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(132 KB)   Kriegerdenkmäler: Ästhetische Kraft und Trauer (Ruhender Löwe, Dortmund 1869; Trauernde Germania, Münster 1872)
 / Münster, Stadtarchiv/F. Hundt (1b) / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/O. Mahlstedt (1a)   Kriegerdenkmäler: Ästhetische Kraft und Trauer (Ruhender Löwe, Dortmund 1869; Trauernde Germania, Münster 1872)
 / Münster, Stadtarchiv/F. Hundt (1b) / Münster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/O. Mahlstedt (1a)
TITELKriegerdenkmäler: Ästhetische Kraft und Trauer (Ruhender Löwe, Dortmund 1869; Trauernde Germania, Münster 1872)
GEOPOSITIONGoogle Maps OSM | 51.745228273865200 (NS), 8.712327182292938 (EW) (exakt)


INFORMATIONZu den ersten figürlichen Kriegerdenkmälern in Deutschland gehören diese bürgerliche Stiftung in Dortmund aus dem Jahre 1869 sowie das Regimentsdenkmal in der Stadt Münster aus dem Jahr 1872. Anlaß zur Errichtung dieser Denkmäler war das Gedenken an die Opfer der preußisch-deutschen Einigungskriege, insbesondere aus dem deutsch-österreichischen Krieg 1866 und dem deutsch-französischen Krieg 1870/71. Die Objekte unterscheiden sich in der künstlerisch-ästhetischen Ausdrucksform, der Herkunft der Stifter (in Dortmund: ein Bürgerkomitee, in Münster das "Dreizehner"-Offizierskorps), doch beanspruchten die Denkmäler gleichermaßen öffentliche Trauer und Aufmerksamkeit jeweils auf städtischem Boden. Dies mag erstaunen, da die Gefallenen an beiden Orten nicht als "Bürger", sondern als "Söhne" oder "Kameraden" angesprochen werden (vgl. Inschriften). Auf diese Weise wurden die staatsbürgerlichen, verfassungsrechtlichen Grundlagen der Kriege und des Gefallenentodes, nämlich die Mitwirkung der Bürgervertretung (u.a. bei der Geldbewilligung des Reichstages) und die Allgemeine Wehrpflicht ausgeblendet. Stattdessen knüpfte die Totenbezeichnung "Söhne" und "Kameraden" nach zeitgenössischem Jargon mehr an konservativ patriarchalische, militärkonforme Vorstellungen an: zum Beispiel an das Bild vom König (und oberstem Befehlshaber) als "Landesvater".


1. Ruhender Löwe, Dortmund 1869

Auf Initiative eines Bürgerkomitees gab die Stadt Dortmund ein Denkmal zur Erinnerung an zehn Gefallene der Stadt in Auftrag, das nach Entwürfen des Bildhauers Melchior Anton zur Straten ausgeführt wurde: ein lebensgroßer Löwe in bronziertem Eisenguß auf einem grau-rosa farbenen Granitsockel mit rund ausgebuchteten Schmalseiten. Vorn befindet sich ein Erinnerungskreuz mit der Jahreszahl 1866, auf den Längsflächen verschiedene Inschriften
1) "ES STARBEN DEN HELDENTOD / FUER / KOENIG UND VATERLAND / 1866 /... " mit zehn Namen,
2) "IHREN / TAPFEREN / SOEHNEN / DIE / STADT / DORTMUND", und vorn
3) "PREUSSENS SIEGREICHEM HEERE - GOTT WAR MIT UNS - IHM SEI DIE EHRE" in fortlaufender Zeile um die königlichen Initialen "R(ex) W(ilhelms)". [1]

Einen ehrgeizigen Anspruch demonstriert das Denkmal in seiner Größe (vgl. die Maße: 2,5 x 2,4 x 2,1 Meter) und vor allem in der Motivauswahl. Wichtige Anregungen gab sicher das Löwendenkmal von Christian Daniel Rauch für General von Scharnhorst. Im deutsch(sprachig)en Raum gab es damals nur wenige vergleichbare Löwendenkmäler: zwei auf den böhmischen Schlachtfeldern bei Chlum und Parschnitz und eines in Münster (für General Heinrich Wilhelm von Horn, ehem. Kommandierender General des VII. Armeekorps, das auch für Dortmund zuständig war). In Dortmund wurde die prestigeträchtige Löwen-Allegorie aber nicht für ranghohe Befehlsträger, sondern für einfache Soldaten als Bürger der Stadt verwandt, die 1866 bei Königgrätz gefallen waren. Der schlafende Löwe verdeutlicht den bei der Errichtung aktuellen Zustand als krafterfüllte, geordnete Friedenszeit, zugleich die Tugenden der Soldaten: Kampfbereitschaft, Ehre, Tapferkeit und Todesmut. So gesehen war die Dortmunder Bürgerstiftung einer militärkonformen, monarchischen Sinngebung verpflichtet. Dieser entspricht auch das Material, aus dem der Löwe gegossen wurde. Es besteht aus eroberter französischer Geschützbronze, die König Wilhelm am 20.9.1866 für das öffentliche Gefallenengedächtnis bestimmt hatte. So bestand eine fundamentale Übereinstimmung mit dem königlichen Wohlwollen, die zugleich in Motiv und Inschriften zum Ausdruck kam. Bemerkenswert war auch der Aufstellungsort am Königswall beim Bahnhof. (1910 mußte das Denkmal dem "Freistuhl" weichen und erhielt einen neuen Platz am Westerntor. 1952 wurde es in den Westpark versetzt.) Das Dortmunder Löwen-Denkmal gehörte zu den frühesten städtisch-bürgerlichen Stiftungen und regte ähnliche Vorhaben in der näheren Umgebung an, zum Beispiel 1873/4 in Wambel und in Garenfeld.


2. Trauernde Germania, Münster 1872

Ursprünglich wollte das Offizierskorps der "Dreizehner" aus Münster ein Kriegerdenkmal auf dem lothringischen Schlachtfeld bei Colombey für die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges errichten. Als dieser Plan sich aber nicht verwirklichen ließ, faßte man die Garnisonsstadt des Regiments selbst als Standort ins Auge, wo das Denkmal am Ludgeriplatz errichtet werden sollte. Der münsterische Bildhauer Johann Bernhard Allard erhielt den Auftrag. Trotz des siegreichen Kriegsausgangs verlieh er dem Entwurf einen überwiegend melancholischen, trauernden Charakter. Die Germania hält den Kopf zur Trauer geneigt. Ihre verhalten ausgestreckte rechte Hand hält den Siegerkranz, die linke Hand stützt sich auf einen Schild. Der Schild - mit reichsdeutscher Emblematik (Adler und Reichskrone) - erlaubt eine unzweideutige Identifikation mit dem Deutschen Reich. Die Steinfigur wurde auf einen Unterbau gestellt, dessen Seitenflächen die Namen der gefallenen Regimentsangehörigen trug. Auf der Stirnseite waren zwei Inschriften mit Widmung und erneutem Hinweis auf die Trauer angebracht:
"Seine mit Gott für König und Vaterland / im Kriege gegen Frankreich 1870/71 / gebliebenen und den Beschwerden erlegenen / Kameraden ehrt durch dieses Denkmal / den kommenden Geschlechtern / zur Nacheiferung / das 1. Westphälische Infanterie Regiment / No 13 / Wer's recht meint der versucht und prüft / Mit Gottes Hülf sein gutes Schwert / Ist auch der Ausgang nicht verbrieft / Das Wollen hat den Mann geehrt ". [2]

Die deutliche Betonung der Trauer hatte sicher ihren Grund in den außergewöhnlichen Verlusten, die das Regiment während der Kampfhandlungen durch unzureichende Versorgung und mangelnde Hygiene auch unter den Verwundeten erlitten hatte. Eine vergleichbar hohe Zahl von 237 Toten hatten nur zwei andere deutsche Regimenter zu beklagen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Denkmal zerstört.


[1] Bach, Studien, S. 162f.
[2] vgl. Bach, Studien, S. 175-179.


TECHNIKFoto
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OBJEKT-PROVENIENZMünster, Stadtarchiv/F. Hundt (1b)
FOTO-PROVENIENZMünster, LWL-Medienzentrum für Westfalen/O. Mahlstedt (1a)


QUELLE    Vogt, Arnold | Krieg und Gewalt in der Denkmalskunst | Dia 01, S. 11-14
PROJEKT    Diaserie "Westfalen im Bild" (Schule)

SYSTEMATIK / WEITERE RESSOURCEN  
Typ35   Bildmaterial (Reproduktion, Foto)
Zeit3.8   1850-1899
3.8.3   Deutsch-Französischer Krieg <1870-1871>
Ort1.2   Dortmund, Stadt <Kreisfr. Stadt>
3.5   Münster, Stadt <Kreisfr. Stadt>
Sachgebiet5.1   Militär und Krieg / Allgemeines
15.12.5   Kriegs- und Militärdenkmäler
DATUM AUFNAHME2004-02-23
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