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(127 KB)   Die Fassade des Westwerks von Kloster Corvey, 1996 / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/S. Sagurna   Die Fassade des Westwerks von Kloster Corvey, 1996 / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/S. Sagurna
TITELDie Fassade des Westwerks von Kloster Corvey, 1996
DATIERUNG1996


INFORMATIONÄltestes Zeugnis der Klostergeschichte und nach Aachen und neben der Torhalle von Lorsch einzig verbliebener Großbau aus karolingischer Zeit in Deutschland - das alles stimmt nur für einen Teil der heute sichtbaren Fassade mit ihren zwei Türmen.

Nachkarolingische Generationen haben das Westwerk weiter gestaltet. Wie vorstehende Mauerzähne links am "Schloß" zeigen, sollte es auch dem neuen Barockbau ganz und gar angepaßt werden. Es blieb auch nicht bei den heute noch erhaltenen barocken Statuen des Stephan und Vitus auf ihren Podesten westlich davor. Auf älteren Abbildungen befindet sich unten in der Fassade noch eine barocke Türrahmung, sind die Fenster im ersten und zweiten Stock spitzbogig, die Öffnungen im Glockenhaus teilweise geschlossen.

Die heute durchweg mit Rundbögen gestaltete Fassade weist Bauspuren und Steinwechsel im Mauerverband auf. Insbesondere das doppelstöckige Glockenhaus zwischen den Türmen erscheint als nachträglich hochgemauert. Kurz: Der heutige Anblick ist die Folge einer Wiederherstellung. Die Zutaten des 17. Jahrhunderts sind entfernt, das Glockenhaus und die oberen Turmgeschosse wieder in den Zustand der Erneuerung Wibalds (1146-1158) versetzt worden.

Nur die untere Hälfte entspricht dem Bau den die Corveyer von 873-885 errichten ließen. Damals waren die Seitentürme niedriger, in der Mitte erhob sich ein kräftiger Hauptturm, alle drei mit einem pyramidenförmigen Dach. Das waren die tres turres, die von Abt Adalgar (856-877) begonnen und unter Bovo l. (879-890) vollendet und ausgestaltet wurden. Auch dieser Bau verwendete ältere Reste. Auf dem in der Mitte vorspringenden Erker, dem Mittelrisaliten, erkennt man zunächst eine jüngere Salvatorstatue in der verkleinerten obersten Fensternische. Unter dem Fenster darunter aber befindet sich eine rechteckige Sandsteintafel mit großen Blockbuchstaben. Die Platte ist an ihrer Umrahmung so beschädigt und so schlecht eingepaßt, daß sie nicht für diese Verwendung hergestellt sein kann. Daraus und aus der gewählten Form der Buchstaben ist weiter zu schließen, daß sie älter ist als das Westwerk. Man nimmt jetzt an, daß sie zu einem freistehenden Torbau gehörte, dessen Fundament unter dem Westwerk gefunden wurde.

Die vier Zeilen zu je vierzehn Buchstaben auf der Tafel lauten: CIVITATEM ISTAM / TV CIRCVMDA D(omin)N(E) ET / ANGELI TVI CVSTO / DIANT MUROS EIUS. "Umgib, Du Herr, diese Stadt und Deine Engel mögen ihre Mauern beschützen." Der Text stammt aus einem alten Kirchengebet, in dem noch eine Zeile folgt: "Dein Zorn möge sich abwenden, Herr, von Deinem Volk und Deiner heiligen Stadt." Man kann diese Bitten metaphorisch auf die Klostergemeinde beziehen oder auf das Kirchengebäude als Himmelsstadt oder auch konkret auf die ummauerte Stadt bzw. Siedlung im Klosterbezirk und die ihn später umgebende civitas Corvey.

So zeugt die Westfassade von der Konsolidierung in der Karolingerzeit, der Erneuerung in der Wibaldzeit und nach dem Dreißigjährigen Krieg. Sie hat Teil am Schicksal Corveys und mit ihrem steinernen Gebet zugleich an der Hauptaufgabe des Klosters.


TECHNIKFoto
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FOTO-PROVENIENZMünster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/S. Sagurna


QUELLE    Krüger, Karl Heinrich | Das Kloster Corvey | Dia 02, S. 13f.
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Ort2.4.5   Höxter, Stadt
Sachgebiet16.6.5   Domkapitel / Klöster / Stifte, Klosterleben
DATUM AUFNAHME2004-02-25
AUFRUFE GESAMT4146
AUFRUFE IM MONAT15