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(84 KB)   Empfang Kardinal von Galens vor dem Dom zu Münster, 16.03.1946 / Münster, Stadtarchiv / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/O. Mahlstedt   Empfang Kardinal von Galens vor dem Dom zu Münster, 16.03.1946 / Münster, Stadtarchiv / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/O. Mahlstedt
TITELEmpfang Kardinal von Galens vor dem Dom zu Münster, 16.03.1946
DATIERUNG1946-03-16


INFORMATIONDer Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, ist als eine der bekanntesten Persönlichkeiten aus der Zeit des Nationalsozialismus hervorgegangen. Seine mutigen Predigten im Sommer 1941, die sich gegen die Beschlagnahme von Klöstern und die Ermordung von geistig Behinderten durch die Nationalsozialisten richteten, brachten ihm auch über Deutschland hinaus ein derart hohes Ansehen, daß die Briten nur wenige Tage nach der Besetzung den Kontakt zu ihm suchten. Verstärkt wurde seine Popularität durch Nachrichten aus Rom, als Ende des Jahres 1945 bekannt wurde, daß Papst Pius XII. beschlossen hatte, Bischof von Galen die Kardinalswürde zu übertragen.

Dabei ist das Bild von Galens wie auch seine politische Haltung während der nationalsozialistischen Zeit historisch nicht unumstritten. Von Galen sympathisierte stets mit staatsautoritären Vorstellungen und war alles andere als ein Demokrat. Wie fast alle deutschen Bischöfe hat von Galen zu keinem Zeitpunkt des Krieges die militärische Niederlage des deutschen Staates gewünscht und er billigte, was mit seiner konsequent antikommunistischen Haltung zusammenhing, ausdrücklich den Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941. [1] Die Briten jedoch hielten die katholische Kirche mit von Galen an der Spitze nach der Besetzung für eine der wenigen nicht korrumpierten deutschen Institutionen, auf deren Hilfe sie bei der Suche nach geeigneten Deutschen für leitende Ämter bauten.

Von Galen erwies sich nach Kriegsende jedoch als ein unangenehmer Partner für die Briten. So hatte er schon den Kriegsausgang in erster Linie nicht als Befreiung von der Hitlerdiktatur, sondern als schmerzliche Besiegelung der totalen deutschen Niederlage empfunden. Bis zur endgültigen Kapitulation des Reiches am 8. Mai weigerte sich von Galen sogar, den von der Besatzungsmacht dringend gesuchten Kontakt aufzunehmen oder eine Erklärung abzugeben. [2] Zwar verhielt sich von Galen der Besatzungsmacht gegenüber stets loyal, versäumte aber keine Gelegenheit, sich einseitig für die Interessen der deutschen Bevölkerung einzusetzen. Eine Zusammenarbeit mit den Briten lehnte er ab. In dieses Bild paßt die kategorische Weigerung des Bischofs, die Kollektivschuldthese, nach der das ganze deutsche Volk am Nationalsozialismus und den unter seiner Herrschaft verübten Verbrechen Schuld sei, zu akzeptieren. Ein weiterer Protestpunkt von Galens gegenüber der Besatzungsmacht war seine Kritik an der Untätigkeit der Engländer, die seiner Meinung nach zu zaghaft gegen die Plünderungen der "displaced persons" (DP's), die sich noch in und um Münster aufhielten, einschritten.

Der Bischof wuchs durch sein Engagement für die Interessen der deutschen Bevölkerung bei dem Fehlen jeglicher deutscher politischer Repräsentanz in der unmittelbaren Nachkriegszeit quasi in die Rolle eines Landesvaters hinein, fungierte aber hin und wieder auch als Sprecher für einen Staat, der nicht mehr existierte. [3]

Das Foto zeigt den Kardinal vor der Kulisse des zerstörten Domes in Münster, wo ihm die Bürgerschaft am 16.03.1946, nachdem er Tage zuvor in Rom aus der Hand des Papstes die Kardinalsinsignien überreicht bekommen hatte, einen triumphalen Empfang bereitete. Über 50.000 Menschen waren in Münster zugegen, als Oberbürgermeister Dr. Zuhorn dem Bischof das in einer Sondersitzung von allen Parteien einstimmig beschlossene Ehrenbürgerrecht der Stadt Münster verlieh. Auch englische Offiziere waren anwesend, um dem Mann, mit dem sie einige Probleme hatten, ihren Respekt zu bezeugen. Die zahlreich erschienenen Bürger Münsters waren stolz auf ihren Bischof. Die Ehrung hob auch ihr Selbstwertgefühl und gab ihnen Ansporn, die beschwerliche Aufbauarbeit in Angriff zu nehmen. Beim vorangegangenen Jubelzug und der anschließenden Ehrung auf dem Domplatz standen die Menschen dichtgedrängt, oft in gefährlicher Lage auf Steinen und Hausresten ausharrend, um einen Blick auf den Kardinal werfen zu können.

Vollkommen überraschend kam für die Öffentlichkeit dann nur wenige Tage später am 22.03.1946 die Nachricht vom plötzlichen und frühen Tod Kardinal von Galens. Sein Ruf als "der Löwe von Münster" im In- und Ausland ist jedoch noch heute so präsent, daß die Stadt Münster auch heute stets mit dem Namen dieses mutigen und umstrittenen Kirchenmannes in Verbindung gebracht wird.


[1] Ribhegge, W., Geschichte der Universität Münster, Münster 1985, S. 211.
[2] Morsey, R., Clemens August Kardinal von Galen, Münster 1967, S. 20.
[3] Ders., S. 20.


TECHNIKFoto
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OBJEKT-PROVENIENZMünster, Stadtarchiv
FOTO-PROVENIENZMünster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/O. Mahlstedt


QUELLE    Santel, Josef | Nachkriegsjahre: Münster 1945-1949 | Dia 05, S. 17-19
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit3.9   1900-1949
3.9.40   Nationalsozialismus <1933-1945>
3.9.60   Nachkriegszeit <1945-1949>
Ort3.5   Münster, Stadt <Kreisfr. Stadt>
Sachgebiet16.2   Katholische Kirche
16.6.3   Geistliche, Rabbiner, Ordensleute
DATUM AUFNAHME2004-02-08
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