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(96 KB)   Woumans, Conrad [nach Anselm van Hulle]: Porträt des Jakob Lampadius, Gesandter des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg(-Calenberg) in Osnabrück, 1644-1649 / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Carmen Hickstein   Informationen zur Abbildung

Woumans, Conrad [nach Anselm van Hulle]: Porträt des Jakob Lampadius, Gesandter des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg(-Calenberg) in Osnabrück, 1644-1649 / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Münster, LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte / Carmen Hickstein
FAMILIELampadius
VORNAMEJakob


VERWEISUNGSFORMAretinus, Scipio
GESCHLECHTmännlich
GEBURT DATUM1593-11-21   Suche
GEBURT ORTHeinsen
EHEPARTNER(I) 1625: Warnecke, Catharina (1605-1667), Eltern: Heinrich Warnecke
TOD DATUM1649-03-10   Suche
TOD ORTMünster


VATERLampe, Peter
MUTTERKnoche, Margarete


BIOGRAFIEDer Sohn des Bauern Peter Lampe und seiner Frau Margarete, geb. Knoche, besucht im Anschluß an die Schulen in Hildesheim und Hameln das Gymnasium in Herford und beginnt 1611 ein Jurastudium an der welfischen Landesuniversität Helmstedt. Noch vor Abschluß seiner Studien wird er zum Präzeptor und Hofmeister des Herzogs Rudolf von Braunschweig-Lüneburg, Bruder des in Wolfenbüttel regierenden Herzogs Friedrich Ulrich (1613-1634), ernannt. Lampadius begleitet seinen Zögling 1616 an die Universität Tübingen. Nach dem frühen Tod des Herzogs (Juni 1616) folgen kurze Aufenthalte an den Universitäten Marburg und Gießen. 1619 schließt Lampadius sein Studium in Heidelberg ab und wird mit einer Dissertation "De Jurisdictione Imperii Romani-Germanici" bei dem Staatsrechtler Bachovius (Reinhard Bachov von Echt, 1575-1634) zum Doctor iuris promoviert. 1625 heiratet Lampadius die Tochter des wolfenbüttelschen Kammerrates Heinrich Warnecke (Catharina, 1605-1667); von den 11 Kindern dieser Ehe überleben 6 den Vater, unter ihnen der in Hannover bestallte Geheime Hof- und Kanzleirat Christian Lampadius (gest. 1693).

Nach einjähriger Tätigkeit als Assessor am Reichskammergericht in Speyer nimmt er 1620 den Ruf als a.o. Professor für Staatsrecht an der Universität Helmstedt an. Gleichzeitig als "fürstlicher Rat von Haus aus" bestallt, wird Lampadius 1621 auch Hofrat in Diensten Friedrich Ulrichs. In der militärisch schwierigsten Phase des Dreißigjährigen Krieges vertritt er das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel als Diplomat u.a. auf dem Kurfürstentag von Mühlhausen (1627) und auf dem Konvent evangelischer Reichsstände in Leipzig (1631). In Halle und Mainz führt er 1631 Verhandlungen über ein Bündnis mit dem schwedischen König Gustav Adolf. Nach dem Tode Friedrich Ulrichs ist Lampadius bis zur Beilegung der welfischen Erbstreitigkeiten (1635) Mitglied der Interimsregierung und wird im selben Jahr Hofrat unter Herzog Georg (1635-1641) im calenbergischen Teil des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. 1638 zum Vizekanzler ernannt, vertritt er das Fürstentum 1640 auf dem Nürnberger Kurfürstentag und 1640/41 auf dem Reichstag in Regensburg. Der Nachfolger Georgs, sein Sohn Christian Ludwig (1641-1648 in Hannover, 1648-1665 in Celle), ernennt Lampadius zum Geheimen Rat, Vizekanzler und Klosterrat. Der Separatfrieden des Welfenhauses mit dem Kaiser in Goslar (1642), der 1643 zur Rückgabe des seit 1523 in welfischem Besitz befindlichen Großen Stifts Hildesheim an Bischof Ferdinand aus dem Hause Wittelsbach führt und das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg in der Endphase des Krieges zur Neutralität verpflichtet, wird gegen den Rat von Lampadius abgeschlossen.

Ohne eigene militärische Machtmittel gelingt es dem Welfenhaus während der 1643 beginnenden Friedensverhandlungen, bei denen Lampadius seit Juli 1644 das Fürstentum Calenberg vertritt, nur schwer, seine Interessen durchzusetzen. Die welfischen Anwartschaften auf eine Reihe norddeutscher Bistümer gehen trotz des Verhandlungsgeschicks des Lampadius verloren. Der Verlust Hildesheims kann nicht rückgängig gemacht, weitere Forderungen, wie die Abtretung von Hoya und Diepholz an Schweden, können aber abgewehrt werden. Nur für das Hochstift Osnabrück gelingt schließlich die Festlegung der Alternativsukzession zwischen einem braunschweig-lüneburgischen Herzog und einem katholischen Wahlbischof. Obwohl Lampadius hinter dem cellischen Geheimen Kammerrat  Langenbeck nur die zweite Position in der welfischen Gesandtschaft einnimmt, wird er auf dem Friedenskongreß zum bestimmenden Verhandlungsführer des Gesamthauses und darüber hinaus zu einem der wichtigsten Wortführer der protestantischen Reichsstände insgesamt. Sein Bemühen, kaiserlich-katholische Hegemonialansprüche zurückzudrängen und eine volle Gleichberechtigung der Konfessionen zu erreichen, gipfelt in der Idee, die Kaiserwürde zwischen einem katholischen und einem protestantischen Reichsoberhaupt alternieren zu lassen. Diplomatisches Geschick beweist er sowohl gegenüber Forderungen katholischer Reichsstände wie gegenüber den schwedischen Satisfaktionsansprüchen seines Studienfreundes  Adler Salvius.

Der Jurist und Staatsrechtler Lampadius steht in seiner Bedeutung dem Politiker und Diplomaten nicht nach. Seine 1621 veröffentlichte Dissertation wird von seinem Schüler und Freund Hermann Conring seit 1630 in mehreren kommentierten Neuauflagen unter dem Titel "De republica romano-germanica" herausgegeben. Mit seinen Vorschlägen zur Weiterentwicklung der Reichsverfassung im Sinne eines bundesstaatlich-föderalen Systems, in dem die Souveränität zwischen den Territorialstaaten und dem kaiserlichen Oberhaupt geteilt ist, weist Lampadius auf die Grundzüge des Verfassungszustandes nach 1648 voraus. Die Neuauflagen seiner Arbeit werden zum Standardwerk des akademischen Unterrichts in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Conring, Pufendorf, Leibniz und Kulpis, der 1688 nochmals seine Dissertation von 1619 herausbringt, bauen vielfach auf Lampadius' Überlegungen auf.

Er stirbt in Osnabrück bei den Verhandlungen zur Umsetzung des Friedensvertrags.


Cools IV, S. 14; Theatrum Europaeum VI, S. 656 (Abb.); Aubry (Abb.); Kalender (Abb.); Pacificatores 1697 Nr. 89 (Abb.); Meiern IV Schema Nr. 27; Walther, S. 61-64; Zedler 16, S. 336; Bildnisse 1827 Nr. 47 (Abb.); ADB 17, 1883, S. 574-578; Adolf Köcher, Jakob Lampadius. Ein Beitrag zur Geschichte der politischen Theorien des 17. Jahrhunderts, in: Historische Zeitschrift 53 (1885), S. 402-429; Striedinger Nr. 13; Tekotte, S. 54; Katalog Gripsholm Nr. 751; Richard Dietrich, Jacobus Lampadius. Seine Bedeutung für die deutsche Verfassungsgeschichte und Staatstheorie, in: Forschungen zu Staat und Verfassung. Festgabe für Fritz Hartung, Berlin 1958, S. 163-185; NDB 13, 1982, S. 454-456.

Kartusche: IACOBUS LAMPADIUS Iurisconsultus Celsissimorum Principum FRIDERICI et CHRISTIANI LUDOVICI Ducum Brunovicensium et Lunæburgensium ad Comitia Osnabrugensia et Monasteriensia Legates Ducis item CHRISTIANI LUDOVICI Consiliarius intimus et Procancellarius

Devise: COMMITTE DOMINO VIAS TUAS, ET SPERA IN EUM ET IPSE FACIET. - Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen. (nach Psalm 37.5)

Wappenbeschreibung: Das hier ohne Farben wiedergegebene Wappen ist redend. Der Schild zeigt einen Leuchter mit fünf brennenden Lichtschalen, eine in der Mitte, zwei auf beiden Armen, zwei unter diesen hängend. Auf dem bewulsteten Helm ein zweiarmiger Leuchter mit brennenden Lichtschalen.

Gerd van den Heuvel

QUELLE  Duchhardt, Heinz / Dethlefs, Gerd / Queckenstedt, Hermann | "...zu einem stets währenden Gedächtnis" | S. 262f.
PROJEKT  Die Herrscher und ihre Gesandten beim Westfälischen Friedenskongress 1645/49 - in Porträts
AUFNAHMEDATUM2006-10-10


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SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Zeit3.2   1550-1599
3.3   1600-1649
3.3.1   Dreißigjähriger Krieg / Westfälischer Friede <1618-1648>
Ort3.5   Münster, Stadt <Kreisfr. Stadt>
4.110   Braunschweig-Lüneburg, Hztm.
Sachgebiet3.14.4   Außenpolitik, diplomatische Beziehungen
5.9   Kriege, militärische Konflikte
DATUM AUFNAHME2006-10-10
AUFRUFE GESAMT1709
AUFRUFE IM MONAT27