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TITELDer spätantike Goldschatz von Dortmund


INFORMATIONBei Ausschachtungsarbeiten für den Bau der Ritter-Brauerei am Rand der Dortmunder Altstadt wurde 1907 einer der bisher größten antiken Münzschätze gefunden. In und neben einem beschädigten römischen Tongefäß fand man insgesamt 444 Goldsolidi, 16 fragmentierte Silbermünzen und obenauf drei große punzenverzierte Goldringe in einheimischer Technik. Einen Anhaltspunkt für die Zeit der Verbergung des Schatzes geben die Prägedaten der Solidi, die sich von Constantin d. Gr. (307-337) bis zu den Anfang des 5. Jh. gemeinsam regierenden Kaisern Arcadius, Honorius und dem wegen deren Untätigkeit gegen die Germanen von den Truppen in Gallien ausgerufenen Gegenkaiser Constantin lll. (407-411 n. Chr.) erstrecken. Der Solidus war seit der Zeit Constantins d. Gr. als massive und daher stabile Goldwährung an die Stelle der bis dahin vorherrschenden, sich laufend verschlechternden Silberwährung getreten und aus diesem Grund auch bei den Germanen beliebt. Auf der Vorderseite ist in der Regel das Porträt des Kaisers im Panzer mit dem in der Spätantike üblich gewordenen Kaiserdiadem, auf der Rückseite oft eine Personifikation der Erfolge und Herrschertugenden des Kaisers abgebildet. Der größte Teil der Münzen stammt aus Prägestätten im Nordwesten des Reiches, zuerst vor allem aus Trier, später aus Mailand. Der Schatz muß also im Westen angesammelt worden sein. 14 der Solidi im Dortmunder Münzschatz sind allerdings sog. barbarische Nachprägungen mit stärkerer Silberbeimengung, die mit imitierten Stempeln von nicht autorisierten Stellen, vielleicht auch von germanischen Fürsten außerhalb des Reiches, die ihre Gefolgschaft möglichst mit vertrauenswürdigen Münzen belohnen wollten, nachgemacht worden waren. Dazu kommen noch mehrere gröbere, bisher ungeklärte Silbermünzen mit einem männlichen Kopf auf der Vorderseite und einem Kreuz auf der Rückseite, offenbar ebenfalls Nachahmungen. Eine weitere hat in deutlicher Fälschungsabsicht einen vergoldeten Silberkern. Einige der älteren Münzen sind gelocht, um als Anhänger getragen zu werden. Da der größte Teil der Münzen von der in der 2. Hälfte des 4. Jh. regierenden Dynastie Valentinians stammt und da die Münzen bereits von da an auch nahezu stempelfrisch sind, wird der Schatz nicht erst kurz vor dem Verstecken, das bald nach dem letzten belegten Jahr 408 (dem "terminus post quem") erfolgt sein muß, auf einmal erworben, sondern schon seit einer Generation nach und nach von einem Germanen angesammelt worden sein - als Sold, als Teil von Tributzahlungen oder als Handelsgewinn. Der Fundort - vielleicht an der Stelle eines damaligen Adelssitzes - liegt sicher nicht nur zufällig an einer bedeutenden Handelsstraße, dem Hellweg, der den Herren von Dortmund auch damals schon durch den Handel große Gewinne zugeführt haben dürfte. Eher als direkt aus dem Handel mag der Besitzer aber diesen Reichtum wohl durch seinen Dienst im römischen Heer erworben haben, als einer der fränkischen Offiziere, die in großer Zahl in den Legionen am Rhein dienten und zum Urlaub und nach dem Dienst in ihre rechtsrheinische Heimat zurückkehren durften.

Die zugehörigen einheimischen Goldringe werden durch den Münzschatz etwa in das späte 4. Jh. n, Chr. datiert. Ähnliche Goldringe gibt es auch in einigen weiteren Schatzfunden in Westfalen (etwa die Funde von Iserlohn-Lethmathe, der Schatz von Beelen - s. Bild 10  Medien - oder auch im benachbarten Holland der Schatzfund von Beilen), die demnach in ungefähr dieselbe Zeit gehören müssen. Sie ordnen sich damit den beiden großen Goldschatz-Horizonten in Westfalen zu, die durch Münzdatierung gegen Ende des 4. und zu Beginn des 5. Jh. anzusetzen sind und zu deren späterem auch der Dortmunder Schatz gehört. Sie erlauben den Rückschluß auf zwei Gefahrenwellen oder Katastrophen in dieser Zeit. Allerdings wissen wir nicht, was sich damals unter den Germanen rechts des Rheins abspielte, haben aber Nachrichten über tiefgreifende Änderungen im römischen Gebiet, die nicht ohne Auswirkungen auf den rechtsrheinischen Bereich bleiben konnten. 402 waren die römischen Truppen aus Gallien gegen die Westgoten nach Italien abgezogen worden, was weitere Einfälle von Germanen in Gallien und letztlich dessen Verlust zur Folge hatte. Insbesondere überquerten 407 n. Chr. eine ganze Anzahl von Germanenstämmen - am bekanntesten die Vandalen, die Burgunder, die Sueben und die Alamannen - den Rhein und ließen sich auf römischem Boden nieder. Die Verbreitung der Schatzfunde im mittleren westfälischen und holländischen Bereich, also in altem fränkischem Gebiet, paßt allerdings nicht zu einem direkten Zusammenhang mit dem Durchzug dieser kriegerischen Stämme. Eher kann man mit gleichzeitigen Plünderungs- und Eroberungszügen der benachbarten Sachsen rechnen, die die Franken anscheinend über den Rhein abgedrängt und deren Siedlungsgebiet im Bereich des Münsterlandes offenbar mit Gewalt in die Hand gebracht haben. Der Dortmunder Münzschatz wird also einer der fränkischen Adelsfamilien gehört haben, die im 5. Jh. - anfangs noch als römische Föderaten - auf römisches Gebiet überwechselten.


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OBJEKT-PROVENIENZDortmund, Museum für Kunst und Kulturgeschichte
FOTO-PROVENIENZDortmund, Museum für Kunst und Kulturgeschichte


QUELLE    Stupperich, Reinhard | Römischer Import in Westfalen | Dia 09, S. 32-34
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit1.6   Römische Kaiserzeit
Ort1.2   Dortmund, Stadt <Kreisfr. Stadt>
DATUM AUFNAHME2004-03-01
AUFRUFE GESAMT3909
AUFRUFE IM MONAT29