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(127 KB)   Die Ausmalung des Westwerkes von Kloster Corvey: Odysseus mit der Skylla / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/S. Sagurna   Die Ausmalung des Westwerkes von Kloster Corvey: Odysseus mit der Skylla / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/S. Sagurna
TITELDie Ausmalung des Westwerkes von Kloster Corvey: Odysseus mit der Skylla


INFORMATIONDem in der Baugestaltung möglicherweise angestrebten Sinn scheinen die erhaltenen Reste der Bemalung zu widersprechen. Damit ist nicht die teilweise wieder sichtbare Rahmung der Architektur mit Rankenwerk und gemalten Säulen gemeint. Viel auffälliger, wenn auch durch Übermalung und Licht fast vergangen, sind Zeichnungen unter der Westempore. Dort sieht man einen Mann mit Lanze im Kampf mit einem Ungeheuer (Bild), ein Vogelwesen mit Pfeil und Bogen, Delphine mit einem Reiter und Reste von Schiffen.

Der kämpfende Mann und das von Hunden umgürtete Wesen mit dem Schwanz werden als der griechische Sagenheld Odysseus und als das Ungeheuer Skylla identifiziert. Die Odyssee Homers beschreibt diese im 12. Gesang mit den Worten der Circe. Es sei ein schrecklich bellendes Ungetüm mit zwölf Füßen und sechs Häuptern, von denen sich ein jedes aus den vorüberfahrenden Schiffen einen Mann hole. Und so geschieht es auch. Die Corveyer Darstellung zeigt die Skylla als Frau, die von Hundeköpfen und Vorderpfoten umgürtet ist. Ihr erhobener rechter Arm und ihr Kopf sind kaum noch zu sehen, aber ihr linker Arm hat einen der Gefährten des Odysseus umfaßt. Der Held selbst steht entgegen dem Text auf dem Drachenschwanz des Ungeheuers und stößt seine Lanze in den Rachen eines Hundekopfes. In der Odyssee handelt es sich um Erzählungen des Irrfahrers bei Hofe. Worauf die Darstellung in einem Kloster abzielt, deutet schon die Veränderung des Sagengeschehens auf dem Bild an, auf dem Odysseus den Kampf tapfer aufnimmt.

Hilde Claussen hat in ihrem Kirchenführer den Fries wie folgt gedeutet:
"In der mittelalterlichen Kunst ist die Szene ein Unikum. Sie kommt sonst nur in antiken Darstellungen vor. Ihren so überraschenden Platz in der karolingischen Westwerkkirche verdankt sie einer christlichen Umdeutung des griechischen Helden, die auf die Kirchenväter zurückgeht. Sie rühmen in Odysseus den Weisen und Tugendhelden, der allen Anfechtungen dieser Welt bei seinen Irrfahrten siegreich widerstand, und stellen ihn auch Christen als Vorbild hin. Das eigentliche Thema ... ist die sündige Wett mit ihren - die Seele des Christen bedrohenden - Verlockungen.... Für die Welt steht das Meer, dessen gefährliche Stürme und dämonischen Bewohner den Christen bei der Seefahrt seines Lebens zum Hafen des Heils unablässig bedrohen und die er nur mit unbeirrbarer Standhaftigkeit überwinden kann."

So wird Odysseus zum Vorbild für Christen und Mönche.

Erst jetzt publiziert sind die 1992 neuentdeckten Spuren von lebensgroßen Menschenfiguren, die als Flachreliefs aus Stuck über den Pfeilern des Hauptgeschosses angebracht waren. Das Bild 7  Medien zeigt über den Westpfeilern die freigelegte Ziegelwand, wo sich rote Pinselzeichnungen (sogenannte Sinopien) befanden. Erkennbar sind hier aus den Vorzeichnungen zwei Frauengestalten, die sich der großen Öffnung in der Westarkadenwand zuwenden. Auf der Nord- und Südwand standen sich je zwei weltliche Männer gegenüber. Über die zwei Plätze an der rekonstruierten Ostwand, an den beiden Pfeilern neben dem Altar, sind naturgemäß keine Aussagen möglich. Aber die Frauengestalten unterstreichen noch einmal den repräsentativen Zweck der Emporenöffnung. Sollten die Männergestalten Stifterfiguren sein, so waren es vornehmlich karolingische Herrscher. Eine tatsächliche Verwendung der Westempore auch zu herrscherlicher Darstellung bei Königsaufenthalten wird so immer wahrscheinlicher.


TECHNIKFoto
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FOTO-PROVENIENZMünster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/S. Sagurna


QUELLE    Krüger, Karl Heinrich | Das Kloster Corvey | Dia 08, S. 25-27
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Ort2.4.5   Höxter, Stadt
Sachgebiet16.6.5   Domkapitel / Klöster / Stifte, Klosterleben
DATUM AUFNAHME2004-02-25
AUFRUFE GESAMT3155
AUFRUFE IM MONAT71