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(85 KB)   Freiwilligenkorps / Befreiungskriege - Thüringer, Münstersche und Paderborner Freiwillige, um 1813/1814 / Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/O. Mahlstedt   Freiwilligenkorps / Befreiungskriege - Thüringer, Münstersche und Paderborner Freiwillige, um 1813/1814 / Münster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/O. Mahlstedt
TITELFreiwilligenkorps / Befreiungskriege - Thüringer, Münstersche und Paderborner Freiwillige, um 1813/1814
DATIERUNG1813 / 1814 [um]
GEOPOSITIONGoogle Maps OSM | 51.745228273865200 (NS), 8.712327182292938 (EW) (exakt)


INFORMATIONBereits während der französisch-österreichischen Kriege im Jahre 1809 hatte sich kurzzeitig eine antinapoleonische Stimmung unter weiten Teilen der Münsteraner breitgemacht, die die großherzoglich-bergische Regierung zu verschärften Kontrollmaßnahmen veranlaßte. Seit November 1812 war auch die Bevölkerung weitestgehend über das Debakel der französischen Armee in Rußland informiert, und der Unmut gegenüber der fremden "Besatzungsmacht" wuchs. Zwar kam es zu keinen antifranzösischen Aufständen in der Stadt, aber die alliierten Mächte der antifranzösischen Koalition konnten sowohl von der Unterstützung dieser passiven Resistenz als auch von dem erwachenden nationalen Bewußtsein profitieren. Am 30.09.1813 besetzte der russische General Tschemytschew mit einem Streifkorps Kassel, die damalige Hauptstadt des Königreichs Westfalen. Jérôme, im Volksmund "König Lustick" genannt, mußte fliehen. Die Vielvölkerschlacht von Leipzig (16.10.1813-18.10.1813) besiegelte den Zusammenbruch aller französischen Vasallenstaaten auf deutschem Boden, und die Neuordnung des europäischen Kontinents konnte von den Großmächten (Rußland, Österreich, England und Preußen) angegangen werden. Als erste Einheit der alliierten Truppen zogen am 07.11.1813 Kosaken in Münster ein, von der Bevölkerung - wohl angesichts ihrer exotischen Uniformen - zunächst bejubelt und bestaunt. Aufgrund ihres rüden Auftretens sorgten allerdings auch die Kosaken schon bald für ein negatives öffentliches Aufsehen in der Stadt. Unter Glockengeläut und Vivatrufen folgten ihnen sechs Tage später 2.000 Mann der preußischen Kavallerie und Infanterie. So war es wieder einmal vor allem die Erleichterung über die Befreiung von der alten Besatzungsmacht, die die Begeisterung über den Einzug der neuen Machthaber auslöste. Münster war in den Befreiungskriegen recht unbeschädigt geblieben: die Stadt konnte von den Preußen kampflos eingenommen werden; zu Plünderungen durch französische Einheiten, die sich auf dem Rückzug befanden, war es nicht gekommen. Am 4. November hatten die letzten Franzosen samt Verwaltungsakten und Kassenbeständen die Stadt verlassen, um über den Rhein zu flüchten. Jetzt galt es, die Verwaltungsinstanzen, besonders die militärischen, in kurzer Zeit neu zu besetzen und zu effektiver Arbeit zu führen.

Am 14.11.1813 hatte sich Generalleutnant von Bülow in Bielefeld mit Vincke getroffen und ihn gebeten, die Zivilverwaltung in den preußischen Gebieten Westfalens zu übernehmen. Vincke, ein erfahrener und kenntnisreicher Verwaltungsfachmann, hatte im November 1804 die Nachfolge Steins als Kammerpräsident in Münster übernommen. Im März 1807 war er, anläßlich einer heftigen Auseinandersetzung mit dem damaligen Gouverneur Canuel, entlassen worden. Sein lebhaftes Temperament sollte ihm auch zukünftig den mitmenschlichen Umgang erschweren. Am 19.11.1813 richtete Preußen auf seinen alten Besitzungen zwischen Rhein und Weser ein Militärgouvernement mit Sitz in Münster ein. Durch königliche Ernennung waren Generalmajor von Heister zum Militärgouverneur und Vincke zum Zivilgouverneur bestimmt worden. Abgesehen von Preußen und Hannover wurden die gesamtdeutschen Angelegenheiten der militärischen Verwaltung durch das Deutsche Zentralverwaltungsdepartment unter der Leitung vom Steins wahrgenommen. Auch für die zivile Verwaltung war zunächst die Durchsetzung der preußischen Militärreformgesetze aus dem Frühjahr 1813 vorrangig. Das Korps von Bülow war noch in Münster stationiert, und Vincke bemühte sich um dessen Versorgung und Ausstattung. Generalleutnant von Bülow hatte in seiner Proklamation zur Besitzergreifung Westfalens am 18.11.1813 dazu aufgerufen, Landwehr und Landsturm, letzterer sollte der Heimatverteidigung dienen, zu bilden und sich gemeinsam dem Befreiungskrieg anzuschließen.

Bei der Aushebung der Truppen für die Linienregimenter und die Landwehr, die als neue Miliz fungieren sollte, baute die preußische Militär- und Zivilverwaltung auf die französische Konskription auf. Insgesamt mußte das Gouvernement ungefähr 30.000 Mann für die Linienregimenter und die Landwehr zusammenbringen. Alle jungen Männer zwischen dem 17. und 24. Lebensjahr waren zum Militärdienst verpflichtet; Freistellungen aus beruflichen oder aus Gründen der Standeszugehörigkeit gab es nicht mehr. Die Möglichkeit, sich durch einen Stellvertreter ersetzen zu lassen, war ebenso weggefallen. Auch die Offizierslaufbahn war - zumindest formal - durch das Reglement vom 06.08.1808 nicht länger der Aristokratie vorbehalten; das Prinzip von Bildung und Kompetenz hatte sich somit auch hier durchgesetzt. Das Fürstentum Münster stellte als Provinz des Gouvernementsbezirks das vierte westfälische Landwehrregiment. Die Provinzen wurden in Kreisausschüsse unterteilt; der Kreis Münster, zu dem die Stadt- und Landbezirke Münster, Telgte und Wolbeck gehörten, mußte ein Pflichtkontingent von 1.430 Mann stellen, davon rekrutierten sich 268 Mann aus der Stadtbevölkerung. Desertionen kamen immer noch vor, aber ihnen standen 117 Freiwilligenmeldungen gegenüber, hauptsächlich für das Jägerdetachement, aber auch für die regulären Landwehrtruppen. Auch hohe Geistliche und Adelige meldeten sich als Freiwillige, wohl auch in der Hoffnung, so der allgemeinen Aushebung zu entgehen und einen Offiziersposten zu erlangen.

Die Federzeichnung zeigt Freiwillige aus den Kreisen Thüringen, Münster und Paderborn (von links nach rechts) im Jahr 1813. Sie macht deutlich, daß sich die Landwehr aus Zivilpersonen zusammensetzte; vom preußischen Zollmaß mußte angesichts des großen personellen Bedarfs abgesehen werden. Die Bildung der Linientruppen gestaltete sich problematischer, denn dabei ging es nicht primär um die nationale Beteiligung an den Befreiungskriegen gegen Frankreich, sondern um den regulären Militärdienst unter preußischer Fahne. Erstaunlich hoch war die private Spendebereitschaft, die der Ausstattung der Landwehrtruppen zugute kommen sollte. Als besonders großzügig erwiesen sich dabei Prinzessin Marianne von Gallitzin, Graf von Merveldt, Spiegel, Vincke u.a.m. Zu einer aktiven Kriegsbeteiligung der männlichen Bevölkerung Münsters kam es vorerst nicht. Als Etappenort mußte die Stadt wiederum für die Einquartierung und Verpflegung zahlreicher, durchziehender Truppeneinheiten aufkommen. Erst im Sommer 1815, als Napoleon kurzfristig aus seiner Verbannung zurückkehrte, wurde das Westfälische Regiment im sogenannten "Krieg der Hundert Tage" eingesetzt, wobei das Münsterländische Regiment 300 Mann verlor. Am 04.01.1816 kehrten die Truppen aus dem Krieg zurück und wurden in einem öffentlichen Festakt unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Domhof empfangen.

Als Zivilgouverneur erreichte Vincke den Anschluß mehrerer kleiner, bis dato enklavierter Territorien, die nicht zum altpreußischen Besitz gehörten. Sie unterstanden rechtlich dem Zentralverwaltungsdepartement und sollten von vom Stein eigentlich dem Generalgouvernement Berg zugewiesen werden. Das Prinzip der Mediatisierung, die Aufhebung kleiner politischer Einheiten, die man größeren zuschlug, wurde durchweg von den Großmächten beibehalten. In der Bundesakte vom 08.06.1815 wurde den entthronten Regenten zwar der Status von privilegierten Standesherren eingeräumt, sie behielten allerdings nur wenige Hoheitsrechte. In der provinziellen Verwaltung war Vincke auf die Unterstützung und Mithilfe altpreußischer Beamter angewiesen. Die ehemals französischen Präfekturen wurden in Landesdirektionen umfunktioniert, der Unterpräfekt zum Landrat und der Maire zum Bürgermeister umbenannt.


TECHNIKFederzeichnung
FORMATjpg
MASZE17,3 x 25,2 cm (Blatt)


OBJEKT-PROVENIENZMünster, Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster
OBJEKT-SIGNATURKdZ 347m LM
FOTO-PROVENIENZMünster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/O. Mahlstedt


QUELLE    Elsermann, Silke | Münster in napoleonischer Zeit | Dia 11, S. 41-44
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit3.7   1800-1849
3.7.1   Französische Revolution / Napoleonische Zeit <1789-1815>
DATUM AUFNAHME2004-02-24
AUFRUFE GESAMT5021
AUFRUFE IM MONAT313