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(67 KB)   Ansichten des ehemaligen Konzentrationslagers Niederhagen/Wewelsburg, 1946/1947 / Privatbesitz   Ansichten des ehemaligen Konzentrationslagers Niederhagen/Wewelsburg, 1946/1947 / Privatbesitz
TITELAnsichten des ehemaligen Konzentrationslagers Niederhagen/Wewelsburg, 1946/1947
DATIERUNG1946 / 1947


INFORMATIONDie Aufnahmen stammen von einem belgischen Besatzungssoldaten, dessen Einheit kurzzeitig 1946-1947 in Wewelsburg stationiert war. Der Standort des Fotografen war auf dem Balkon des ehemaligen Torhauses, von dort blickt er auf den früheren Appellplatz. Im hinteren Bereich stehen noch die Baracken, getrennt durch die Lagerstraße, die über das runde Löschbecken führt. Auf dem Appellplatz stehen belgische Militärfahrzeuge. Das untere Foto ist von dem gleichen Standort gemacht worden. Es zeigt den einstigen, von einer Mauer umgebenen Zellenbau. Im Hintergrund ragen die Schornsteine des früheren Krematoriums (links) und des Kesselhauses, die sich auf dem Wirtschaftshof befinden, empor. Links am Bildrand sind wieder die belgischen Truppenwagen zu erkennen.

Der von E. Christiani 1982 rekonstruierte Plan des KZ Niederhagen gibt den Bereich des Schutzhaftlagers und den Wirtschaftshof des Konzentrationslagers zum Zeitpunkt seines größten Ausbaus 1942/43 wieder. [1]

Der Aufbau des KZ Niederhagen folgte jenem architektonischen Schema, das sich seit dem ersten Muster-Konzentrationslager in Dachau in den Augen der SS hervorragend bewährt hatte. Das Schutzhaftlager wurde nach einem gleichförmigen Raster aufgebaut, dessen geometrische Struktur gut von der SS einsehbar und zu kontrollieren war.

Das zunächst hölzerne, 1941 durch ein Steingebäude ersetzte Torhaus bildete für die Häftlinge die Schleuse zwischen Außenwelt und Schutzhaftlager. Hierdurch kamen die Häftlinge ins Lager hinein, durch dieses Tor zogen sie zu ihren Arbeitsplätzen. [2] Ein Bericht des ehemaligen Häftlings W. Müller (Dokument 7  Quelle) läßt die Funktion des Lageraufbaus als ein Instrument des Terrors deutlich erkennen. Es wird klar, daß der Stolperdraht, der auf der dem Lager zugewandten Seite des elektrisch geladenen Drahtzauns lag, nicht so sehr etwaige Ausbruchsversuche verhindern, sondern vielmehr den Häftlingen die Möglichkeit nehmen sollte, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen. Die Entscheidung über Tod und Leben behielt sich die SS vor. Außerdem entstanden stets Komplikationen (Kurzschluß), wenn ein Häftling in den Elektrozaun lief.

Die Lage des Stalles direkt neben dem Schutzhaftlager wirkte als Element der psychischen Folter. Die Schweine des Kommandanten wurden direkt neben den hungernden Häftlingen von den Resten der Essensrationen gemästet, die die Wachmannschaften den Gefangenen vorenthalten hatten. Das Schweineschlachten, das Müller schildert, fand keine fünfzig Meter vom Zaun des Schutzhaftlagers entfernt statt! Hinter dem banalen Begriff des "Krankenreviers" verbirgt sich in Wirklichkeit der Tod. Das Krankenrevier war die Sterbestation des KZ und ein Ort, an dem gemordet wurde. Es verwundert daher nicht, daß zum Dorf hin ein Bretterzaun zeitweilig die Einsicht in das Lagergelände verwehrte und zur Straße hin lange Funktionsbaracken aufgestellt waren.

Das Krematorium lag auf dem Wirtschaftshof. Nicht zufällig führte ein zweiter, bisher vielleicht noch nicht wahrgenommener Ausgang aus dem Schutzhaftlager zu diesem Gebäude ...


[1] Der rekonstruierte Plan gibt den Forschungsstand von 1982, bzw. in der Überarbeitung von 1987 wieder. Mittlerweile ist durch zeitgenössische Luftaufnahmen gesichert, daß sich zwischen Lagereingang und Appellplatz zwei Barackenreihen befanden.
[2] W. Sofsky: Die Ordnung des Terrors: Das Konzentrationslager, Frankfurt a .M., 1993, S. 66f.


TECHNIKFoto
FORMATjpg


OBJEKT-PROVENIENZPrivatbesitz


QUELLE    Hüser, Karl / Brebeck, Wulff E. | Wewelsburg 1933-1945 | Dia 08, S. 42-45
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit3.9   1900-1949
3.9.40   Nationalsozialismus <1933-1945>
Ort2.7.4   Büren, Stadt
Sachgebiet3.2   Politische Ideologien
DATUM AUFNAHME2004-02-25
AUFRUFE GESAMT2818
AUFRUFE IM MONAT17