MEDIEN

(98 KB)   Eisenhoit, Meister Anton (1553/54-1603): Fürstbischof Dietrich IV. (von Fürstenberg, 1685-1618), 1592 / Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster / Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster   Eisenhoit, Meister Anton (1553/54-1603): Fürstbischof Dietrich IV. (von Fürstenberg, 1685-1618), 1592 / Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster / Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster
TITELFürstbischof Dietrich IV. (von Fürstenberg, 1685-1618), 1592
URHEBER OBJEKTEisenhoit, Meister Anton (1553/54-1603)
DATIERUNG1592


INFORMATIONUnter den beiden bischöflichen Nachfolgern Johanns II. blieb das Kräfteverhältnis zwischen Protestanten und Katholiken noch unentschieden. [1] Eine Wende trat erst mit der Wahl des Dompropstes Dietrich von Fürstenberg 1585 zum neuen Fürstbischof ein. Zu dieser Zeit hatten sich die Spannungsfelder Landesherr-Landstände und katholisch-evangelisch in allen Lebensbereichen deutlich herausgebildet Fürstenberg war ein entschiedener Katholik.

Der katholischen Konfession war er schon auf Grund seiner Herkunft eng verbunden. Er wurde 1546 auf der Waterlappe im Sauerland als Sohn des katholischen, kurkölnischen Drosten [2] Friedrich von Fürstenberg geboren, besuchte das Gymnasium in Dortmund, das Kölner Tricoronatum der Jesuiten und erhielt dank der energischen Familienpolitik seines Vaters bedeutende Pfründe [3]: u. a. 1564, mit 18 Jahren, die Mitgliedschaft im Paderborner Domkapitel. Dort gehörte er, seit 1577 zum Dompropst ernannt, zu den Führern einer katholischen Minderheit der es aber 1580 gelang, die konfessionellkatholische Exklusivität des Domkapitels durchzusetzen, indem seither bei jeder Neuaufnahme die "Professio fidei", der Eid auf das Tridentinum zu fordern war. Das Dornkapitel war eine wichtige institutionelle Stütze zur Sicherung des "alten Glaubens". - Die Pfründe, auf die Dietrich als Bischof verzichten mußte, [4] sollten katholischen Fürstenberger Verwandten vermittelt werden, weshalb er die höheren Weihen zum Subdiakon, Diakon, Priester und Bischof noch bis zum Jahre 1589 hinausschob. [5] Familien- und Personalpolitik waren für Dietrich und seine Verwandten wechselseitig aufeinander bezogen und dienten auch als ein wichtiges Mittel zur Rekatholisierung des Landes (vgl. auch die Betonung seiner Verwandtschaft und genealogischen Herkunft durch die Wappen seiner Ahnen im Porträt, vgl.  Bild 3 und  Bild 8).

Nach der Wahl zum Fürstbischof förderte Dietrich zielstrebig und wirkungsvoll den römisch-katholischen Glauben:
  • Einführung der gregorianischen Kalenderreform 1585, die im übrigen Westfalen bereits seit einem Jahr gültig war
  • Einberufung regulärer, halbjährlicher Diözesansynoden seit 1586 und regelmäßige Visitation der Pfarreien zur Ausführung der tridentinischen Reformbeschlüsse (vor allem bezüglich der Glaubens-, Sakramentenlehre, der Liturgie und der Lebensweise, des Zölibats, d. h. der Ehelosigkeit der Geistlichkeit)
  • Strafandrohung und Amtssuspension gegen andersgläubige Priester seit 1596
  • Neuordnung der Seelsorge mittels einer 1602 von Dietrich neugeschaffenen, für alle (d. h. auch für evangelische!) Gemeinden verbindlichen Gottesdienstordnung sowie eines umfassenden "Handbuchs", einer konsequenten Personalpolitik bei der Vergabe von Pfarreien ausschließlich an katholische Geistliche
  • Neugründung ertragreicher Seelsorgestellen und Pfründe
  • Förderung der Jesuiten (vgl.  Bild 6) u. a. bei der Schulreform
  • rege Propaganda und demonstrative Bautätigkeit.

Trotz dieser Maßnahmen war der protestantische Einfluß im Lande jedoch nicht gebrochen. Er hatte unter den Bürgern und Städten (außer Warburg), vor allem in der Hauptstadt Paderborn mächtige Vertreter. Der Fürstbischof verstand es aber mit taktischem Geschick, einen günstigen Augenblick abzuwarten und innerstädtische Unruhen für seine Ziele zu nutzen. Den Vorwurf des Landesverrats gegen den evangelischen Bürgermeister Liborius Wichart nahm er zum Anlaß, die Stadt 1604 militärisch zu besetzen und sie der künftig unbeschränkten landesherrlichen Gewalt zu unterwerfen (vgl.  Bild 5). Dies empfanden Städte und Adel als eine gefährliche Bedrohung. Sie mußten sich aber mangels auswärtiger Unterstützung der Übermacht des Fürstbischofs beugen und traten bald auch zum katholischen Glauben über. So schloßen sich 1613 die Witwe Elisabeth von Büren und Moritz, der Erbe der Edelherren von Büren, des bedeutendsten Adelsgeschlechts im Lande, dem Katholizismus an (vgl.  Bild 7 und  Bild 12).

Der Fürstbischof konnte die katholische Gegenreform nun ungehindert fortsetzen:
  • Ausbau der landesherrlichen Machtstellung (u. a. Neubau der Wewelsburg, vgl.  Bild 7)
  • Beseitigung der bisherigen städtischen" Freiheiten" und der Selbstverwaltung Paderborns durch einen fürstlichen Beamten, bzw. Schuttheiß 1604
  • Abschaffung der Bekenntnisfreiheit 1606
  • Errichtung eines Druckmonopols im Paderborner Land 1608
  • verschärfter Druck auf widerstrebende evangelische Laien seit 1611/1613 (ihre Zulassung zur Trauung nur in Verbindung mit dem katholischen Beichtsakrament)
  • Ausweisung außer Landes für alle Einwohner des Fürstbistums, die sich den Sakramenten der Beichte und der Kommunion beim zuständigen Pfarrer verweigerten
  • Neubau des Jesuitenkollegs 1612/14 und Gründung der ersten katholischen Universität Westfalens (vgl.  Bild 6)
  • Intensivierung moderner Propaganda (vgl.  Bild 8).

Ein eindrucksvolles, großzügiges Bauprogramm - Vorläufer des "Fürstenbergen Barocks" - zeugt von der neuen Machtfülle und dem neuen landesherrlichen Herrschaftsbewußtsein. [6]

Unter diesen neuen seelsorglichen, kirchen- und landespolitischen Voraussetzungen breitete sich der katholische Einfluß in beinahe allen Bevölkerungsgruppen des Landes, ebenso i n den Nachbarterritorien (u. a. Corvey und Rietberg) aus, so daß dem Protestantismus auch nach dem Tod des Fürstbischofs 1618, unter den wechselhaften Wirren des 30jährigen Krieges (1618-1648) keine Chance blieb.

Der Kupferstich wurde 1592 von Meister Anton Eisenhoit aus Warburg angefertigt dessen. kunstvolle Kleinarbeiten von Dietrich IV. sehr geschätzt wurden. Im ovalem Rahmen ist die Halbfigur Dietrichs nach rechts im Bischofsornat zu sehen (pelzbesetztes Bischofsornat mit Brustkreuz an doppelter Kette, Halskrause und Birett). Oberhalb des Ovals ist das von Früchten des Landes umrankte, von zwei Engeln gehaltene bischöfliche Amtswappen angebracht, umgeben von Allegorien der Staatskunst links die "Patrimonia" / Landesherrschaft/-vaterschaft mit Zeichen der Schlüsselgewalt und dem Bischofsstab, den ein Engel im Hintergrund hält, - und rechts die "Liberalitas" / Großmut mit Zeichen des Wohlstandes und dem Schwert als Zeichen weltlicher Macht ebenfalls von einem Engel getragen. Unterhalb des Ovals halten Engel kartuschenähnliche Embleme der "Justitia" / Gerechtigkeit / Rechtssprechung mit dem nach unten gerichteten, verurteilenden Schwert rechts - und der "Misericordia" / Barmherzigkeit / Milde mit dem aufrechten, Gnade verheißendem Schwert, das an der Spitze von Engelshänden ergriffen ist

Das Oval ruht auf einem Bild, das gleich einem Postament das glanzvolle Panorama der landesherrlichen Residenz Schloß Neuhaus mit dem neuen repäsentativen Fürstenbergschen Flügel vorstellte. Darüber ist eine Inschrift angebracht "D.G. Theodorus a Furstenbergh Ecclesiae Pa/derbornensis Episcopus S:R. Imperii Prin-/ceps Aetatis 44: & 6 Mensium: 1592." Das Bild wird von Wappen der Vorfahren Dietrichs flankiert, die zugleich die adlige Abstammung und Verwandtschaft mit namhaften Adelsfamilien hervorhebt u. a. Plettenberg, Galen, Recke, Roberg, Bodelschwingh, Hörde, Papenheim, Nesselroh Overheim, Rede und Westphalen.

Insgesamt dominieren in dieser bildlichen Selbstdarstellung Dietrichs - stärker noch als bei Johannes ll. ( Bild 1) - Elemente fürstlicher, höfischer und ständischer Repräsentation. Dietrich erscheint als geistlicher Landesfürst und Staatsmann, umgeben von Attributen zeitgemäßer, moderner Staatskunst (Allegorien, Abbildung der Residenz anstatt der Paderborner Domkirche als dem eigentlichen kirchlichen Zentrum der Diözese, Kleidung und Titel als Belege der Bischofswürde und als Fundament der Landesherrschaft) im engen Verbund mit der adeligen Vorfahrenschaft / Verwandtschaft.


[1] Salentin von Isenburg (1574-1577), seit 1567 Erzbischof von Köln, seit 1574 Fürstbischof von Paderborn, gründete ein neues Gymnasium, reformierte das Gerichtswesen, lehnte die tridentinischen Reformbeschlüsse zwar ab, forcierte aber kanonische Visitationen und förderte den katholischen Glauben im Domkapitel u. a. durch die Bestätigung des neuen, katholischen Dompropstes Dietrich von Fürstenberg. 1577 trat Salentin jedoch von allen Kirchenämtern zurück, um das Aussterben seines Familienzweigs zu verhindern und zu heiraten. Heinrich IV. Herzog von Sachsen-Lauenburg (1577-1585), seit 1567, im 16. Lebensjahr, Erzbischof von Bremen, seit 1574 Fürstbischof von Osnabrück - jeweils ohne päpstliche Bestätigung, seit 1575 verheiratet, seit 1577 von Papst Gregor XIII. exkommuniziert trotzdem kurz darauf vom Paderborner Domkapitel zum neuen Fürstbischof gewählt, war ein erklärter Lutheraner und versuchte, Paderborn zu einem weltlichen Fürstentum seiner Familie zu gestalten. Er begünstigte den Protestantismus, stellte es den Paderborner Untertanen frei, der "Confessio Augustana" beizutreten. Er starb jedoch 1585 unerwartet an den Folgen eines Reitunfalls. Vgl. Brandt / Hengst, Bischöfe, S. 212-221. Vgl. Schröer, Kirche in Westfalen, Band 1, S. 156-182.
[2] Territorien waren in Ämter, Drosteien oder Bezirke geteilt - in einem Umfang, der den karolingischen Frei -/Go-/Grafschaften entsprach. Der Droste übte die Landesverwaltung seines Bezirks aus, die noch nicht der unbeschränkten Machtfülle des Landesherrn unterlag, sondern auch die Beteiligung der Stände vorsah. Das Drosten-/Amt galt als Lehen und war mit erheblichen Steuereinkünften verbunden, die das "Gehalt" des Amtsträgers darstellten.
[3] Vgl. Klocke, Friedrich von und Gerhard Theuerkauf (Bearb.), Fürstenbergsche Geschichte, Band 2 (Die Geschichte des Geschlechts von Fürstenberg von 1400 bis um 1600), Münster 1971, S. 48ff. Zitat: Theuerkauf, Gerhard, Dietrich von Fürstenberg, in: ders., Lahrkamp, Helmut Richtering, Helmut und Manfred Schöne (Bearb.), Fürstenbergsche Geschichte, Band 3 (Die Geschichte des Geschlechts von Fürstenberg im 17. Jahrhundert), Münster 1971, S. 28ff:
[4] Dietrich von Fürstenberg hatte mehrere Pfründe erworben: 1564 als Domherr in Paderborn und Dechant in Wormbach, seit 1577 auch Dompropst in Paderborn. später als Propst in Meschede, Domkapitular in Trier.
[5] Theuerkauf, Dietrich von Fürstenberg, S. 29-31.
[6] Kerckerinck zur Borg, Engelbert Freiherr und Richard Klapheck, Das Fürstenbergische Barock, in: Bergenthal, Josef (Hg.), Sonderbares Land - ein Lesebuch von westfälischer Art und Kunst, 3. Aufl., Münster 1960, S. 162f.


TECHNIKKupferstich
FORMATjpg
MASZE31,5 x 23,9 cm


OBJEKT-PROVENIENZMünster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster
OBJEKT-SIGNATURC-4885 LM
FOTO-PROVENIENZMünster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster


QUELLE    Vogt, Arnold | Die Gegenreformation im Paderborner Land | Dia 02, S. 17-19
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit3.2   1550-1599
Ort2.28   Paderborn, (Fürst-)Bistum < - 1802>
DATUM AUFNAHME2004-02-26
AUFRUFE GESAMT4380
AUFRUFE IM MONAT19