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(87 KB)   Henckel, Robert: Lippische Ziegler / Detmold, Lippisches Landesmuseum / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/O. Mahlstedt   Henckel, Robert: Lippische Ziegler / Detmold, Lippisches Landesmuseum / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/O. Mahlstedt
TITELLippische Ziegler
URHEBER OBJEKTHenckel, Robert
DATIERUNG1931
GEOPOSITIONGoogle Maps OSM | 51.745228273865200 (NS), 8.712327182292938 (EW) (exakt)


INFORMATIONVom 17. Jahrhundert an zogen Männer aus Lippe, lange Zeit gegen das ausdrückliche Verbot der Landesregierung, aus, um z. B. in Friesland zu arbeiten. Bereits 1682 wurde Zieglerei als ihr Gewerbe angegeben. Die saisonale Wanderung der Lipper lag in den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen des kleinen Landes begründet: Lippe blieb, im Gegensatz zu der nördlich gelegenen Grafschaft Ravensberg, bis ins 20. Jahrhundert hinein agrarisch ausgerichtet, sieht man von der Weberei ab, die allerdings in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasch an Bedeutung verlor. Die Landwirtschaft aber konnte die jüngeren Brüder des Besitzers, des Anerben, nur als Knechte aufnehmen, die selbst gar nicht zur Heirat kamen. Als auch die Weberei in die Krise geriet, bestand für viele Männer nur die Möglichkeit der Auswanderung. Tatsächlich verließen im 18. und 19. Jahrhundert viele Lipper ihre Heimat, um nach Amerika zu gehen. Andere wählten zur Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation die saisonale Wanderung in günstigere Räume, wo sie zu allen einfacheren Tätigkeiten bereit waren, sich aber auf Zieglerei spezialisierten.

Die Zahl der lippischen Ziegler war - im Gegensatz zu ihrer sprichwörtlichen Bekanntheit - lange Zeit klein: 1781 umfaßte sie nur 248 Männer, 1836 waren es 1.408, 1850 stieg ihre Zahl auf 2.499, und 1910 wurde mit 14.227 ihre höchste Zahl erreicht. Noch 1923 zogen etwa 7.000 Männer als Ziegler aus. Die Lipper arbeiteten in Ostfriesland, in den Niederlanden, im Rheinland, auf den Zechenziegeleien des Ruhrgebietes, an der Elbe und auf Ziegeleien in Berlin. Einzelne Gruppen zogen noch weiter bis Dänemark oder bis Ostpreußen.

Die Ziegler verließen im ihre Heimat: Im März zogen bereits die ersten Trupps los, im April folgte die große Zahl der anderen, und von Ende September an kehrten sie zurück. Meist waren sie von einem "Ziegelboten" gedungen worden und hatten sich zu Gruppen zusammengefunden, die unter einem "Ziegelmeister" gemeinsam eine Ziegelei bewirtschafteten. Diese "Lipperkommune" ermöglichte den Arbeitern zwar höhere Löhne als eine andere Form des Arbeitsverhältnisses, übertrug ihnen aber auch das Risiko. Vom Verdienst des Sommers mußte die Familie über den Winter kommen, wobei die Frauen meist die kleine Landwirtschaft versorgten und damit zum Unterhalt der Familie beitrugen.

Die Arbeit der Ziegler war hart: Die Arbeitszeit dauerte, mit Pausen, 18 Stunden. Für die Jungen, die im Alter von 13 oder 14 Jahren zum erstenmal an einer "Kampagne" teilnahmen, bedeutete ein solcher Arbeitstag eine kaum zu ertragende Belastung. Die Beschäftigung von Jungen war Kinderarbeit, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Schutzbestimmungen gemildert wurde. 1906 wurde allgemein der 12-Stunden-Tag eingeführt.

Um möglichst viel Geld heimbringen zu können, setzten die lippischen Ziegler sich nicht nur den Strapazen der Arbeit aus, sondern sie lebten auch außerordentlich sparsam. Ihre Schlafstätten waren primitiv, nicht selten in Ställen eingerichtet, die hygienischen Verhältnisse waren mangelhaft, der Speisezettel von gesundheitsschädlicher Eintönigkeit. Die halbjährige Abwesenheit von der Familie wirkte sich ungünstig auf die psychische und physische Verfassung aus.

Verkehrserschließung und wirtschaftliche Entwicklung m 20. Jahrhundert machten schließlich die Wanderarbeit der Lipper überflüssig. Gleichzeitig hatte. die Zieglerei sich zu einem qualifizierten Gewerbe entwickelt, das unter Einsatz von Maschinen das ganze Jahr hindurch betrieben werden konnte: Die Saisonarbeiter waren nicht mehr erforderlich.


TECHNIKHolzschnitt
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OBJEKT-PROVENIENZDetmold, Lippisches Landesmuseum
FOTO-PROVENIENZMünster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/O. Mahlstedt


QUELLE    Lehnemann, Wingolf | Handwerkliche und industrielle Ziegelherstellung | Dia 12, S. 26-28
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit3.9   1900-1949
Ort2.5.5   Detmold, Stadt
3   Lippe(-Detmold), Gt. / Ftm. / Freistaat / Land < - (1934)1947>
DATUM AUFNAHME2004-02-23
AUFRUFE GESAMT629
AUFRUFE IM MONAT7