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(79 KB)   Der Paderborner Bischof Konrad Martin / Paderborn, Erzbistumsarchiv / Münster, Landesmedienzentrum für Westfalen/E. Tschich   Der Paderborner Bischof Konrad Martin / Paderborn, Erzbistumsarchiv / Münster, Landesmedienzentrum für Westfalen/E. Tschich
TITELDer Paderborner Bischof Konrad Martin
DATIERUNG1860 [um]


INFORMATIONDie farbige Lithographie erinnert an den 1879 verstorbenen Paderborner Bischof Dr. Konrad Martin. Dieser wurde im Sommer 1874 das erste Mal verhaftet - es folgten Absetzung, Ausweisung und Tod im Exil - Stationen, die ihn zum populären Märtyrer des Kulturkampfes machten. In der Mitte des Gedenkblattes ist ein Brustbild des Bischofs aus den 60er Jahren zu sehen; um ihn herum wichtige Lebensstationen: der Paderborner Dom und die bischöfliche Kurie; unterhalb das damalige Kreisgefängnis in der Königsstraße, eine alte Stadtansicht und das Gefängnis in der Zitadelle in Wesel. Oberhalb des Porträts die Schutzheiligen mit dem Wappen des Bischofs in der Mitte.

Das Erzbistum Paderborn war neben Köln und Münster eine der größten Diözesen in Preußen. Martin war seit 1856 Bischof von Paderborn und gehörte zum konservativen Flügel des deutschen Episkopats. "Der wahre Katholizismus" - so der Titel einer seiner populären Schriften -, das war für ihn die Anerkennung der päpstlichen Unfehlbarkeit, für deren Dogmatisierung er auf dem 1. Vatikanischen Konzil (1869) entschieden eintrat. Gerade in dieser "ultramontansten" Diözese versuchte der Staat in Person des westfälischen Oberpräsidenten Friedrich von Kühlwetter ein Exempel zu statuieren. Als Martin hartnäckig die Überprüfung seines Priesterseminars verweigerte, brachte er eine Prozeßlawine ins Rollen. Erst waren es Geldstrafen, dann Pfändungen und zuletzt Gefängnisstrafen. Während seines Aufenthaltes im Kreisgefängnis seit Anfang August 1874 lief in Berlin sein Absetzungsprozeß. "Unter Mißachtung seiner hohen Stellung" habe er "Volk und Geistlichkeit zu fanatisieren und zum Widerstand gegen die Gesetze anzureizen" unternommen. Statt der erhofften Freiheit standen dem Bischof im Januar 1875 noch zwei Monate Festungshaft in der Zitadelle in Wesel bevor. Die Stadt wurde ihm anschließend als Aufenthaltsort zugewiesen. Im Sommer entschloß sich Martin zur Flucht. In Belgien, im Kloster Mont St. Guibert, eine neue Niederlassung des ebenfalls aus Paderborn ausgewiesenen Ordens der "Schwestern zur Christlichen Liebe", fand er Zuflucht. In Deutschland wurde er mittlerweile steckbrieflich gesucht:
"Da der frühere Bischof Dr. Konrad Martin zu Paderborn, welcher in Wesel interniert war, sich heimlich von dort fortgemacht hat und dessen gegenwärtiger Aufenthalt unbekannt ist, so werden ... alle Sicherheitsbehörden ersucht, denselben ... zu verhaften und der nächsten Gerichtbehörde ... vorzuführen." [1]

Konrad Martin starb im Juli 1879 in seinem Exil.


[1] Erzbistumsarchiv Paderborn, Bischöfe II, 2.


TECHNIKkol. Lithografie
FORMATjpg


OBJEKT-PROVENIENZPaderborn, Erzbistumsarchiv
FOTO-PROVENIENZMünster, Landesmedienzentrum für Westfalen/E. Tschich


QUELLE    Roerkohl, Anne | Der Kulturkampf in Westfalen | Dia 07, S. 27
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit3.8   1850-1899
Ort5   Paderborn, (Erz-)Bistum <1802 (1829) - >
DATUM AUFNAHME2004-02-04
AUFRUFE GESAMT2926
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