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(82 KB)   Stadt Salzkotten (Kreis Paderborn), Das Grabensystem von Oberntudorf / Münster, Westfälisches Amt für Bodendenkmalpflege/J.-S. Kühlborn / Freigabenummer: RP Münster, 16.205 / 87   Stadt Salzkotten (Kreis Paderborn), Das Grabensystem von Oberntudorf / Münster, Westfälisches Amt für Bodendenkmalpflege/J.-S. Kühlborn / Freigabenummer: RP Münster, 16.205 / 87
TITELStadt Salzkotten (Kreis Paderborn), Das Grabensystem von Oberntudorf
DATIERUNG1985-06-14


INFORMATIONDie gesamte Paderborner Hochfläche besteht aus Kalkschichten, die verkarstet sind. In der Vegetationsperiode erscheinen daher im Luftbild zahlreiche Bewuchsmerkmale, die die Lage der mit Lehm gefüllten Klüfte und Dolinen anzeigen, zugleich aber die Erkennung archäologischer Bewuchsstörungen erheblich erschweren. Am 14.06.1985 entdeckte dennoch Otto Braasch, der bekannte Fachmann für die Luftbildarchäologie Süddeutschlands, als er sich auf einem Rückflug von Paderborn befand, zwischen Salzkotten und Borchen, die einzigartige Luftbildspur von Oberntudorf.

Im Wirrwarr der Spuren, die das gelbgrüne Feld in großer Zahl durchqueren, zeichnete sich ein Bündel von fünf parallel verlaufenden Gräben ab, deren weiche Mäander auf drei verschiedenen Ackern zu verfolgen waren. Die dunklen, breiten Spuren sind positive Bewuchsmerkmale, die auf einen tiefgründigen Nährboden hinweisen. Sie ließen sich also unschwer als Gräben deuten. Diese sind aber nicht durchgehend, sondern weisen zwei Unterbrechungen auf (im Luftbild ist nur eine Unterbrechung erkennbar, und zwar im gelbgrünen Acker neben dem langovalen, dunklen Fleck, der auf eine kleine, zugeschüttete Doline zurückzuführen ist). Nach entsprechenden Parallelen mußte es sich um eine jungsteinzeitliche Befestigung handeln, was die Funde einer sofort eingeleiteten Begehung bestätigten, aber es war eine Befestigung von einer beispiellosen Monumentalität! Der Ring ist 40 m breit und besteht tatsächlich, wie Probeschnitte in den Jahren 1986 und 1988 gezeigt haben, aus fünf Gräben von 3-4 m Breite, die bis zu 1,80 m tief in den Kalkfels von Menschen eingearbeitet worden sind, die noch nicht über Metallwerkzeuge verfügten!

Von dem Grabensystem kennen wir bisher nur zwei Abschnitte mit insgesamt 300 m Länge. Denn trotz regelmäßiger Befliegung sind hier seit 1985 keine weiteren Spuren festgestellt worden. Dies wird z.T. mit dem geologischen Untergrund zusammenhängen. Die "stummen" Flächen sind nämlich weitgehend mit einem räumlich begrenzten Vorkommen von saaleeiszeitlicher Grundmoräne deckungsgleich, deren mergelige Tone offenbar keine luftbildrelevanten Bodenmerkmale zulassen.

Die mergeligen Tone werden seit Jahrzehnten nach und nach von einer benachbarten Ziegelei abgebaut, und zwar technisch bedingt in einer Weise, die archäologische Begleitmaßnahmen nicht zuläßt. Von dieser Abgrabungsfirma ist bekannt, daß sie in den frühen dreißiger Jahren "50 m lange Gräben voll (von) Skeletten hintereinander geschaltet in mehreren Reihen" angeschnitten hat. Diese Beobachtung erschien lange Zeit unerklärlich und geheimnisvoll. Sie war etwas in Vergessenheit geraten. Nachdem die Gräben nun luftbildarchäologisch nachgewiesen sind, läßt sich aber die Beobachtung nachträglich 'lokalisieren': die Gräben wurden dort gesehen, wo in den dreißiger Jahren der Ton gewonnen wurde. Daraus ergibt sich für die ursprüngliche Ausdehnung des Erdwerkes ein Durchmesser von mindestens 400 m. Es entspricht einem Bauwerk von über 6 km Länge, aus dem bei 3 m Breite und 1,50 m Tiefe mehr als 28.000 m3 Aushub bewältigt wurde.

Was kann um 3000 v. Chr. die Träger der Michelsberger- oder der Trichterbecherkultur mit ihren Holz-, Stein- und Geweihwerkzeugen zu solch einer Anlage bewegt haben? Was erwartet uns eigentlich in der Innenfläche dieser gewaltigen Befestigung? Das sind Fragen, die die eingeleiteten archäologischen Untersuchungen nach und nach beantworten werden.


Literatur

K. Günther
Salzkotten-Oberntudorf (Dingfeld). Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 5, 1987, 713-718.

(D. Bé.)


TECHNIKFoto
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FOTO-PROVENIENZMünster, Westfälisches Amt für Bodendenkmalpflege/J.-S. Kühlborn / Freigabenummer: RP Münster, 16.205 / 87


QUELLE    Kühlborn, Johann-Sebastian / Bérenger, Daniel / Berke, Stephan | Luftbildarchäologie in Westfalen | Dia 03, S. 14f.
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit1.3   Jungsteinzeit (Neolithikum)
Ort2.7.9   Salzkotten, Stadt
DATUM AUFNAHME2004-02-15
AUFRUFE GESAMT2482
AUFRUFE IM MONAT11