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(90 KB)   Meckenem, Israhel van (um 1430-1503): Doppelbildnis von Israhel van Meckenem (ca. 1430-1503) und seiner Frau Ida / Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster / Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster/R. Wakonigg   Informationen zur Abbildung

Meckenem, Israhel van (um 1430-1503): Doppelbildnis von Israhel van Meckenem (ca. 1430-1503) und seiner Frau Ida / Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster / Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster/R. Wakonigg
FAMILIEMeckenem, van
VORNAMEIda


GESCHLECHTweiblich
GEBURT DATUM1440 [um]   Suche
GEBURT ORTBocholt
EHEPARTNER1475 [um]:  Meckenem, Israhel van, Goldschmied und Kupferstecher


VATERErnstes
MUTTERRaesfeldt, Margaretha


BIOGRAFIE"Der unterjochte Ehemann" - so heißt ein Kupferstich des Goldschmieds und Kupferstechers Israhel van Meckenem, der im 15. Jahrhundert in der Ackerbürgerstadt Bocholt lebte. Der Stich zeigt einen Mann, der auf einem Schemel sitzt, eine Spindel in Händen hält und Wolle auf ein Gestell wickelt. Ängstlich blickt er dabei zur Seite auf seine Frau, die neben ihm sitzt und gerade mit einer Spindel zum Schlag auf ihn ausholt. Gleichzeitig legt die Frau mit ihrer linken Hand Hosenbänder an.

Israhel van Meckenem, zu seiner Zeit weit über das westmünsterländische Bocholt hinaus ein geschätzter, angesehener Mann, hat eine ganze Serie solcher Kupferstiche gefertigt, die das mittelalterliche Eheleben zum Thema haben. In seiner Bilderserie ist dies nicht das einzige Bild, das einen "Streit um die Hosen" darstellt, Sinnbild von Macht und Gewalt in der Ehe. So manche Chronisten und Kunsthistoriker haben sich denn auch gefragt, ob Israhel van Meckenem hier Szenen aus seiner eigenen Ehe in Kupfer gestochen hat, Szenen mit seiner Frau Ida Ernstes.

Das Paar lebte im 15. Jahrhundert im münsterländischen Bocholt - damals eine kleine Stadt mit eigenen Stadtrechten, in der die Mehrzahl der Bevölkerung von Landwirtschaft, Handwerk und Kleinhandel lebte. Die meisten Menschen waren Ackerbürger: Sie wohnten innerhalb der Stadtmauern und bewirtschafteten "draußen", vor den Toren der Stadt, ein paar Parzellen Land; im Haus wurden auch Tiere gehalten.

Fast alle Bocholter hielten es so, selbst wenn sie ein angesehenes öffentliches Amt innehatten wie der Vater der Ida Ernstes. Von ihm ist bekannt, daß er nicht nur Kirchenmeister und Schöffe am städtischen Gericht war, sondern auch eigenes und gepachtetes Ackerland bewirtschaftete. Verheiratet war er mit der Bürgerstochter Margaretha Raesfelt.

In diesem Haushalt wurde - neben zwei Söhnen - um 1440 die einzige Tochter Ida geboren. Ihr genaues Geburtsdatum ist ebenso unbekannt wie ihr Sterbetag. Um 1475 aber muß sie geheiratet haben - eben jenen Goldschmied und Kupferstecher Israhel van Meckenem.

Zum Zeitpunkt der Hochzeit war Ida Ernstes wohl schon etwas älter, älter als ihr Ehemann und auch älter als andere Frauen und. Mädchen, die zum ersten Mal heirateten. Aus dem, was wir heute über Ida wissen, muß sie es recht schwer gehabt haben, einen Ehemann zu finden.

Ida hätte auch die Möglichkeit gehabt, in ein Kloster einzutreten. Hiermit hätte sie der Schande, alleine und ohne Ehemann "sitzen zu bleiben", entgehen können. Doch ein klösterliches Leben entsprach wohl nicht dem Temperament der streitbaren, eigenwilligen und lebenslustigen Frau. Nur ein besonderer Mann war .fähig, eine solche Frau zu ertragen. Einer, der Eskapaden gewohnt war - ein Künstler beispielsweise.

Mit der Heirat der beiden begann eine fruchtbare Zeit, fruchtbar in jedem Fall für den Kupferstecher Israhel van Meckenem. Er wurde weit über Bocholt hinaus berühmt. Er hatte originelle Ideen und bildete in seinen Kupferstichen das Alltagsleben des Westmünsterlandes so realistisch ab wie kein zweiter in seiner Zeit. Ein Thema reizte ihn offenbar besonders: "Der Kampf um die Hosen".

Ob Ida van Meckenem, wie auf den Kupferstichen dargestellt, in der Ehe mit dem Künstler tatsächlich "die Hosen anhatte", ob sie ihren Mann tatsächlich verprügelte oder nicht, das weiß niemand zu sagen. Sicher ist aber, daß das Ehepaar Meckenem berüchtigt war für seine Lust an Streitigkeiten.

Der Meister selbst lag mehrmals mit Bocholter Bürgern im Rechtsstreit. Öfter noch als er legte sich seine Frau, die "Meistersche" Ida, mit Bürgern an. Einmal beispielsweise war sie in einer Klagesache mit ihrem Nachbarn Jakob Raesfeld verwickelt; warum der Nachbar sie und ihren Sohn Herbert verklagte, ist nicht überliefert.

Sie scheute sich nicht einmal, hochgestellten Persönlichkeiten die Meinung zu sagen, wenn es nötig war oder wenn ihr Temperament mit ihr durchging. So sind Urkunden erhalten, die von einem Rechtsstreit zwischen Ida van Meckenem und dem Rentmeister von Altaus, immerhin eine bischöfliche Amtsperson, zeugen. Sie hatte ihn beleidigt, soviel geht aus der Urkunde hervor; ihre Schimpfworte erfahren wir leider nicht. Eine Lappalie kann es nicht gewesen sein, denn kein geringerer als der Bischof von Münster sah sich genötigt, den Streit urkundlich zu beenden. Ida wurde dazu verdonnert, eine beträchtliche Summe Bußgeld anden Rentmeister zu zahlen.

Nun muß man bedenken, daß Frauen im Mittelalter nur über eingeschränkte Rechts- und Handlungsfähigkeit verfügten. Zur Zeit Idas waren Frauen zwar bedingt geschäftsfähig, nach wie vor aber unterstanden sie der Ehevormundschaft des Mannes. Ungewöhnlich ist, daß Ida van Meckenem namentlich in der bischöflichen Bußgeldliste auftaucht. Dies deutet darauf hin, daß sie und nicht ihr Mann voll zur Verantwortung gezogen wurde, und es zeigt, daß sie sich für ihre Taten nicht hinter ihrem Ehemann versteckte.

In den wenigen Urkunden, in denen Ida van Meckenem auftaucht, wird sie als "huesfrouwe" des Künstlers bezeichnet. Von einem eigenständigen Beruf der Ida erfahren wir nichts. Es ist aber anzunehmen, daß sie ihrem Mann nicht nur Modell für viele seiner weiblichen Figuren gestanden hat. Zu jener Zeit war es üblich, daß Mann und Frau zusammen ein Handwerk ausübten. Ida wird ihrem Mann in der Werkstatt bei Goldschmiedearbeiten und bei den Kupferstichen zur Hand gegangen sein.

Darüber hinaus ist aber ihr Einfluß auf den künstlerischen Schaffensdrang ihres Mannes unbestreitbar. Ihre Tatkraft konnte sich in damaliger Zeit kaum in einem eigenständigen Beruf ausdrücken. Er aber muß sie bewundert haben. Sonst hätte Israhel van Meckenem wohl kaum jenes einzigartige Doppelbildnis geschaffen, auf dem er seine Frau und sich selbst gemeinsam dargestellt hat.

Mit dem Doppelportrait hatte Israhel van Meckenem eine künstlerische Form gefunden, die damals unüblich, ja sogar völlig unbekannt war. Das Bild: zeigt Ida und Israhel einträchtig und gleichberechtigt nebeneinander. Er schaut seine Frau an, während Ida in die Welt hinausblickt.

Astrid Strathausen

QUELLE  Strotdrees, Gisbert | Es gab nicht nur die Droste | S. 19f.
PROJEKT  Lebensbilder westfälischer Frauen
AUFNAHMEDATUM2004-09-07


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QUELLE    Strotdrees, Gisbert | Es gab nicht nur die Droste | S. 19f.

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