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(114 KB)   Familienbild der Familie Herbers, Iserlohn, 01.09.1911 / Iserlohn, Stadtarchiv/H. Schubert   Familienbild der Familie Herbers, Iserlohn, 01.09.1911 / Iserlohn, Stadtarchiv/H. Schubert
TITELFamilienbild der Familie Herbers, Iserlohn, 01.09.1911
DATIERUNG1911-09-01


INFORMATIONDiese Fotografie wurde anläßlich der Taufe von Anneliese Berninghaus und Joachim Herbers am 01.09.1911 im Park der Villa Bellevue aufgenommen.

Stehend v.l.n.r.: Julius Berninghaus (1873-1933), Kaufmann in Neapel. Dr. Carl Peter (1856-1918), Lehrer und Kolonialpolitiker. Er trat entschieden für eine koloniale Expansion Deutschlands ein. Zu diesem Zweck gründete er 1884 die Gesellschaft für deutsche Kolonisation. Im Auftrag dieser Gesellschaft erwarb er für das Deutsche Reich über Schutzverträge das Kernland des späteren Deutsch-Ostafrika. 1891 war er Mitbegründer des nationalistischen Alldeutschen Verbandes. Peters Tätigkeit in Afrika war auch innerhalb der deutschen Kolonialbewegung nicht unumstritten. Sein grausames Vorgehen im Kilimandscharogebiet gab schließlich den Anlaß, ihn von seiner Tätigkeit als Reichskommissar zu entbinden. 1896 wurde er endgültig aus dem Staatsdienst entlassen. Die Verbindung der Tochter Thea mit Carl Peters stieß bei den Eltern vor allem wegen des persönlichen Lebenswandels auf starke Ablehnung, zudem galt der 'Abenteurer' und 'Afrikaheld' als nicht standesgemäß.

Erst nach dem Tod des Vaters und nach 14jähriger Verlobungszeit heiratete das Paar in Berlin. In Iserlohn wurde ihm zu Ehren nach 1933 die Straße An den Sieben Gäßchen in Carl-Peters-Straße umbenannt - 1945 erhielt die Straße wieder ihren ursprünglichen Namen. Dorothea, gen. Thea Peters, geb. Herbers (1875-1947). Carl Herbers (1884-1947), der Beruf ist nicht bekannt, er galt als technisch interessiert. Für die Berliner Foto- und Filmbetriebe entwickelte er mit großem finanziellem Verlust technisch nicht immer ausgereifte Projekte. Nach 1945 soll er als Bote bei einer Kreisverwaltung in der Provinz Sachsen tätig gewesen sein. Dr. Fritz Thomée (1862-1944), Sohn eines Werdohler Fabrikanten und Kornmerzienrats, von 1902-1937 Landrat des Kreises Altena. Neben seiner amtlichen Tätigkeit förderte der Verwaltungsjurist die Kultur- und Heimatpflege der märkischen Region. Energisch betrieb er den Wiederaufbau der Burg Altena sowie die Einrichtung und den Ausbau des dortigen Burgmuseums. Er war bekannt als profunder Kunstkenner, seine Privatsammlung rheinisch-westfälischer Kunst galt als bedeutend. Seine überaus große Beliebtheit drückte sich überdies in der volkstümlichen Titulierung 'Uhse Landrot' aus. Hermann Herbers (1881-1953), Ingenieur. Auch er beteiligte sich erfolglos an Projekten in der Filmindustrie. Um 1925 trat er als Angestellter in die Witte'sche Handelsgesellschaft in Iserlohn ein. 1934 ließ er sich nach dem Entwurf des Iserlohner Architekten Alwin Dossmann ein Wohnhaus im Stil eines kleineren barocken Gartenschlosses, einer Maison de Plaisance, An den Sieben Gäßchen 13 errichten. Es ist nunmehr das einzige Gebäude, das vom einstigen Wohlstand der Familie Zeugnis ablegt.

Sitzend v.l.n.r.: Auguste, gen. Asta Berninghaus, geb. Herbers (1878-1964), Krankenschwester, übersetzte das englische Fachbuch "Die Krankenschwester und ihre Pflichten" ins Deutsche, mit ihren Kindern Hermann und Anneliese. Margarete Herbers, geb. Romberg (1851-1921), mit Enkelkind Albrecht (Kind von Carl Herbers), Tochter des Fabrikanten Wilhelm Romberg und seiner Frau Auguste, geb. Knorre. Verheiratet (1870) mit Friedrich Hermann Herbers. An der Seite ihres Mannes übernahm sie als "Frau Kommerzienrat" zunächst Repräsentationsaufgaben - sie hatte die errungene wirtschaftliche und politische Macht mit darzustellen. Zu ihrem weiteren Aufgabenbereich gehörte gemäß der mütterlichen Bestimmung der Frau die Sorge um Familie und Haushalt. Im öffentlichen Bereich war sie darüber hinaus, wie es die Ehrungen und Auszeichnungen belegen, in Pflege- und Unterstützungsvereinen als Vorsitzende oder Wohltäterin tätig. Für ihre Verdienste erhielt sie 1896 den Luisen-Orden 2. Klasse, 1900 und 1907 die Rote-Kreuz-Medaille 3. bzw. 2. Klasse und 1908 die Südwest-Afrika-Denkmünze. Im November 1908 wurde sie mit der Ehrenmitgliedschaft des Vaterländischen Frauenvereins geehrt. 1885 war sie Mitbegründerin des Vaterländischen Frauenvereins (des späteren Deutschen Roten Kreuzes). Mit einer Spende von 30.000 Mark regte sie die Einrichtung eines Volkshauses an, ein Vorhaben, das aber nicht verwirklicht wurde. Ein weiterer Beleg für ihr gesellschaftliches Ansehen ist sicherlich auch darin zu sehen, daß ihr zweimal die Würde einer Schützenkönigin angetragen wurde. Von ihr stammt ebenfalls das Königinnen-Diadem des Iserlohner Bürger-Schützen-Vereins.

Mit ihrer sozialen Tätigkeit - dem "Dasein für andere" - entsprach sie dem Frauenleitbild des 19. Jahrhunderts. Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, daß sich Margarete Herbers mit den Grundsätzen und Zielen der Frauenbewegung auseinandergesetzt hat. 1908 verlegte sie endgültig ihren Wohnsitz nach Berlin. Hier besaß die Familie bereits seit längerer Zeit hinter der katholischen St.-Hedwigs-Kathedrale eine Wohnung. Auch an ihrem neuen Wohnort war sie weiter im sozialfürsorgerischen Bereich tätig: sie unterstützte die "Petra-Aktiengesellschaft", einen Zusammenschluß, der möglicherweise im Zusammenhang mit dem Kriegsausschuß für aufsichtslose Kinder stand. Anna Herbers, geb. Jännerjahn (1889-?), erste Ehefrau von Carl Herbers. Louise, gen. Lily Thomée, geb. Herbers (1876-1944) mit ihren Kindern Margret, Fritz und Hans.

Von den Söhnen trat keiner in die Firma ein. "Die Söhne schlugen nicht so ein. Sie hatten mehr Freude am guten Leben, als an den Geschäften." So die Beobachtung einer Zeitzeugin. Die Entscheidung von Friedrich Hermann Herbers, den jungen Friedrich Kirchhoff (1859-1953) im September 1879 als Commis, also als kaufmännischen Angestellten, nach kurzer Aushilfstätigkeit fest anzustellen, ist daher im Nachhinein als ausgesprochener Glücksfall für den Fortbestand und die weitere Entwicklung der Firma zu betrachten. Kirchhoff wurde aufgrund seiner kaufmännischen Begabung und seiner Sprachkenntnisse außergewöhnlich gefördert: 1891 erhielt er die Prokura und 1894 wurde er - erst 34jährig - als Teilhaber aufgenommen. Die Einrichtung der Abteilung Preß- und Stanzwerk im Jahre 1894, neben der Nadelfertigung, ist eng mit seinem Namen verbunden. Er zog damit die Konsequenzen aus der Einsicht, daß die Blütezeit der Iserlohner Nadelindustrie vorbei war. Die Nadelfertigung wurde dann bei St. Witte endgültig Ende 1954 eingestellt. Auch die Gründung der Deutschen Babcock-Wilcox-Dampfkessel AG in Oberhausen im Jahre 1898 geht auf seine Initiative zurück. Alleininhaber der Firma St. Witte wurde Kirchhoff 1911.


Anhang

Begründung für die Verleihung der Roten Kreuz Medaille 2. Klasse an Margarete Herbers 1907 durch den Bürgermeister der Stadt Iserlohn:

"Die Vorgeschlagene ist seit Juni 1885 Vorsitzende des von ihr gegründeten Vaterländischen Frauen-Vereins für den Kreis Iserlohn und gehört seit mehreren Jahren dem Provinzial-Vorstand der Vaterländischen Frauen-Vereine Westfalens an. Der Arbeitsverein Hohenlimburg, der arme Frauen und Mädchen mit Nähen und Stricken beschäftigt und denselben so Arbeit und Verdienst verschafft, sowie die Haushaltungsschule für Volksschülerinnen der Stadt Iserlohn sind von ihr gegründet worden. An der Sicherstellung der Lieferung des Leinenzeuges für 200 Lagerstellen des für ein im Kriegsfalle hier zu errichtendes Reservelazarett hat sie hervorragenden Anteil genommen. Auf ihre Anregung sind Samariterkurse eingerichtet und Ferienkolonien für schwächliche Kinder armer Eltern gebildet worden. Im Dezember 1905 hat sie dem vaterländischen Frauenverein 20 000 Mark und für ein hier zu errichtendes Volksheim 30 000 Mark geschenkt. Frau Herbers ist eine formgewandte Vorsitzende, sie nimmt in der Gesellschaft eine hervorragende Stellung ein und besitzt ein Vermögen von über 4 Millionen Mark. Die bei der Verleihung der höheren Klasse der Rote Kreuz Medaille gestellten Voraussetzungen treffen auf die Frau Kommerzienrat Herbers zu und wird daher die Verleihung der 2. Klasse der Roten Kreuz Medaille aufs angelegentlichste befürwortet."

Quelle: Stadtarchiv Iserlohn, Best. A 2, Nr. 928, fol. 105-106.


TECHNIKFoto
FORMATjpg
MASZE28 x 22 cm


FOTO-PROVENIENZIserlohn, Stadtarchiv/H. Schubert


QUELLE    Bettge, Götz | Kommerzienrat Friedrich Hermann Herbers | Dia 09, S. 48-52
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit3.9   1900-1949
Ort1.8.6   Iserlohn, Stadt
Sachgebiet6.9   Ehe, Partnerschaft, Familie, Familienleben
DATUM AUFNAHME2004-02-25
AUFRUFE GESAMT861
AUFRUFE IM MONAT27