PERSON

FAMILIEBrockhaus
VORNAMEFriedrich Arnold


GEBURT DATUM1772-05-04   Suche
GEBURT ORTMeyerich bei Welver
TOD DATUM1823-08-20   Suche


VATERBrockhaus, Johann Adolf Heinrich (1739-1811)
MUTTERDavidis, Katharina (1736-1789)


BIOGRAFIEJeder kennt ihn, fast jeder hat ihn schon einmal in der Hand gehabt: den "Brockhaus". Das schwerleibige und ganz gewiss nicht preiswerte Wissenskompendium bildet bis auf den heutigen Tag einen unverzichtbaren Baustein für alle ordentlichen Bibliotheken. Kaum eine Frage, auf die er keine Antwort weiß - und das seit nunmehr 200 Jahren. Es ist sicher nicht übertrieben, ihn das Flaggschiff des deutschen Bildungsbürgertums zu nennen. Ein Schiff in Fahrt, denn jede Generation hat seine nahezu unerschöpflichen Inhalte neu bestimmt und beschrieben - bis hin zur letzten soeben erschienenen 21. Auflage der legendären Enzyklopädie. Das sind 300.000 Stichwörter auf 24.500 Seiten in 30 edlen, mit feinem Goldschnitt geadelten Lederbänden. So viel Wissen war nie.

Längst ist der Namensgeber, Friedrich Arnold Brockhaus, hinter seinem Produkt verschwunden. Grund genug, an dieser Stelle an einen umtriebigen Dortmunder und sein folgenreiches Verlegerwirken zu erinnern.

Schon als Kind - er wurde als Sohn eines Kaufmanns und Ratsherrn 1772 in Meyerich bei Welver geboren - eine wahre Leseratte, trat er nach einigen Gymnasialjahren in Dortmund in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters. Nach der Lehre, die er in Düsseldorf absolvierte, verbrachte er ein paar Semester an der berühmten Leipziger Universität, um dort allerhand Studien zu folgen. 1794 kam er nach Dortmund zurück und baute zusammen mit zwei Partnern ein international operierendes Handelsgeschäft mit groben Wollstoffen auf.

Das Unternehmen entwickelte sich so gut, dass der junge Mann sich drei Jahre später recht wohlhabend verheiraten konnte. Bald darauf aber kam es zu einem erbitterten Rechtsstreit mit einem der Partner, der Brockhaus kurzzeitig sogar ins Gefängnis brachte und ihn 1801 zu einer überstürzten Flucht in die Niederlande nötigte. Nach einem Zwischenspiel in Arnheim zog es Brockhaus schließlich nach Amsterdam.

Irgendwann wurde er der risikoreichen Textilgeschäfte überdrüssig und er entschloss sich - wie es einer seiner Biografen ausdrückte, "das Tuch" gegen "das Buch" zu tauschen, d. h. er gründete in der Metropole an der Amstel eine Buchhandlung sowie einen Verlag. Das war im Sommer und Herbst des Jahres 1805.

Dieses Verlagsunternehmen, das anfangs unter ganz verschiedenen Namen figurierte, gab auch tagespolitische Zeitschriften und Monatsblätter heraus, denen freilich aufgrund der unruhigen weltpolitischen Lage kein dauerhafter Erfolg beschieden war. Das sollte sich erst ändern, als Brockhaus 1808 auf der Leipziger Buchhändlermesse die Rechte an einem bereits einige Jahre bestehenden "Conversationslexikon" erwarb. Dieses Lexikon, das er bis zu seinem frühen Tode 1823 kontinuierlich erweiterte, wurde zur Keimzelle des bibliografischen Großunternehmens, das die "Brockhaus Enzyklopädie" heute darstellt.

Aber noch war das Unternehmen keinesfalls in seinem Bestand gesichert. Immer wieder drohte Konkurs. 1810 entschloss sich Brockhaus nach Deutschland zurückzukehren; er ließ sich zunächst im thüringischen Altenburg nieder, um schließlich einige Jahre später in Leipzig, der damaligen deutschen Bücherhauptstadt, dauerhaft Fuß zu fassen. Neben einigen spektakulären Verlagserfolgen wie Casanovas Memoiren oder Raumers viel gelesener Geschichte der Hohenstaufen gab es immer wieder auch Projekte, die kläglich scheiterten und viel Geld verschlangen. Einzig das Conversationslexikon erwies sich als ein dauerhafter "Renner", dessen Auflage sich von Ausgabe zu Ausgabe in schöner Regelmäßigkeit erhöhte.

Bevor Friedrich Arnold Brockhaus am 20. August 1823 im Alter von 51 Jahren starb, hatte er das Schicksal des Verlages bereits seinen Söhnen anvertraut. Bis heute ist das Unternehmen, das nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges seinen Stammsitz von Leipzig nach Mannheim verlegte, im Besitz der Familie geblieben. Der findige Gründer aus Dortmund, so viel ist sicher, hätte seine Freude an der neuen Auflage gehabt - und an dem USB-Stick, der den gesamten Inhalt der Enzyklopädie per Mausklick auf den Bildschirm zaubert, vermutlich auch!

Volker Jakob, Westfalenspiegel 6, 2005
AUFNAHMEDATUM2005-11-25


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QUELLE    Schulte, Wilhelm | Westfälische Köpfe | S. 042f.
   | Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsbiographien | Bd. 11, S. 5-41

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Zeit3.6   1750-1799
3.7   1800-1849
Ort1.2   Dortmund, Stadt <Kreisfr. Stadt>
Sachgebiet10.6.1   Unternehmen, Unternehmer
14.6   Verlage, Verlagswesen, Druck
14.8   Zeitschriften
15.7   Literatur, Schriftstellerin/Schriftsteller
DATUM AUFNAHME2004-02-09
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