PERSON

FAMILIEFürstenberg, von
VORNAMEFranz


GESCHLECHTmännlich
GEBURT DATUM1729-08-07   Suche
TAUFNAMEFranz Friedrich Wilhelm
KONFESSIONkath.
TOD DATUM1810-09-16   Suche


VATER Fürstenberg, Christian Franz Theodor von
MUTTERGalen, Helena Maria Antonetta von


BIOGRAFIEAus einer der reichsten südwestfälischen Adelsfamilien stammend, Sohn eines kaiserlichen Reichshofrates und kurkölnischen Geheimrates aus seiner dritten Ehe mit Anna Maria v. Galen, Urgroßnichte des münsterischen Fürstbischofs  Christoph Bernhard von Galen (reg. 1650-1678) und Urgroßneffe dessen Nachfolgers  Ferdinand von Fürstenberg (reg. in Paderborn 1661-1683, in Münster bis 1683), erhielt er schon 1748 Domherrenpräbenden in Paderborn und Münster. 1746-1753 Studium in Köln, Würzburg, Salzburg und Rom, wurde er durch seine "Emanzipation" 1754 Vollmitglied des Domkapitels zu Münster, 1756 zu Paderborn, und empfing 1757 die niederen Weihen bis zur Subdiakonatsweihe. Ab 1757 während des Siebenjährigen Krieges übernahm er diplomatischer Aufträge der Domkapitel, dann der Hochstifte zu Paderborn und Münster und des Herzogtums Westfalen zu Erleichterung der Kriegslasten. Sein politisches Interesse und Ehrgeiz ließen ihn zu einem eifrigen Leser ökonomischer und kameralistischer Schriften, z.B. des Johann Heinrich Gottlob v. Justi werden.

Nach dem Tode des Kölner Kurfürsten und münsterischen Fürstbischofs  Clemens August von Bayern (06.02.1761) bewirkte Fürstenberg durch diplomatisches Geschick die Wahl dessen Nachfolgers in Köln, des Kölner Kurfürsten  Maximilian Friedrich Graf v. Königsegg-Rothenfels (1707-1784), zum Fürstbischof von Münster (16.09.1762) und wurde dafür am 27.11.1762 zum "Geheimen Konferenzrat" des Kölner Kurfürsten, zuständig für das münsterische Departement und damit "Minister von wegen dem Hochstift Münster", in Konkurrenz zu den vom einheimischen Adel besetzten Geheimen Rat als der obersten Regierungsbehörde und zu den ständischen Gremien von Domkapitel und Ritterschaft auf dem Landtag.

Fürstenbergs Aufgabe war es, das von den preußischen und hannoverschen Besatzungstruppen ruinierte und hoch verschuldete Hochstift Münster finanziell zu sanieren, Schulden und Zinslasten zu tilgen - z.B. durch Sondersteuern auch für Steuerfreie und einen Amortisationsfonds. Die Staatsschuld von 3,4 Mio. Talern und 400.000 Talern Zinsrückständen bei seinem Amtsantritt wurde so - bei jährlichen regulären Steuereinnahmen von rund 330.00-360.000 Talern - um über 200.000 Taler Schulden und die Zinsrückstände um 300.000 Taler verringert. Daneben betrieb Fürstenberg eine Wohlfahrtspolitik im Sinne des aufgeklärten Absolutismus: das bedeutete eine Politik der Wirtschaftsförderung im Sinne von Kameralismus und Merkantilismus, Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur (Weiterbau des Max-Clemens-Kanals von Clemenshafen nach Maxhafen), Einfuhrbeschränkungen zur Förderung einheimischen Gewerbes, Privilegien für Textil- und Steingutfabriken, Förderung des zünftigen Handwerks bei gleichzeitiger Zulassung von Freimeistern außerhalb der Zünfte, Abschaffung von etwa 20 kirchlichen Feiertagen und damit eine Verlängerung der Jahresarbeitszeit; schließlich eine Verbesserung der Landwirtschaft, Aufforstung von Heideflächen, Förderung von Neuansiedlungen in Heiden und Mooren und von Markenteilungen zur Deckung von Kirchspielsschulden (1763) und zur Dotierung der Dorfschullehrer (1768). Die Eigentumsordnung (1770) sollte die Rechtssicherheit der bäuerlichen Bevölkerung erhöhen, wurde aber bei Streitfällen zwischen Gutsherren und eigenhörigen Bauern nur subsidiär herangezogen. Die Gründung der Brandsozietät 1768 nach dem Beispiel benachbarter Staaten sollte Unglücksfällen vorbeugen und den wirtschaftlichen Ruin der von Bränden betroffenen Einwohnern abwenden. Die Wirtschaftskraft des Landes stieg zwar allmählich dank dieser Politik; zugleich trat ein Bevölkerungswachstum ein. Im Vergleich zu einem Staat wie Preußen vergrößerte sich aber der ökonomische Rückstand; auch blieben nicht wenige Reformen stecken - so die Reform des Armenwesens.

Ein zweiter Schwerpunkt der Politik Fürstenbergs lag auf der Landesverteidigung. Zwar wurden nach dem Siebenjährigen Krieg die Landesfestungen in Münster, Warendorf, Meppen und Vechta geschleift und die Armee des Fürstbistums halbiert, um die Kosten zu senken. Dafür stimmte der Landtag 1766 einer neuen Rekrutierungsordnung zu, die eine Einführung der Losungspflicht für nachgeborene Bauernsöhne bedeutete: dreimal im Abstand dreier Jahre mußten sie sich einem Losverfahren unterziehen und, wenn das Los sie traf, drei Jahre in der Armee dienen. 1779/1780 versuchte Fürstenberg die Landmiliz zu stärken und praktisch eine Art allgemeiner Wehrpflicht auf dem Lande einzuführen - ein Versuch, die Ausbildung eines Landespatriotismus für die Landesverteidigung nutzbar zu machen. Doch darüber stürzte er 1780; denn in diesem Jahr bewarb er sich um die Nachfolge des Kurfürsten Max Friedrich als Fürstbischof von Münster. Das Domkapitel wählte den jungen Erzherzog Max Franz von Österreich. Fürstenberg wurde - wenn auch unter Beibehaltung seines Ministergehaltes - im September 1780 entlassen. Manche seiner Reformen wurden wieder rückgängig gemacht; so erfolgte 1786 die Aufhebung der Losungspflicht.

Als Generalvikar (1770-1807) Chef der geistlichen Verwaltung des Fürstbistums mit Zuständigkeit für das Schulwesen, bemühte er sich um eine Verbesserung aller Zweige des öffentlichen Bildungswesens: zunächst um die höheren Schulen. Am Gymnasium Paulinum in Münster wurde auf Kosten der alten Sprachen Latein und Griechisch Mathematik und Deutsch als Hauptfächer eingeführt und ab 1770 in einem Schulversuch eine neue, dann 1776 für alle Gymnasien des Landes vorgeschriebene "Lehrart" durchsetzte. Sein zweites Ziel, die Gründung einer Universität zur Ausbildung der im Lande benötigten Juristen, Theologen, Lehrer und Mediziner erreichte er 1773, nachdem er durch die Säkularisation des Adligen Benediktinerinnenklosters Liebfrauen-Überwasser und des Fraterherrenstiftes in Münster die finanzielle Grundlage gelegt hatte. Die Universität wurde 1780 feierlich eröffnet. Das Grundschulwesen, dessen Verbesserung die Landstände seit 1772 wiederholt angemahnt hatten, reformierte er nach seiner Entlassung als Minister, erließ 1782 eine provisorische Landschulordnung, die auf eine Verbesserung der Lehrerbesoldung durch die Land- und Stadtgemeinden ("Kirchspiele") und auf die Einführung einer "Normalschule" in Münster zur Aus- und Weiterbildung der Elementarschullehrer abzielte. Als Leiter dieser 1783/84 errichteten Anstalt gewann er den Kaplan Bernard Overberg (1754-1826). Die Schulordnung wurde 1788/1801 erneuert und ein System von Gehaltszulagen aus Landesmitteln für die tüchtigsten Lehrer geschaffen. Die Schulreformen sollten nicht nur der - bis dahin als Hauptaufgabe der Schule angesehenen - katholisch-konfessionellen Prägung der Kinder dienen, sondern die Kinder zugleich befähigen, selbständig Verbesserungen ihres Lebensumfeldes vorzunehmen und sie auf ein anspruchsvolles Berufsleben vorzubereiten. Ein modernes Verständnis von Frömmigkeit setzte sich damit allmählich durch: nämlich die Definition von fromm als moralisch gut, fleißig und auf das Wohl des Nächsten und des Staates bedacht.

Fürstenberg war durchaus ein Verfechter aufklärerischen Denkens; aber er war kein Rationalist im Sinne der französischen Aufklärer oder im Sinne Kants. Vielmehr forderte er - gemeinsam mit der seit 1779 in Münster lebenden Fürstin Amalie von Gallitzin - eine verinnerlichte Frömmigkeit, wie sie dann ab 1790 in den Schriften des Theologen Johann Michael Sailer Verbreitung fand. Grundlage eines moralisch guten Lebens mußte demnach eine feste Gottesliebe sein. Diese Haltung hat dem Freundeskreis um Fürstenberg und die Gallitzin, zu der zahlreiche Priester zählten, den Spottnamen "Familia Sacra" (Heilige Familie) eingetragen.

Mit der Persönlichkeit Fürstenbergs verbindet die Nachwelt eine Politik der Modernisierung im Hochstift Münster, die vor allem das Bildungswesen zu einem Vorbild für die Einrichtungen der katholischen Nachbarländer werden ließ und einen kritischen Zeitgenossen wie den Freiherrn vom Stein zu dem positiven Urteil führte, Fürstenberg habe "durch seine Erziehungsanstalten .. einen grossen Vorrat von Kenntnissen, ordentlichem logischen Denken und Moralität unter die Menschen gebracht ..." (06.10.1802). 1875 setzte man ihm auf dem Domplatz zu Münster ein von Heinrich Fleige geschaffenes Standbild.


Literatur

Alwin Hanschmidt, Franz von Fürstenberg als Staatsmann. Die Politik des münsterschen Ministers 1762 bis 1780, Münster 1969.

Gerd Dethlefs
AUFNAHMEDATUM2004-01-09


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QUELLE    Schulte, Wilhelm | Westfälische Köpfe | S. 083-085
  Keinemann, Friedrich | Franz von Fürstenberg (1729-1810) |
  Keinemann, Friedrich | Das Domkapitel zu Münster im 18. Jahrhundert | Nr. 134, S. 302-305
   | Köln Westfalen 1180-1980 | Bd. 1, S. 480

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Zeit3.5   1700-1749
3.6   1750-1799
3.7   1800-1849
Ort2.21   Münster, (Fürst-)Bistum < - 1802>
Sachgebiet3.1   Staat, Politik und Verwaltung / Allgemeines
3.7.3   Minister, Mitarbeiter
5.1   Militär und Krieg / Allgemeines
16.2   Katholische Kirche
16.6   Kirchliches Leben, Kultus
DATUM AUFNAHME2004-01-09
DATUM ÄNDERUNG2010-04-22
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