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(89 KB)   Grabrelief Widukinds in der Engeraner Kirche / Enger, Widukind-Museum   Grabrelief Widukinds in der Engeraner Kirche / Enger, Widukind-Museum
TITELGrabrelief Widukinds in der Engeraner Kirche


INFORMATIONDas lebensgroße Grabrelief in Enger aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts gilt als die älteste figürliche Darstellung des sächsischen Adligen. Es zeigt ein jugendliches Idealbildnis Widukinds, ausgestattet mit herrschaftlichen Insignien und Attributen: Königsornat, Spangenkrone und Lilienzepter - das Symbol der Königswürde, obwohl der Sachsenführer in Wirklichkeit nie ein König gewesen ist. Auch von seiner heidnischen Vergangenheit wird er entbunden. Die rechte Hand wie zum Segen emporgehoben, entspricht seine Haltung der eines Priesters. Gerade Ausstattung und Haltung der Grabfigur zeigen" wie wie bereits im Mittelalter ein der historischen Realität völlig entrückter Mythos um den Sachsenherzog entstanden ist.

In der legendenhaft verklärten Darstellung der Mathilden-Vita (975) wird Widukind die Gründung der "cellula" Enger zugeschrieben und er selbst als Förderer der Kirchen gefeiert. Königin Mathilde, die Stammutter der Ottonen, wird zuvor in der Sachsenchronik Widukinds von Corvey als Nachfahrin des sächsischen Herzogs gefeiert. Legende und Grabmal begründeten die bis in das Hochmittelalter zurückreichende Widukind-Tradition in Enger. Die Stadt entwickelte sich zeitweise sogar zum Wallfahrtsort. Berühmte Besucher trafen am Widukind-Grab ein. So auch im Jahre 1377 Kaiser Karl IV., der das Grab gründlich instandsetzen ließ.

1578 reiste der Gelehrte Reinerus Reineccius, ein gebürtiger Westfale, nach Enger. Als Historiograph des Kurfürsten Herzog August von Sachsen hatte er den Auftrag, das Grabmal zu untersuchen. Unterstützt wurde er dabei von einem Maler und einem Bildhauer. Seinen Aufzeichnungen ist es zu verdanken, daß wir heute einen umfassend dokumentierten Augenzeugenbericht über die ursprüngliche Farbgebung des Epitaphs besitzen. Das Grabrelief ist heute in seinen Farben sehr verblaßt. Die Abbildung wurde nach der Beschreibung Reineccius farblich rekonstruiert. Der Gelehrte ließ von der Steinfigur zugleich einen Kupferstich anfertigen. Diese Darstellung diente zahlreichen Künstlern als Vorlage.

Für den historischen Realitätsgehalt der Widukind-Tradition in Enger fehlt eine gesicherte Quellenüberlieferung. In den letzten Jahren meldete die Mittelalterforschung erhebliche Zweifel an. Dabei wurden verschiedene Deutungen erwogen, wo der sächsische Adlige nach seiner Taufe 785 gelebt haben soll. Sie reichen von einem still zurückgezogenen Leben Widukinds auf seinen ausgedehnten Gütern bis zur Übernahme eines Grafenamtes. Aber auch die Zwangstonsur und ein Klosteraufenthalt bis zu seinem Tode in der Bodensee-Abtei Reichenau wird heute in der Forschungsdiskussion für möglich gehalten. [1]


[1] Vgl. Freise (1983), S. 300.


TECHNIKFoto
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OBJEKT-PROVENIENZEnger, Widukind-Museum


QUELLE    Roerkohl, Anne | Widukind | Dia 05, S. 24f.
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Ort2.3.2   Enger, Stadt
DATUM AUFNAHME2004-02-25
AUFRUFE GESAMT10251
AUFRUFE IM MONAT30