PERSON

FAMILIEBraunschweig-Lüneburg, von
VORNAMEGeorg Ludwig


GESCHLECHTmännlich
GEBURT DATUM1660-05-28   Suche
GEBURT ORTHannover
EHEPARTNER(I) 1682 (Scheidung 1695): Braunschweig-Lüneburg, Sophie Dorothea von (1666-1726)
TOD DATUM1727-06-22   Suche
TOD ORTOsnabrück
BEGRÄBNIS ORTHannover, Leineschloss, Schlosskirche; nach 1945: Überführung in das Mausoleum nach Hannover-Herrenhausen


VATERBraunschweig-Lüneburg, Ernst August von (1629-1698)
MUTTERPfalz, Sophie von der (1630-1714)


BIOGRAFIEErstgeborener Sohn des Herzogs Ernst August von Braunschweig-Lüneburg (1629-1698; seit 1661 Bischof von Osnabrück, seit 1680 gleichzeitig Herzog von Braunschweig-Lüneburg-Calenberg, seit 1692 Kurfürst) und der Herzogin Sophie (1630-1714), Tochter des Kurfürsten ("Winterkönigs") Friedrich V. von der Pfalz, Enkelin des englischen Königs Jacob I. Georg Ludwig hat fünf Brüder und eine Schwester. Der Erbprinz, der in Iburg und Osnabrück aufwächst, erhält durch seinen Erzieher Franz Ernst von Platen und den Hofmeister Johann von dem Bussche die übliche Fürstenausbildung der Zeit; neben Sprach-, Geschichts- und Geographiekenntnissen wird besonderer Wert auf die militärische Ausbildung gelegt. Seit Mitte der 1670er Jahre Bildungsreisen und Teilnahme an mehreren Feldzügen. Zur Absicherung des vertraglich vereinbarten Erbanspruchs der Calenberger Linie des Welfenhauses am Fürstentum Celle wird er 1682 mit seiner Cousine Sophie Dorothea (1666-1726) vermählt. Aus dieser Ehe gehen zwei Kinder hervor: 1. Georg (II.) August (1683-1757), folgt 1727 seinem Vater als Kurfürst von Hannover und König von England; 2. Sophie Dorothea (1687-1757), vermählt 1706 mit dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, Mutter Friedrichs des Großen. Die unter rein dynastischen Gesichtspunkten geschlossene, seit längerem zerrüttete Ehe Georg Ludwigs wird 1695 geschieden; Sophie Dorothea wird bis zu ihrem Tod auf Schloß Ahlden verbannt. Georg Ludwig geht keine neue Ehe ein.

Der als haushälterisch und sparsam bis zur Knauserigkeit geltende Kurfürst beginnt 1698 seine Regierungszeit mit einschneidenden Sparmaßnahmen und schafft damit die Grundlage für die finanzielle Konsolidierung des hannoverschen Staates, der unter seiner Herrschaft zielstrebig vergrößert wird (1705 Erbanfall des Fürstentums Celle; 1711 pfandweise Übernahme der Grafschaft Delmenhorst; 1715/20 Erwerb der Herzogtümer Bremen und Verden) und neben Brandenburg-Preußen eine Vormachtstellung im nordwestdeutschen Raum gewinnt. Die mit dem Act of Settlement (1701) kodifizierten Erbansprüche seiner Mutter auf den englischen Thron gehen 1714 nach deren Tod an ihn über. Im selben Jahr noch tritt Georg die Nachfolge der Königin Anna an. Zunächst mit merklicher innerer Distanz zu seinem neugewonnenen Königreich, dessen Sprache er zeitlebens nur unzureichend beherrscht, regiert er Hannover und Großbritannien in Personalunion, vermag sich jedoch in späteren Jahren mit der Rolle eines vom Parlament in seinen Herrschaftsrechten eingeschränkten Monarchen zu arrangieren. Charakterlich wird er von den Zeitgenossen als zurückhaltend, wortkarg und kalt beschrieben, gilt im kleinen Kreis jedoch als durchaus zugänglich, jeglichen Intrigen abgeneigt, von starkem Gerechtigkeitsempfinden geprägt und zuverlässig in der Einhaltung getroffener Absprachen. Obwohl Georg Ludwig seit seiner Jugend eine starke Affinität zum Militär entwickelt (er nimmt u.a. an den Türkenkriegen teil und fungiert als Befehlshaber im Pfälzischen Krieg und im spanischen Erbfolgekrieg) und in seinem Reichspatriotismus ein militanter Gegner der französischen Hegemonie in Europa bleibt, sucht er seine politischen Ziele als Kurfürst jedoch vor allem auf diplomatischem Feld und unter Einsatz erheblicher finanzieller Mittel durchzusetzen. Daß er als König von Großbritannien sich immer wieder zu seinen Stammlanden hingezogen fühlt, zeigen die zahlreichen Aufenthalte im Kurfürstentum. Georg Ludwig stirbt 1727 auf einer Reise nach Hannover während eines Zwischenaufenthaltes in Osnabrück bei seinem jüngsten Bruder, Fürstbischof Ernst August II. Die Beisetzung erfolgt in der Schloßkirche des hannoverschen Leineschlosses; nach dem Zweiten Weltkrieg wird der Sarkophag in das Mausoleum in Herrenhausen überführt.

Unbekannt ist, wann das Bildnis des Prinzen im Osnabrücker Friedenssaal aufgehängt wurde. Die schematische Darstellung des Friedenssaales bei von Meiern aus dem Jahre 1735 lokalisiert es als Nr. 5 in der Fensterlaibung des rechten Fensters der Stirnwand als Bildnis des Prinzen Georg Ludwig von Braunschweig-Lüneburg nachmaligen Königs Georg von Großbritannien. Da das Gemälde auf der Rückseite die Nr. 6 trägt, die sich auch beim Bildnis der  Christina von Schweden findet, müssen bei dieser Gelegenheit eine Reihe von Gemälden den Platz getauscht haben: das Porträt der Christina tritt wahrscheinlich an die Stelle des Großen Kurfürsten  Friedrich Wilhelm (Nr. 7), das abgehängt wird; der Platz links an der Wand bleibt leer (von Meiern bezeichnet ihn als vacat); das Porträt des ungeliebten Landesherrn  Franz Wilhelm von Wartenberg wird abgehängt und durch das Bildnis Georg Ludwigs ersetzt. Spätestens bei der Restaurierung des Friedenssaals 1890, bei der die Fensterlaibungen ausgemalt wurden, muß das Bild entfernt worden sein. Die Herkunft des Porträts ist unbekannt, es stimmt mit keinem der bekannten Jugendbildnisse des Prinzen überein. Es ähnelt einem kleinformatigen, 1678 datierten Bildnis von Wolfgang Heimbach († nach 1678), das im letzten Krieg verschollen ist. Es könnte sich auf seine Teilnahme an der siegreichen Schlacht seines Vaters Ernst August I. an der Konzer Brücke 1675 beziehen. Nach der eigenständigen malerischen Handschrift dürfte es von Noël (III.) Jouvenet († 1698), der 1685-1695 in Hannover Hofmaler war, nach Heimbach oder einer unbekannten gemeinsamen Vorlage kopiert worden sein.


Meiern IV Schema Nr. 5; V.C. Habicht, Der Niedersächsische Kunstkreis, Hannover 1930, Abb. 152; Striedinger, S. 246; John Kerslake, Early Georgian Portraits, 2 Bde, London: National Portrait Gallery 1977, S. 87-88; Ragnhild Hatton, George I. Elector and King, London 1978 (dt. Ausgabe: Georg I. Ein deutscher Kurfürst auf Englands Thron, Frankfurt 1982); Georg Schnath, Geschichte Hannovers im Zeitalter der neunten Kur und der englischen Sukzession, 4 Bde. und Registerbd., Hildesheim 1938-1982.

Gerd van den Heuvel

QUELLE  Duchhardt, Heinz / Dethlefs, Gerd / Queckenstedt, Hermann | "...zu einem stets währenden Gedächtnis" | S. 184f.
PROJEKT  Die Herrscher und ihre Gesandten beim Westfälischen Friedenskongress 1645/49 - in Porträts
AUFNAHMEDATUM2006-10-06


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