QUELLE

DATUM1946-11-04   Suche   Suche DWUD
URHEBER/AUSSTELLERVerband der Bekleidungsindustrie Westfalen
AUSSTELLUNGSORTBielefeld
TITEL/REGESTVerbandsbericht über die Lage in der Bekleidungsindustrie
TEXT[S. 1] Verband der Bekleidungsindustrie Westfalen
Sa/K.

Bielefeld, den 4.11.1946

An die Industrie- und Handelskammer
Bielefeld

Betr.: Lagebericht.

Die Lage der Bekleidungsindustrie stand im Monat Oktober weiterhin im Zeichen der schwierigen Rohstofflage sowie der einschneidenden Stromkürzungen. Die Gewebe waren bei den Webern immer noch blockiert, so dass die Bekleidungsindustrie praktisch keine Möglichkeit zur Wiederbeschaffung von Geweben hatte und deshalb vorwiegend mit Lohnaufträgen beschäftigt war oder aber mit Aufträgen, die vom Wirtschaftsministerium in Übereinstimmung mit den entsprechenden Stellen der Militärregeierung erteilt wurden. Die Gewebekonten, die im Laufe der Monate August und September beantragt wurden, sind bis heute noch nicht freigegeben worden. Die Textilverrechnungsstellen, die bei den Landes- bezw. Provinzial-Wirtschaftsverwaltungen errichtet wurden, sind zwar einsatzbereit, aber noch nicht angelaufen, da die generelle Freigabe der Konten seitens des Zentralamtes noch nicht erfolgt ist. [...] Im übrigen wird mit der Eröffnung der Gewebekonten in den nächsten Tagen gerechnet, nachdem die Freigabe der blockierten und eingefrorenen Gewebebestände grundsätzlich von der Militärregierung genehmigt wurde.

Der Zuzug von Firmen aus der russisch besetzten Zone Deutschlands hält weiterhin an, insbesondere versuchen Berliner Firmen aus der Damen-Oberbekleidungsindustrie, sich in unserer Zone niederzulassen. Die Hauptschwierigkeit ist dabei die Frage der Maschinenbeschaffung, da einem Bedarf von schätzungsweise 12 bis 15 000 Maschinen allein im Land Nordrhein-Westfalen eine monatliche Maschinenproduktion von wenigen 100 Maschinen gegenübersteht. Grundsätzlich ist jedoch festzustellen, das man an dem Zuzug von Firmen der Damen-Oberbekleidungsindustrie interessiert ist, da dieser Fachzweig in unserem Raum bisher nur ungenügend vertreten ist.

[S. 2] Die Versorgung der Bekleidungsindustrie mit Nähmitteln, wie Nähgarn und Nadeln, hat sich gut eingespielt. Die Verteilung der Kontingente erfolgt durch die Wirtschaftsverwaltungen auf Vorschlag der Fachorganisationen. Nachdem die Versorgung seit Oktober ausreichend ist, dürften die unerwünschten Kompensationsgeschäfte in diesen Artikeln ihr Ende gefunden haben.

Die weitere Entwicklung in der Bekleidungsindustrie hängt im wesentlichen von der Frage des Rohstoffnachflusses ab. Durch die bevorstehende Freigabe der Gewebekonten wird die Bekleidungsindustrie ohne Frage eine starke Belebung erfahren. Diese wird jedoch nur von kurzer Dauer sein, wenn nicht der Anschluss an die Neuproduktion gewonnen wird. Dabei ist festzustellen, dass die Produktionsplanungen für das dritte und vierte Quartal 46 fast ausschliesslich die Arbeits- und Berufs-Bekleidungsindustrie und im kleinen Rahmen die Oberbekleidungsindustrie berücksichtigt, während die Aussichten für die Wäscheindustrie zur Zeit noch gering sind.

Hochachtungsvoll!

Wirtschaftsvereinigung der Bekleidungsindustrie für Westfalen und die Länder Lippe und Schaumburg-Lippe

I. A. [Unterschrift unleserlich]
ERLÄUTERUNGDie Lage in der Bekleidungs- und der Textilindustrie in der unmittelbaren Nachkriegszeit war vor allem durch die Rohstoffknappheit bestimmt. Den Webereien fehlten Garne, so dass sie keine Gewebe herstellen und an die Bekleidungsindustrie weiter liefern konnten. Die gesamte Industrie stand zudem unter alliierter Kontrolle, die die Zuteilung von Rohstoffen stark reglementierte.
Der Lagebericht weist auch auf neue Unternehmer aus den ehemaligen Deutschen Ostgebieten hin, die nach Flucht und Vertreibung in Westfalen neue Betriebe gründeten. Eine Woche später gab es noch eine Ergänzung zum Lagebericht der Bekleidungsindustrie


PROVENIENZ  Stiftung Westfälisches Wirtschaftsarchiv
BESTANDHandelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld
SIGNATURK 3 Nr. 1222


SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ1.3   Einzelquelle (in Volltext/Regestenform)
Zeit3.9.60   Nachkriegszeit <1945-1949>
Ort1   Westfalen/-Lippe (allg.)
2.1   Bielefeld, Stadt <Kreisfr. Stadt>
3   Lippe(-Detmold), Gt. / Ftm. / Freistaat / Land < - (1934)1947>
Sachgebiet5.11   Wiederaufbau
10.1   Wirtschaft und Arbeit / Allgemeines
10.6   Wirtschaftsstruktur, Wirtschaftsorganisationen
10.6.3   Industrie- und Handelskammern
10.13   Industrie, Manufaktur
DATUM AUFNAHME2004-05-15
AUFRUFE GESAMT2211
AUFRUFE IM MONAT2