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TITELKarte: Kloster Corvey im hochmittelalterlichen Reformmönchtum


INFORMATIONDie Geschichte Corveys war mit der Geschichte des Benediktinerordens verbunden und unterlag damit auch dessen wichtigsten Reformen.

Schon die wiederholte Gründung Corveys 815 und 822 fand in einer Zeit statt, als Ludwig der Fromme die Benediktregel 816/817 für alle Mönchsklöster des Reiches verbindlich gemacht hatte. Von Adalhard instruiert und wohl auch organisiert nach dem Vorbild des Mutterklosters, zugleich ausgestattet mit hervorragenden Gründungsmönchen wie Ansgar und Warin, verdiente der neue Konvent das Lob Radberts.

Im zehnten Jahrhundert setzten aber Reformen nach strengeren Maßstäben in vielen Klöstern ein. Am bekanntesten sind Gorze bei Metz und Cluny in Burgund. Andere Abteien wurden nach ihrem Beispiel ausgerichtet, so nach Gorzer Muster auch Lorsch am Mittelrhein. Dabei vermittelten Mönche oder neu eingesetzte Äbte die strengere Regelauslegung. Corvey aber wehrte sich nach 950 gegen gewisse Bischöfe, die die neuen Ansprüche vertraten, obwohl sie auch von Otto I. gefördert wurden. Widukind von Corvey wies in seiner Sachsengeschichte die radikalen Reformer zurück mit der Mahnung Christi, daß mit dem Unkraut nicht zugleich der Weizen ausgerissen werden sollte, und mit der Erinnerung an die gemäßigten Verfahrensweisen der Benediktregel selbst. Daß die adeligen Herren in der Kutte ein gar zu liederliches Leben geführt hätten, läßt sich übrigens nicht nachweisen.

Wie in Hersfeld und in Fulda mißfiel das Leben nach den alten Gewohnheiten dem König Heinrich ll. auch in Corvey. Er setzte den Abt Walh ab und holte 1015 Druthmar, der aus Lorsch die Gorzer Maßstäbe mitbrachte. Da verließ die Mehrzahl der Mönche das Kloster, kehrte aber später zurück. Von den ersten fünf Nachfolgern des 1046 verstorbenen Druthmar kamen zwei aus Corvey, wurden aber beide bald abgesetzt. Ein weiterer kam aus Lorsch, zwei aus dem ebenfalls reformierten Echternach. Der nächste Abt Markward (1081-1107) stammte aus Münster-Schwarzach am Main, das als "jung-gorzisch" galt. Doch nahm Corvey zu seiner Zeit die Statuten von Hirsau an und folgte damit einer "jung-cluniazensischen" Observanz. Eine Abschrift dieser Statuten hat sich erhalten. Sie liegt heute in Paderborn und enthält am Ende den Vertrag über ein gemeinsames Totengedenken, eine Gebetsverbrüderung. Er lautete (nach Honselmann gekürzt):
"Dies ist die Vereinbarung der Gemeinschaft, die zwischen den beiden Klöstern Hirsau und Corvey auf Bitte und Rat der Äbte und Brüder der Klöster abgeschlossen ist. Wenn einer von unseren Brüdern im Kloster oder außerhalb gestorben ist und die Anzeige von hier nach dort oder von dort nach hier gekommen ist, soll das Officium (das Totenamt) und eine erste Messe gemeinschaftlich gefeiert und eine Präbende (Speisung) als Almosen gegeben werden. Danach soll ein Septenarius (eine Messe sieben Tage hindurch) gehalten werden. Darüber hinaus sollen von den einzelnen Priestern eine Messe, von den übrigen des Lesens Kundigen fünfzig Psalmen, von allen, die die Psalmen nicht kennen, ebensovielmal das Vaterunser gesungen werden."

Corvey war unter Markward so anziehend, daß unter ihm 86 Mönche, mehr als drei pro Jahr, eintraten. Das Kloster gab aber auch Mönche ab. Die Liste im Liber vitae wird angeführt von acht Brüdern, die alle mit dem Zusatz "Abt" verzeichnet sind. Sie wurden nach Abdinghof in Paderborn, nach Helmarshausen und Bursfelde, nach Northeim und nach Pegau, über Pegau nach Vitzenburg/Reinsdorf, nach Nienburg an der Saale und nach Oldisleben an der Unstrut berufen. Die drei letzten Klöster übernahmen sie erst in der Zeit des ebenfalls hochangesehenen Erkenbert. Dabei zeigt auch das Beispiel Pegau, "daß eine hier nicht zum Zuge gekommene Reformrichtung (die jung-gorzische) durch eine andere (die Hirsauer) überformt werden konnte, ohne daß hierbei in jedem Falle eine bitterer Streit ausbrechen mußte" (E. Freise, in: Der Liber vitae, Studien, 1989, S. 103).

Gerade die Pegauer lobten noch Jahrzehnte später, wie sehr die strenge Hirsauer Ordnung "vor den übrigen Klöstern Sachsens in der königlichen Abtei Corvey" unter Markward geblüht habe. Der gute Ruf verging in den späteren Verfallszeiten, die auch die Benediktinerklöster allgemein betrafen. Eine letzte benediktinische Erneuerung um 1500, die Bursfelder Reform, kam in Corvey wegen der bald danach folgenden Glaubensspaltung nicht mehr zu voller Auswirkung.


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QUELLE    Krüger, Karl Heinrich | Das Kloster Corvey | Dia 09, S. 28-30
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ5.1   Atlas, Kartenwerk, Karte / zeitgenössisch
Ort2.4.5   Höxter, Stadt
2.8   Corvey, Reichsabtei / FBtm. / Ftm. < - 1815>
Sachgebiet16.6.5   Domkapitel / Klöster / Stifte, Klosterleben
DATUM AUFNAHME2004-02-25
AUFRUFE GESAMT3359
AUFRUFE IM MONAT7