Programmheft "frei nach der Geschichte". Der Film beginnt mit Szenen, die Hermann als Geisel in Rom zeigen. Nach seiner Rückkehr in das vom römischen Reich besetzte Germanien gelingt es ihm, die Germanen zu einen und in den Kampf gegen die Römer zu führen. Die dramtische Handlung in fünf Akten endet mit einer großen Siegesfeier. Die Art und Weise, mit welcher der Film diese Geschichte erzählt, ist jedoch keineswegs so gradlinig, wie das Programmheft suggeriert. Mehrere nicht ganz einleuchtende Liebesgeschichten sowie weitere Nebenhandlungen lassen das Geschehen insgesamt überfrachtet wirken. Durch die Sprünge zwischen den verschiedenen Handlungssträngen und die daraus resultierende holprige Szenenabfolge läßt der Film das Potential des Stoffes ungenutzt. Zwischentexte Die Lektüre der im Film eingeblendeten Zwischentexte kann selbstverständlich nicht ein Ersatz dafür sein, den Film zu sehen. Sie sind hier dennoch vollständig mit den ergänzenden Aktangaben wiedergegeben, weil sie einerseits eine gute inhaltliche Orientierung bieten und andererseits andeuten, welche Ideen der Drehbuchautor und Regisseur Leo Koenig mit seiner Umsetzung des dramatischen Stoffes verfolgte. Regie Von Dr. Leo König, dem Drehbuchautor und Regisseur, ist nur sehr wenig bekannt. Koenig, geboren am 16.8.1883 in Memel, wurde 1908 an der Juristischen Fakultät der Universität Erlangen mit einer Arbeit über "Das Recht am eigenen Bilde" promoviert (Berlin 1908). Von 1921 bis 1922 und 1925 arbeitete er zunächst als Regisseur und dann als Oberspielleiter am Schauspielhaus in Düsseldorf. In den Jahren 1927 bis 1929 leitete er das Schauspiel am Theater der Stadt Münster. Dort inszenierte er in diesem Zeitraum "Peer Gynt" von Henrik Ibsen, "Die Journalisten" von Gustav Freitag und "Rausch" von August Strindberg. Produktion Auch über die Produktionsfirma, die Klio-Filmgesellschaft GmbH gibt es bislang so gut wie keine Informationen. Aus Briefen geht hervor, dass die Firma ihren Sitz in Berlin hatte, Friedrichstraße 24 (1922) und Ritterstraße 75 bzw. Encke-Platz 3a (1923). Zu den Mitbegründern gehörte der aus Brackwede stammende Heinz Luttermöller (1883-1975), der Direktor der Deutschen Allgemeinen Zeitung in Berlin war. Dreharbeiten Die Dreharbeiten fanden hauptsächlich in der Nähe des damals angenommenen Ortes der Schlacht, in einem Steinbruch am Bärenstein statt - unweit des Hermannsdenkmals und der Externsteine. Die Klio-Film GmbH hatte am 27.02.1922 die Lippische Direktion der Domänen und Forsten um Erlaubnis gebeten, Filmaufnahmen für einen "geschichtlichen Film" machen zu dürfen. Die lippische Forstverwaltung genehmigte das Anliegen mit der Auflage, dass die Klio-Film 6.000 DM als Sicherheit zum Ausgleich eventueller Flurschäden hinterlegen musste. An den Aufnahmen waren bei den Schlachtszenen bis zu 1.000 Statisten und 200 Pferde beteiligt. Der Film wurde so bereits vor seiner Fertigstellung zu einem regionalen Ereignis, weil die Komparsen, die aus ganz Lippe kamen, gewissermaßen ihre eigene Geschichte an historischer Stätte nachspielten. Die großen Schlachtszenen wurden an den für alle freien Sonntagen gedreht, wobei manchmal tausende Schaulustige zugegen waren. Weitere Aufnahmen wurden in der Saalburg im Taunus abgefilmt. Nachdem die Dreharbeiten im Dezember 1922 zunächst beendet waren, musste die Klio-Film im Juni 1923 erneut um eine Genehmigung bitten, da noch einige Nachaufnahmen nötig waren. Zuvor hatte bereits mehrmals Regen einen Abbruch der sonntäglichen Massenszenen erzwungen. Im August 1923 bestätigte die Revierverwaltung erneut, dass keine Schäden bei den Dreharbeiten entstanden seien. Schreiben der Klio-Film an die Direktion der Domänen und Forsten, Detmold Schreiben der Klio-Film an die Direktion der Domänen und Forsten, Detmold Programmheft Im Programmheft zum Film wird das nationalistische und völkische Deutungsangebot von "Die Hermannschlacht" am deutlichsten formuliert. Hier heißt es u.a.: "Die Anmaßungen beutelustiger Besatzungstruppen höhnen immer herausfordender. Römische Heerführer würfeln hämisch um den Besitz germanischer Frauen. Geschenke feilschen um ihre Willfährigkeit. Alles fremde römische Wesensart. Ein Ausdruck entarteter Volkssitten, seelisch untief in ihren sinnlich lüsternen Forderungen." 5.2 RezeptionDer Film war allein schon deshalb ein gesellschaftliches Ereignis, weil es sich um die erste Uraufführung eines Spielfilms in Detmold handelte. Das Interesse der Bevölkerung dürfte zudem besonders deshalb groß gewesen sein, weil vermutlich viele Menschen jemanden kannten, der als Statist bei den Dreharbeiten dabei gewesen war. Das völkische und nationalistische Deutungsangebot, das der Film seinem Publikum machte, kam ganz offensichtlich beim lippischen Premierenpublikum und der Lokalpresse an. Den zeitgenössischen Kontext bildeten die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg, der "Schandfrieden" von Versailles sowie die unmittelbar zurückliegende Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich im Januar 1923. Die Schlacht zwischen Germanen und Römern galt den Zeitgenossen vor diesem Hintergrund als leuchtendes Beispiel des deutschen Freiheitskampfes, der nun erneut zu führen sei.Vorberichte Schon in den Vorberichten der lippischen Tageszeitungen wurde auf die nationale Bedeutung des kommenden Filmereignisses hingewiesen. Der Film möge, so die Hoffnung der "Lippischen Zeitung", Vorarbeit leisten "für den Wiederaufstieg unseres Vaterlandes". Auch das sozialdemokratische "Volksblatt" war der Meinung, dass "Die Hermannschlacht" vielleicht dazu berufen sei, "deutsches Einigkeitsgefühl wieder zu wecken".
Uraufführung Das am 27.02.1924 im Landestheater in Detmold versammelte Premierenpublikum wurde vor der Aufführung durch ein Gedicht Paul Warnkes auf das Filmerlebnis eingestimmt. Noch bevor das erste Bild zu sehen war, hob der als Verfasser vaterländischer Gedichte und Chefredakteur des "Kladderadatsch" bekannte Warnke in einfachen Versen hervor, wie der Film zu verstehen sei: Als Aufruf zum "Kampf ums deutsche Vaterland" gegen den "Todfeind" Frankreich. positive Kritik Nach der Premiere war die heimische Presse voll des Lobes. Besonders hervorgehoben wurden die "fabelhaft dramatische und künstlerisch geschlossene Handlung" und die Bilder "von unerhörter Stärke und unvergeßlicher Eindruckskraft", wobei immer wieder auf die landschaftliche Schönheit des Teutoburger Waldes verwiesen wurde. Nicht nur das Manuskript und die Inszenierung, sondern auch die Darstellung befinde sich auf künstlerischer Höhe. Die "Lippische Post" verwies auf die "vaterländisch-politischen Vergleichsmomente", die mit "beredter Eindruckskraft" ans Herz der Zuschauer gegriffen hätten. In diesem Sinne war zumindest die Uraufführung in der Tat ein großer Erfolg. Die Zeitungen berichten von "stürmischem Beifall" auf offener Szene, langanhaltendem Beifallklatschen zwischen den Akten und "am Ende sangen alle flehend das Deutschlandlied", wie die "Lippische Zeitung" formulierte.
... und negative Kritik Den nationalistischen Emotionen, die bei der Premiere zum Ausdruck kamen, konnte das sozialdemokratische "Volksblatt" nichts abgewinnen. Zwar habe man aus dem Film auch "Freude schöpfen können", aber ansonsten müsse er vor allem politisch betrachtet werden: "Schwüle Haß- und Rachegedanken suchten und fanden in dem Film Erbauung und Befriedigung". Vollständig negativ fiel die Besprechung der Bielefelder "Westfälischen Zeitung" aus. Der Kritiker hatte einen "mittelguten historischen Durchschnittsfilm" mit "lose zusammenhängenden Szenen" gesehen, und die Musik war "durchaus unzulänglich". Auch die Darstellung kommentierte er mit Spott: "Die ängstlich mit ihren unbekleideten Füßen über die Steine trippelnden Germanen ließen den vorgeschriebenen Angriffsmut in der Hermannschlacht nicht recht glaubhaft erscheinen." 5.3 FilmografieLand Deutschland, 1924 (s/w) Länge ca. 54 min Regie Dr. Leo König Drehbuch Dr. Leo König Produktion Klio-Film G.m.b.H., Berlin Kamera Marius Holdt Musik Dr. Fritz Chlodwig Lange (Zusammenstellung der Begleitmusik für die Uraufführung) Schnitt - Bauten Fritz Kraenke, Dr. Hanns Jaquemar Kostüme J. Bieeker, Münster Erstaufführung 27.02.1924, Landestheater Detmold Darsteller Segimer (Adolf Bassermann [1864-1943])Fürst der Cherusker Alahgund (Antonie Jaeckel)Segimers zweite Frau Arminius (Georg Schmieter)Sohn Segimers aus erster Ehe Gunthild (Mia Pantau)Waisenkind, im Hause Segimers erzogen Segestes (Gustav Czimeg)Neben Segimer Fürst der Cherusker Tusnelda (Annemarie Wisser)Tochter von Segestes Segimund (Gustav Adolf Semler)Sohn von Segestes Marobod (Hans Mühlhofer)Fürst der Markomannen Quintilius Varus (de Stefano-Vitate)Römischer Statthalter in Germanien 5.4 FilmszenenAuf dieser Seite können Sie einige ausgewählte Szenen aus dem Spielfilm von 1924 betrachten. Alle Ausschnitte liegen im Format MPEG vor. Für die Wiedergabe müssen Sie die Filmausschnitte downloaden und dann abspielen. Die Filmsequenzen
5.5 Die ZwischentexteIn den eingeblendeten Zwischentexten brachte Drehbuchautor und Regisseur Leo Koenig zum Ausdruck, wie er seinen Film verstanden wissen wollte. Der Kampf zwischen Germanen und Römern sollte für die zeitgenössische Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Frankreich im Ruhrkampf stehen: Die Römer plündern "mit gallischem Haß" (Nr. 4). Gegenüber dem Recht des Stärkeren, das Quintilius Varus skrupellos und machtbewußt beansprucht, vetritt Hermann/Armin ein völkisches Konzept von Ehre, germanischem Recht und Boden (Nr. 62-66). Ein zentrales Motiv des Films, vor dem Hintergrund des Bürgerkrieges der Weimarer Republik, ist der wiederholte Appell an die Einigkeit der Germanen/Deutschen (Nr. 84, 104, 132-137). 1. Akt [Nr. 2 - 33] 2. Akt [Nr. 34 - 67] 3. Akt [Nr. 38 - 108} 4. Akt [Nr. 109 - 138] 5. Akt [Nr. 139 - 158]
1. Akt
2. Akt
3. Akt
4. Akt
5. Akt
5.6 Exkurs: | |
| DATUM AUFNAHME | 2004-11-03 | |
| DATUM ÄNDERUNG | 2025-10-13 | |
| AUFRUFE GESAMT | 22364 | |
| AUFRUFE IM MONAT | 86 | |
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Inhaltsverzeichnis Arminius-Varus


Segimer (Adolf Bassermann [1864-1943])
Alahgund (Antonie Jaeckel)
Arminius (Georg Schmieter)
Gunthild (Mia Pantau)
Segestes (Gustav Czimeg)
Tusnelda (Annemarie Wisser)
Segimund (Gustav Adolf Semler)
Marobod (Hans Mühlhofer)
Quintilius Varus (de Stefano-Vitate)
Ventidius (Fred Immler)
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