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(88 KB)   Aldegrever, Heinrich (1502-1555/61): Selbstporträt des Heinrich Aldegrever (1502-1555/61), 1537 / Soest, Burghofmuseum / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen / O. Mahlstedt   Informationen zur Abbildung

Aldegrever, Heinrich (1502-1555/61): Selbstporträt des Heinrich Aldegrever (1502-1555/61), 1537 / Soest, Burghofmuseum / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen / O. Mahlstedt
FAMILIEAldegrever
VORNAMEHeinrich
BERUF / FUNKTIONMaler, Kupferstecher


VERWEISUNGSFORMTrippenmeker, Hinrich
GESCHLECHTmännlich
GEBURT DATUM1502   Suche
GEBURT ORTPaderborn
KONFESSIONluth.
TOD DATUM1555/61   Suche
TOD ORTSoest
BEGRÄBNIS ORTSoest, Petrikirchhof


VATERTrippenmeker, Heinrich, gt. Aldegrever, Holzschuhmacher
MUTTERKatharina


BIOGRAFIEHeinrich Aldegrever (1502-1555/1561) zählt in der Kunstgeschichte zu den "Kleinmeistern", die nach dem kleinen Format ihrer Kupferstiche benannt wurden: unter ihnen die Nürnberger Brüder Hans Sebald und Barthel Beham sowie Georg Pencz. Allen gemeinsam ist nicht nur die Vorliebe für bestimmte Themen, sondern auch ihre Abhängigkeit von Albrecht Dürer. Aldegrever stand in der Kunstgeschichte lange Zeit im Schatten des großen Nürnbergers. Dennoch weist sein Werk recht eigenständige Züge auf und ist sehr viel mehr vom Spätstil der Renaissance, dem Manierismus, geprägt. Bemerkenswert sind sein technisches Können und seine ausgewogenen Kompositionen, weshalb sein künstlerisches Werk einer neuen Wertschätzung bedarf. Sein Lebenswerk umfasst etwa 300 Kupferstiche.

Über Heinrich Aldegrevers Lebensweg sind nur wenige Daten bekannt: Geboren wurde er 1502 in Paderborn, wo seine Eltern, der Holzschuhmacher Heinrich Trippenmeker genannt Aldegrever und seine Frau Katharina, als Bürger verzeichnet sind. Möglicherweise ging er zur Ausbildung in das benachbarte, bedeutendere Soest. Auf der in der Gesellenzeit vorgeschriebenen Wanderung muss er mit niederländischer Kunst in direkte Berührung gekommen sein, die sein Werk ebenso stark beeinflusste wie die Kunst Albrecht Dürers. Ob er allerdings bei dem großen Nürnberger Meister in die Lehre ging, ist nicht gesichert. Um 1526/1527 kehrte er nach Soest zurück, wo er bald zu Ansehen in der Bürgerschaft gelangte. In dieser Zeit entstand auch sein malerisches Hauptwerk der Frühzeit, der noch erhaltene Marien-Altar in der Wiesenkirche.

Aldegrever war ein entschiedener Anhänger der neuen, lutherischen Lehre. Möglicherweise gingen die Anregungen von seinem Elternhaus aus, da aus einer urkundlichen Nachricht von 1532 hervorgeht, dass auch sein Vater den neuen Glauben mutig verteidigte.

Aldegrever gehörte schon bald zu den "Eidgesellen", ein Kreis evangelisch gesinnter Bürger in Soest, welche die neue Lehre diskutierten. Wie hoch sein Ansehen in der Bürgerschaft war, geht aus der Tatsache hervor, dass er am Neujahrstag 1532 den Reformator Gerd Oemeken aus Lippstadt nach Soest geleitete.

Aldegrevers künstlerische Entwicklung wurde stark durch die Ereignisse der Reformation geprägt. Während zu Beginn seines Schaffens die o.g. Altartafel und mehrere Heiligen- und Madonnendarstellungen entstanden, richtete er sich später immer mehr auf Bildnisse, mythologische Szenen, Genrebilder und Ornamententwürfe aus. Auch bevorzugte er nun den Kupferstich. Vielleicht waren es die fehlenden Aufträge für Altargemälde, vielleicht eigener Antrieb, die ihn zu dieser Neuorientierung führten. Sicherlich hat die protestantische Kritik an dem Bilderkult und der Prachtentfaltung in den katholischen Kirchen Aldegrever beeinflusst und auch den Kunstmarkt verändert.

Von 1527 an sind datierte Stiche für jedes Jahr von Aldegrever überliefert. Nur das für die Soester Reformationsgeschichte so wichtige, turbulente Jahr 1531 fehlt. Vielleicht ist das ein indirekter Hinweis auf die aktive Rolle Aldegrevers bei der Einführung der protestantischen Lehre, die ihm für seine künstlerische Arbeit keine Zeit mehr ließ. Unerklärlich ist auch das Aussetzen der künstlerischen Tätigkeit zwischen 1541 und 49.

Der Satiriker Daniel von Soest, dessen antireformatorische Spott- und Schmähschriften 1537/1539 erschienen, erzählte einen Vorfall, der zeigt, dass Aldegrever auch weiterhin in Kontakt mit den führenden evangelischen Kreisen der Stadt stand. Er soll den Richter Johann von Holtum und seine Frau, eine aus dem Orden ausgetretenen Begine, nackt gemalt haben - ein Beweis allenfalls dafür, wie sehr Aldegrever als Künstler der Renaissance die Schönheit der nackten menschlichen Gestalt schätzte und in seinem Werk immer wieder darstellte.

1536 entstanden die Täuferbildnisse von Johann van Leiden und Bernhard Knipperdolling. Da er die beiden frei von der in späterer Zeit üblichen Polemik darstellte, glaubten einige Biographen Aldegrevers, in ihm einen heimlichen Parteigänger der Wiedertäufer-Sekte gefunden zu haben, was aber durch nichts zu belegen ist.

Die wenigen urkundlichen Erwähnungen Aldegrevers in den 1540er Jahren beweisen nur, dass er noch in Soest lebte. Und dass er weiterhin überzeugter Lutheraner war, zeigen seine Kupferstiche, von denen einige scharf mit der katholischen Geistlichkeit ins Gericht gehen. 1541 bekam er vom Herzog von Kleve den Auftrag, ein großes Siegel anzufertigen, nachdem er ein Jahr zuvor den Herzog in einem Kupferstich-Porträt abgebildet hatte.

Während des Interims (1548-1552) lehnte sich Aldegrever gegen die zwangsweise Rekatholisierung der Stadt auf. Im Ratsprotokollbuch ist für das Jahr 1548 vermerkt, dass Aldegrever nur gegen die Stellung von Bürgen für sein künftiges Wohlverhalten in der Stadt bleiben darf.

Bis 1555 sind Datierungen seiner Stiche bekannt. Danach muss er gestorben sein. 1561 wendete sich sein Sohn in Erbschaftsangelegenheiten an den Soester Rat, womit der späteste Zeitpunkt des Todesjahres festliegt. Carel van Mander, der erste Biograph Aldegrevers, berichtete in seinem 1617 erschienenen Buch, dass der Künstler von seinen Mitbürgern unbeachtet verschieden sei. Ein Maler aus Münster, möglicherweise Ludger tom Ring, sei dann nach Soest gekommen, und habe einen Stein mit dem Monogramm Aldegrevers auf sein Grab setzen lassen, das sich wohl auf dem alten Friedhof an der Südseite der Petrikirche befunden hat. Heute erinnern dort eine kleine Bronzeplastik nach einem Kupferstich Aldegrevers und eine Gedenktafel an den Künstler.


Heinrich Aldegrever - ein Schüler Dürers? Aldegrevers erster Biograph, Carel van Mander, berichtete, dass der Künstler bei Albrecht Dürer in die Lehre gegangen sei, was nach ihm viele Biographen übernommen haben. Unzweifelhaft zeigte sich Aldegrever stark von Dürers Kunst beeinflusst, was sich nicht zuletzt in dem ähnlichen Monogramm ausdrückt. Unzweifelhaft ist auch, dass er die Arbeiten Dürers und des ganzen Nürnberger Kreises sehr genau kannte und mehrfach Anregungen von ihnen bezog. Andererseits ist Aldegrevers Kunst nicht ein schwacher Widerhall des Dürerschen Werkes. Dazu trägt sie viel zu viel eigenständige Züge und ist auch zu sehr vom Spätstil der Renaissance, dem Manierismus, geprägt. Dennoch, Dürer war "Aldegrevers Haupterlebnis", wie Herbert Zschelletzschky betonte. Aber ob er tatsächlich bei ihm in die Lehre gegangen ist, muss bei dem Mangel an biographischen Quellen offen bleiben.

Klaus Kösters
PROJEKT  Heinrich Aldegrever und die Reformation in Soest
AUFNAHMEDATUM2004-06-29


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QUELLE    Schulte, Wilhelm | Westfälische Köpfe | S. 003f.
  Geisberg, Max | Heinrich Aldegrever |
  Gehrken, F[ranz] J[osef] | Heinrich Aldegrever, Goldschmiedt, Maler, Kupferstecher und Prägschneider |
  Fritz, Rolf | Heinrich Aldegrevers Kupferstich "Jan van Leiden" als Vanitas-Symbol |
  Luckhardt, Jochen / Lorenz, Angelika | Heinrich Aldegrever und die Bildnisse der Wiedertäufer |
  Lorenz, Angelika | Heinrich Aldegrever |
  Zschelletzschky, Herbert | Das Graphische Werk Heinrich Aldegrevers |
  Geisberg, Max | Die Münsterischen Wiedertäufer und Aldegrever |

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Zeit3.1   1500-1549
3.1.1   Reformation < - 1555>
3.2   1550-1599
Ort1.11.10   Soest, Stadt
2.7.8   Paderborn, Stadt
Sachgebiet15.4.2   Zeichnung, Grafik
DATUM AUFNAHME2004-02-11
DATUM ÄNDERUNG2010-09-13
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