PERSON

FAMILIEFriese
VORNAMEDorothea


GESCHLECHTweiblich
GEBURT DATUM1883-10-13   Suche
GEBURT ORTFürth
EHEPARTNER[1903] Emil Friese (gest. 17.01.1927)
TOD DATUM1965-10-29   Suche
TOD ORTLemgo
TODESURSACHEAltersschwäche


VATERSewald, Max
MUTTERMeyer, Katharina


BIOGRAFIE

"Was für eine Frau!"
Dora Friese (1883-1965), Löwenbändigerin

"Emil Friese, Menageriebesitzer", steht auf der Grabplatte mit dem mächtigen steinernen Löwen. Von Dora Friese bewahrt die Stadt Lemgo keine Erinnerung, nicht einmal einen Grabstein. Dabei war sie es, die Frieses Tierschau Anfang dieses Jahrhunderts berühmt machte - eine der großen Dompteusen ihrer Zeit. Das "Auftreten der tollkühnen Löwenbändigerin" mit "ihren unerreicht stehenden Dressuren" war eine Attraktion auf Volksfesten und Jahrmärkten, im Zirkus und im Varieté. Dora Friese erhielt Auszeichnungen von vielen gekrönten Häuptern Europas, u. a. vom russischen Zaren.

Obwohl selbst Schaustellerkind, hätte sich Dorothea Sewald als junges Mädchen von dieser Karriere wohl nichts träumen lassen. Am 15.10.1883 im bayerischen Fürth geboren, war sie die Tochter des Kasperltheaterbesitzers Max Sewald und seiner Frau Katharina, geborene Meyer. Ihre Mutter war zur Zeit ihrer Geburt dreißig Jahre alt, ihr Vater dreiundvierzig.[2] Ob die Familie damals in Fürth wohnte, ist ungewiß. Als Wohnsitz verbürgt sind nur die Orte Karthaus-Prüll, ein Dorf in der Nähe von Regensburg, das 1904 eingemeindet wurde, und Bayreuth.[3] Es kann durchaus sein, daß Dorothea "auf der Reise" geboren wurde, wie dies bei Schaustellerkindern nicht selten war. Sie hatte drei ältere Brüder, Seppl, Georg und Hans. Ihr jüngerer Bruder, Dominikus, wurde 1892 geboren, als sie schon neun Jahre alt war.[4]

Das Kasperltheater war zu dieser Zeit noch das einzige Geschäft der Familie, erst später kam ein Marionettentheater und ein Kettenflieger dazu.[5] Vermutlich hat Dorothea früh gelernt, sich an den Vorführungen und der Herstellung der Puppen zu beteiligen. Das Schnitzen der Figuren galt als Männerarbeit, während das Anmalen und Bekleiden von den Frauen und Mädchen erledigt wurde. Wie alle Schausteller ihrer Zeit, reisten die Sewalds zu Märkten und Volksfesten oder auch privat über die Dörfer, um ihre Puppenspiele vorzuführen. Es ist anzunehmen, daß Dorothea in ihren ersten Lebensjahren überall hin mitgenommen wurde und sich an das Wanderleben gewöhnte. Sicher ist, daß sie eine Schule besuchte. Ob sie dazu bei Verwandten untergebracht wurde oder auf der Reise immer wieder an einem anderen Ort eingeschult wurde, ist nicht bekannt. Schaustellerkinder, die die Fahrten ihrer Eltern mitmachten, hatten - um ihrer Schulpflicht zu genügen - die Schulbesuche in ein Buch eintragen zu lassen. Regelmäßigen Unterricht erhielten sie gewöhnlich nur während der Ruhezeit im Winter.

Im Jahre 1888, Dorothea war gerade fünf Jahre alt, starben binnen eines Vierteljahres zwei Kaiser des Deutschen Reiches: Wilhelm I. und Friedrich II. - für das reisende Gewerbe ein Anlaß zur "Sorge um das Geschäft". Denn "öffentliche Lustbarkeiten" waren während der Zeit der Landestrauer verboten, zahlreiche Schaustellerbetriebe hatten empfindliche finanzielle Einbußen hinzunehmen.[6]

Als Fünfzehnjährige erlebte Dorothea die Hochzeit ihrer beiden ältesten Brüder. Beide hatten ihre Bräute auf der Reise gefunden. Georg heiratete am 08.11.1898 in Heidelberg, Seppl ein halbes Jahr später, am 11.04.1899 in Nürnberg. Es sollte nicht lange dauern, bis Dorothea selbst an die Ehe dachte. Am 09.01.1902 richtete sie ein Bittgesuch an das Bürgermeisteramt von Rarthaus-Prüll, um die notwendigen Heiratspapiere zu erhalten. In Bayreuth hatte sie den damals siebenundzwanzigjährigen Otto Kühn aus Weißenheim bei Neustadt (Rheinpfalz), "Rekommandateur" und Sohn von "Obsthändlereheleuten", kennengelernt und beabsichtigte, ihn zu heiraten.[7]

Doch kurz darauf traf sie ein harter Schlag. Am 16.03.1902 starb ihr Vater in Bayreuth. Vermutlich wurde die Hochzeit verschoben, um das Trauerjahr einzuhalten. In der Zwischenzeit muß Dorothea den Menageriebesitzer Friese kennengelernt haben. Aus der beabsichtigten Ehe mit Otto Kühn wurde nichts. Dafür heiratete sie am 26.03.1903 den um dreiundzwanzig Jahre älteren und schon wohlsituierten Emil Friese, der aus Neustadt im Regierungsbezirk Danzig kam.[8]

Diese Ehe hätte im Dorf ihrer Eltern Anlaß zu Gerede geben können. Nicht nur hatte sich Dora für einen Mann entschieden, der ihr Vater hätte sein können, sie hatte sich auch noch einen Preußen genommen! Aus katholischem Elternhaus kommend, hatte sie einen Evangelischen geheiratet, möglicherweise auch noch ohne den Segen der Kirche. "Mischehen" wurden im katholischen Milieu noch in der Nachkriegszeit als problematisch angesehen. Im gesellschaftlichen Umfeld der Schausteller galten jedoch weniger strenge Konventionen. Durch die Reisetätigkeit öffneten sich ihnen andere Horizonte, die sie in solchen Fragen mehr Toleranz gewinnen ließen als es bei den Seßhaften vergleichbarer Herkunft üblich war.

Emil Friese hatte die 1860 gegründete Menagerie von seinem Vater geerbt. Sie beherbergte Löwen, Leoparden, Panther, Eisbären, Affen, Krokodile, Schlangen und Papageien. Die "Zoos auf Rädern" erfreuten sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts größter Beliebtheit.[9] Sie stellten anfangs nur exotische Tiere zur Schau und brachten damit das Flair der weiten Welt in die europäischen Städte und Dörfer. Mit Gefühlen von Neugier und Angst nutzten die Menschen jener Zeit die einzigartige Möglichkeit, die ihnen fremde und bedrohliche Tierwelt der Kolonien in Augenschein zu nehmen. Wie groß das Informationsbedürfnis war, zeigt die Tatsache, daß häufig ganze Schulklassen vormittags durch die Menagerie hindurchgeschleust wurden.

Später kamen Dressurnummern hinzu, die eine neue Form der Schaulust befriedigten. Sie demonstrierten die Unterwerfung der Naturbestie unter den Willen des Menschen, die Bändigung der Wildheit durch die Kraft der Disziplin. Dabei wurden die ersten Dressurerfolge noch mit roher Gewalt erzielt:
"Das ganze Kunststück bestand darin, daß man die Tiere durch Schläge und durch Berühren mit dem heißen Eisen dermaßen in Furcht setzte, daß sie beim bloßen Anblick der Schreckmittel schon durch den Käfig flohen und dabei etwaige Hindernisse, mit denen man den Weg absperrte, übersprangen."[10]
Da die Tiere aufgrund solcher Quälerei "ihre Peiniger nur fürchteten und grimmig haßten", kam es häufig zu Unglücksfällen, die den Dompteur das Leben kosteten. Diese Zeiten waren vorbei, als Dora in die Menagerie ihres Mannes einheiratete. Anfang des Jahrhunderts hatte sich eine Dressurweise durchgesetzt, die von Carl Hagenbeck die "zahme Dressur" genannt wurde.[11] Die Tiere wurden nicht mehr durch Gewalt in Schrecken versetzt, sondern mit Hilfe von Einfühlungsvermögen und einem System von Belohnung und Strafe systematisch trainiert. Die Peitsche gehörte zwar zu den unentbehrlichen Utensilien der Dompteuse, doch ebenso Geduld und Liebe zu den Tieren. Zwar wurde dem Publikum suggeriert, daß es sich um "wilde Raubtiere" handelte, die erst vor kurzem in den Weiten Asiens oder Afrikas gefangen wurden, in Wirklichkeit bezogen die Menagerien die Tiere jedoch aus Tierhandlungen wie z. B. der von Carl Hagenbeck. Meistens waren sie schon in der Gefangenschaft aufgewachsen und an Menschen gewöhnt. Dies setzte das Unfallrisiko erheblich herab, ohne es jedoch ganz auszuschließen. Der Umgang mit Raubtieren blieb immer noch gefährlich.

Dora kannte zwar das Schaustellerleben, doch war die Menagerie für sie ein völlig neues Geschäft. Es blieb ihr nicht viel Zeit, sich einzuarbeiten. Spätestens mit dem Osterfest befand sich die Tierschau auf der Reise, die Route war schon im Winter festgelegt worden. Emil Friese beschäftigte einen Dompteur namens Schulze (Künstlername: Schulzini) und eine Dompteuse namens Martha Fach. Von ihnen lernte Dora ihr Metier.

Es war zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich, daß eine Frau Raubtiere vorführte. In einem Überblicksartikel über die "Tierschau" bemerkte Jean Moebus 1925/1926 im "Komet", dem Informationsblatt des Schaustellergewerbes: "Durchschnittlich trat die Tochter des Hauses, hübsch kostümiert, im großen Centralkäfig mit der Dressurnummer auf."[12] Der Tierpfleger Thomas berichtete in seiner Autobiographie ebenfalls häufig von Dompteusen, selbst Hagenbeck kam nicht umhin, in seiner Galerie männlicher Dompteure auch einige Frauen zu nennen.[13] Mit wieviel Skepsis dieser Freiraum für Frauen heute von männlichen Wissenschaftlern betrachtet wird, mag der Kommentar von Bose/Brinkmann zu Frau Senide veranschaulichen:
"Sie mag als Repräsentantin eines Typus der Dompteuse gelten, den der herrschenden Frau; lustvoll konnte man die Vorstellung vom Schrecken des Matriarchats goutieren."[14]
Ob solche Projektionen auch die Männerwelt des beginnenden Jahrhunderts beschäftigten, möchte ich offen lassen. Es scheint jedoch so, als habe die Dressurschau, verbunden mit der Freiheit der Märkte und dem Trubel der Feste, Möglichkeiten für Imaginationen des Geschlechtertausches eröffnet und Rollenfixierungen aufgebrochen. Die unterschiedlichen Kostüme, in denen Dora für die Fotografen posiert hat, deuten ebenfalls auf die Lust am Spiel mit Symbolen der Geschlechterdifferenz.

Gleich nach ihrer Hochzeit lernte Dora im Frühjahr 1903 zunächst eine dressierte Raubtiergruppe vorzuführen. Erst nach und nach arbeitete sie sich auch bis zu den Anfängen und Grundlagen der Dressur vor, bis sie schließlich selbst Tiere ausbilden und eine eigene Nummer zusammenstellen konnte. Wahrscheinlich übernahm sie bald die Gruppe von Martha Fach, denn diese wurde in dem Familienbetrieb nun als überflüssig betrachtet und wanderte in den Zirkus ab, wo sie sich als Löwenbändigerin einen Namen machte. Von Dora war sie jedoch nicht in Unfrieden geschieden, denn beide Frauen blieben eng befreundet.

Nach dem Weggang von Martha Fach bestand der Kern der "Familie" noch aus fünf Personen: Emil Friese, seine Schwester Camilla, seine Frau Dora, deren Bruder Dominikus und der Dompteur Schulze. Dazu kamen zwei bis drei Arbeiter, die ständig auf der Reise gebraucht wurden. Die ganze Gruppe war vermutlich in einem Wohnwagen untergebracht, es sei denn, die Angestellten mußten bei den Tieren oder im Packwagen übernachten. Der Tierpfleger Thomas berichtet z. B. über den Wohnwagen der Menagerie Christian Berg, daß darin "der Besitzer mit seiner Frau, zwei Kindern und dem Dienstmädchen wohnte".[15] Er selbst bekam die Tierwagen zugewiesen. Den sehr viel luxuriöseren Wohnwagen der Familie Kitzmann beschrieb er folgendermaßen:
"Der Wohnwagen war sehr praktisch eingerichtet und wurde durch eine Scheidewand in zwei Abteilungen geteilt, deren jede eine besondere Tür hatte. Wir Angestellten bewohnten die hintere Abteilung, wo wir anfangs zu je zweien in einem Bett schliefen, während später an jeder Seite zwei Betten übereinander angebracht wurden. Unter den beiden unteren Betten waren je zwei Kästen zur Aufnahme unserer Habseligkeiten. Betrat man die andere Abteilung des Wagens, so gelangte man zuerst in die Küche, deren ganzes Mobiliar aus einem kleinen Kochherd, einer Bank und einem Küchenschrank bestand, und kam von hier aus in den Wohnraum, worin ein Tisch, ein paar Klappstühle, ein Kleiderschrank und eine Kommode standen, während die beiden Betten für gewöhnlich durch einen Vorhang verhüllt waren. In dem unteren Bett schlief das Kitzmannsche Ehepaar, in dem oberen der Kompagnon."[16]
Von den restlichen drei Wagen der Menagerie Friese war vermutlich einer für den Zentralkäfig, die Holzteile, die Leinwand und diverse Gerätschaften vorgesehen und zwei für die Unterbringung der Tiere, die innerhalb des Wagens durch Käfige voneinander abgetrennt waren. Bewegungsfreiheit gab es weder für Tiere noch für Menschen, alle hatten zu lernen, auf kleinstem Raum miteinander auszukommen.

Innerhalb der Familie gab es zwar eine gewisse Arbeitsteilung, im Ernstfall hatte jedoch jede(r) überall mit anzufassen. Emil Friese war verantwortlich für die Bewerbungen, die Platzbeschaffung, den Umgang mit den Behörden und für die Kasse. Er "spielte den Direktor", wie mir seine Enkelin erzählte, und ihm gehörte das Unternehmen. Es ist anzunehmen, daß er in der Anfangszeit auch noch die "Rekommandation" machte, d. h. das Publikum zu den Vorstellungen anlockte. Seine Schwester Camilla sorgte für den "Haushalt". Sie bekochte die Familie, machte die privaten Einkäufe, hielt den Wohnwagen in Ordnung und achtete darauf, daß alle Habseligkeiten bei der Abreise ordentlich verstaut waren.

Dora hatte die Tiere zu versorgen, sie machte Vorführungen und vermutlich auch die "Explikationen", d.h. sie erklärte dem Publikum die Herkunft und Eigenart der einzelnen Tiere. Sehr bald übernahm sie auch die Rekommandation, da sie mehr Leute anzuziehen wußte als ihr Mann. Ihr Bruder Dominikus war für die groben und handwerklichen Arbeiten zuständig: das Schlachten der Pferde, die den Raubtieren als Futter dienten, den Auf- und Abbau und das Verladen der Schaubude und der Käfige. Das Reinigen der Tierkäfige gehörte ebenfalls zu seinen Aufgaben, dabei wurde er jedoch auch von Dora unterstützt. Die Arbeiter packten überall mit an, wo es notwendig war, sie wurden vor allem beim Abbrechen und Aufbauen der Menagerie gebraucht. Waren sie auch in den familialen Zusammenhang einbezogen, so brachte es die Härte der Arbeit doch oft mit sich, daß ein rauher Umgangston herrschte. Wer nicht spurte, wurde entlassen. Thomas berichtet in seiner Autobiographie, daß er selbst häufig wegen Meinungsverschiedenheiten kündigte und sich einen anderen Job suchte. Gewöhnlich wurde der Lohn von Woche zu Woche jeweils montags ausbezahlt. Waren die Einkünfte schlecht, wurde auch schon mal weniger oder gar nichts gezahlt, an guten Tagen wurde dafür dann etwas draufgelegt. Viele Dienstleistungen wurden nicht entlohnt, sondern mit einem Trinkgeld beglichen. Auch das Publikum wurde zu verschiedenen Anlässen aufgefordert, sich durch Trinkgeld erkenntlich zu zeigen. So nahm Thomas z. B. den Aufenthalt auf einem Bahnhof zum Anlaß, die Fütterung der Tiere öffentlich vorzunehmen und dafür Trinkgeld zu kassieren.[17]

Die Einkünfte der Schaustellerfamilie kamen nicht nur von den Eintrittsgeldern für die Besichtigung der Menagerie und für die Vorstellungen, die etwa eine halbe Stunde dauerten und mehrmals täglich stattfanden. Manche Tiere wurden auch in Schulen vorgeführt, wofür die Erlaubnis des Schulleiters und manchmal auch des Pfarrers eingeholt werden mußte. Dafür hatte jedes Kind ein paar Pfennige zu zahlen. Und schließlich wurden die Menagerien bisweilen auch zu privaten Vorführungen in "hohen Häusern" eingeladen, wo sie je nach Erfolg und Großzügigkeit der Gastgeber ein Geschenk erhielten.

Von den Einkünften wurden der Lebensunterhalt der Familie, der Lohn für die Arbeiter, Futter für die Tiere, Material für Reparaturarbeiten, Reisekosten, Platzgelder, Steuern und eventuell auch Arztrechnungen bezahlt. Das Geld hatte möglichst auch für Rücklagen im Winter zu reichen, da dann weniger
verdient wurde, die Tiere aber durchgefüttert werden mußten. Eine Vorstellung von den Unterhaltskosten einer Tierschau vermittelt Thomas mit seinem Bericht über die Menagerie Nouma Hawa:
"Wir schlachteten in der Woche zwei bis drei Pferde, brauchten jeden Tag für fünf Mark Milch, vierundzwanzig Pfund Brot, in der Woche vier Zentner Kartoffeln, anderthalb Zentner Weizenkleie, anderthalb Zentner Hafer, alle vierzehn Tage eine Fuhre Stroh und eine Fuhre Heu. (...) An Fleischrationen erhielt jeder ausgewachsene Löwe am Tage zwölf bis vierzehn Pfund, jeder Panther sechs bis acht Pfund, jeder Jaguar ebensoviel. Der Eisbär erhielt nur von Zeit zu Zeit einmal ein Stück Fleisch, sonst Lebertran mit Brot oder Fische."[18]
Sollte das Unglück geschehen, daß eines der Tiere starb, so mußte der Menageriebesitzer tief in die Tasche greifen. Nach der Preisliste von Hagenbeck aus dem Jahre 1906 kostete ein Schimpanse 800 Mark, ein Pavian 175, ein Löwe zwischen 1000 und 10000 Mark, ein Tiger 3000, ein Jaguar 500 bis 900 Mark, ein Eisbär 1000 Mark. Schlangen waren verhältnismäßig billig, eine Boa constrictor gab es schon für 30 bis 100 Mark, eine Python für 30 bis 50 Mark. Demgegenüber mußte man für einen Papagei mindestens 60 Mark auf den Tisch legen.[19] Die Tiere sicherten der Schaustellerfamilie nicht nur das tägliche Einkommen, sie waren auch ihr kostbarster Besitz.

Den Rhythmus der Reise kannte Dora schon seit ihrer Kinderzeit: eine, zwei oder maximal drei Wochen standen sie an einem Platz, boten täglich Vorführungen an und hofften auf großen Andrang. Kaum war die letzte Schau beendet, begannen die Abbrucharbeiten, die oft die ganze Nacht hindurch dauerten. Am nächsten Tag wurden die Wagen auf die Bahn verladen, um die Jahrhundertwende reiste man nur noch selten mit einem Pferdegespann. Die Reise ging zum nächsten Platz, der vorgemerkt war. Sofort nach der Ankunft wurde ausgeladen und der Platz für den Aufbau der Schaubude vorbereitet. Dies war nicht immer leicht. Je nach Wetter und Beschaffenheit des Untergrundes konnten die Arbeiten bis zu zwei Tage in Anspruch nehmen. Währenddessen wurde in dem Ort schon Reklame für die Schau gemacht. Flugblätter wurden verteilt oder Plakate geklebt. Eine Gruppe von Schaustellerinnen zog - vielleicht auch mit einem Wagen, auf den Reklametafeln gestellt wurden - in ihren Kostümen durch die Stadt oder das Dorf, begleitet von ihrer Drehorgel und einigen Tieren, die sie Kunststücke machen ließen.

Kaum war die Festwiese eröffnet, fanden sich alle Mitwirkenden der Menagerie vor der Schaubude zu einer Parade ein, um die Erwartungen des Publikums "auf das höchste zu spannen". Der "Rekommandateur" hielt - begleitet von Pauke und Schellen - eine Rede, in der er auf die Attraktionen des Geschäfts verwies und die Veranstaltungen ankündigte. Je besser er die Schau verkaufte, desto größer der Andrang. Viel Gespür für die Wünsche und Ängste der Menschen gehörte dazu. Als die Menagerie einmal in Wilbasen stand, fürchteten sich die Bauern vor dem Gebrüll der Löwen und waren nicht zu bewegen, Eintrittskarten zu kaufen. Dora beruhigte sie und erklärte, daß sie keine Angst zu haben brauchten. Sie suchte sich einen aus der Menge heraus, lotste ihn durch die ganze Tierschau und brachte ihn sicher wieder heraus. Damit war das Eis gebrochen und das Geschäft gerettet.

Nach der Parade konnten Eintrittskarten gekauft werden, entweder nur für die Tierschau oder auch für die Vorführung. Die Vorstellungen liefen bis spät abends, sofern das Platzreglement dies nicht untersagte. Danach wurde Kasse gemacht und gegessen. Vor dem Schlafengehen bekamen die Tiere noch einmal Stroh und Wasser. Die Geselligkeit beschränkte sich auf einen Schwatz mit den Standnachbarn oder einen Abend in der Kneipe, wenn einmal früher geschlossen wurde. Feste wurden mit der Familie und den Angestellten gefeiert. Manchmal gab es auch Anlässe für größere Feiern der Schaustellerinnen, z.B. Geburtstage oder Weihnachtsfeiern, die ausgiebig genossen wurden.

Es ist nicht bekannt, welche Route Dora auf ihrer ersten Reise fuhr. Die "süddeutsche Route" hätte sie u. a. nach München, Stuttgart, Pforzheim, Nürnberg und Mainz geführt, die "ostdeutsche Route" vielleicht nach Magdeburg, Danzig, Königsberg, Dresden, Halle, Berlin-Treptow. In Norddeutschland wurden u. a. Hamburg, Rendsburg, Heide, Süderbrarum, Einbeck, Soest, Wilbasen und Werne besucht. Gegen Ende Oktober/Anfang November wurde das Winterquartier angesteuert. Vielleicht hatten Frieses zuletzt die Soester Allerheiligenkirmes besucht, vielleicht bezogen sie schon in Lemgo ihr Winterquartier, um im Dezember noch den Kläschenmarkt mitzunehmen.

Am 03.01.1904 brachte Dora ihren ersten Sohn, Alexander, zur Welt. Drei Jahre später, am 16.01.1907, folgte der zweite, Sam. Damals standen die Wagen der Menagerie auf dem Schützenplatz in Lemgo. Die Hebamme kam in den Wohnwagen. Daß beide Kinder im Januar geboren wurden, ist vermutlich kein Zufall. Doras Enkelin deutete an, daß viele Schaustellerfamilien es auch vor der Erfindung der "Pille" schon einzurichten wußten, daß ihre Kinder im Winterquartier zur Welt kamen.

In den Jahren 1905 und 1906 hatte Dora zwei Todesfälle zu betrauern. Am 04.06.1905 starb ihr Bruder Georg in Erlangen, ein Jahr später ihre Mutter in Würzburg.[20] Als ihre Mutter im Sterben lag, kam sie in ein Krankenhaus, das von katholischen Schwestern geführt wurde. An diese Zeit sollte sich Dora noch lange erinnern. Als der Pfarrer von Lemgo sie mahnte, ihren Sohn Sam entsprechend ihrem eigenen Glauben katholisch taufen zu lassen, erzählte sie ihm, wie schlecht ihre Mutter im Krankenhaus behandelt worden sei. Sie hätte deshalb, obwohl sie sehr gläubig war, eine so tiefe Abneigung gegen die Kirche gefaßt, daß sie damit nichts mehr zu tun haben wollte. Der Priester wurde rausgeworfen, Sam wurde evangelisch wie der Vater.

Solange die Kinder noch nicht zur Schule gingen, wurden sie auf die Reise mitgenommen. Es muß in dieser Zeit gewesen sein, als das Unternehmen geteilt wurde. Camilla Friese hatte nämlich den Dompteur Schulze geheiratet und begann, mit ihm eine eigene Tour zu fahren. Später ließen sich die beiden in Lemgo nieder, und Schulze spezialisierte sich auf die Ausbildung von Tieren, die er dann an Menagerien und Zirkusse weiterverkaufte.

Für Dora hatte sich die Arbeit vervielfältigt. Neben den Mutterpflichten hatte sie nun auch die Aufgaben zu übernehmen, die Camilla zuvor erledigt hatte. Ihren Tagesablauf während der Reise können wir uns etwa folgendermaßen vorstellen: Solange die Menagerie an einem Platz stand, ist sie gegen 8.00 Uhr aufgestanden, hat die Kinder angezogen, Kaffee gemacht und mit der Familie und den Arbeitern gefrühstückt. Danach wurden die Käfige gereinigt und die Tiere gefüttert und getränkt. Die Affen kamen immer zuerst dran, sie waren ihre "Lieblinge". Außerdem pflegten sie ein großes Spektakel zu veranstalten, wenn sie nicht zuerst versorgt wurden. Dann kamen die Papageien an die Reihe, danach die Krokodile und Schlangen und zuletzt die Raubtiere. Gegen Mittag war sie mit dieser Arbeit fertig, kochte für die ganze Mannschaft und aß mit ihnen zu Mittag. Um 14.00 Uhr wurde die Menagerie eröffnet, und die Vorstellungen nahmen bis spät abends ihren Lauf.

Dora hatte inzwischen die Geheimnisse der Dressur von Schulze erlernt. Sie konnte sich mit den Tieren vertraut machen, ihre unterschiedlichen Fähigkeiten beurteilen und sie lehren, Kunststücke zu vollbringen und in einer Gruppe zusammenzuarbeiten. Als wichtigste Voraussetzung für eine gelungene Dressur nannte Hagenbeck die genaue Beobachtung der einzelnen Tiere, um sie je nach "Temperament" und "Talent" individuell einsetzen und lenken zu können.[21] Fremde Tiere müssen aneinander gewöhnt werden, bevor sie in einer Gruppe zusammenarbeiten können. Dies gilt besonders für "gemischte Gruppen", wie sie auch von Dora Friese vorgeführt wurden. Sie arbeitete mit Löwen, Tigern, Panthern und Eisbären. Die Arbeit mit dem Eisbären, die bis zur Jahrhundertwende als dressurunfähig galten, betrachtete sie als besonders schwierig und gefährlich, da die Körpersprache und Mimik des Tieres nicht erkennen ließen, ob und wann es angreifen werde. Wildkatzen waren ihrer Meinung nach zwar leichter einzuschätzen, aber deshalb nicht weniger vorsichtig zu behandeln. Dora Friese wurde beim Spielen mit einem Löwen in die linke Hand gebissen und hatte seitdem einen krummen Finger. Im Zentralkäfig hatte sie zur Mahnung des Publikums ihren Wahlspruch angebracht: "Leicht ist der Tadel, gefährlich ist die Kunst."

Wenn Dora ihre Raubtiernummer vorführte, bemerkte man nichts von der harten Arbeit: Die gelungene Dressur wirkte leicht und elegant und ließ die Gefährlichkeit der Tiere gerade noch erahnen. Die Dompteuse in ihrer Mitte, etwa 1,60 groß und schlank, strahlte Sicherheit aus und verriet nichts von der Anstrengung, die es kostete, die Gruppe im Zaum zu halten. Sie bewegte sich mit Leichtigkeit, ohne erkennen zu lassen, wieviel Krafteinsatz von ihr gefordert wurde. Die schweren Eichenpodeste, auf denen die Tiere saßen, schwenkte sie mit einer Hand von einem Platz zum anderen, als hätten sie gar kein Gewicht.

Dora Frieses Vorführungen hatten Erfolg. Um 1910 konnte das Geschäft modernisiert werden. Die Frieses schafften eine der ersten Dampfmaschinen an, die der Stromerzeugung diente und gleichzeitig als Trecker (6 km pro Stunde) genutzt werden konnte. "Frieses größte Löwen- & Tigerdressurschau der Welt" stand nun in großen Lettern über der Schaubude, die in hellem Licht erstrahlte.[22]

Der Name Dora Friese war nicht nur auf Jahrmärkten bekannt. Sie bekam Engagements im Zirkus und im Variete. Das "Bunte Theater" Walhalla in Wiesbaden brachte ihre Schau groß heraus.[23] Im Jahre 1914 gab sie - trotz der drohenden Zeichen, die auf Krieg deuteten - ein Gastspiel in Rußland. Sie wurde von der ganzen Familie begleitet. Im Januar wurde das Debüt "der berühmten Dompteuse" im Zirkus Truzzi angekündigt, im Juni ging sie mit ihren Löwen und Leoparden mit dem Zirkus Kisso auf Tournee, im Juli wurde "Mlle. Friese mit ihren Löwen" im Programm des Varietes "Kasino" angekündigt.[24] Vom russischen Zaren wurde Dora für ihre Vorführungen mit einem Orden geehrt. Als die deutsche Kriegserklärung an Rußland im August 1914 erfolgte, wurden ihr Mann und ihr Bruder Dominikus als potentielle Staatsfeinde interniert. Dora blieb frei und erhielt im September noch einmal eine Chance, auf einer Benefiz-Veranstaltung aufzutreten. Allerdings erschien der Name der Deutschen nur noch in kleiner Schrift auf dem Programmheft. Hervorgehoben wurde dagegen der russische Weltmeister im Ringen, Riesbacher, der sich bereit erklärt hatte, in Doras Nummer aufzutreten und im Kreise der "blutrünstigen und grausamen Löwen" seine Muskeln spielen zu lassen.[25]

Von dem Geld, das die russische Tournee eingebracht hatte, konnte Dora ihren Mann freikaufen. Dominikus blieb jedoch etwa vier Jahre lang in Gefangenschaft. Dora durfte mit ihrem Mann Rußland verlassen und kehrte durch das kriegsgeschüttelte Deutschland nach Lemgo zurück. "Die Russenkinder kommen", riefen die Schulkameraden von Sam und Alexander, weil sie so fremd aussahen in den neuen Mänteln und Mützen, die ihre Mutter ihnen in Rußland gekauft hatte.

An Schaustellungen wie in der Vorkriegszeit war nun nicht mehr zu denken. "Eine eiserne Faust hat mit einem Schlage erbarmungslos das gesamte schaustellerische Geschäftsleben erwürgt", schrieb der "Komet" am 08.08.1914.
"Verzweifelt stehen unsere Kollegen auf menschenleeren Festplätzen, für die vielleicht schon monatelang das Platzgeld im Voraus gezahlt ist."[26]
Alle wehrfähigen Männer waren eingezogen, Volksfeste wurden verboten und die Reisefreiheit erheblich eingeschränkt. Frieses Tierschau blieb jetzt auf dem Schützenplatz in Lemgo. Dora bekam 1915 noch einmal ein auswärtiges Engagement. Sie gastierte mit dem Zirkus Adolfi in Schweden und konnte auch dort Erfolge verbuchen. Es gelang ihr, wie die Presse berichtete, mit ihren Riesenlöwen "beim Publikum außerordentliches Interesse zu wecken".[27] 1916 folgte ein Gastspiel im Zirkus Hagenbeck, das der Dompteuse zu weiterem Ruhm verhalf.

Allein mit Doras Engagements ließ sich jedoch der Lebensunterhalt der Familie und der Menagerie nicht sichern. Die finanziellen Rücklagen der Frieses, die in den Jahren vor dem Krieg gut verdient hatten, waren erschöpft. Zum einen hatten sie viel Geld in Rußland gelassen, zum anderen hatte Emil Friese gleich nach seiner Rückkehr Kriegsanleihen gezeichnet und "Gold für Kanonen" gestiftet. Dora war darüber empört und las ihrem Mann ordentlich die Leviten - nicht nur, weil sie sich um die Familie sorgte. Sie war entschieden gegen den Krieg und bemerkte später einmal zu ihrer Enkelin:
"Wenn die sich da oben unbedingt vor die Koppe hauen wollen, dann sollen die das auch gefälligst bezahlen und nicht andere Leute."[28]
Jetzt machte sich der Kinematograph bezahlt, den Frieses 1908 mit ihrem Lemgoer Freund Knoote angeschafft hatten.29 Sie bauten ein Zelt auf, spannten darin eine Leinwand, und fertig war Lemgos erstes Kino. Es hatte ganz den Charakter eines Jahrmarkt-Kinos, das seit Ende des Jahrhunderts die Volksfeste erorberte. Schon 1904/1905 schrieb der "Komet":
"Kein Festplatz, kein Variete, keine Volksbelustigung ist heute ohne den Kinematographen denkbar."[30]
Inzwischen waren Technik und Filmhandel wesentlich verbessert worden, und vom ambulanten Gewerbe kam der Film in feste Lichtspielhäuser, die dem Jahrmarkt-Kino Konkurrenz machten. Anfang 1918 wurden bereits 2281 Lichtbildtheater in Deutschland gezählt. Ob dazu auch Zeitkinos wie das von Frieses zählten, ist ungewiß. Da es damals noch das einzige in Lemgo war, wird es sein Publikum gefunden haben. Die Menschen waren hungrig nach politischen Neuigkeiten und Nachrichten von der Front und dürften bei zunehmendem Druck des Krieges hin und wieder Zerstreuung gesucht haben. Das Kinovergnügen war billig und auch den Armen zugänglich.

Lemgo war zur zweiten Heimat für die Frieses geworden. Seit 1906 hatten sie regelmäßig auf dem Schützenplatz ihr Winterquartier bezogen, das nun seit 1914 zu ihrer ständigen Anschrift geworden war. Die Wohnsituation war auf die Dauer schwierig, da sie unter sehr beengten Verhältnissen lebten. Es gab keinerlei Komfort, kein fließendes Wasser, keine richtige Küche, im Schlafabteil des Wohnwagens keine Heizung. Einmal war es dort so kalt geworden, daß Emil Frieses Schuhe festfroren. Die Tiere mußten während des Winters ständig warmgehalten werden, vor allem die Affen und Schlangen, die Kälte nicht vertrugen. Den Schlangen wurden deshalb regelmäßig Wärmflaschen untergelegt, der Affenwagen mußte beheizt werden. Die Kinder wurden langsam größer und beanspruchten mehr Bewegungsfreiheit. 1916 war Alex zwölf und Sam neun Jahre alt.

Da noch kein Ende des Krieges abzusehen war, dachten die Frieses daran, seßhaft zu werden. In Lemgo hatten sie einen guten Freundeskreis, der ihnen ein Gefühl der sozialen Sicherheit geben konnte. Unter den Freunden von Emil war einer, so erzählte mir Doras Enkelin, der sich gern als "Lebemann" gab, sechsspännig durch die Stadt fuhr und weit über seine Verhältnisse lebte. Ihm hatte der Menageriebesitzer mehrfach Geld geliehen, das er nun zurückzubekommen versuchte. Nachdem Emils Bemühen vergeblich blieb, schlug Dora vor, der Freund möge ihnen eines seiner Häuser überschreiben. Dieser willigte ein, und so kamen Frieses am 12.09.1916 zu dem großen Haus am Hohen Wall 20, das heute ihren Erben gehört. Hier war genügend Platz für die Familie, ein Teil des Hauses konnte sogar noch vermietet werden. Das Grundstück war groß genug, um die Tiere unterzubringen und die Wagen abzustellen.

Der Krieg hatte viele Existenzen im Schaustellergewerbe vernichtet. Frieses Menagerie hatte überlebt, dank Doras Engagements und des Kinematographen. Nach dem Waffenstillstand und der Ausrufung der Weimarer Republik blickte das Reisegewerbe unsicher in die Zukunft. Zwar konnten nun wieder Märkte beschickt werden, doch gab es im krisengeschüttelten Deutschland nur wenig Hoffnung auf sichere Einkünfte. Die Festbesucherinnen waren knapp bei Kasse, während gleichzeitig die Preise für den Unterhalt der Tiere und Menschen durch die Inflation hochgetrieben wurden. Zudem waren Menagerien längst nicht mehr so attraktiv wie früher, da inzwischen in zahlreichen Städten Zoos entstanden waren, die sich als "tödliche" Konkurrenz für die wandernden Tierschauen erwiesen. Der Zirkus hatte sich der Raubtierdressur angenommen und sie in einem Maße perfektioniert, daß auch die Ansprüche an die Jahrmarktdarbietungen stiegen. Auch mit dem Kinematographen war auf der Reise nicht mehr viel Geld zu machen, da es nur noch wenige Städte gab, die nicht über einen Kinosaal verfügten.

So suchten Frieses nach neuen Geschäftsmöglichkeiten. Ein Auto-Karussell wurde angeschafft, später ein "Teufelsrad", wann genau ist heute nicht mehr festzustellen. Das Auto-Karussel kann als Vorläufer der heutigen "Raupe" gelten. Mehrere Wagen fuhren mit Hilfe eines Elektroantriebs im Kreise. Über das "Teufelsrad" schreibt Lehmann:
Das Teufels- oder Taifunrad ist eine drehbare Fläche von etwa fünf Meter Durchmesser, die nur mit einem glatten Parkettfußboden bedeckt ist. Um diese Scheibe herum liegt, auf Böcken ruhend, ein feststehender Parkettfußboden, dessen Rand mit einer gut gepolsterten, etwa 40 cm hohen Wand versehen ist. Der Boden des Rades steht einen reichlichen Meter über der Erde. Das Publikum setzt sich auf die drehbare Scheibe, die nun durch Motorkraft in immer schnellere Bewegung versetzt wird."[31]
Der notwendige Strom für beide Fahrgeschäfte konnte über einen Generator von der Dampfmaschine erzeugt werden.

Nach dem Krieg war Dominikus aus Rußland zurückgekommen. Die Frieses gingen wieder auf Reise. Welche Geschäfte jeweils zum Einsatz kamen, hing von der Art der Kirmes und der Platzzusage ab. Die Schaustellerfamilien mußten sich zunehmend in unternehmerischer Mobilität und Anpassungsbereitschaft üben. Auch Dora Friese lernte, mit den neuen Fahrgeschäften zu arbeiten. Im Mittelpunkt ihres Interesses stand jedoch nach wie vor die Menagerie.

Am 12.09.1920 starb ihr ältester Bruder Seppl in Hamburg. Jetzt blieb nur noch Hans Sewald, um den elterlichen Familienbetrieb weiterzuführen. Ihm war es zu verdanken, wenn 1925/1926 der Name Sewald unter den "guten und überall gern gesehenen Handpuppenspielern" im "Komet" genannt wurde.[32] Dora war mit ihren Familienangehörigen immer in Kontakt geblieben. Schaustellerfamilien pflegen häufig einen sehr engen Zusammenhalt. Dies ist zum einen durch die Reisetätigkeit bedingt. Bei dem ständigen Unterwegssein stellen Familienbande einen festen Zusammenhang dar, der eine soziale Sicherheit zu geben vermag, die durch die äußere Mobilität in Frage gestellt wird. Zum anderen kann die Stabilität der Familie auch als Bollwerk gegen Ausgrenzungen und Diskriminierungen von außen betrachtet werden. Als Nichtseßhafte hatten und haben Schaustellerinnen bis heute mit Vorurteilen zu kämpfen, die ihre Wurzeln in den historischen Lebensbedingungen des "fahrenden Volkes" haben.[33] Das Mißtrauen der Etablierten gegenüber Außenseitern hat sicher zu einem gewissen sozialen Druck geführt, der früher noch viel stärker gewesen sein dürfte als heute. Um das Vorurteil, zu einer "verwahrlosten Gesellschaft" zu gehören, zu bekämpfen, empfahl der "Komet" Anno 1885:
"Befleißigen wir uns eines musterhaften Lebens gegenüber unseren Mitbürgern, und vor allem stoßen wir die schon häufig in diesem Blatte erwähnten unseren Stand entehrenden Elemente aus unserer Mitte, und die nöthige Achtung im bürgerlichen Leben wird uns nicht versagt bleiben."[34]
Die Familie bot beides: eine traditionell akzeptierte Basis für soziale Sicherheit und "mustergültiges" Verhalten sowie die Gewißheit, von fremden "Elementen" verschont zu bleiben. Sie war zwar offen gegenüber den Seßhaften - nicht selten heiratete jemand "von Privat" ein -, doch geschlossen gegenüber fremden Reisenden. Roma und Sinti (die sogenannten "Zigeuner") wurden und werden als ebensowenig zugehörig zum Stand betrachtet wie ausländische Marktbeschicker.

Im Laufe der Zeit bildete sich ein gewisser "Schausteller-Adel"
heraus, dessen Rennzeichen die Vererbung des Gewerbes über mehrere Generationen ist. Auch Friese und Sewald durften sich dazu rechnen. Unter den alten Familien gab und gibt es zwar heftige Konkurrenzkämpfe, aber auch gute Freundschaften und einen starken Zusammenhalt, wenn es um die Abgrenzung gegenüber Neuankömmlingen geht - was sich bis heute in den Rämpfen um Standplätze niederschlägt. Dora Friese war eng mit Therese Renz befreundet, einer berühmten Kunstreiterin aus der Familie des bekannten Zirkusgründers. Enge freundschaftliche Kontakte verbanden sie auch mit der Familie Lemoine, die sich zu einer der großen "Schaustellerdynastien" entwickeln sollte.[35]

Aus dem Jahre 1926 ist ein Vorfall überliefert, der die Menagerie Friese ins Gerede brachte. Im April war eine Gruppe von spielenden Jungen in Werne auf die Überreste eines Reptils gestoßen, die großes Aufsehen erregten und als "prähistorischer Fund" gefeiert wurden. Bei näherer Überprüfung stellte sich jedoch heraus, daß es sich lediglich um die Überreste eines Krokodils handelte. Eine der Menagerien, die auf der Sim-Jü-Kirmes ausgestellt hatten, mußte das tote Tier in Werne begraben haben. Man erinnerte sich noch an die Explikation, die folgendermaßen gelautet haben soll:
"Dieses Tier ist mindestens 300 Jahre alt, liegt aber seit vier Wochen in einem apathischen Zustand, bewegt sich nicht und nimmt auch keine Nahrung zu sich."[36]
Wer jedoch den Kadaver begraben hatte, war nicht mehr zu rekonstruieren. Nach Ansicht eines Experten wären "wahrscheinlich nur die Raubtierschauen von Malfertheiner und Friese" in Frage gekommen.[37]

Ein knappes Jahr nach dem Fund des Krokodils, am 17.01.1927, verlor Dora Friese ihren Mann. Er starb, wie es in der Todesanzeige heißt, "nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden" im Alter von 66 Jahren.[38] Dora hatte 24 Jahre ihres Lebens mit ihm verbracht. Ihre Beziehung scheint alles andere als konventionell gewesen zu sein. Während Emil als "ruhiger Vertreter" galt, wurde Dora als aufbrausend und emotionsgeladen geschildert. Ihre Enkelin erinnerte sich:
"Die ließ sich nicht so schnell einschüchtern, in gar keiner Art und Weise. Da mußten sie schon wirklich ein hartes Geschütz auffahren. Sie war überhaupt nicht ängstlich, im Gegenteil, die haute drauf wie auf kalt Eisen."[39]
Für Doras Mann galt: "Was er nicht wollte, das wollte er nicht." So scheinen beide auf ihre Art durchsetzungsfähig gewesen zu sein - wobei Dora in mehr als einer Hinsicht gegen das Geschlechterrollenklischee verstieß. Dies kann einerseits der Lebensweise von Schaustellerfrauen geschuldet sein, die ein hohes Maß an Eigenständigkeit und Durchsetzungsvermögen besitzen mußten, um sich im Alltag zu bewähren. Andererseits hatte gewiß auch die Tätigkeit als Dompteuse Einfluß auf Doras Verhalten. Woher sollte sie Angst kennen, wenn sie Löwen und Tiger bändigen konnte? Warum sollte sie darauf verzichten, sich in der Familie durchzusetzen, wenn sie täglich als Herrin über die Tiere auftrat?

Ihre Stärke half ihr nach dem Tod ihres Mannes. Dora war nun allein für das Unternehmen verantwortlich. Sie übernahm alle Arbeiten, die Emil Friese, solange er noch gesund war, erledigt hatte. Unterstützt wurde sie von ihrem Bruder Dominikus und ihren Söhnen, dem jetzt 23jährigen Alex und dem 20jährigen Sam, nach der Heirat von Alex auch von ihrer Schwiegertochter Klara, die sich nun um den Haushalt kümmerte. Dora erbte das Geschäft, das jedoch nach wie vor unter dem Namen ihres Mannes lief. Mit ihrem ältesten Sohn verstand sie sich nicht besonders gut. Möglicherweise spielten politische Gründe dabei eine Rolle, denn Alex verschrieb sich dem Nationalsozialismus und trat der SA bei. Damit stand er im Schaustellergewerbe nicht allein. Auch der "Komet" richtete 1933 seine "Hoffnung auf den neuen Reichskanzler Adolf Hitler", gab aber gleichzeitig der Befürchtung Ausdruck, daß Volksfeste zu "parteipolitischen Tummelplätzen" werden könnten. Demgegenüber wurde die Forderung erhoben, "Volksfeste zu einem absolut neutralen Boden zu machen", wo niemand wegen seiner Herkunft oder seiner Meinung behelligt werden sollte.[40]

Anfang der dreißiger Jahre ereignete sich ein folgenschwerer Unfall. Beim Füttern eines Löwen wurde Alex ein Arm abgerissen. Das Unglück muß die Familie schwer erschüttert haben. Sam konnte zu den Raubtieren kein Vertrauen mehr entwickeln und drängte auf eine Umstrukturierung der Menagerie. Raubtierschauen kamen ohnehin aus der Mode. So wurde der Schwerpunkt auf Schlangen, Krokodile und Schimpansen verlagert.

Am 16.01.1936 heiratete Sam Maria Köhnen, die Tochter eines Bauunternehmers aus Essen. Die damals Neunzehnjährige gab ihr gutbürgerliches Leben auf, um mit ihrem Mann zu reisen. Sie brachte eine Portion Abenteuerlust mit und gewöhnte sich bald an die fremden Tiere und die harte Arbeit. Ihre Schwiegermutter empfand sie allerdings als "herrisch", was ein Auskommen zwischen den beiden sicher nicht leichtgemacht haben dürfte.

Ein Jahr später trennten sich die beiden Familien. Sam und Maria begannen alleine zu reisen. Im Winterquartier in Lemgo trafen dann alle wieder zusammen. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges veränderte sich die Situation schlagartig. Dominikus und Sam wurden eingezogen. Alex siedelte mit seiner Familie nach Hamburg über, Dora blieb in Lemgo und gab das Reisen endgültig auf. Die Menagerie mußte aufgelöst werden. Ein Teil der Tiere wurde an Zoos verkauft, einen Teil behielt Dora aus Anhänglichkeit bei sich, wie ihre Affen, die mit im Hause wohnen durften, und den Eisbären Beppi, für den sie extra ein Bassin bauen ließ, damit er regelmäßig gewaschen werden konnte. Sie muß auch noch längere Zeit Löwen gehabt haben, denn die Nachbarn beschwerten sich über ihr nächtliches Gebrüll. Doch Dora wußte sich zu wehren. Sie ließ das Wasser des Bassins auslaufen und überschwemmte damit die ganze Umgebung. So verschaffte sie sich Respekt, vor Beschwerden war sie nun sicher.

Nach 1939 begann Dora, ein seßhaftes Leben zu führen. Durch die Miete aus dem Haus, Rücklagen aus dem Geschäft und dem Verkauf der Tiere hatte sie ein gewisses Finanzpolster für die harte Zeit. Sie machte Gartenarbeit, renovierte das Haus, trank mit den Nachbarn Kaffee und widmete sich häuslichen Tätigkeiten, zu denen sie früher nur im Winterquartier Zeit gehabt hatte: Nähen, Stricken, Sticken. Als Dompteuse hatte sie ihre Kostüme selbst entworfen und genäht, jetzt bestickte sie prächtige Tischdecken, die sie ihrer Enkelin als Aussteuer mitgab. Sie hatte endlich Zeit zu lesen und tat dies ausgiebig. Es fehlt auch nicht an Anekdoten, die einer Löwenbändigerin würdig sind.

Während der Kriegszeit soll sich einmal ein Soldat auf dem Hof der Familie rumgetrieben haben. Dora war allein, aber sie kannte keine Angst. Sie vertrieb den Eindringling unter lautem Geschimpfe mit einer Mistgabel.

1945 marschierten die Amerikaner in Lemgo ein. Die Einwohnerinnen hatten Anweisung, Türen und Fenster zu schließen und sich nicht zu zeigen. Dora Friese mißachtete den Befehl und schaute dem Einmarsch vom Bodenfenster aus zu. Sie erhielt einen Schuß in die Hüfte, so daß sie für den Rest ihres Lebens hinkte. Dies hinderte sie jedoch nicht, bis ins hohe Alter hart zuzupacken. Als etwa Sechsundsiebzigjährige schlug sie sich beim Holzhacken mit der Axt den Daumen ab. Sie hat einfach einen Lappen um die Hand gebunden und ist allein ins Krankenhaus gegangen..., doch hören wir wörtlich ihre Enkelin:
"Da wollte der Doktor ihr 'ne Spritze geben, da hat sie gesagt, das neumodische Gelumpe brauche ich nicht. Dann haben sie ihr bei vollem Bewußtsein den Daumen wieder angenäht, und sie ist kerzengrade aus dem Krankenhaus wieder rausmarschiert. Was für eine Frau!"
In den fünfziger Jahren hat sich Dora Friese mit der Stadt Lemgo angelegt, weil eine Straße über ihr Grundstück gebaut werden sollte. Sie hat erreicht, was sie wollte. Die Straße wurde bis heute nicht gebaut.

Seit 1955 verbrachte Doras Enkelin Leni, die Tochter von Sam und Maria, die meiste Zeit bei ihrer Großmutter. Sie ging in Lemgo zur Schule und wurde nicht mit auf die Reise genommen. Die Eltern sah sie während der Saison nur am Wochenende. Sie lebte gern bei ihrer Oma und schilderte sie als herzlich und offen, schlagfertig und großzügig. Nur daß ihr das Martinssingen verboten wurde, weil sie es nicht nötig hätten, "schummern" zu gehen, das fand sie eher kleinlich. Leni betrachtete ihre Großmutter als außergewöhnliche Frau, die bis ins hohe Alter für sie kochte, den Garten versorgte und das Haus in Ordnung hielt, ohne "tüddelig" zu werden. Als fast Achtzigjährige stand Dora Friese noch auf der Leiter und strich die Fassade des Hauses. Als einmal ein Terrier auf den Hof kam, der für seine Bösartigkeit berüchtigt war, und ihren Hund beißen wollte, schleuderte sie ihn mit einer Latte ein paar Meter weit durch die Luft. Das Tier betrat das Friesesche Anwesen nie wieder.

Das war etwa ein Jahr vor ihrem Tod, Dora war einundachtzig Jahre alt. Sie überlebte ihren Sohn Alex, der am 29.01.1962 starb, und ihren Bruder Hans, der im gleichen Jahr,am 30.07.1962, das Zeitliche segnete. Sie starb am 29.10.1965 an Altersschwäche, ohne längere Leidenszeit - ein Tod, der ihrem Leben gemäß war. Beigesetzt wurde sie unter dem steinernen Löwen, den sie für das Grab ihres Mann hatte anfertigen lassen - Symbol auch für ihr Leben. Doch ihren Namen suchen wir vergeblich.


Anmerkungen

[1] Die Zitate stammen aus einer Anzeige des Walhalla-Theaters in Wiesbaden, undatiert, aus dem Privatarchiv der Familie Friese.
[2] Familienstandsbogen des Max Sewald, beheimatet in Regensburg, Stadtarchiv Regensburg.
[3] Ebda.
[4] Ebda. Die genauen Geburtsdaten: Friedrich Josef Meyer, genannt Seppl: 21.12.1873 (vorehelich), Göttingen; Georg: 26.05.1877, Karthaus-Prüll; Johann August, genannt Hans: 05.03.1879, Karthaus-Prüll; Dominikus: 21.10.1892, Leonberg. Die Ehe der Eltern wurde 1874 geschlossen.
[5]Bewerbungskarte der Firma Sewald: Abgebildet sind ein Kettenflieger und der Stand mit den Puppenspielen ("Sewalds weltberühmtes Easper- und Marionettentheater, 22 Meter Front mit eigener Licht- und Motoranlage", Privatarchiv Friese, um 1920).
[6] Volksfeste und Märkte ... 1983, S. 174.
[7] Familienstandsbogen Max Sewald, Stadtarchiv Regensburg. Ich danke dem Stadtarchiv Regensburg für die freundliche Bereitstellung der Unterlagen.
[8] Heiratsbuch des Standesamtes Staffelstein, Bayern, Nr. 7/1903.
[9] Vgl. Lehmann 1952, S. 58ff.; Hampe 1902, S. 120ff.; Schulz 1978, S. 64; Bose/Brinkmann 1978, S. 148ff.; Arnold 1983, S. 247; Loisel 1912.
[10] Hagenbeck 1909, S. 310.
[11] Ebda, S. 112f., 311ff.
[12] Volksfeste und Märkte..., 1983, S. 271.
[13] Vgl. Thomas 1905, S. 126, 133, 311, 260, 368, 391, 461; Hagenbeck 1909, S. 331.
[14] Bose/Brinkmann 1978, S. 154.
[15] Thomas 1905, S. 128.
[16] Ebda, S. 183f.
[17] Ebda, S. 349.
[18] Ebda, S. 315.
[19] Carl Hagenbeck's Handelsmenagerie und Tierpark: Preis-Verzeichnis des jetzigen Tier Vorrates, 4. April 1906, Privatarchiv Friese.
[20] Familienstandsbogen Max Sewald, Stadtarchiv Regensburg.
[21] Hagenbeck 1909, S. 319.
[22] Vgl. Schulz 1978, S. 66, 106f.
[23] Undatierte Anzeige, Privatarchiv Friese.
[24] Prograramankündigungen, Privatarchiv Friese.
[25] Ebda.
[26] Volksfeste und Märkte...1983, S. 176.
[27] Zeitungsausschnitt und Programmankündigung, Privatarchiv Friese.
[28] Originalzitat aus dem Interview mit Frau Schmidt.
[29] Vgl. Meier-Lemgo 1962, S. 294.
[30] Volksfeste und Märkte... 1983, S. 333. Vgl. Toeplitz 1979, S. 36ff.; Geese 1981, S. 50ff.
[31] Lehmann 1952, S. 49.
[32] Volksfeste und Märkte... 1983, S. 261.
[33] Vgl. Volksfeste und Märkte... 1983, S. 193ff.: "Der reisende Stand und sein langer erfolgreicher Kampf um Anerkennung"; Abel 1988, S. 91ff.; Faber 1982; Geese 1981.
[34] Volksfeste und Märkte... 1983, S. 197.
[35] Vgl. Faber 1982, S. 167ff.
[36] Schulz 1978, S, 120.
[37] Ebda.
[38] "Der Komet", Nr. 2178/1927, 8. 15.
[39] Originalzitat aus dem Interview.
[40] Volksfeste und Märkte... 1983, S. 18.

Alle Angaben zum Lebenslauf von Dora Friese, die nicht durch Anmerkungen belegt sind, stammen aus Interviews mit Maria Friese und Leni Schmidt. Beiden danke ich herzlich für ihr Entgegenkommen und die gute Zusammenarbeit.


Literatur

ABEL, SUSANNE
Bremer Schausteller 1945-1983. Zum Wandel von Arbeit und Leben, Göttingen 1988.

ARNOLD, HERMANN
Fahrendes Volk, Randgruppen des Zigeunervolkes, Landau (Pfalz) 1983.

BOSE, GÜNTER / BRINKMANN, ERICH
Circus. Geschichte und Ästhetik einer niederen Kunst, Berlin 1978.

FABER, MICHAEL
Schausteller. Volkskundliche Untersuchung einer reisenden
Berufsgruppe im Köln-Bonner Baum, Bonn (2.-Auflage) 1982.

GEESE, UWE
Eintritt frei, Kinder die Hälfte. Kulturgeschichtliches vom Jahrmarkt, Marburg 1981.

HAGENBECK, CARL
Von Tieren und Menschen. Erlebnisse und Erfahrungen, Berlin 1909.

HAMPE, THEODOR
Fahrende Leute, Leipzig 190a.

LEHMANN, ALFRED
Zwischen Schaubude und Karussells. Ein Spaziergang über Jahrmärkte und Volksfeste, Frankfurt am Main 1952.

LOISEL GUSTAVE
Histoire des Ménageries de l´Antiquité à nos jours, 3 Bde., Paris 1912.

MEIER-LEMGO, KARL
Geschichte der Stadt Lemgo, Lemgo (2. Auflage) 1962.

SCHULZ, RAINER
625 Jahre Simon-Juda-Markt Werne, Werne 1978.

THOMAS, ROBERT
Unter Kunden, Komödianten und wilden Tieren, Leipzig 1905.

TOEPLITZ, JERZI
Geschichte des Films 1985-1928, München 1979.
Volksfeste und Märkte. 100 Jahre "Der Komet", Pirmasens 1983.

Helga Grubitzsch

QUELLE   | "Was für eine Frau!" | S. 211-231
PROJEKT  Portraits von Frauen aus Ostwestfalen-Lippe
AUFNAHMEDATUM2007-06-20


QUELLE     | "Was für eine Frau!" | S. 211-231

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