PERSON

(94 KB)   Woumans, Conrad [nach Anselm van Hulle]: Porträt des Reinhard Scheffer, Gesandter der Landgrafschaft Hessen-Kassel in Osnabrück, ab 1644 / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Carmen Hickstein   Informationen zur Abbildung

Woumans, Conrad [nach Anselm van Hulle]: Porträt des Reinhard Scheffer, Gesandter der Landgrafschaft Hessen-Kassel in Osnabrück, ab 1644 / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Carmen Hickstein
FAMILIEScheffer (der Jüngste)
VORNAMEReinhard


GESCHLECHTmännlich
GEBURT DATUM1590-08-20   Suche
GEBURT ORTMarburg
TOD DATUM1656-02-11   Suche
TOD ORTMarburg


VATERScheffer, Reinhard (1561-1623)
MUTTERHeintzenberger, Margarethe


BIOGRAFIEAls Sohn des gleichnamigen hessen-kasselischen Rates und Kanzlers (1561-1623) sowie der Margarethe, Tochter des Kanzlers Johann Heintzenberger (1567-1623), stammt Scheffer sowohl väterlicher- wie mütterlicherseits aus alten hessischen Beamtenfamilien ab.

1605 tritt er in das Pädagog der Hohen Schule Herborn ein, studiert ab Weihnachten 1606 an der inzwischen kalvinistischen Universität Marburg und wahrscheinlich auch an der Ruperto-Carola in Heidelberg. Scheffer genießt an allen drei Anstalten eine prononciert kalvinistische Ausbildung; seine staatsrechtlichen Vorstellungen werden in Marburg unter Hermann Vultejus geformt. Eine längere Peregrinatio academica führt ihn durch Deutschland, nach Frankreich, England und in die Niederlande.

Wohl durch Intervention des Vaters erhält Scheffer 1617 eine Anstellung als Rat in hessen-kasselischen Diensten. Landgraf Moritz entläßt Scheffer 1624 wie manchen anderen Beamten zuvor und später wegen Unbotmäßigkeit. Nach der Abdankung des Landgrafen 1627 greift der Nachfolger Wilhelm V. sofort wieder auf Scheffer zurück und ernennt ihn zum Amtmann und Rat in Wolfhagen und Zierenberg. Zwei Jahre später erscheint er bereits als Geheimer Rat der Kasseler Regierung und nimmt ab 1635 auch die Stelle eines hessen-kasselischen General(kriegs-)kommissars ein. Als Landgräfin  Amalie Elisabeth Scheffer 1638 zu Verhandlungen mit den Generalstaaten nach Den Haag entsendet, setzen ihn die Spanier auf der Rückreise am Niederrhein für einige Zeit fest. Zu den diplomatischen Missionen, die ihm übertragen werden, zählt seine Entsendung auf den Regensburger Reichstag von 1641.

Scheffer, der neben Adolf Wilhelm von Krosigk, Johann Vultejus, Nikolaus Christoph Müldener und dem Sekretär Sebastian Zobel die hessische Delegation auf dem Westfälischen Friedenskongreß bildet, trifft als einer der ersten Gesandten am 06.06.1644 in Osnabrück ein. Er nutzt die herausgehobene Stellung, deren sich Hessen-Kassel durch seinen frühen Bündnisschluß sowohl mit Frankreich wie Schweden erfreut, nach Kräften aus. Auf Scheffer gehen im wesentlichen die evangelischen Grundsatzbeschwerden zurück, die von schwedischer Seite nahezu unverändert übernommen werden. Mit der Landgräfin weiß er sich einig im nachdrücklichen Bemühen um die Gleichstellung des reformierten Bekenntnisses im Reich. Vor allem seinem Geschick ist es zuzuschreiben, daß der innerprotestantische Dissens in dieser Frage überwunden wird und auch Schweden und Frankreich die Dreikonfessionalität billigen. Obwohl Scheffer eine besondere religiöse Strenge attestiert wird, erweist er sich während der Osnabrücker Zeit als ausgewiesener Anhänger des Anisschnapses.

Nach der Rückkehr von Osnabrück zählt Scheffer unter Landgraf Wilhelm VI. zu den höchsten hessischen Beamten. Er wird 1653 zum Präsidenten der Regierung in Marburg ernannt, wo er zusammen mit seinem kaum minder bedeutenden Kollegen Johann Heinrich Dauber die Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung der landesherrlichen Universität leitet. Scheffer stirbt nur drei Jahre später im Alter von 65 Jahren unverheiratet in seiner Vaterstadt.


Cools IV, S. 18; Theatrum Europaeum VI, S. 406 (Abb.); Aubry (Abb.); Kalender (Abb.); Hieronymus Wetzel, Christliche Leich-Predigt und Ehren-Gedächtnis Des Weylandt Wohl-Edlen... Reinhard Scheffers, gewesenen Fürstlichen Hessischen Geheimbten Rats und Präsidenten zu Marburg, Marburg [1656]; Pacificatores 1697 Nr. 93 (Abb.); Meiern IV Schema Nr. 34; F. W. Strieder, Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten und Schriftsteller Geschichte Bd. 12, Kassel 1799, S. 286-289; Bildnisse 1827 Nr. 50 (Abb.); ADB 30, S. 683; Striedinger Nr. 29; Katalog Gripsholm Nr. 261, Nr. 722; Karl E. Demandt, Amt und Familie. Eine soziologisch-genealogische Studie zur hessischen Verwaltungsgeschichte des 16. Jahrhunderts, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 2 (1952), S. 79-133; APW Serie II Abt. C, Bd. 1-3; E. Bettenhäuser, Die Landgrafschaft Hessen-Kassel auf dem Westfälischen Friedenskongreß 1644-1648, (phil. Diss. Mainz) Wiesbaden 1983; Gerhard Menk, Johann Heinrich Dauber. Der Erneuerer der Marburger Universität nach dem Dreißigjährigen Krieg, in: Marburg-Bilder, hrsg. von Joerg Jochen Berns, Marburg 1995, S. 241-264. Überlieferung des Staatsarchivs Marburg.

Kartusche: REINHARD SCHEFFER, Illustrissimæ Landgraviæ Hasso-Casselanæ à Consiliis Interioribus, eiusdemque ad Tractatus Pacis Universalis Monasteri Legatus Plenipotentiarius, etc.

Devise: IN VTRAQUE FORTVNA, SIS VTRIVSQUE MEMOR - in Glück und Unglück gedenke beider.

Wappenbeschreibung: In Blau ein goldener, sechsstrahliger Stern. Auf dem bewulsteten Helm der Stern zwischen zwei von Silber und Blau übereck geteilten Büffelhörnern.

Gerhard Menk

QUELLE  Duchhardt, Heinz / Dethlefs, Gerd / Queckenstedt, Hermann | "...zu einem stets währenden Gedächtnis" | S. 274f.
PROJEKT  Die Herrscher und ihre Gesandten beim Westfälischen Friedenskongress 1645/49 - in Porträts
AUFNAHMEDATUM2006-10-10


PERSON IM INTERNETBiografien, Literatur und weitere Ressourcen zur Person mit der GND: 12110186X
  Hessische Biografie
  Wikipedia, deutsch
  Personen im Verbundkatalog des HBZ NRW
  Gesamtkatalog deutschsprachiger Leichenpredigten (GESA)
  Digitaler Porträtindex druckgraphischer Bildnisse/Frühe Neuzeit - Bildarchiv Foto Marburg


SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Zeit3.2   1550-1599
3.3   1600-1649
3.3.1   Dreißigjähriger Krieg / Westfälischer Friede <1618-1648>
3.4   1650-1699
Ort3.5   Münster, Stadt <Kreisfr. Stadt>
4.200   Hessen-Kassel, LandGt., KFtm.
Sachgebiet3.14.4   Außenpolitik, diplomatische Beziehungen
5.9   Kriege, militärische Konflikte
DATUM AUFNAHME2006-10-10
AUFRUFE GESAMT2100
AUFRUFE IM MONAT68