PERSON

FAMILIEZumbusch, von
VORNAMECaspar
TITELProf. Dr. h. c. / Ritter
BERUF / FUNKTIONBildhauer


GESCHLECHTmännlich
GEBURT DATUM1830-11-23   Suche
GEBURT ORTHerzebrock
EHEPARTNER1858: Vogl, Antonia
TOD DATUM1915-09-27   Suche
TOD ORTRiemsting/Chiemgau
BEGRÄBNIS ORTWien, Zentralfriedhof


VATERZumbusch, Joseph, Postexpediteur in Herzebrock
MUTTERBatsche, Elisabeth


BIOGRAFIECaspar Ritter von Zumbusch ist gilt als der bedeutendste Bildhauer der Gründerzeit in Wien und hat durch mehrere Monumentalplastiken das Bild der Ringstraße in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts geprägt.

Er wurde am 23.11.1830 in Herzebrock als Sohn des Postexpediteurs Joseph Zumbusch und dessen Ehefrau Elisabeth Batsche geboren. Die väterliche Familie hatte im 18. Jahrhundert Rentmeisterstellen in der Grafschaft Mark inne, sein Großvater mütterlicherseits war Kaufmann und seit 1809 Maire der Mairie Herzebrock. Dieser familiäre Hintergrund sorgte dafür, dass die Eltern für ihre Kinder einen Vikar als Hauslehrer anstellten, um ihnen eine über die dürftige Ausbildung an der dörflichen Volksschule hinausgehende Bildung zu vermitteln. Im Wohnhaus der Familie hingen Reproduktionen von Gemälden Peter Paul Rubens und standen den Kindern Werke der klassischen Literatur zur Verfügung.

An Stelle eines ursprünglich beabsichtigen Wechsels an ein Gymnasium ging Caspar Zumbusch im Alter von 15 Jahren nach Münster, wo er die Gewerbeschule besuchte. Der intensivere Unterricht in Naturwissenschaften und im Zeichnen waren für diese Entscheidung ausschlaggebend, denn bereits während der Kindheit hatte sich das zeichnerische und bildhauerische Talent Zumbuschs gezeigt. 1848 zog Zumbusch nach München, wo er nach einem halben Jahr Privatunterricht bei der Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie scheiterte. Danach schrieb er sich an der Polytechnischen Schule ein und fand Aufnahme in der Bildhauerklasse von Johann von Halbig. Durch dessen Anleitung und Werk erfuhr Zumbusch die entscheidenden Impulse, sodass er bald vom Schüler zum Gesellen seines Lehrers avancierte und erste eigene Aufträge erhielt.

So schuf er 1850 mehrere Büsten adeliger Persönlichkeiten und staatlicher Funktionsträger aus Bayern und Westfalen, darunter eine Büste des Grafen Fr. von Galen aus Münster. Großes Aufsehen erregte er mit dem 1853 geschaffenen Bischofsstab für den Erzbischof von München und Freising, dem weitere Porträtbüsten und Heiligenfiguren folgten, sodass er sich 1853 als selbstständiger Bildhauer niederlassen und von dem Erlös der zahlreichen Aufträge leben konnte. 1858 schließlich gründete er mit Antonia Vogl eine Familie.

Zu den bedeutendsten Werken Caspar Zumbuschs in Bayern gehören
  • das 1855/1857 geschaffene Denkmal für Otto von Freising, ein überlebensgroßes Standbild aus weißem Kalksandstein,
  • das 1866/1875 geschaffene Monument des 1864 gestorbenen bayerischen Königs Maximilian II., das den Regenten im Krönungsmantel, mit der Verfassungsurkunde in der Hand und begleitet von allegorischen Darstellungen der Stämme Bayerns zeigt sowie
  • das Friedens- und Siegesdenkmal in Augsburg, das zur Erinnerung an den Krieg 1870/1871 und die Herstellung des deutschen Kaiserreiches erinnert.
Neben einer Vielzahl von Porträtbüsten sowie Plastiken und Skulpturen von Heiligen schuf Zumbusch mehrere große Altäre, darunter die figürlichen Darstellungen für den Benno-und-Corbinian-Altar und den Vermählungsaltar in der Münchener Frauenkirche.

1872 erhielt Caspar Zumbusch einen Ruf als Professor an die Akademie der Bildenden Künste in Wien, wo er sich 1873 endgültig niederließ. Bereits ein Jahr später begann er mit den Arbeiten an dem Beethoven-Denkmal, das 1880 enthüllt wurde und den Komponisten mit neun seine Symphonien symbolisierenden Putten zeigt. In den Jahren zwischen 1886 und 1892 entstand das Denkmal für den Feldmarschall Johann Josef Radetzky. Zweifellos das bedeutendste Denkmal, das Caspar Zumbusch für die Ringstraße in Wien schuf, ist das zwischen dem Naturhistorischen und dem Kulturhistorischen Museum stehende Maria-Theresien-Denkmal. Die überlebensgroße sitzende Bronzeplastik zeigt die Erzherzogin mit segnend ausgestreckter rechter Hand, während sie in der linken Hand eine Schriftrolle der Pragmatischen Sanktion hält. Auf den vier vorspringenden Eckpostatmenten stehen Reiterstandbilder der vier Feldmarschälle Daun, Laudon. Traun und Khevenhüller. In den vier Nischen des Hauptpostamentes stehen Plastiken von Persönlichkeiten der Kunst und Wissenschaft, der inneren Verwaltung und Justiz, des Militärs und schließlich der äußeren Politik, darunter auch eine Plastik des Staatskanzlers Wenzel Anton von Kaunitz-Rietberg. Nach der Einweihung des Denkmals im Mai 1888 wurde Caspar Zumbusch als Caspar Ritter von Zumbusch in den erblichen Adelsstand erhoben.

Neben einer Vielzahl Porträtbüsten und weiterer Denkmäler in Österreich schuf Caspar von Zumbusch auch das Standbild Kaiser Wilhelms I. in Straßburg und nicht zuletzt als bedeutendstes Werk in Westfalen das Standbild für das 1896 eingeweihte  Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Wittekindsberg an der Porta Westfalica.

Auch nachdem er 1901 mit über 70 Jahren emeritiert worden war, schuf Caspar von Zumbusch weiter, wenn auch in geringerem Umfang, Porträtbüsten und Medaillons. 1908 verließ er Wien, um sich im Chiemgau niederzulassen. Am 27.09.1915 starb er in Riemsting bei Prien.

Sein Sohn Ludwig von Zumbusch (1861-1927), seit 1905 Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München, war Maler und Graphiker. Die in Herzebrock-Clarholz ansässige Caspar-von-Zumbusch-Stiftung vergibt seit 1980 alle fünf Jahre des Caspar-von-Zumbusch-Preis an junge Künstler, die aus Westfalen stammen oder in Westfalen studiert haben. Seit 2011 erinnert in Herzebrock-Clarholz ein Museum an Leben und Werk des bedeutenden Bildhauers.


Literatur

Kapner, Gerhard Kapner
Ringstraßendenkmäler (= Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche - Die Erweiterung der inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Josef. Hg. von Renate Wegner-Rieger. Band IX, 1), Wiesbaden 1873

Kolisko, Maria
Caspar von Zumbusch. Mit einem Vorworte von Eduard Leisching und 112 Abbildungen. Zürich [u. a.] 1930

Krause, Walter
Die Plastik der Wiener Ringstraße. Von der Spätromantik bis zur Wende um 1900 (= Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche - Die Erweiterung der inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Josef. Hg. von Renate Wegner-Rieger. Band IX, 3), Wiesbaden 1980

Pötzl-Malikova, Maria
Die Plastik der Ringstraße. Künstlerische Entwicklung 1890 bis 1918(= Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche - Die Erweiterung der inneren Stadt Wien unter Kaiser Franz Josef. Hg. von Renate Wegner-Rieger. Band IX, 2), Wiesbaden 1976

Eckhard Möller
AUFNAHMEDATUM2007-08-31


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QUELLE    Schulte, Wilhelm | Westfälische Köpfe | S. 383f.

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Zeit3.8   1850-1899
3.9   1900-1949
Ort2.2.5   Herzebrock-Clarholz, Gemeinde
Sachgebiet15.4.3   Bildhauerei, Plastik
15.12.6   Nationalismus / Patriotismus / Landesherren, Denkmäler
15.12.603   Kaiser-Wilhelm-Denkmal, Porta Westfalica
DATUM AUFNAHME2006-03-08
DATUM ÄNDERUNG2012-02-09
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