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(171 KB)   Damm der ehemaligen Harkortschen Kohlenbahn (Gevelsberg-Silschede) / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen   Damm der ehemaligen Harkortschen Kohlenbahn (Gevelsberg-Silschede) / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen
TITELDamm der ehemaligen Harkortschen Kohlenbahn (Gevelsberg-Silschede)


INFORMATIONKohlenstraßen und die Ruhr hatten zwar seit langem ihre Bedeutung als Transportwege für den Kohlentransport, jedoch ergaben sich jahreszeitlich erhebliche Schwierigkeiten wegen der schlechten Wegeverhältnisse. Dazu kamen dauernde Streitigkeiten um die Unterhaltung der Wege. Die geringe Transportmenge mit Säcken oder Karren, das unterschiedliche Pferdeangebot, Umgangston und Zuverlässigkeit der Kohlentreiber waren weitere Vertriebsrisiken. So beschlossen am 14.07.1820 auf Anregung von Friedrich Harkort neun Gewerken den Bau einer Kohlenbahn vom Schlebuscher Gebiet zum Eisenwerk Harkorten (heute: Hagen-Haspe). Von Anfang an stand die Angelegenheit unter keinem guten Stern: Die Kapitaldecke war viel zu kurz, so daß gleich zu Beginn jeder Anteilseigner zu dem Anteil von 1.550 Talern noch einmal 3.850 Taler dazuschießen mußte, um den Bau der Bahn, der sich somit auf 54.000 Taler belief, sicherzustellen.

Nach langen Verhandlungen mit den Grundeigentümern, denen viele Vorbehalte und Sicherheiten, teils auch hohe Entschädigungen zugestanden werden mußten, wurde unter fortlaufenden Schwierigkeiten der Bau der Bahn begonnen und diese im wesentlichen 1829 in Betrieb genommen. Die Bahn war eine Pferdebahn auf eisenbeschlagenen Schienen; solche Bahnen, teils auf Holzschienen, gab es mehrere. Erstaunlich war ihre Länge, die eine preußische Meile überschritt.

Sie begann ursprünglich bei Hedtstück "Am Häusgen", 1851 wurde sie nach Westen bis zur Zeche Trappe (Schacht Voerster) verlängert. Im Ennepetal verlängerte man sie 1855 über die neue Ennepebrücke hinaus zum Magazin in Haspe. Hierher brachte man auch den Kohleneisenstein aus dem Schlebuscher Revier für die 1855 wieder angeblasenen Hochöfen der Markana-Hütte in Haspe.

1864 wurden die restlichen Anteile der Eisenbahngesellschaft an die Zeche Trappe verkauft, nachdem einige Gesellschafter aus dem Unternehmen wegen dessen Unrentabilität ausgestiegen waren. Die neue Besitzerin stellte 1876 den Betrieb auf zwei Lokomotiven um, neue Schienen wurden gelegt und andere bauliche Veränderungen getätigt. 1882 erreichte man das Hasper Hüttenwerk von Klöckner, das weiter einen Großteil der Kohlen abnahm, jedoch immer mehr Koks benötigte, den die Trapper nicht liefern konnten. Nach der Eröffnung des Reichsbahnanschlusses Silschede orientierte sich der Kohlenabsatz nach Westen.

Die Bahn wurde 1900 stillgelegt.

1905 pachtete die Hasper Hütte die Bahn für den eigenen Kohletransport und erwarb 1907 das Teilstück Enerke-Haspe, um es als Schlackenbahn für die Kippe an der Enerke zu nutzen.

Den Abschnitt Steveling-Silschede benutzte die Firma Peyinghaus, später Knorr-Bremse AG, für Materialtransporte. Sie baute ein Stück Bahnstrang bis zum Werk und ließ auch einen Gleisanschluß zum Bahnhof Silschede herstellen. Im Jahre 1960 wurde der Betrieb eingestellt.

Die Trasse wurde weitgehend abgetragen; nur nördlich der B 234 wird sie als Wanderweg benutzt. Die begehbare Strecke beträgt etwa 2,5 km. Die Böschungen des Bahndammes sind inzwischen bewachsen.

Insgesamt hat die Linie ihren Besitzern keinen Gewinn gebracht, sondern zehrte durch ihre hohen Unterhaltskosten jegliche Rendite wieder auf.

Mit Nebengleisen war die Harkortsche Kohlenbahn über 9 km lang und war damit die längste aller frühen Kohlenbahnen. Die Muttentalbahn, die unterhalb des Schlosses Steinhausen gegenüber Witten begann, führte 6 km talaufwärts, bis sie die Hauptkohlenstraße Witten-Wuppertal erreichte. Hier verläuft heute die B 235.

Eine andere Kohlenbahn führte von der Ruhr bei Kupferdreh das Deilbachtal aufwärts bis Nierenhof. Auch sie entstand auf Harkorts Anregung in den Jahren 1828 bis 1830.

Die älteste aller Kohlenbahnen ist zweifellos die im Rauendahl bei Hattingen zu den Baaker Kohlengruben. Sie wurde bereits 1787 erbaut. Alle Bahnen wurden mit Pferden betrieben.


TECHNIKFoto
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FOTO-PROVENIENZMünster, LWL-Medienzentrum für Westfalen


QUELLE    Naujoks, Hans-Georg | Spuren des historischen Steinkohlebergbaus | Dia 04, S. 21-23
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Ort1.3.3   Gevelsberg, Stadt
Sachgebiet10.14   Montanindustrie
DATUM AUFNAHME2004-02-26
AUFRUFE GESAMT2253
AUFRUFE IM MONAT26