MEDIEN

(102 KB)   Haas, Carl Joseph (1775-1852): Die Familie Vincke (1826): Familie, Tod, Nachkommen, Nachwirkung - Familiengemälde / Privatbesitz / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/S. Sagurna   Haas, Carl Joseph (1775-1852): Die Familie Vincke (1826): Familie, Tod, Nachkommen, Nachwirkung - Familiengemälde / Privatbesitz / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/S. Sagurna
TITELDie Familie Vincke (1826): Familie, Tod, Nachkommen, Nachwirkung - Familiengemälde
URHEBER OBJEKTHaas, Carl Joseph (1775-1852)
DATIERUNG1826


INFORMATIONDas Familienporträt wurde kurz nach dem Tod der Ehefrau Eleonore von Syberg (1788-1826) im Mai 1826 angefertigt, beruht also auf einer Fiktion. Eleonore sitzt neben ihrem Vater Friedrich, der 1827 starb. Die Erwachsenen, auch Ludwig Vincke, werden von den sechs (von acht geborenen) Kindern eingerahmt, die damals noch lebten. Vor dem Tisch befinden sich links der jüngste Sohn Friedrich (1824-1901) und daneben Karoline (1822-1855), in der hinteren Reihe von links Ernst (1819-1856), zwischen den Eltern Wilhelmine (1817-1888), neben dem Schwiegervater Georg (1811-1875) und Gisbert (1813-1892). Bei der immensen Arbeitsbelastung des Oberpräsidenten dürfte ein solch vollständiges Familientreffen eher Seltenheitswert gehabt haben. Ohne Frage gab es jedoch einen starken familiären Zusammenhalt. Am 22.09.1827 schloß Ludwig Vincke, mit 52 Jahren, seine zweite Ehe mit Luise von Hohnhorst (1798-1873), der Tochter eines braunschweigischen Oberhofmarschalls. Aus dieser Ehe erlebten fünf von sechs geborenen Kindern, alle Mädchen, das Erwachsenenalter. Bei der Geburt der jüngsten Tochter Ida am 25.12.1843 war Vincke bereits 69 Jahre alt.

Der Tod des Oberpräsidenten stand bis zu einem gewissen Grade in einem ursächlichen Zusammenhang zu seinem Lebens- und Arbeitsstil. Eingeleitet wurde er durch eine Schwächung des Gesundheitszustandes infolge eines Unfalles auf einer Dienstfahrt nach Minden am Nachmittag des 04.11.1844. In Minden war gemeinsam mit Finanzminister Eduard von Flottwell eine Entscheidung über die dortige Bahnhofsanlage zu fällen. Der Unfall ereignete sich bei der Einfahrt in Warendorf, wo der von einem ersatzweise eingesprungenen Kutscher gelenkte Reisewagen mit einer Postkutsche zusammenstieß. Hierbei schlug der aktenlesende Oberpräsident mit dem Kopf gegen das Wagenfenster. Anschließend bemerkten seine Begleiter, darunter Regierungsrat Alexander Scheele, Zerstreuung und Konzentrationsschwäche. Dennoch setzte Vincke, nach kurzem Schlaf in einem Warendorfer Gasthof, Aktenstudium und Reise fort. In Bielefeld, wo er Geschäftsbesuche abstattete, brach er auf offener Straße zusammen, fuhr aber am 06.11.1844 weiter und kam gegen Abend in Minden an. Der sich wieder zeigende Gedächtnisschwund veranlaßte Scheele und den Mindener Regierungspräsidenten Karl Gottlieb Richter, einen Arzt zu rufen, der einen versteckten Schlaganfall diagnostizierte und zur Therapie am Kopf des Oberpräsidenten Blutegel ansetzte. Außerdem empfahl er strengste Diät und Ruhe. All das hinderte Vincke nicht, sich auf die Konferenz des folgenden Tages vorzubereiten, doch dies war zuviel. Scheele mußte am anderen Tag die Leitung der Verhandlungen übernehmen. Mit einer Eintragung vom 07.11.1844, in der die durchgeführte Konferenz als Erfolg bewertet wurde, endet Vinckes Tagebuch.

Am 10.11.1844 traf Ludwig Vincke wieder in Münster ein, kränker, als er selbst wahrhaben wollte. Mit Unwillen, besonders wenn er sich kräftiger fühlte, hielt man ihn von der Arbeit fern; der König bekundete - zur Freude des Präsidenten - in einem Handschreiben seine Anteilnahme. Scheinbar überwand er eine Phase kritischer Verschlechterung, so daß Ärzte, Familie und Patient neue Hoffnung schöpften. Mit Freude vernahm er noch die Wahl seines dritten Sohnes Ernst zum Landrat des Kreises Hamm. Am 02.12.1844, nach einem heiter im Familienkreis verbrachten Tag, überraschte ihn und alle ein erneuter Schlaganfall, der ihm das Bewußtsein raubte und kurz nach 10 Uhr zum Tode führte. Wohlwollen und Güte strahlte das entseelte Gesicht auf die zahlreich zum Totenbett kommenden Freunde und Bekannten aus. Ludwig Vincke wurde in der Familiengruft in Busch, neben der ersten Gattin und deren Eltern, beigesetzt. Das Erbbegräbnis existiert noch heute. Eine feierliche Bestattung, die die Stadt Münster zelebrieren wollte, lehnte die Familie ab, die im Sinne Vinckes einer Beerdigung in alter Stille den Vorzug gab.

Von den Kindern des Oberpräsidenten ist älteste Sohn, Georg Freiherr von Vincke, der bekannteste. 1832 trat er in den Staatsdienst, von 1837 bis 1848 war er Landrat von Hagen, 1843 bis 1845 Mitglied des westfälischen Provinziallandtages und 1847 des Vereinigten Landtages, wo der rethorisch sehr Begabte die Opposition führte. Sein politisches Ideal war eine konstitutionelle Monarchie nach englischem Muster. In der Frankfurter Nationalversammlung 1848 trat er als Führer des Café Milani (rechter Flügel) für das preußische Erbkaisertum ein, im Erfurter Unionsparlament führte er die Mehrheit der Abgeordneten. 1849 wurde er Mitglied der preußischen zweiten Kammer, wo er die gemäßigte liberale Mehrheit hinter sich hatte. Bis 1870 nahm er, mit Unterbrechungen, am parlamentarischen Leben teil. Durch seinen Starrsinn erschwerte er die Zusammenarbeit von Liberalismus und Staat und verlor zunehmend an politischem Gewicht. Georgs jüngerer Bruder Gisbert (1813-1892) schlug eine literarische Laufbahn ein und betätigte sich als Dichter und Shakespeare-Forscher.

Zum einen lebte Ludwig Vincke in der Nachkommenschaft fort, zum Teil sogar in den politischen Anschauungen des Sohnes Georg, zum anderen wurde er selbst in der Provinzbevölkerung zur Legende, um den sich zahlreiche Anekdoten rankten. Sieht man von Stimmen des exponierten münsterländischen Katholizismus ab, so ist in diesen doch ein überwiegend ehrenvolles Angedenken festzustellen. Man erhält das Bild eines rastlos und bürgernah für die Interessen aller Schichten der Bevölkerung, nicht zuletzt der unteren, tätigen Mannes. Denkmäler der verschiedensten Art (Gebäude, Bilder, Keramik) haben die Erinnerung festgehalten. Heute noch gibt es, ein Indiz für die nachhaltige Präsenz im öffentlichen Bewußtsein, in jeder größeren westfälischen Stadt eine Vinckestraße oder einen Vinckeweg, im rheinländischen Duisburg darüber hinaus ein Vinckeufer. In der Geschichtswissenschaft schließlich gilt er als ein für seine Zeit charakteristischer Typus eines selbstbewußten, im Geiste der Reformen tätigen Provinzrepräsentanten.


TECHNIKÖl auf Leinwand
FORMATjpg
MASZE97 x 126 cm


OBJEKT-PROVENIENZPrivatbesitz
FOTO-PROVENIENZMünster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/S. Sagurna
FOTO-SIGNATURNr. 79.3.335


QUELLE    Burg, Peter | Ludwig Freiherr von Vincke | Dia 12, S. 52-55
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit3.7   1800-1849
Sachgebiet6.9   Ehe, Partnerschaft, Familie, Familienleben
DATUM AUFNAHME2004-02-23
AUFRUFE GESAMT2850
AUFRUFE IM MONAT20