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TITEL1648: Krieg und Frieden in Europa


ORTMünster
JAHR1998


ONLINE-TEXTOresko, Robert: Reichsitalien im Dreißigjährigen Krieg. Das Haus Savoyen und der Dreißigjährige Krieg
SEITEBd. 1, S. 142-153


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Am 20. März 1619 starb Kaiser Matthias in Wien. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Zentraleuropa in einer Krise, die zu dem europäischen Konflikt, später "der Dreißigjährige Krieg" genannt, eskalierte. Gut zwei Monate zuvor, am 12. Januar 1619, hatte der Herzog von Savoyen, Carlo Emanuele I., seinen 75. Geburtstag gefeiert. [1] Seit 1580, also fastvierzig Jahre lang, war er Herrscher Savoyens, und so gab es nur einen anderen Monarchen ersten und zweiten Ranges, der gleichfalls in die Ereignisse in Böhmen verwickelt war, dazu gleichen Alters und mit derselben Regierungserfahrung: Jakob VI., König von Schottland. Vier Jahre jünger als Carlo Emanuele I., bestieg er 1578 den Thron in Edinburgh - zwei Jahre, bevor der Herzog von Savoyen die Regierung in Turin antrat. Erst 1603 aber wurde er durch das Erbe der englischen Krone als Jakob I. einer der führenden Machthaber der verstörten christlichen Welt. Die ersten Etappen des Konfliktes wurden von Fürsten der nachfolgenden Generation dominiert - zu diesem Zeitpunkt war es also ein "Krieg der jungen Männer"-, und Carlo Emanuele I. und Jakob I. bildeten als ältere Staatsmänner, die die politisch-konfessionellen Auseinandersetzungen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erfahren hatten, nur um deren Wiederbelebung im Herbst ihrer Regierungszeit miterleben zu müssen, die Ausnahme. Darum ist es vielleicht nicht besonders überraschend, daß nach der Ermordung Heinrich IV. im Jahr 1610 beide Herrscher versuchten, sich einander anzunähern [2] - insbesondere als die politischen Implikationen der dynastischen Krise im Hause Habsburg der Jahre 1618/19 immer deutlicher wurden.

Versuche der jüngsten Zeit, Carlo Emanuele I. von Savoyen sowie Rudolf II., Heinrich III. und Vincenzo I. Gonzaga zu einer Gruppe von "principi tardorinascimentali, o, potremmo forse dire, manieristice" o protobarocchi" [3] zusammenzufassen, beziehen ihre Terminologie aus einer zutiefst traditionellen Interpretation der Kunst- und Kulturgeschichte. Der Herzog reagierte auf die Krise von 1618/19 auf eine Weise, die kaum typisch war für ein einzelnes fürstliches "genio", denn er vertrat die Ziele, die bereits sein Vater Emanuele Filiberto angestrebt hatte und die durch seine Thronfolge bis ins 18. Jahrhundert hinein weiterverfolgt wurden: die Expansion des savoyischen Territoriums
  1. nach Süden (Eroberung der Republik Genua);
  2. nach Norden (die Rückeroberung der Stadt Genf und Einmarsch in das Waadtland);
  3. nach Osten (Invasion der Herzogtümer Monferrat und Mailand);
  4. nach Westen (Annexion von Teilen der Provence und der Dauphiné); oder
  5. irgendeine Kombination dieser Ziele.
Die territoriale Expansion war eng mit dem Streben nach einer königlichen Krone oder wenigstens einem Herrschaftstitel verknüpft. Andere Dynastien teilten diese Ambitionen und versuchten in den von den Habsburgern und den französischen Königen dominierten "magischen Kreis" der hohen Machtpolitik einzudringen. Für sie erschien das Chaos des Dreißigjährigen Krieges als die Gelegenheit, um in diesen inneren Kreis vorzustoßen. [4]

Die engen Verbindungen des Hauses Savoyen zum Heiligen Römischen Reich (rechtlich) und zum Hause Habsburg (dynastisch) sind oft falsch verstanden und unterschätzt worden. In der französischen Historiographie erscheint Savoyen nur als blasser Reflex des Paris-Versailles-Systems, als Teil einer Reihe zweitrangiger, abhängiger Staaten an der Peripherie des französischen Hexagons des 19. Jahrhunderts, während die italienische Geschichtsschreibung des Risorgimento darauf bedacht war, hier eine sehr frühe Vision einer vereinigten Halbinsel unter dem Haus Savoyen zu entwickeln. Hinter beiden Traditionen standen politische Programme, die offen und anmaßend vorgetragen wurden. Die transalpinen Verbindungen der vereinten Länder der Herzöge von Savoyen und ihre Rolle im Dreißigjährigen Krieg und während der Westfälischen Verhandlungen wurden durchweg vernachlässigt, da der Konflikt zwischen Turin und Wien um die Macht in Oberitalien Mitte des 19. Jahrhunderts - zu einer Zeit, als der Zugang zu den Staatsarchiven immer leichter wurde [5] - solche Forschungsinteressen politisch inakzeptabel machte.

Während des 17. Jahrhunderts betonten die aufeinanderfolgenden Herrscher Savoyens, ob Herzöge oder ihre Regenten, daß die meisten ihrer Länder Teil des Heiligen Römischen Reiches waren, was auch immer wieder öffentlich propagiert wurde. Das Amt des Reichsvikars (vgl. Einleitung) war äußerst wichtig, ebenso wie der sich ikonographisch manifestierende Anspruch, das Haus Savoyen sei eine Seitenlinie des sächsischen Hauses Wettin. Schon vor 1618/19 hatte der Turiner Hof auf die deutschsprachige Welt im Norden geschaut. Außerdem hatte Carlo Emanuele I. enge familiäre Beziehungen zum Hause Habsburg: 1585 hatte er die Infantin Doña Cataliña Michaela, die jüngere Tochter von Philipp II. von Spanien, geheiratet - eine sehr fruchtbare Verbindung: Neun der zehn Kinder, die die Herzogin zur Welt brachte, erreichten das Erwachsenenalter. Alle hatten Ansprüche auf die spanische Krone und trugen den Titel "Infant" bzw. "Infantin". Während einer der immer wiederkehrenden Situationen dynastischer Schwäche in Madrid wurden die drei ältesten Söhne zur Erziehung an den spanischen Hof gesandt. Später wurde daher behauptet, daß dem ältesten von ihnen im Falle einer Teilung des spanischen Reichs das Herzogtum Mailand versprochen worden war. [6] Die meisten dieser zwischen 1586 und 1596 geborenen, also 1618 erwachsenen Kinder waren stark für Habsburg eingenommen. Viele von ihnen traten, zumindest für einen Teil ihres Lebens, in spanische Dienste, und einige von ihnen stellten diese Affinität niemals in Frage. Der dritte Sohn, Emanuele Filiberto, wurde Großadmiral von Spanien und war seit 1622 bis zu seinem Tod 1624 Vizekönig von Sizilien. Seine älteste Tochter, Margherita, hatte Carlo Emanuele im Jahre 1608 mit dem Erben Mantuas verheiratet, ein Versuch, die Spannungen zwischen den Häusern Savoyen und Gonzaga zu lösen. Sie war die führende Verfechterin der spanischen Interessen während der Mantuanischen Erbfolgekrise nach 1627 und regierte als Vizekönigin von Portugal ab dem Jahr 1634 bis zur Revolte von 1640. [7] Solche Bluts- und Gefolgschaftsbande weisen darauf hin, daß es immer eine prohabsburgische Faktion innerhalb des Hauses Savoyen gab.

Diese Nähe wurde gestärkt durch die engen Beziehungen der Herzogskinder zu ihrer einzigen Tante, der Infantin Doña Isabella Clara Eugenia, die seit 1599 mit ihrem Ehemann Erzherzog Albrecht als Statthalterin die südlichen Niederlande regierte. Da die Infantin selbst keine Kinder hatte, war sie jederzeit bereit, sich um die Bedürfnisse und Karrieren der Kinder ihrer toten Schwester zu kümmern. So eröffnete sich sogar die Möglichkeit einer savoyischen Thronfolge an einem anderen wichtigen Schauplatz des Dreißigjährigen Krieges: in den Niederlanden. Mit Verbindungen nach Wien, Madrid und Brüssel, dem Dreieck habsburgischer Machtzentren, spielte Carlo Emanuele I. in der internationalen Politik eine größere Rolle, als gemeinhin angenommen wird. Denn obwohl er immer wieder mit Paris liebäugelte, dabei gleichzeitig versuchte, den französischen Hof gegen den habsburgischen auszuspielen, trotz seiner Überlegungen bezüglich einer Allianz mit den Stuarts und seinen Anstrengungen, eine italienische Liga als dritten Machtblock aufzubauen, sind diese Verbindungen zu den Habsburgern der nötigen Schüssel, um seine Politik seit 1618 bis zu seinem Tode 1630 zu verstehen.

Carlo Emanuele I. war 1618 allerdings, trotz seiner engen Beziehungen zum Hof in Madrid, sehr von den Habsburgern enttäuscht. Der zweite Erbfolgekrieg von Monferrat, der 1618 endete, hatte deutlich gemacht, daß der spanische Hof weder bereit war, Territorialansprüche Savoyens an dem umstrittenen Herzogtum zu unterstützen noch Carlo Emanueles Forderung, seine Enkelin, Prinzessin Maria Gonzaga, solle vom Hof in Mantua nach Turin gebracht werden, wo ihre verwitwete Mutter Margherita lebte. Mit solch kompromißloser Härte konfrontiert, schauten die Herzöge von Savoyen traditionell nach Paris - und umgekehrt -, und im Jahre 1618 führte Carlo Emanuele I. ernsthafte Verhandlungen bezüglich der Hochzeit seines Sohnes und Erben, Vittorio Amedeo, Fürst von Piemont, mit Marie Christine von Frankreich, der Schwester Ludwigs XIII. Im Alter von 31 Jahren brauchte Vittorio Amedeo dringend eine Frau, um die Thronfolge in der älteren Linie zu sichern. Die Hochzeit mit Marie-Christine Anfang 1619 brachte nicht nur eine Braut königlichen Ranges nach Turin, sondern besiegelte auch eine Allianz des Hauses Savoyen mit den alten Rivalen der Habsburger - und dies genau zum Zeitpunkt der böhmischen Krise. Marie-Christine war erst dreizehn, als sie an den Turiner Hof kam; die Festigung ihrer Position durch die Geburt eines Erben und ihre Fähigkeit, die französische Faktion am Hofe ihres Schwiegervaters um sich zu scharen, sollten noch Jahre auf sich warten lassen. Durch ihre Etablierung in Turin entstand ein potentiell mächtiger Anziehungspunkt für die Familien, die gegen jede spanische Orientierung der savoyischen Politik opponierten, während sich zugleich die Faktion der Habsburg-Freunde am Hof um die Geschwister ihres Gatten sammelte. Tatsächlich war es diese zwischen den verschiedenen Mitgliedern der Herzogsfamilie geteilte Loyalität, die zu diametral entgegengesetzten außenpolitischen Aktionen am Turiner Hof führte, die den besonderen Charakter des italienischen Kriegsschauplatzes während des Dreißigjährigen Krieges ausmachte.

Die Umwälzungen nördlich der Alpen während der Krisenjahre 1618/1619 abwägend, wurde Carlo Emanuele I. dadurch beeinflußt, daß es den Habsburgen nicht gelang, das Monferrat-Problem in seinem Sinne zu lösen, und durch die Anwesenheit einer (hoffentlich) fruchtbaren königlich-französischen Schwiegertochter. Dieses Zusammentreffen von Ereignissen, insbesondere die Möglichkeiten, die sich durch die Zerrissenheit innerhalb des Heiligen Römischen Reiches ergaben, ermutigten den Herzog zu einer Reihe von Schritten, die Lancierung seiner Kandidaturen für die Kaiserwahl wie für die böhmische Königswahl eingeschlossen. [8] Deshalb waren Carlo Emanuele I. und das Haus Savoyen von Beginn an in den Dreißigjährigen Krieg verwickelt. Carlo Emanuele I., der von seiner Position als Fürst des Heiligen Römischen Reiches und von seinem besonderen Status als Reichsvikar in Reichsitalien profitierte, unternahm einige Annäherungsversuche an die protestantische Union, was dazu führte, daß Ernst von Mansfeld im Dienst Savoyens ein Regiment für den zweiten Monferrat-Krieg aufstelle. Mansfeld knüpfte auch die Kontakte zum Kreis der Berater des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, was zu dem ersten direkten, wenn auch heimlichen Eingreifen des Hauses Savoyen in den Dreißigjährigen Krieg führte: Subsidien des Turiner Hofes für das 2.000 Mann starke Regiment Mansfelds, das in Böhmen für die protestantische Union kämpfen sollte. Carlo Emanuele I., der mächtigste Gegner der Calvinistenhochburg Genf, präsentierte seine Kandidaturen für den kaiserlichen und den böhmischen Thron, um die konfessionelle Freiheit und die Wahlsouveränität zu verteidigen und den Einfluß des Hauses Habsburg im Reich zu mindern.

Die einmütige Wahl Friedrichs V. zum König von Böhmen zerstörte die Hoffnungen Savoyens in Prag, und Mansfelds militärische Rückschläge zwangen den Herzog von Savoyen zur Aussöhnung mit Kaiser Ferdinand II. und dem Haus Habsburg insgesamt. Noch bevor das Archiv der pfälzischen Kanzlei nach der Schlacht am Weißen Berge in die Hand Tillys fiel, ein Archiv, das den Beweis für Carlo Emanueles Verhandlungen mit den mit Ferdinand II. verfeindeten protestantischen Landesherren enthielt, änderte der Herzog von Savoyen seine Politik vollkommen, indem er die böhmische Sache aufgab und dem Kaiser 10.000 Mann Infanterie und 2.000 Kavalleristen anbot, um ihm bei der Unterstützung der habsburgischen Position in Prag zu helfen - als Gegenleistung für eine kaiserliche Ehe mit einer seiner Töchter und die Anerkennung des königlichen Ranges des Hauses Savoyen. Die stockenden Beziehungen zwischen Turin, Wien und Madrid wurden durch die Veltlin-Krise, die die oberitalienischen Fürstentümer wie Schockwellen erschütterte, jäh unterbrochen.

Die Aussicht, daß das Haus Habsburg die Schlüsselpässe, die Tirol mit dem Herzogtum Mailand verbanden, permanent kontrollieren würde, was auf absehbare Zeit den leichten Truppentransfer zwischen den habsburgischen Erblanden und Reichsitalien sicherte, stellte eine direkte Gefahr für die Republik Venedig dar und eine ernsthafte Bedrohung für die politische Position des Herzogs von Savoyen. Traditionell der "Torhüter der Alpen", war der Herzog von Savoyen Herrscher eines typischen Konglomerats von politischen Einheiten, die der dynamische Zufall zusammengeführt hatte. Das Herrschaftsgebiet erstreckte sich zu beiden Seiten der Berge und grenzte an die zum Mittelmeer hin orientierte Republik Venedig, dem Hauptfinanzzentrum für habsburgische Militärunternehmungen. So spielte lo stato sabaudo eine bedeutende Rolle für das logistische Funktionieren der "Spanischen Straße", des Weges, über den Menschen, Geld und Güter auf der Nord-Süd-Achse innerhalb des habsburgischen Systems bewegt wurden. Die strategische, geopolitische Situation sicherte dem Hof in Turin besondere Aufmerksamkeit in Wien und Madrid, aber die Aussicht, daß die Veltliner Pässe definitiv in den Machtbereich der Habsburger fallen würden, hatte europaweite Auswirkungen. Für Savoyen bedeutete eine solche Entwicklung, daß sich wegen des sicheren "östlichen" Transportwegs über die Alpen jede politische Abhängigkeit von dem "westlichen", transalpinen Wegnetz, in dem die Länder Savoyens eine Schlüsselposition einnahmen, drastisch reduzieren würde. Die Notwendigkeit, den Ambitionen des Hofes von Turin entgegenzukommen, wäre entsprechend gemindert. Mehr noch, durch die Leichtigkeit, mit der die österreichischen Habsburger ihre Truppen nun in das Herzogtum Mailand bewegen konnten, war dieses begehrte Gebiet für das Haus Savoyens, das hoffte, durch Okkupation das lombardische Königreich wieder errichten zu können, faktisch uneinnehmbar. Aus der Kontrolle des Veltlins durch die Habsburger folgte die Sicherung Mailands, eine stückweise Aneignung - oder gar Eroberung - erschien daher als recht unwahrscheinlich.

Für Paris war die Situation ebenfalls kompliziert, denn als Vorwand für die Invasion des Veltlins diente den Habsburgern die Verfolgung der katholischen Talbewohner durch die Graubündener Herren, die trotz konfessioneller Differenzen Verbündete Frankreichs waren. Obwohl einige Anläufe unternommen wurden, dieses eigentlich lokale Problem auf diplomatischem Wege zu lösen, führte das Thema Ende 1623 zu deutlichen Verstimmungen zwischen Frankreich und Spanien. Die Berater Ludwigs XIII. sahen keinen anderen Ausweg als den Krieg, und unter Charles de La Vieuville und besonders Kardinal Richelieu wurden die Vorbereitungen mit aller Kraft vorangetrieben. [9] So stimmten einmal die Interessen der Höfe in Turin und Paris überein: Den Habsburgern konnte die Kontrolle über das Veltlin nicht widerstandslos überlassen werden. Dieser Konflikt eröffnete die erste Phase des Dreißigjährigen Kriegs in Italien.

Zu dem gemeinsamen Ziel, die habsburger Vorherrschaft im Veltlin zu brechen, fügte der französische Hof mit dem Vorschlag, die Republik Genua anzugreifen, einen weiteren Beweggrund für ein Bündnis hinzu. Dies würde nicht nur die habsburgische Vorherrschaft in Italien und die "Spanische Straße" bedrohen, sondern auch dem Herzog von Savoyen die Eroberung eines Seehafens an der ligurischen Küste - eines seiner territorialen Ziele - ermöglichen. Die logistische Unterstützung durch Savoyen war Voraussetzung für eine Invasion der Republik, aber mit dem Bündnis mit Carlo Emanuele I. in diesem - so verstanden es die Franzosen - Ablenkungsmanöver vom Veltlin-Konflikt unternahmen Ludwig XIII. und Richelieu einen wichtigen Schritt hin zu einem offeneren Engagement in dem europäischen Konflikt. Der Feldzug von 1625 geriet für die französisch-savoyische Allianz jedoch zu einer Katastrophe, denn es stellte sich heraus, daß die kleine französische Armee im Veltlin unter dem Kommando von Francois-Annibal d'Estrée, Marquis de Coeuvres, mit unerwartet großen logistischen Problemen konfrontiert war und daß daher die Habsburger, was immer die Franzosen ins Feld schicken würden, besiegen könnten. Richelieu sah sich mit der unangenehmen Aussicht konfrontiert, daß er mehr Männer und Geld in die Kampagnen im Veltlin und in Genua stecken mußte, und suchte nach einem Vorwand, um sich aus dieser unhaltbaren Situation zu befreien, ohne seine eben erreichte Position bei Ludwig XIII. aufs Spiel zu setzen - eine Verbindung, die weit unbeständiger und unausgeglichener war als manche Staatshistoriker annehmen. Hier kam ihm die Revolte des Hugenotten Benjamin de Rohan, Herzog von Soubise, gerade recht. Um den "protestantischen Feind im Innern" zu bekämpfen, begann man geheime Verhandlungen mit Spanien, die im Mai 1626 zum Vertrag von Monzón führten. Dem Haus Habsburg wurde die alleinige Kontrolle des Veltlins zugestanden, und Frankreich verzichtete auf unbestimmte Zeit auf seine Italienpolitik. [10] So kam es zu einem abrupten Ende der Allianz mit Savoyen, und der schockierte Carlo Emanuele I. sah sich nun allein den Genueser und spanischen Streitkräften gegenüber. Dieser "Betrug" führte zur Verbitterung am Turiner Hof und stärkte lediglich die habsburgisch gesinnte Faktion.

Erst Anfang 1928, kurz nach dem Tod des Herzogs Vincenzo II. Gonzaga von Mantua und nach einem fast zweijährigen Kampf in Isolation, erreichte der Herzog eine Übereinkunft mit Spanien, die auf der Teilung des Herzogtums Monferrat basierte, Carlo Emanueles I. eigentlichem Interessengebiet im Mantuanischen Erbfolgekrieg. Es sollte angemerkt werden, daß der wechselhafte Charakter der savoyischen Politik eine Quelle von Stärke und Schwäche zugleich war. Bereit, sich in jede Richtung zu bewegen, konnte der Turiner Hof auf die wechselnden Umstände erstaunlich flexibel reagieren. Die Vielzahl verlockender Möglichkeiten führte unweigerlich zu risikoreichen Strategien; während Frankreich Genua als Köder für eine Allianz anbieten konnte, lockte Spanien mit Monferrat, was die Möglichkeit eines weiteren Angriffs Savoyens auf Genua offenließ. Enttäuschungen, wie die von Monzón, wurden durch die Aussicht auf anderweitige Expansion abgemildert. Obwohl die Einnahme des Herzogtums Mailand wahrscheinlich stets das vorrangige Ziel blieb, spielten die Großmächte bis weit ins 18. Jahrhundert hinein mit der Empfänglichkeit des Turiner Hofes für Versprechungen von Kompensationen in verschiedensten Gebieten. Die Übereinkunft mit Spanien dauerte nur bis 1629, als die Franzosen den Paß von Susa stürmten, was ihnen den leichten Zugang zur subalpinen Ebene und zur Stadt Turin selbst öffnete. Die Annäherung zwischen Turin und Paris hielt damit nicht einmal ein Jahr, und Carlo Emanuele I. kehrte zu seiner spanischen Allianz zurück, nur durch die Invasion der duché de Savoie 1630 und das Versprechen, die Ansprüche des Herzogs auf Monferrat durchzusetzen, wieder in die Arme Frankreichs zurückgedrängt zu werden. Diese schnellen renversements trugen viel zum schlechten Ruf des Hauses von Savoyen als "untreuem Verbündeten" bei - ein langlebiger Topos im frühmodernen diplomatischen Denken, zugleich aber zeigten sie, daß der Herzog von Savoyen eine Schlüsselrolle in der guerre muette zwischen Frankreich und Spanien übernommen hatte, die sich zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges auf italienischem Terrain abspielte.

Der Tod von Carlo Emanuele I. im Jahre 1630, nach fünfzigjähriger Regierungszeit, machte dieser Unbeständigkeit ein Ende. Sein ältester Sohn und Thronfolger, Vittorio Amedeo I. [11], hielt während seiner kurzen Regierungszeit von sieben Jahren (1630-1637) an dem Bündnis mit Frankreich fest, insbesondere nach 1635, als Frankreich Spanien den Krieg erklärte. Diese Nähe hatte weniger damit zu tun, daß sein Wesen offener und weniger unbeständig war als das seines Vaters, sondern mit der Annahme, daß seine Ehe mit der Schwester Ludwigs XIII. die bestmögliche Garantie dafür bot, daß sich der "Verrat von Monzón" nicht wiederholte. Als ihr Mann den Thron 1630 bestieg, war Marie Christine [12] war 24 Jahre alt und zum Zentrum der französischen Faktion am Turiner Hof geworden. Sie hatte zwei Kinder geboren, aber noch nicht den sehnlichst erwarteten männlichen Thronfolger. Dieser kam dann im Jahre 1631 in Gestalt des kleinen Prinzen Francesco Giacinto zur Welt. 1634 folgte ein weiterer Sohn - die notwendige "Rückversicherung" -, nach seinem Großvater Carlo Emanuele genannt. So erschien die Position Marie Christines und folglich auch der französische Faktion am Hof in den frühen 1630er Jahren deutlich gefestigt. Die Mitglieder der Herzogsfamilie, die durch die Geburt der beiden Prinzen ihren Weg zur Macht blockiert sahen oder die traditionell habsburgisch gesinnt waren, reagierten dementsprechend.

1634 verließen die beiden jüngeren Brüder des Herzogs, die bis dahin gute Beziehungen zu Paris hatten, den Turiner Hof. Kardinal Maurizio kehrte nach Rom zurück, wo er sein Amt als Kardinalprotektor Frankreichs am Heiligen Stuhl niederlegte und das des Kardinalprotektors des gesamten Heiligen Römischen Reiches und des Hauses Habsburg übernahm. Mit Tommaso Francesco, Fürst von Carignano, waren bereits Verhandlungen über seinen Eintritt in spanische Dienste als Sekundant seiner alternden Tante Dona Clara Isabella Eugenia, Statthalterin der spanischen Niederlande, geführt worden, die durch den Tod der Infantin 1633, wenn auch nur für kurze Zeit, unterbrochen wurden. Sie wurden mit der Ankunft ihres Nachfolgers, des Kardinalinfanten Ferdinand, in Brüssel wieder aufgenommen, und im Jahr 1634 schickte Tommaso seine französische Gattin zusammen mit den Kindern nach Mailand, während er sich auf den Weg nach Norden machte. Seinen ersten wichtigen Auftrag in spanischen Diensten [13] erhielt Tommaso Francesco 1635, die Eroberung Triers und die Gefangennahme des Erzbischofs und Kurfürsten Philipp Christoph von Sötern, der sich selbst unter französischen Schutz gestellt hatte. Der Fall Triers und die Gefangennahme des Kurfürsten im Mai 1635 führten zu Tommaso Francescos Beförderung zum General der spanischen Armee. Diese Episode war der Grund oder zumindest der Vorwand für die offizielle Kriegserklärung Frankreichs an Spanien, eine Entwicklung, die weitreichende Folgen für den Bruder Carignanos, den Herzog Vittorio Amedeo I., hatte.

1631 verließ die Witwe des Herzogs von Mantua, die Infantin Margherita, Turin und wurde 1634 in Spanien zur Vizekönigin von Portugal ernannt. Sie kehrte niemals nach Savoyen zurück, ließ sich nach der portugiesischen Revolution von 1640 in Spanien nieder und wurde in Burgos begraben.

Zwei andere Schwestern, die Infantin Francesca Caterina und die willensstarke Infantin Maria Apollonia, die früher Anlaß vieler dynamischer Spekulationen waren, äußerten ihren Protest, indem sie in den Franziskaner-Orden eintreten und sich in dem Konvent von Biella niederließen. Maria Apollonia ging später nach Rom, wo sie am Heiligen Stuhl die Interessen des Hauses Habsburg vertrat.

Das Haus Savoyen war nun offenkundig zwischen den feindlichen Lagern geteilt, denn die Brüder und Schwestern des Herzogs hatten wichtige und verantwortungsvolle Positionen im Dienste des Hauses Habsburg inne und verfolgten eine Politik, die der profranzösischen Haltung Vittorio Amedeos I. diametral entgegenstand. Diese Zerrissenheit der Familie war eine der Ursachen für die Unruhen der Bürgerkriege in Savoyen 1638-42, die der Veltlin-Krise und dem Mantuanischen Erbfolgestreit folgten und somit die dritte große Phase des Dreißigjährigen Krieges auf italienischem Boden darstellten.

Die Mitglieder des Hauses Savoyen, die in Turin blieben, waren Vittorio Amedeo I., Marie Christine und ihre drei Kinder. In den folgenden zwei Jahren wurden dem Paar zwei weitere Töchter geboren. Das Bündnis des neuen Herzogs von Savoyen mit Paris wurde im April 1631 durch den Frieden von Cherasco besiegelt, in dem die Übergabe der Festung Pinerolo im Piemont an die Franzosen festgelegt wurde. Zusammen mit Casale im mantuanischen Monferrat kontrollierte diese Festung den Zugang zur subalpinen Ebene und der spanischen Lombardei. Durch die große französische Garnison auf italienischem Boden und die Streitkräfte Savoyens, gestärkt durch die Bekräftigung (1634) der Allianz mit den katholischen Kantonen der Schweizer Eidgenossenschaft, gewannen die französischen Kampagnen gegen die Habsburger in Oberitalien an Stoßkraft. Im Jahr der französischen Kriegserklärung an Spanien (1635) bestätigte der Vertrag von Rivoli die Allianz zwischen Paris und Turin. Die Abtrennung Pinerolos wurde von den Geschwistern Vittorio Amedeos I. scharf kritisiert, die die Neigung Marie Christines zu Frankreich und ihr Streben, ihrem Bruder gefällig zu sein, dafür verantwortlich machten. Auch hier kündigte sich bereits früh die Spaltung der herzoglichen Familie und des Hofes in verfeindete Lager während der folgenden Bürgerkriegsjahre an. Das Herzogpaar beschäftigte sich allerdings mit anderen Dingen: Im Jahre 1632, nach der Geburt von Francesco Giacinto, erklärte Vittorio Amedeo das Haus von Savoyen zu einer königlichen Dynastie und berief sich dabei auf die ihnen im Privileg der Lusignans aus dem 15. Jahrhundert zugestandenen Ansprüche auf das Königreich Zypern. Das Streben nach einem trattamento reale wurde zum zentralen Punkt in der savoyischen Politik, und das Herzogspaar erwartete deutliche Unterstützung durch den französischen Hof. [14] Ludwig XIII. und Richelieu hielten sich jedoch bedeckt und versuchten, diesen Wunsch für ihre eigenen Kriegsziele auszunutzen. Die französische Krone würde ein wiedererrichtetes Königreich Lombardei - oder, poetischer, das Königreich Alta Liguria - zugunsten des Hauses Savoyen anerkennen, sobald Vittorio Amedeo I. das Herzogtum Mailand erobert hätte. Damit wäre die oberitalienische Ebene vereinigt und seiner Dynastie zu königlichem Status verholfen, während zugleich die Spanier ihren lombardischen Stützpunkt verlören. Die Zeit zwischen 1630 und 1637 war geprägt von einem konstanten Streit zwischen den beiden Verbündeten [15]: Ludwig XIII. drängte seinen Schwager wiederholt, mehr Männer und Ressourcen für die Eroberung Mailands zur Verfügung zu stellen, während dieser sich permanent beschwerte, daß Frankreich seine Zusagen nicht einhielt und offenbar von den Truppen Savoyens erwartete, daß sie den größten Teil der Kämpfe bestritten. Die Spannungen wurden verstärkt durch die starke gegenseitige Abneigung der Kommandeure Frankreichs und Piemonts, die sich auf Seiten Piemonts hauptsächlich gegen den französischen Marschall von Créqui, Charles de Blanchefort, Herzog von Lesdiguiéres, richtete.

Möglicherweise in der Hoffnung, eine Aussöhnung mit dem Herzog zu erreichen, richtete Créqui im Oktober 1637 zu Vittorio Amedeos Ehren ein Bankett aus. Das Resultat jedoch war katastrophal: Der Herzog und einer seiner engsten Berater, Augusto Manfredo Scaglia di Verrua, General der savoyischen Infanterie, starben sofort und starken Schmerzen, während ein drittes Mitglied der piemontesischen Partei sterbenskrank wurde. Kurz darauf starb auch Charles de Nevers, als Carlo I. Gonzaga Herzog von Mantua, so daß innerhalb von sechs Wochen Frankreich zwei seiner wichtigsten italienischen Verbündeten verlor - auch wenn diese nicht immer bereit gewesen waren, ihre eigenen Interessen den politischen Zielen Richelieus zu opfern. Die Situation in Mantua erwies sich als besonders problematisch: Der neue Herzog, Carlo II., war erst acht Jahre alt und regierte unter der Regentschaft seiner Mutter Maria Gonzaga, Herzogin von Rethel, die wie ihre Mutter, die Infantin Margherita, habsburgisch gesinnt und darauf aus war, Mantua enger an Wien zu binden. Die Situation im Piemont schien vom Standpunkt Richelieus aus stabiler zu sein. Die Vermutung, daß Maria Christine als Regentin - in Vertretung ihres fünfjährigen Sohnes - vollkommener von Ludwig XIII. abhängig war, sowie natürlich der plötzliche und schreckliche Tod Vittorio Amedeos I. und seiner Begleiter nährten unvermeidlich das - plausible - Gerücht, der Herzog sei vergiftet worden. Die Offenheit, mit der die Herzogin ihre Affäre mit dem Grafen Filippo d'Aglié führte, bot den Vermutungen der antifranzösischen Faktion und den Anhängern der beiden Schwäger Marie Christines weitere Nahrung.

Obwohl die erste Regentschaftsübernahme der Herzogin von solchen Verdächtigungen überschattet wurde, wurde Francesco Giacinto allgemein als direkter Erbe seines Vaters anerkannt und Marie Christine als seine einzig mögliche Regentin - die einzigen anderen potentiellen Anwärter, Maurizio und Tommaso Francesco, hielten sich zu diesem Zeitpunkt nicht in Piemont auf. [16] Darüber hinaus besaß Marie Christine in ihrem zweiten Sohn Carlo Emanuele eine "Rückversicherung", so daß die Position der Regentin von Savoyen, auch wenn die Herzogin von Rethel Mantua direkt in ein Bündnis mit dem Kaiser führte, sicher genug war, um eine Weiterführung des französisch-savoyischen Bündnisses und damit die Fortsetzung des Krieges auf der oberitalienischen Ebene zu garantieren. Solange Francesco Giacinto lebte, war Marie Christine ziemlich sicher; am 4. Oktober 1638 jedoch starb der junge Herzog kurz vor der Vollendung seines ersten Regierungsjahres. Die Thronfolge selbst stellte kein Problem dar, da die Krone sofort an den vier Jahre jüngeren Bruder Carlo Emanuele II. ging. Die Regentschaft Marie Christines hingegen stand auf einem anderen Blatt, mit einem Mal wurde ihre Position unsicher und angreifbar. Die Geschwister ihres verstorbenen Gatten "rochen Blut" und mit ihnen das Haus Habsburg. Dieses sah eine Möglichkeit, die Folgen der siebenjährigen französischen Dominanz in Savoyen rückgängig zu machen und die Struktur des italienischen Kriegsschauplatzes in seinem Sinne zu verändern.

Der nun folgende Konflikt war in politische und rechtlicher Hinsicht extrem komplex und wurde oft unter dem Vorzeichen des politischen Opportunismus dargestellt. Die Gesundheit des Herzogs Carlo Emanuele II. galt wie die seines Bruders als sehr schwach. Nach salischem Recht, das die Thronfolge in Savoyen bestimmte, war sein Onkel, Kardinal Maurizio, sein direkter Erbe, gefolgt von dessen jüngerem Bruder Tomaso Francesco. Daher konnten die beiden Onkel erwarten, an der Regentschaft teilzuhaben. Die Entlassung Marie Christines aus all ihren Verwaltungsfunktionen und - möglicherweise - sogar ihre Rückkehr nach Frankreich wurde bald zum erklärten Ziel der beiden. Als Kleriker hatte Maurizio keine legitimen Nachkommen, aber Tommaso Francesco, der seit 1625 verheiratet war, besaß bis zum Jahr 1638 drei Söhne, deren Erbfolgerecht er schützen mußte. Das Problem war, daß die beiden Brüder überzeugt waren - und das nicht ohne Grund -, in Paris plane man, Savoyen zu zerteilen, falls der kleine Herzog sterben würde. So lang der Gedanke nahe, der ältesten Schwester des Herzogs, der neunjährigen Ludovica Christina, die duché de Savoie [17] bei ihrer Heirat mit einem französischen Prinzen, dem 1638 geborenen Dauphin, zur Mitgift zu geben. Dies traf einen empfindlichen Nerv in Wien, und sogar Marie Christine erkannte den Ernst dieser Drohung. Als oberster Lehnsherr hatte der Kaiser das Recht, in allen Erbfolgestreitigkeiten, wie z.B. in den Krisen von Mantua und Monferrat, das letzte Urteil zu fällen. Jede Andeutung, daß ein Teil von Reichsitalien vom Heiligen Römischen Reich abgetrennt werden könnte, mußte am kaiserlichen Hof zu großer Besorgnis führen.

Vor diesem Hintergrund und von ihren Schwestern - die Rolle der Frauen in diesem Konflikt wird bis heute unterschätzt - ermutigt, suchten Maurizio und Tommaso Francesco die militärische Unterstützung Spaniens für eine doppelte Invasion Piemonts, die sich bald in einen allgemeinen Aufstand gegen Marie Christine verwandelte. Der Adel und die städtischen Eliten schlugen sich auf die Seite der Fürsten (i principisti), und nur wenige standen loyal zu Marie Christine (i madamiste). [18] Marie Christines Position brach mit atemberaubender Geschwindigkeit zusammen. Maurizio erreichte im November 1638 das Piemont, und im Frühling 1639 hatte er fast den ganzen Süden mit Cuneo, Mondovi, Saluzzo und Nizza in seiner Hand, während sein jüngerer Bruder mit Leichtigkeit den Norden mit Ivrea, Biella und dem Aostatal einnahm. Nur Turin blieb Gegenstand von Auseinandersetzungen. Der Einfluß des Kriegsgeschehens in Italien auf den Dreißigjährigen Krieg war enorm. Daß spanische Truppen, unter dem Kommando der beiden Fürsten, fast das ganze Piemont kontrollierten und kurz davor waren, die Hauptstadt, ebenso wie die Grafschaft Nizza, einzunehmen, führte zu einer Verschiebung des Geschehens westwärts - von Kämpfen an der Grenze Piemont/Lombardei zur völligen Besetzung des savoyischen Teils Italiens. Sogar der Hof in Paris, der normalerweise Rückschläge des Hauses Savoyen mit Gleichmut betrachtete, begann sich Sorgen zu machen.

Turin blieb das vorrangige Ziel. Nachdem sie ihre vier Kinder, den jungen Herzog eingeschlossen, unter der Aufsicht Don Felices die Savoia, des einzigen - illegitimen - Mitglieds der herzoglichen Familie, dem die vertraute [19], nach Chambéry in relative Sicherheit hatte bringen lassen, verschanzte sich die Herzogin in dem befestigten mittelalterlichen Castello im Herzen der Altstadt von Turin. Im April 1639 erreichte Tommaso Francesco die Außenbezirke der Hauptstadt und bereitete sich vor, offiziell von Kaiser Ferdinand III. unterstützt, die ganze Stadt einzunehmen. Ende Juli drangen die spanischen Truppen und die der principisti in die Stadt ein. Nur die Zitadelle mit ihrer französischen Garnison hielt stand. Zu diesem Zeitpunkt gelang es Marie Christine, das Castello zu verlassen und zu ihren Kindern nach Chambéry zu fliehen.

Nun, da fast das ganze Piemont von ihren Schwägern und den spanischen Truppen besetzt war, sah sich die Herzogin mit den Schrecken konfrontiert, die denen begegneten, die auf die Hilfe und Unterstützung Kardinal Richelieus angewiesen waren. [20] Le grand Armand krümmte keinen Finger für sie und forderte, nicht ohne zu betonen, daß ihre jetzige Situation zum größten Teil Folge ihrer eigenen Schwächen und Fehler war, die französische Besetzung der duché de Savoie und daß Carlo Emanuele II. nach Paris gebracht werden, damit er mit dem Dauphin aufgezogen würde. Das ganze 17. Jahrhundert hindurch beinhaltete eine französische "Protektion" immer auch die Gefahr, daß der protégé erstickt würde. Marie Christine war gezwungen, einige Konzessionen zu machen, es gelang ihr aber, die Festung von Montmélian und die Aufsicht über ihren Sohn zu behalten. 1640, als die Belagerung Turins begann, befand sie sich in Chambéry tatsächlich im Exil, eine Frau entre chien et loup, zwischen ihrem eigenen Bruder und seinem ersten Minister auf der einen Seite und den Brüdern ihres Gatten und dem Rest der Familie auf der anderen.

Die Belagerung Turins dauerte über vier Monate. Die Truppen Tommaso Francescos griffen, unterstützt durch die städtische militia, die von den Franzosen gehaltene Zitadelle an. Wie viele der großen Festungen des 16. Jahrhunderts aber - Turin bildete hier keine Ausnahme -, hatte man diese zu einem doppelten Zweck erbaut: sowohl zur Verteidigung der Stadt als auch, um sie anzugreifen. So antwortete die Zitadelle ihrerseits mit dem Bombardement Turins. Frisch eingetroffene französische Verstärkung unter der Leitung des Grafen d'Harcourt, Henri de Lorraine, attackierte inzwischen die spanischen Truppen in Turin und unterminierte Carignanos militärische Position in den umliegenden Gebieten. Entgegen Richelieus Befehl, daß die Belagerung bis zum Sieg fortgesetzt und Tomaso Francesco gefangengenommen werden wollte, kam es zu einem Waffenstillstand zwischen Carignano und Harcourt, und Tommaso Francesco verließ am 24. September mit seinen Soldaten die Hauptstadt.

Hiermit war der Bürgerkrieg jedoch noch nicht beendet, er sollte noch bis 1642 andauern - Verhandlungen, Waffenstillstände und deren Verlängerung wechselten mit offenem Krieg. Marie Christine selbst fühlte sich sicher genug, um im November 1640 nach Turin zurückzukehren, erst im Jahre 1642 gelang es jedoch Giulio Mazzarini, der von Richelieu und seinem Kreis des absoluten savoyardismo verdächtigt wurde, [21] die verfeindeten Lager zu einer Familienversöhnung zusammenzuführen. Die beiden Fürsten bestätigten Marie Christine offiziell als Regentin an Stelle ihres Neffen, allerdings nur unter der Bedingung, daß sie in den herzoglichen Rat aufgenommen würden und alle Erlässe Marie Christines die Formel "Coll' assistenza de ‚Signori Principi miei Cognati" trügen. Beide erhielten einen eigenen Herrschaftsbereich: Maurizio Stadt und Grafschaft Nizza und Tommaso Francesco Ivrea und Biella. Richelieus Angebot, die Unhaltbarkeit Savoyens zu garantieren und die Anwendungen des salischen Erbrechts durchzusetzen, verlor seine Bedeutung, als der 49jährige Maurizio beschloß, seine Kardinalswürde niederzulegen, um seine 13jährige Nichte Ludovica Christina zu heiraten. Allen weiteren Plänen zu einer Teilung des väterlichen Erbes wurde hiermit erfolgreich ein Ende gemacht.

1642 war ein wirklich gutes Jahr für Marie Christine, denn es gingen nicht nur die Bürgerkriege zu Ende, sondern auch Richelieu stark in diesem Jahr. Der Tod ihres Bruders Ludwig XIII., die Etablierung einer Regierung unter der Leitung ihrer Schwägerin Anna von Österreich in Paris und Giulio Mazzarinis - nun französisch Jules Mazarin - Aufstieg zum ersten Minister und Favoriten der Regentin sicherten dem Turiner Hof eine freundlichere Behandlung und gaben Marie Christine, nun von der Aufsicht Richelieus befreit, größere Handlungsfreiheit.

Ihr Interesse wandte sich nun nordwärts, in dem Versuch, ihre Beziehungen zum Heiligen Römischen Reich zu verbessern und zu festigen - nicht so sehr mit dem Wiener Hof, denn dort hatte ihre Rivalin, die Herzogin von Rethel, Regentin Mantuas, in jedem Fall den Vortritt, sondern zum Reich insgesamt. Die völlige Rückführung Savoyens in das Heilige Römische Reich wurde eines der wichtigsten, wenn auch nicht beherrschenden Ziele in Marie Christines Politik der folgenden zwei Jahrzehnte, was auch durch die Anwesenheit des Hofes von Turin bei den westfälischen Friedensverhandlungen bestätigt wurde. Als leitende Vermittler in Münster waren zwei Italiener tätig: Alvise Contarini aus der Republik Venedig, ein Kenner der protestantischen Höfe im Norden - er war Botschafter sowohl in Den Haag als auch in Whitehall gewesen -, und der päpstliche Nuntius Fabio Chigi, der später Papst Alexander VII. Doch trotz der wichtigen Rolle, die die italienische Diplomatie im täglichen Ablauf von Treffen und Disputen und beim Zustandekommen des Friedensvertrages spielte, waren nur zwei Fürsten Reichsitaliens in Westfalen vertreten. Die Herzogin von Rethel entsandte Francesco, Marchese di Nerli, als den porte-parole für ihren Sohn, Herzog Carlo II. Gonzaga von Mantua, nach Münster, Savoyen wurde in Münster und Osnabrück durch Claude-Jérôme de Chabò, Marquis von Saint-Maurice, vertreten. Er stammte aus Chambéry und war Mitglied einer der ersten Familien Turins. Ihm zur Seite stand das Senatsmitglied Giovanni Francesco Bellezia. In Osnabrück wurde Savoyen durch Graf Lorenzo Nomis vertreten, obwohl Saint-Maurice die Sitzung dort ebenso besuchte wie in Münster. Angesichts der Bedeutung der Monferrat-Frage auf dem italienischen Schauplatz des Dreißigjährigen Krieges war es nur zu offensichtlich, daß die Höfe von Turin und Mantua beabsichtigten, ihren Standpunkten Gehör zu verschaffen und den Fall auf diesen gesamteuropäischen Friedensverhandlungen vorzutragen.

Auch wenn die Übertragung eines Teils des Herzogtums Monferrat ein Hauptziel der Gesandten Savoyens in Münster und Osnabrück war, so war dies längst nicht ihr einziger Tagesordnungspunkt. Von Frankreich forderten sie die Rückgabe verschiedener Festungen, allen voran Pinerolo, die während der Bürgerkriege eingenommen worden waren, von Spanien die Zahlung der ausstehenden Mitgift für Dona Catalina Michaela, der Gattin Carlo Emanueles I., und zugleich die Anerkennung ihrer - und ihrer Nachkommen - Rechte auf den südniederländischen Thron als der ältesten Schwester und Erbin der Infantin Dona Isabella Clara Eugenia, die 1633 gestorben war. Von Wien erbat der Turiner Hof die Einrichtung einer neunten Kur für das Haus Savoyen. Diese Idee wurde Gegenstand politischer Erwägungen Savoyens, als deutlich wurde, daß der Friedensvertrag auch die Einrichtung einer achten Kur für den wiedereingesetzten pfälzischen Kurfürsten beinhalten würde, wodurch die Goldene Bulle 1356, die sieben Kurfürsten für das Heilige Römische Reich festlegte, gebrochen wurde - auch wenn bereits vorgesehen war, daß die Zahl wieder auf sieben schrumpfen sollte, falls sich der pfälzische und bayerische Zweig des Hauses Wittelsbach wieder vereinen sollten, was 1777 geschah. Marie Christine und ihre Berater kritisierten, daß das Haus Wittelsbach nun zwei weltliche Kurfürsten habe, und drüber hinaus einen dritten, nämlich den geistlichen Kurfürsten von Köln, zu dem das Domkapitel traditionell einen jungen Bayernprinzen wählte. Auch das Haus Wettin, das der sächsischen Herzöge, dem sich ebenfalls das Haus Savoyen zurechnete, sollte daher über zwei erbliche Kurwürden verfügen. [22] Wenn die Bestimmungen der Goldenen Bulle auf acht Kurwürden ausgedehnt werden könnten, müßte auch eine neunte oder zehnte Kur mit den Implikationen der an den Friedensverhandlungen beteiligten Mächte vereinbar sein. Darüber hinaus, so die Herzogin, würde eine solche Lösung zum Frieden im Reich beitragen. Von den weltlichen Kurfürsten war nur der bayerische katholischer Konfession, die anderen drei waren lutherisch oder calvinistisch. Eine Kur für Savoyen würde die konfessionelle Verteilung ausbalancieren.

Die Beweggründe, die Marie Christines Politik leiteten, waren jedoch viel komplexer. Von ihrer Annäherung an das Heilige Römische Reich versprach sich Madame Royale nicht nur einen hierarchischen Aufstieg, sondern auch Schutz. Die nackte Feindschaft, die ihr beim Zusammentreffen mit Kardinal Richelieu in Grenoble begegnet war, hatte deutlich gemacht, daß ihre beiden Schwäger recht hatten: Die Teilung Savoyens war, wie die Besetzung Lothringens, eines der wichtigen Ziele der französischen Politik. Lo stato sabaudo so fest und tief wie möglich in die Konstitution des Reiches einzugleidern, war eine Möglichkeit, ihn zu schützen. Hinter Marie Christines Förderung des Juristen Samuel Guichenon aus Lyon, dessen "Histoire généalogique de la Royale Maison de Savoie" erstmals 1660 veröffentlicht wurde, standen klare politische Absichten, die zu schärfen ihr Geliebter Filippo d'Aglié geholfen hatte. [23] Die historische Abhandlung basiert auf dem Grundsatz, daß der Herzog von Savoyen ein Fürsten des Heiligen Römischen Reiches sei, daß seine Länder unter salisches Recht und unter die Gerichtsbarkeit des Reichshofrates in Wien fallen und nicht von den prises de position in Paris oder später Versailles abhängig waren. In seinen Schriften argumentierte Guichenon für die völlige Eingliederung Savoyens in das Heilige Römische Reich und für seine rechtliche Unantastbarkeit gegenüber französischen Ambitionen.

Das Scheitern der meisten Ziele Savoyens in Münster und Osnabrück - die Loslösung Pinerolos von jeglicher kaiserlichen Rechtsgewalt war ein besonders harter Schlag - sollte nicht über die grundsätzlichen Erfolge hinwegtäuschen. Allein die Anwesenheit von drei savoyischen Gesandten auf dem Kongreß bestätigte deutlich den Rang des Herzogs als Reichsfürsten. Daß Bellezia erfolgreich königliche Ehren für das Haus Savoyen auf dem Friedenskongreß reklamierte, war ein wichtiger Schritt in der Durchsetzung des trattamento reale in der christlichen Welt. Der Sitzplan in Osnabrück zeigt Saint-Maurice umgeben von den Delegierten Mecklenburgs, Bayerns und Nassaus, ein eindeutiger Beleg dafür, daß Savoyen zum Heiligen Römischen Reich gehörte. Wenn auch nur wenig erreicht wurde, man hatte demonstriert, daß Savoyen ein integraler Bestandteil des Reiches war. Der Erfolg war eher ikonographisch und emblematisch; die Ansprüche auf das Herzogtum von Monferrat oder die Einrichtung einer neunten Kur für Savoyen waren nicht durchsetzbar, das Herzogtum konnte sich aber ausdrücklich als Teil des Reiches präsentieren.

Aus den Friedensverhandlungen erwuchs aber auch ein greifbarer Nutzen, der Turin noch enger in die Strukturen des Heiligen Römischen Reiches einband: die Aufnahme von Verhandlungen über eine Eheschließung zwischen der dritten Tochter Marie Christines, Henrietta Adelaide, und Ferdinand Maria, dem ältesten Sohn und Erben des Kurfürsten Maximilian I. von Bayern. Auch hier spielte die Rivalität mit dem mantuanischen Hof eine Rolle. Mit dem Westfälischen Frieden orientierte sich eine Reihe von italienischen Dynastien nordwärts, um ein transalpines Netz familiärer Verbindungen aufzubauen. Die Herzogin von Rethel, Regentin Mantuas, mit ihren guten Verbindungen nach Wien [24], reagierte schnell auf die neue Situation. Ende 1649 gelang es ihr, ihren Sohn, Herzog Carlo II. Gonzaga, mit der Tiroler Erzherzogin Isabella Klara zu verheiraten, und Anfang 1651 erlebte sie den größten Triumph ihrer Regentschaft, die Heirat ihrer einzigen Tochter, Eleonora Gonzaga, mit dem Kaiser Ferdinand III. So kam es zu der bemerkenswerten Situation, daß das Haus Gonzaga mit zwei Kaiserinnen, der Witwe Ferdinands II. und der Gattin Ferdinands III., beide mit dem Namen Eleonora, zwischen 1651 und 1655 eine starke Vertretung mantuanischer Interessen am kaiserlichen Hof hatte.

Marie Christines Reaktion auf die Erfolge der Herzogin von Rethel - die Regierung dieser beiden Fürstinnen west bemerkenswerte Parallelen auf - war, die sogenannte "Wittelsbacher Karte" zu spielen. Der bayerische Kurfürst war während des Dreißigjährigen Krieges zumeist Verbündeter des Hauses Habsburg gewesen, ein eher seltener Moment der Kooperation zwischen den beiden Dynastien, lagen sie doch im ständigen Streit um die Vorherrschaft in der katholischen Sphäre des Reichs. Die Hochzeit von Henrietta Adelheid von Savoyen mit Ferdinand Maria von Bayern, die 1652 gefeiert wurde, war der Beginn einer ein halbes Jahrhundert andauernden engen Zusammenarbeit zwischen Turin und München. [25] Seit den ersten Verhandlungen für diese Eheschließung kooperierten der Herzog von Savoyen und der bayerische Kurfürst. 1645, nach dem frühen und unerwarteten Tod Ferdinands IV., des römischen Königs, drängten Marie Christine und Henriella Adelheid Ferdinand Maria zu einer Kandidatur bei der Kaiserwahl. Durch den Einfluß der Gonzaga von allen Chancen am Wiener Hof ausgeschlossen, schaute Marie Christine von nun an nach Bayern, dem traditionellen Rivalen des Hauses Habsburg, um ihre Stellung innerhalb des Reiches zu sichern. So entstand im Anschluß an den Westfälischen Frieden ein transalpines dynastisches Nord-Süd-Netz, wobei die Verbindungen Wien-Mantua, Innsbruck-Florenz und München-Turin die drei Hauptkanäle diplomatischer Aktivitäten waren. [26]

1648, im Jahr des Westfälischen Friedens, wurde Herzog Carlo Emanuele II. von Savoyen volljährig, und die Regentschaft seiner Mutter kam rechtlich zu ihrem Ende. Der Einfluß Marie Christines auf die Politik Turins sollte jedoch erst mit ihrem Tod 1663 enden. Am 22. Dezember ratifizierte Carlo Emanuele II. offiziell die Verträge von Münster und Osnabrück. Praktisch gesehen hatte Savoyen wenig erreicht, aber indem es Präsenz gezeigt hatte - militärisch im Dreißigjährigen Krieg und diplomatisch bei den Friedensverhandlungen - erreichten Mutter und Sohn, daß die Position, die dem Haus Savoyen innerhalb der europäischen Politik, in Reichsitalien wie im Reich insgesamt, zukam, sichtbar wurde. Aus dieser Position folgte eine deutliche Distanz zu Frankreich und eine stärkere Integration in das transalpine Machtgefüge.



ANMERKUNGEN -  Siglenliste für Literaturangaben

1. Bergadani 1932 und Merlin 1991 sind die Standardwerke über Carlo Emanueles I. Regierungszeit. Immer noch grundlegend zur Außenpolitik Savoyens dieser Zeit, obwohl wegen der politischen Voreingenommenheit des Autors mit Vorsicht zu lesen, ist Claretta 1876.
2. Zum Austausch diplomatischer Geschenke im Zusammenhang mit Eheverhandlungen zwischen den beiden Dynastien vgl. Bertana 1983 und Bertana 1991.
3. Rosso 1994, S. 183.
4. Zur Frage der territorialen Expansion und dem titolo reale der Dynastie vgl. Oresko 1997.
5. Vgl. Chadwick 1978.
6. Vgl. das Manuskript "Histoire de la Maison de Savoye" von 1773 in den Archives du Ministère des Affaires Étrangères, Paris, Memoires et Documents : Sardaigne, XII.
7. La Rocca 1940; Quazza 1930.
8. Grundlegend hierzu: Kliemann 1975.
9. Tapié 1934.
10. Pithon 1960.
11. Foa 1930.
12. Über Marie Christine ist viel geschrieben worden, jüngstes Beispiel ist Brugnelle Biraghi/Denoyé Pollone 1991.
13. Quazza 1941.
14. Oresko 1997.
15. Zur französischen Sicht der Beziehungen zwischen den beiden Verbündeten in den 1630er Jahren vgl. Mun 1907
16. Ebenfalls grundlegend: Claretta 1868/69; vgl. auch Claretta 1877/78.
17. Die duché de Savoie wurde ebenfalls als Gegenstand eines Austauschs mit Frankreich vorgeschlagen, sollte Paris - bzw. später Versailles - Turin bei der Eroberung und Annexion des Herzogtums Mailand helfen.
18. Quazza 1959/60; zu den sozio-ökonomischen Auswirkungen vgl. Cerutti 1992.
19. Oresko 1995.
20. Babel 1989 bringt mit Lothringen ein weiteres Beispiel von Richelieus anmaßendem Um gang mit Herrschern, deren Länder an Frankreich grenzten. Marie Christines Reaktion steht also in einem größeren Kontext, in dem der Kardinal als französischer "Imperialist" erscheint, ganz im Gegensatz zu dem sonst von ihm gezeichneten Bild eines "Mannes des Friedens".
21. Richelieu an Königin Maria de Medici am 8. Juli 1630: Mazarin "est si espagnol et si savoyard" (Richelieu 1853ff., III, S. 747). Zu Mazarins engen Beziehungen zu Marie Christine und dem Haus Savoyen vgl. Dethan 1981.
22. Oresko 1997, S. 329f.
23. Castronovo 1965.
24. Eine Schwester des Vaters der Herzogin von Rethel, Eleonore Gonzaga, hatte Kaiser Ferdinand II. 1623 geheiratet. Zur mantuanischen Faktion am Wiener Hof: Oresko/Parrott 1997.
25. Über die bayerische Kurfürstin wurde fast ebensoviel geschrieben wie über ihre Mutter. Die jüngste wissenschaftliche Publikation über sie ist Bary 1980.
26. Die Verbindungen des Hauses Medici mit den Habsburger Erzherzögen von Tirol, die ihre Hauptstadt in Innsbruck hatten, von wo aus sie ihre Außenpolitik unabhängig vom Wiener Hof gestalten konnten, begannen 1626 mit der Heirat von Claudia de Medici mit Leopold V. von Habsburg und wurden gefestigt durch die Ehe ihres Sohnes, Ferdinand Karl, mit Anna de Medici.


QUELLE     | 1648: Krieg und Frieden in Europa | Bd. 1, S. 142-153
PROJEKT    1648 - Westfälischer Friede

DATUM AUFNAHME2005-10-31
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