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(92 KB)   Bestand des Stalag 326 (VI K) Senne an Kriegsgefangenen 1941-1945   Bestand des Stalag 326 (VI K) Senne an Kriegsgefangenen 1941-1945
TITELBestand des Stalag 326 (VI K) Senne an Kriegsgefangenen 1941-1945
GEOPOSITIONGoogle Maps OSM | 51.745228273865200 (NS), 8.712327182292938 (EW) (exakt)


INFORMATIONBereits am 10.07.1941 trafen die ersten sowjetischen Soldaten in der Senne ein. Es handelte sich um zwei Transporte mit zusammen ca. 4.000 Mann. Für den 15.07.1941 vermerkte die offizielle Statistik des OKW die Anwesenheit von 6.000 Gefangenen. Diese Angabe beruhte allerdings noch auf Schätzungen, denn präzise Zahlen konnte die Kommandantur erst nach der Erfassung eines jeden einzelnen nach Berlin meiden. Das ging dann freilich recht schnell: bereits am 18.07.1941 starb - als dritter bezeugter Todesfall - der Soldat Wasili Kasulin mit der Erkennungsmarke 326/5407, am 02.08.1941 Fedor Konontschenko, der als Gefangener Nr. 10.950 seine Erkennungsmarke erhalten hatte.

Während in den meisten anderen "Russenlagern" bis Mitte August mehr als 30.000 Mann eingetroffen, waren, hielten sich in der Senne am 10.08.1941 lediglich 12.000 Gefangene auf. Die Stalagleitung war von den in der zweiten Julihälfte zahlreich eintreffenden Transporten offensichtlich so überfordert, daß das OKW von Berlin aus anordnete, einen Teil der sowjetischen Soldaten in die Emslandlager VI B Neu Versen und VI C Bathorn weiterzuleiten; dort hielten sich schon Anfang September etwa doppelt so viele Gefangene auf wie im Stalag 326. Auf Grund dessen kamen von diesem Zeitpunkt an weit weniger Rotarmisten in die Senne als die in der Planung vorgesehenen 50.000. Weil darüber hinaus das OKW wegen des zunehmenden Arbeitskräftemangels das Prinzip der Isolierung der sowjetischen Gefangenen in den "Russenlagern" aufgab und diese auch auf die "normalen" Kriegsgefangenenlager im Deutschen Reich verteilte, sank die Zahl der dem Stalag Senne Zugeordneten rapide auf 2.314 Anfang Oktober 1941.

Weitere Transporte ließen den Bestand zum 01.12.1941 zwar wieder auf 5.428 steigen, Fleckfieber und vor allem Entkräftung aber dezimierten diese Zahl in kaum vorstellbarem Ausmaß. So starben allein im November und Dezember etwa 1.600 Kriegsgefangene. Neue Gefangene blieben wegen der Niederlagen an der Ostfront und einer Fleckfieberquarantäne aus. Die Belegungskurve sinkt daher kontinuierlich, bis sie am 01.05.1942 mit nur 1.181 Mann ihren Tiefststand erreicht (s. Dokument 7  Quelle).

Während die meisten anderen "Russenlager" wegen dieser Entwicklung aufgegeben, verlegt oder anderen Lagern zugeordnet wurden, blieb das Stalag 326 kill K) bestehen. Schon im Frühsommer 1942 hatte sich die Reichsvereinigung Kohle, ein Zusammenschluß der Kohleindustrie, beim OKW dafür eingesetzt, sowjetische Soldaten in großer Zahl für den Ruhrbergbau bereitzustellen und das Stalag Senne als zentrales Ausleselager dafür vorgeschlagen. Nach einer Erprobungsphase erging dann im Herbst 1942 eine entsprechende Anweisung des OKW: die in der Senne für bergbautauglich befundenen Gefangenen kamen in das Stalag VI A Hemer, das von nun an ausschließlich für sämtliche im Ruhrbergbau eingesetzten Rotarmisten zuständig war und dafür von seinen sonstigen Aufgaben entbunden wurde (s. Dokument 8  Quelle). In der Folgezeit durchliefen daher sowjetische Kriegsgefangene in großer Zahl das Stalag 326 (VI K). Die meisten kamen direkt von der Ostfront und waren daher noch nicht erfaßt worden, so daß sie vor ihrem Einsatz erst noch registriert werden mußten und eine Erkennungsmarke erhielten. Deren Anzahl zeigt, weiche Bedeutung das Lager erhalten hatte: insgesamt wurden etwa 200.000 Marken ausgegeben, so viele wie in keinem anderen Lager für sowjetische Kriegsgefangene. Überdies griff man wegen des Arbeitskräftemangels auf eine Vielzahl von bereits registrierten Gefangenen aus anderen Lagern zurück. Bis zum 01.03.1945 haben insgesamt 307.679 Rotarmisten das Stalag Senne durchlaufen (s. Dokument 2).

Für die Zeit ihrer Anwesenheit, oft nicht mehr als einige Wochen bis zur Abgabe nach Hemer, wurden sie dem Lagerbestand zugeordnet. Da der Arbeitskräftebedarf ebenso stark schwankte wie die Zahl der eintreffenden Gefangenen, differieren die monatlichen Angaben sehr. So gehörten am 01.10.1942 14.662 Mann zum Bestand, einen Monat später waren es mehr als 31.000. Für die Kürze der Zeit wurden sie nicht in den Baracken des Hauptlagers, sondern im östlich daran anschließenden Zeltlager untergebracht. Die dortigen Lebensbedingungen erhöhten die Zahl der Todesfälle enorm: allein in den letzten drei Monaten des Jahres 1942 starben etwa 5.000 Menschen, so viele wie in keinem anderen Lager im Deutschen Reich.

Noch in den letzten Kriegsmonaten war das Stalag 326 immer wieder Ziel von Transporten. Aus Lagern im Osten, die beim Herannahen der Roten Armee aufgelöst worden waren, gelangten z.B. im August 1944 etwa 10.000 Mann in die Senne, und seit Januar 1945 diente es als Auffanglager für sowjetische Soldaten, die man vor dem Eintreffen der westalliierten Truppen aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet evakuierte. Viele von ihnen marschierten nach kurzem Aufenthalt weiter Richtung Mitteldeutschland. Am 02.04.1945 befreiten die US-Truppen noch etwa 9.000 Gefangene.

Mit Wirkung vom 01.09.1942 erhielt das Stalag 326 mit dem Regierungsbezirk Minden und dem Land Lippe einen eigenen Arbeitseinsatzbezirk und führte von diesem Zeitpunkt an wie jedes andere Kriegsgefangenenlager sämtliche in diesem Bereich eingesetzten Gefangenen, also auch diejenigen anderer Nationen. In der Statistik schlug sich das am 01.10. nieder. Erstmals erscheinen Franzosen, immerhin mehr als 10.000, dazu Serben, Polen und Belgier. Vom 01.12.1943 an schließlich gehörten auch Italienische Militärinternierte (IMIs) zum Stalag Senne; ihre Höchstzahl ist mit 3.073 am 01.07.1944 erreicht.

Einem weit verbreiteten Irrtum zufolge entspricht die in den Bestandsmeldungen für ein Lager angegebene Zahl der Zahl derer, die sich in diesem Lager auch aufhielten. Die meisten Männer befanden sich jedoch im Arbeitseinsatz, für gewöhnlich so weit entfernt, daß eigene Unterkünfte eingerichtet werden mußten. Im Lager selbst lebten nur diejenigen, die in der unmittelbaren Umgebung, etwa in der Landwirtschaft eingesetzt waren und daher am Abend wieder ins Lager zurückgeführt wurden, dazu Kranke.


Nach: Bundesarchiv/Militärarchiv Freiburg, Bestand RW 6/v. 184, 450-453; Staatsarchiv Moskau (GARF), Bestand 7021-105-D7


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QUELLE    Otto, Reinhard | Das Stalag 326 (VI K) Senne | Dia 04, S. 20-23
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ95   Grafik, Schaubild, Diagramm
Zeit3.9   1900-1949
3.9.50   Zweiter Weltkrieg <1939-1945>
Ort2.2.9   Schloß Holte-Stukenbrock, Gemeinde
DATUM AUFNAHME2004-02-03
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